"Amen, Amen," sagte sie, als hörte sie zu beten auf.
Dann wandte sich der Knabe gegen die Eltern; das Herz war ihm so sehr
emporgeschwollen--er sagte nichts, sondern mit eins hing er am Halse der
Mutter, und sie, heiß weinend, küßte ihn auf beide Wangen, und schob ihm
noch ein Geldstück zu, das sie einst als Pathengeschenk empfangen, und
immer aufgehoben hatte, allein er nahm es nicht. Dem Vater reichte er bloß
die Hand, weil er sich nicht getraute, ihn zu umarmen. Dieser machte ihm
ein Kreuz auf die Stirne, auf den Mund und die Brust, und als hierbei
seine rauhe Hand zitterte, und um den harten Mund ein heftiges Zucken
ging, da hielt sich der Knabe nicht mehr. Mit einem Thränengusse warf er
sich an die Brust des Vaters, und dessen linker Arm umkrampfte [64] ihn
eine Sekunde, dann ließ er ihn los, und schob ihn wortlos gegen die Haide.
Die Mutter aber rief ihn noch einmal, und sagte, er möge doch auch das
kleine Schwesterchen gesegnen, [65] die man in ihrem Bettlein ganz
vergessen habe. Drei Kreuze machte er über den schlafenden Engel, dann
schritt er schnell hinaus, und ging trotzig vorwärts gegen die Haide.
So ziehe mit Gott, du unschuldiger Mensch, und bringe nur das Kleinod
wieder, was du so leichtsinnig fortträgst!
Als er an den Roßberg gekommen, ging die Sonne auf, und schaute in zwei
treuherzige, zuversichtliche, aber rothgeweinte Augen. Am Haidehause
spiegelte sie sich in den Fenstern, und an der Sense des Vaters, der mähen
ging.