»Gut. Hm.«
Eine längere Pause entstand, während der der Polizeirat angestrengt
nachzugrübeln schien.
Als er mich wieder anblickte, lag ein komödiantenhafter Zug von
Schmerzlichkeit in seiner Fratze. Unwillkürlich mußte ich an Charousek
denken, wie er dann mit tränenerstickter Stimme anfing:
»Mir können Sie es doch sagen, Athanasius, -- mir, dem alten Freund
Ihres Vaters, -- mir, der Sie auf den Armen getragen hat --« ich konnte
das Lachen kaum verbeißen: er war höchstens zehn Jahre älter als ich --
»nicht wahr, Athanasius, es war Notwehr?«
Das Bockgesicht erschien abermals.
»Was war Notwehr?«, fragte ich verständnislos.
»Das mit dem -- -- -- _Zottmann_!« schrie mir der Polizeirat einen Namen
ins Gesicht.
Das Wort traf mich wie ein Dolchstich: Zottmann! Zottmann! Die Uhr! Der
Name Zottmann stand doch in der Uhr eingraviert.
Ich fühlte, wie mir alles Blut zum Herzen strömte: Der grauenhafte
Wassertrum hatte mir die Uhr gegeben, um den Verdacht des Mordes auf
mich zu lenken!
Sofort warf der Polizeirat die Maske ab, fletschte die Zähne und kniff
die Augen zusammen:
»Sie gestehen also den Mord ein, Pernath?«
»Das alles ist ein Irrtum, ein entsetzlicher Irrtum. Um Gottes willen
hören Sie mich an. Ich kann es Ihnen erklären, Herr Polizeirat -- --!«,
schrie ich.
»Werden Sie mir jetzt alles mitteilen in bezug auf die Frau Gräfin«,
unterbrach er mich rasch: »ich mache Sie aufmerksam: Sie verbessern Ihre
Lage damit.«
»Ich kann nicht mehr sagen, als bereits geschehen ist: die Gräfin ist
unschuldig«.
Er biß die Zähne zusammen und wandte sich an das Bocksgesicht:
»Schreiben Sie: -- Also, Pernath gesteht den Mord an dem
Versicherungsbeamten Karl Zottmann ein«.
Mich packte eine besinnungslose Wut.
»Sie Polizeikanaille!« brüllte ich los, »was unterstehen Sie sich?!«
Ich suchte nach einem schweren Gegenstand.
Im nächsten Augenblick hatten mich zwei Schutzleute gepackt und mir
Handschellen angelegt.
Der Polizeirat blähte sich jetzt wie der Hahn auf dem Mist:
»Und die Uhr da?«, -- er hielt plötzlich die verbeulte Uhr in der Hand,
-- »hat der unglückliche Zottmann noch gelebt, als Sie ihn beraubten,
oder nicht?«
Ich war wieder ganz ruhig geworden und gab mit klarer Stimme zu
Protokoll:
»Die Uhr hat mir heute vormittag der Trödler Aaron Wassertrum --
geschenkt.«
Ein wieherndes Gelächter brach los, und ich sah, wie der Klumpfuß und
der Filzpantoffel mitsammen einen Freudentanz unter dem Schreibtisch
aufführten.
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