XIII.

»He möt et joa weeten,« hatte die Jeschke gesagt und damit

ausgesprochen, wie sie wirklich zu der Sache stand. Sie mißtraute

Hradscheck nach wie vor; aber der Umstand, daß Eccelius von der Kanzel

her eine Rechtfertigungsrede für ihn gehalten hatte, war doch nicht ohne

Eindruck auf sie geblieben und veranlaßte sie, sich einigermaßen

zweifelvoll gegen ihren eigenen Argwohn zu stellen. Sie hatte Respekt

vor Eccelius, trotzdem sie kaum weniger als eine richtige alte Hexe war

und die heiligen Handlungen der Kirche ganz nach Art ihrer

sympathetischen Kuren ansah. Alles, was in der Welt wirkte, war

Sympathie, Besprechung, Spuk, aber dieser Spuk hatte doch zwei Quellen,

und der weiße Spuk war stärker als der schwarze. Demgemäß unterwarf sie

sich auch (und zumal wenn er von Altar oder Kanzel her sprach) dem den

weißen Spuk vertretenden Eccelius, ihm so zu sagen die sichrere

Bezugsquelle zugestehend. Unter allen Umständen aber suchte sie mit

Hradscheck wieder auf einen guten Fuß zu kommen, weil ihr der Werth

einer guten Nachbarschaft einleuchtete. Hradscheck seinerseits, statt

den Empfindlichen zu spielen, wie manch anderer gethan hätte, kam ihr

dabei auf halbem Wege entgegen und war überhaupt von so viel

Unbefangenheit, daß, ehe noch die Fastelabend-Pfannkuchen gebacken

wurden, die ganze Szulski-Geschichte so gut wie vergessen war. Nur

Sonntags im Kruge kam sie noch dann und wann zur Sprache.

»Wenn man wenigstens de Pelz wedder in die Hücht käm ...«

»Na, Du wührst doch den Pohlschen sien' Pelz nich antrecken wulln?«

»Nich antrecken? Worümm nich? Dat de Pohlsche drinn wihr, dat deiht em

nix. Un mi ook nich. Un wat sünnst noch drin wihr, na, dat wahrd nu joa

woll rut sinn.«

»Joa, joa. Dat wahrd nu joa woll rut sinn.«

Und dann lachte man und wechselte das Thema.

Solche Scherze bildeten die Regel, und nur selten war es, daß irgend wer

ernsthaft auf den Fall zu sprechen kam und bei der Gelegenheit seine

Verwunderung ausdrückte, daß die Leiche noch immer nicht angetrieben

sei. Dann aber hieß es, »der Todte lieg' im Schlick, und der Schlick

gäbe nichts heraus, oder doch erst nach fünfzig Jahren, wenn das

angeschwemmte Vorland Acker geworden sei. Dann würd' er mal beim Pflügen

gefunden werden, gerad so wie der Franzose gefunden wär'«.

Ja, gerade so wie der Franzose, der jetzt überhaupt die Hauptsache war,

viel mehr als der mit seinem Fuhrwerk verunglückte Reisende, was

eigentlich auch nicht Wunder nehmen konnte. Denn Unglücksfälle wie der

Szulski'sche waren häufig, oder wenigstens nicht selten, während der

verscharrte Franzos unterm Birnbaum alles Zeug dazu hatte, die Fantasie

der Tschechiner in Bewegung zu setzen. Allerlei Geschichten wurden

ausgesponnen, auch Liebesgeschichten, in deren einer es hieß, daß

Anno 13 ein in eine hübsche Tschechinerin verliebter Franzose beinah

täglich von Küstrin her nach Tschechin gekommen sei, bis ihn ein

Nebenbuhler erschlagen und verscharrt habe. Diese Geschichte ließen sich

auch die Mägde nicht nehmen, trotzdem sich ältere Leute sehr wohl

entsannen, daß man einen Chasseur- oder nach andrer Meinung einen

Voltigeur-Korporal einfach wegen zu scharfer Fouragirung bei Seite

gebracht und still gemacht habe. Diese Besserwissenden drangen aber mit

ihrer Prosa-Geschichte nicht durch, und unter allen Umständen blieb der

Franzose Held und Mittelpunkt der Unterhaltung.

All das kam unsrem Hradscheck zu statten. Aber was ihm noch mehr zu

statten kam, war das, daß er denselben »Franzosen unterm Birnbaum« nicht

blos zur Wiederherstellung, sondern sogar zu glänzender Aufbesserung

seiner Reputation zu benutzen verstand.

Und das kam so.

Nicht allzu lange nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft war

in einer Kirchen-Gemeinderathssitzung, der Eccelius in Person

präsidirte, davon die Rede gewesen, dem Franzosen auf dem Kirchhof ein

christliches Begräbniß zu gönnen. »Der Franzose sei zwar,« so hatte sich

der den Antrag stellende Kunicke geäußert, »sehr wahrscheinlich ein

Katholscher gewesen, aber man dürfe das so genau nicht nehmen; die

Katholschen seien bei Licht besehen auch Christen, und wenn einer schon

so lang in der Erde gelegen habe, dann sei's eigentlich gleich, ob er

den gereinigten Glauben gehabt habe oder nicht.« Eccelius hatte dieser

echt Kunicke'schen Rede, wenn auch selbstverständlich unter Lächeln,

zugestimmt, und die Sache war schon als angenommen und erledigt

betrachtet worden, als sich Hradscheck noch im letzten Augenblick zum

Worte gemeldet hatte. »Wenn der Herr Prediger das Begräbniß auf dem

Kirchhofe, der, als ein richtiger christlicher Gottesacker, jedem

Christen, evangelisch oder katholisch, etwas durchaus Heiliges sein

müsse, für angemessen oder gar für pflichtmäßig halte, so könne es ihm

nicht einfallen, ein Wort dagegen sagen zu wollen; wenn es aber nicht

ganz so liege, mit andern Worten, wenn ein Begräbniß daselbst nicht

absolut pflichtmäßig sei, so spräch' er hiermit den Wunsch aus, den

Franzosen in seinem Garten behalten zu dürfen. Der Franzose sei so zu

sagen sein Schutzpatron geworden, und kein Tag ginge hin, ohne daß er

desselben in Dankbarkeit und Liebe gedenke. Das sei das, was er nicht

umhin gekonnt habe hier auszusprechen, und er setze nur noch hinzu, daß

er, gewünschten Falles, die Stelle mit einem Gitter versehen oder mit

einem Buchsbaum umziehn wolle.« Die ganze Rede hatte Hradscheck mit

bewegter und die Dankbarkeitsstelle sogar mit zitternder Stimme

gesprochen, was eine große Wirkung auf die Bauern gemacht hatte.

»Bist ein braver Kerl,« hatte der, wie alle Frühstücker, leicht zum

Weinen geneigte Kunicke gesagt und eine Viertelstunde später, als er

Woytasch und Eccelius bis vor das Pfarrhaus begleitete, mit Nachdruck

hinzugesetzt: »Un wenn's noch ein Russe wär'! Aber das is ihm alles

eins, Russ' oder Franzos. Der Franzos hat ihm geholfen und nu hilft er

ihm wieder und läßt ihn eingittern. Oder doch wenigstens eine Rabatte

ziehen. Und wenn es ein Gitter wird, so hat er's nicht unter zwanzig

Thaler. Und da rechne ich noch keinen Anstrich und keine Vergoldung.«

* * *

Das alles war Mitte März gewesen, und vier Wochen später, als die

Schwalben zum ersten Male wieder durch die Dorfgasse hinschossen, um

sich anzumelden und zugleich Umschau nach den alten Menschen und Plätzen

zu halten, hatte Hradscheck ein Zwiegespräch mit Zimmermeister

Buggenhagen, dem er bei der Gelegenheit eine Planzeichnung vorlegte.

»Sehen Sie, Buggenhagen, das Haus ist überall zu klein, überall ist

angebaut und angeklebt, die Küche dicht neben dem Laden, und für die

Fremden ist nichts da, wie die zwei Giebelstuben oben. Das ist zu wenig,

ich will also ein Stock aufsetzen. Was meinen Sie? Wird der Unterbau ein

Stockwerk aushalten?«

»Was wird er nicht!« sagte Buggenhagen. »Natürlich Fachwerk!«

»Natürlich Fachwerk!« wiederholte Hradscheck. »Auch schon der Kosten

wegen. Alle Welt thut jetzt immer, als ob meine Frau zum mindesten ein

Rittergut geerbt hätte. Ja, hat sich was mit Rittergut. Erbärmliche

tausend Thaler.«

»Na, na.«

»Nun, sagen wir zwei,« lachte Hradscheck. »Aber mehr nicht, auf Ehre.

Und daß davon keine Seide zu spinnen ist, das wissen Sie. Keine Seide zu

spinnen und auch keine Paläste zu bauen. Also so billig wie möglich,

Buggenhagen. Ich denke, wir nehmen Lehm als Füllung. Stein ist zu schwer

und zu theuer, und was wir dadurch sparen, das lassen wir der

Einrichtung zu Gute kommen. Ein paar Öfen mit weißen Kacheln, nicht

wahr? Ich habe schon an Feilner geschrieben und angefragt. Und natürlich

alles Tapete! Sieht immer nach 'was aus und kann die Welt nicht kosten.

Ich denke, weiße; das ist am saubersten und zugleich das Billigste.«

Buggenhagen hatte zugestimmt und gleich nach Ostern mit dem Umbau

begonnen.

Und nicht allzu lange, das Wetter hatte den Bau begünstigt, so war das

Haus, das nun einen aufgesetzten Stock hatte, wieder unter Dach. Aber es

war das _alte_ Dach, die nämlichen alten Steine, denn Hradscheck wurde

nicht müde, Sparsamkeit zu fordern und immer wieder zu betonen, »daß er

nach wie vor ein armer Mann sei.«

Vier Wochen später standen auch die Feilner'schen Öfen, und nur

hinsichtlich der Tapete waren andere Beschlüsse gefaßt und statt der

weißen ein paar buntfarbige gewählt worden.

* * *

Anfangs, so lange das Dach-Abdecken dauerte, hatte Hradscheck in

augenscheinlicher Nervosität immer zur Eile angetrieben, und erst als

die rechts nach der Kegelbahn hin gelegene Giebelwand eingerissen und

statt der Stuben oben nur noch das Balken- und Sparrenwerk sichtbar war,

hatte sich seine Hast und Unruhe gelegt und Aufgeräumtheit und gute

Laune waren an Stelle derselben getreten. In dieser guten Laune war und

blieb er auch, und nur ein einziger Tag war gewesen, der ihm dieselbe

gestört hatte.

»Was meinen Sie, Buggenhagen,« hatte Hradscheck eines Tages gesagt, als

er eine aus dem Keller heraufgeholte Flasche mit Portwein aufzog. »Was

meinen Sie, ließe sich nicht der Keller etwas höher wölben? Natürlich

nicht der ganze Keller. Um Gottes willen nicht, da blieb am Ende kein

Stein auf dem andern, und Laden und Wein- und Wohnstube, kurzum alles

müßte verändert und auf einen andern Leisten gebracht werden. Das geht

nicht. Aber es wäre schon viel gewonnen, wenn wir das Mittelstück, das

grad unter dem Flur hinläuft, etwas höher legen könnten. Ob die Diele

dadurch um zwei Fuß niedriger wird, ist ziemlich gleichgültig; denn die

Fässer, die da liegen, haben immer noch Spielraum genug, auch nach oben

hin, und stoßen nicht gleich an die Decke.«

Buggenhagen widersprach nie, theils aus Klugheit, theils aus

Gleichgültigkeit, und das Einzige, was er sich dann und wann erlaubte,

waren halbe Vorschläge, hinsichtlich deren es ihm gleich war, ob sie

gutgeheißen oder verworfen wurden. Und so verfuhr er auch diesmal wieder

und sagte: »Versteht sich, Hradscheck. Es geht. Warum soll es nicht

gehn? Es geht alles. Und der Keller ist auch wirklich nicht hoch genug

(ich glaube keine fünftehalb Fuß) und die Fenster viel zu klein und zu

niedrig; alles wird stockig und multrig. Muß also gemacht werden. Aber

warum gleich wölben? Warum nicht lieber ausschachten? Wenn wir zehn

Fuhren Erde 'raus nehmen, haben wir überall fünf Fuß im ganzen Keller

und kein Mensch stößt sich mehr die kahle Platte. Nach oben hin wölben

macht blos Kosten und Umstände. Wir können eben so gut nach unten gehn.«

Hradscheck, als Buggenhagen so sprach, hatte die Farbe gewechselt und

sich momentan gefragt, »ob das alles vielleicht was zu bedeuten habe?«

Bald aber von des Sprechenden Unbefangenheit überzeugt, war ihm seine

Ruhe zurückgekehrt.

»Wenn ich mir's recht überlege, Buggenhagen, so lassen wir's. Wir müssen

auch an das Grundwasser denken. Und ist es so lange so gegangen, so

kann's auch noch weiter so gehn. Und am Ende, wer kommt denn in den

Keller? Ede. Und der hat noch lange keine fünf Fuß.«

* * *

Das war einige Zeit vor Beginn der Manöver gewesen, und wenn es ein paar

Tage lang ärgerlich und verstimmend nachgewirkt hatte, so verschwand es

rasch wieder, als Anfang September die Truppenmärsche begannen und die

Schwedter Dragoner als Einquartierung ins Dorf kamen. Das Haus voller

Gäste zu haben, war überhaupt Hradscheck's Vergnügen, und der liebste

Besuch waren ihm Rittmeister und Lieutenants, die nicht nur ihre Flasche

tranken, sondern auch allerlei wußten und den Mund auf dem rechten Fleck

hatten. Einige verschworen sich, daß ein Krieg ganz nahe sei. Kaiser

Nikolaus, Gott sei Dank, sei höchst unzufrieden mit der neuen

französischen Wirthschaft, und der unsichere Passagier, der Louis

Philipp, der doch eigentlich blos ein Waschlappen und halber Cretin sei,

solle mit seiner ganzen Konstitution wieder bei Seite geschoben und

statt seiner eine bourbonische Regentschaft eingesetzt oder vielleicht

auch der vertriebene Karl X. wieder zurückgeholt werden, was eigentlich

das Beste sei. Kaiser Nikolaus habe Recht, überhaupt immer Recht.

Konstitution sei Unsinn und das ganze Bürgerkönigthum die reine

Phrasendrescherei.

Wenn so das Gespräch ging, ging unserm Hradscheck das Herz auf, trotzdem

er eigentlich für Freiheit und Revolution war. Wenn es aber Revolution

nicht sein konnte, so war er auch für Tyrannei. Blos gepfeffert mußte

sie sein. Aufregung, Blut, Todtschießen, -- wer ihm das leistete, war

sein Freund, und so kam es, daß er über Louis Philipp mit zu Gerichte

saß, als ob er die hyperloyale Gesinnung seiner Gäste getheilt hätte.

Nur von Ede sah er sich noch übertroffen, und wenn dieser durch die

Weinstube ging und ein neues Beefsteak oder eine neue Flasche brachte,

so lag allemal ein dümmliches Lachen auf seinem Gesicht, wie wenn er

sagen wollte: »Recht so, 'runter mit ihm; alles muß um einen Kopf kürzer

gemacht werden.« Ein paar blutjunge Lieutenants, die diese komische

Raserei wahrnahmen, amüsirten sich herzlich über ihn und ließen ihn

mittrinken, was alsbald dahin führte, daß der für gewöhnlich so

schüchterne Junge ganz aus seiner Reserve heraustrat und sich

gelegentlich selbst mit dem sonst so gefürchteten Hradscheck auf einen

halben Unterhaltungsfuß stellte.

»Da, Herr,« rief er eines Tages, als er gerade mit einem Korbe voll

Flaschen wieder aus dem Keller heraufkam. »Da, Herr; das hab' ich eben

unten gefunden.« Und damit schob er Hradscheck einen schwarzübersponnenen

Knebelknopf zu. »Sind solche, wie der Pohlsche an seinem Rock hatte.«

Hradscheck war kreideweiß geworden und stotterte: »Ja, hast Recht, Ede.

Das sind solche. Hast Recht. Das heißt, die von dem Pohlschen, die waren

größer. Solche kleinen wie _die_, die hatte Hermannchen, uns'

Lütt-Hermann, an seinem Pelzrock. Weißt Du noch? Aber nein, da warst Du

noch gar nicht hier. Bring' ihn meiner Frau; vergiß nicht. Oder gieb ihn

mir lieber wieder; ich will ihn ihr selber bringen.«

Ede ging, und die zunächst sitzenden Offiziere, die Hradscheck's

Erregung wahrgenommen hatten, aber nicht recht wußten, was sie daraus

machen sollten, standen auf und wandten sich einem Gespräch mit andren

Kameraden zu.

* * *

Auch Hradscheck erhob sich. Er hatte den Knebelknopf zu sich gesteckt

und ging in den Garten, ärgerlich gegen den Jungen, am ärgerlichsten

aber gegen sich selbst.

»Gut, daß es Fremde waren, und noch dazu solche, die blos an Mädchen

und Pferde denken. War's einer von uns hier, und wenn auch blos der

Ölgötze, der Quaas, so hatt' ich die ganze Geschichte wieder über den

Hals. Aufpassen, Hradscheck, aufpassen. Und das verdammte Zusammenfahren

und sich Verfärben! Kalt Blut, oder es giebt ein Unglück.«

So vor sich hinsprechend, war er, den Blick zu Boden gerichtet, schon

ein paarmal in dem Mittelgang auf und ab geschritten. Als er jetzt

wieder aufsah, sah er, daß die Jeschke hinter dem Himbeerzaune stand und

ein paar verspätete Beeren pflückte.

»Die alte Hexe. Sie lauert wieder.«

Aber trotzalledem ging er auf sie zu, gab ihr die Hand und sagte: »Nu,

Mutter Jeschke, wie geht's? Lange nicht gesehn. Auch Einquartierung?«

»Nei, Hradscheck.«

»Oder is Line wieder da?«

»Nei, Lineken ook nich. De is joa jitzt in Küstrin.«

»Bei wem denn?«

»Bi School-Inspekters. Un doa will se nich weg ... Hüren's, Hradscheck,

ick glöw, de School-Inspekters sinn ook man so ... Awers wat hebben Se

denn? Se sehn joa janz geel ut. Un hier so 'ne Falt'. O, Se möten sich

nich ärgern, Hradscheck.«

»Ja, Mutter Jeschke, das sagen Sie wohl. Aber man _muß_ sich ärgern. Da

sind nun die jungen Offiziere. Na, die gehen bald wieder und sind auch

am Ende so schlimm nicht und eigentlich nette Herrchen und immer fidel.

Aber der Ede, dieser Ede! Da hat der Junge gestern wieder ein halbes

Faß Öl auslaufen lassen. Das ist doch über den Spaß. Wo soll man denn

das Geld schließlich hernehmen? Und dann die Plackerei treppauf,

treppab, und die schmalen Kellerstufen halb abgerutscht. Es ist zum

Halsbrechen.«

»Na, Se hebben joa doch nu Buggenhagen bi sich. De künn joa doch ne nije

Trepp moaken.«

»Ach, der, der. Mit dem ist auch nichts; ärgert mich auch. Sollte mir da

den Keller höher legen. Aber er will nicht und hat allerhand Ausreden.

Oder vielleicht versteht er's auch nicht. Ich werde mal den Küstriner

Maurermeister kommen lassen, der jetzt an den Kasematten herumflickt.

Kasematten und Keller ist ja beinah dasselbe. _Der_ muß Rath schaffen.

Und bald. Denn der Keller ist eigentlich gar kein richtiger Keller; is

blos ein Loch, wo man sich den Kopf stößt.«

»Joa, joa. De Wienstuw' sitt em to sihr upp'n Nacken.«

»Freilich. Und die ganze Geschichte hat nicht Luft und nicht Licht. Und

warum nicht? Weil kein richtiges Fenster da ist. Alles zu klein und zu

niedrig. Alles zu dicht zusammen.«

»Woll, woll,« stimmte die Jeschke zu. »Jott, ick weet noch, as de

Pohlsche hier wihr und dat Licht ümmer so blinzeln deih. Joa, wo _wihr_

dat Licht? Wihr et in de Stuw' o'r wihr et in'n Keller? Ick weet et

nich.«

Alles klang so pfiffig und hämisch, und es lag offen zu Tage, daß sie

sich an ihres Nachbarn Verlegenheit weiden wollte. Diesmal aber hatte

sie die Rechnung ohne den Wirth gemacht und die Verlegenheit blieb

schließlich auf ihrer Seite. War doch Hradscheck seit lange schon

Willens, ihr gegenüber, bei sich bietender Gelegenheit, mal einen andern

Ton anzuschlagen. Und so sah er sie denn jetzt mit seinen

durchdringenden Augen scharf an und sagte, sie plötzlich in der dritten

Person anredend: »Jeschken, ich weiß, wo sie hin will. Aber weiß sie

denn auch, was eine Verleumdungsklage ist? Ich erfahre alles, was sie so

herumschwatzt; aber seh' sie sich vor, sonst kriegt sie's mit dem

Küstriner Gericht zu thun; sie ist 'ne alte Hexe, das weiß jeder, und

der Justizrath weiß es auch. Und er wartet blos noch auf eine

Gelegenheit.«

Die Alte fuhr erschreckt zusammen. »Ick meen' joa man, Hradscheck, ick

meen' joa man ... Se weeten doch, en beten Spoaß möt sinn.«

»Nun gut. Ein bischen Spaß mag sein. Aber wenn ich Euch rathen kann,

Mutter Jeschke, nicht zu viel. Hört Ihr wohl, nicht zu viel.«

Und damit ging er wieder auf das Haus zu.

Unterm Birnbaum · 第 15 / 25 题