Niemand liebte Deinen kleinen Körper. Wie es nötig erschien, pflegten
ihn die Großen. Ich war mitten unter ihnen. Sie sahen mich nicht. Und
das war gut, denn meine Sprache wäre die ihre nicht gewesen.
So aber hätte ich gesprochen:
»Seht das Wunder dieses Körpers an, und seid voll Andacht. Ihr kränkt
die kleinen Glieder, weil Ihr vergeßt, einen Augenblick vergeßt, sechzig
Augenblicke, Tage, Jahre lang vergeßt, daß jedes Kind so schön ist wie
die Blumen, von welchen Ihr erfuhrt, daß man sie ihrer Schönheit wegen
loben müsse.«
»Wir küssen und baden sie.«
»Ihr sollt das Wunder nicht unheilig berühren.«
»Wir küssen es, denn es ist unser.«
»O wartet, daß es EUCH küßt, denn IHR seid sein.«
Siehe, geliebter Mensch, so wären Worte blind aneinander geglitten.
Ich aber liebte Deine schmalen glatten Fußsohlen, die Dich unentwegt
über Holz und Stein und Erde trugen, bis Du müde wurdest, auch wenn sie
lind von taugelabten Wiesen berührt waren.
Wer wusch sie Dir mit Quellenwasser, mit Saft aus der Zitrone und lauem
Milchschaum?
Ich liebte Deine müde gelaufenen Sohlen, die Siegel in den Sand meiner
Erde setzten. Das ist Deine Ursprache, Mensch.
In meine Hände mochte ich Deine Füße betten, sie drücken und freigeben
und nicht eher ruhen, als bis das Blut wieder ruhig in ihnen fließe.
Tritt auf meine Hand, Mensch. Ich will Dich in ewigem Schwung erhalten.
Auch ich mußte wandern. In Tausenden von Jahren wirst Du ein Tausendstel
zählen können der Zeit, die Dein Gott gewandert. Und daß er nichts
hatte, sein Haupt darauf zu legen, steht geschrieben.