Der Finanzminister sah den Klagesteller mißtrauisch an. Sowas war ihm

noch nicht vorgekommen. Dann lehnte er sich zurück und sagte: „Warum

man diesen Stand so schlecht behandelt? Sehr einfach: =weil es der

Kaufmannsstand ist!=“

Das Wort „Kaufmann“ sprach er mit einer Betonung aus, wie etwa ein Kind

„Lebertran“ sagt.

„Uebrigens,“ fuhr der Finanzminister fort, „nebenan wohnt der

Kultusminister, vielleicht weiß der näheres!“

Also ging unser Kaufmann zum Kultusminister.

„Exzellenz,“ sagte er, „gestatten Sie mir, Ihnen ein Rätsel aufzugeben:

wie kommt es, daß =der= Stand, der am meisten deutsche Kultur, deutsche

Sprache und deutsche Sitten über den Erdball trägt, vom Staate in jeder

Beziehung so stiefmütterlich behandelt wird?“

Der Kultusminister sah den Fragesteller mißtrauisch an. Dann sagte er:

„=Sehr einfach, Verehrtester! Weil es der Kaufmannsstand ist!=“

... Weil es der Kaufmannsstand ist! Dieselbe Antwort erhielt er,

als er beim Handelsminister frug, warum der Staat Börsengesetze

mache, ohne die Börse zu befragen; als er beim Justizminister frug,

warum der jüngste Assessor mehr Macht und Ansehen genieße, als der

kenntnisreichste Prokurist? Zuletzt ging er zu einem Hofmarschall.

„Exzellenz,“ sagte er, „gestatten Sie mir, Ihnen ein Rätsel aufzugeben:

Wenn unser Vaterland heute so groß und geachtet dasteht, so verdankt

es das =mit in erster Linie= seinem Handel und seiner Industrie. Wie

kommt es nun, daß wir unter allen unseren Ministern und Diplomaten nur

=einen= Kaufmann haben? Daß der Kaufmann als _quantité négligeable_

behandelt wird? Daß das vielseitige Wissen, die praktische Erfahrung

unserer Kaufmannschaft fast gar nicht dem Staate nutzbar gemacht wird?“

Der Hofmarschall runzelte die Stirne. So ein frecher Koofmich! Aber der

Hofmarschall bezwang seinen Zorn und sagte: „Sehr interessant, was Sie

da sagen! Ich werde Ihnen die Antwort schriftlich geben!“ und notierte

sich die Adresse.

Seit dieser Unterredung sind viele Jahre verflossen. Unser Kaufmann

ist alt und grau geworden, aber eine Antwort auf seine Frage hat er

noch nicht erhalten. Und das ist begreiflich. =Denn warum der deutsche

Kaufmann in seinem Vaterlande so wenig gilt, das weiß kein Mensch!= --

*

Der Nassauer

Ein schlauer Konzertunternehmer beabsichtigt, einen „Star“, die

berühmte Sängerin Trillerini, in der Hauptstadt singen zu lassen.

Um das Publikum vorher recht neugierig zu machen, rückt er in der

gelesensten Zeitung eine Woche lang bloß die Worte ein: „Sie kommt!“

Am achten Tage hatte er vor, die Neugierde des Publikums zu befriedigen

und zu sagen, wer komme ... Wer beschreibt aber sein Erstaunen, als er

am siebenten Tage in derselben Zeitung liest:

Sie ist da!

die anerkannt beste Fett-Glanzwichse, die

Schachtel zu 15 Pfennige.

Zacharias Schlaucherl,

Schnipferstr. 23.

*

Ein umsichtiger Geschäftsmann

Dame (die vom Chef bis zur Tür des Geschäftes hinausbegleitet wird):

„O, das war gar nicht nötig, ich hätte auch so hinausgefunden; danke

für gütige Begleitung.“ -- Chef: „Keine Ursache, meine Dame, das

ist bei uns Geschäftsusus, -- es wird nämlich in letzter Zeit -- so

schrecklich viel gestohlen!“

*

Die Krawatte

Nathan Bauchgedärm kauft bei einem seiner Lieferanten einen großen

Posten Ware und es glückt ihm, dem Lieferanten dafür 280 M. in bar zu

zahlen und ihm noch einen Wechsel über 20 M. anzudrehen.

Als er geht, sagt er: „Hab' ich bei Ihnen gekauft für dreihundert Mark

Ware, da könnten Se mer doch auch ä Presentchen machen?“

Der Lieferant gibt ihm eine schwarze Krawatte.

„Haißt ä Präsentche,“ ruft Bauchgedärm, „ä Krawatte! Keine 25 Pfennige

is se wert, und for dreihundert Mark hab' ich gekauft!“

„Na, schön,“ sagt der Lieferant, „weil Se sind ä anständiger Kunde von

mir, will ich Ihnen ä anständiges Geschenk geben; hier haben Sie Ihren

Wechsel zurück!“

Nathan nimmt den Wechsel, dreht ihn hin und her, kratzt sich am Kopfe

und sagt dann:

„=Geben Se mir doch lieber die Krawatte!=“

*

Schneller Verdienst

„Heut' hab' ich in einer Sekunde zehn Mark verdient.“

„Wieso?“

„Ae Kunde hat wollen kaufen bei mir ä Winterrock und fragt, was er

kostet. Schon hab' ich wollen sagen zehn Mark -- in der letzten Sekunde

hab' ich gesagt zwanzig.“

*

Ende gut, alles gut

Dem Herrn Elkan wird am Tage des Versöhnungsfestes ein Kognak

offeriert. Er lehnt höflich ab mit den Worten: „Erstens trinke ich nie

Kognak, zweitens darf ich am Versöhnungstage überhaupt nichts genießen,

drittens habe ich eben einen Kognak getrunken, und viertens -- na,

geben Sie schon her!“

*

Verlockend

=Agent= (einer Unfallversicherungs-Gesellschaft zu einem Reisenden):

„Sehen Sie, mein Lieber, gesetzt den Fall, Sie brechen ein Bein, so

bekommen Sie 10000 Mark; brechen Sie nach vier Wochen einen Arm, so

bekommen Sie 25000 Mark; brechen Sie aber gar das Genick, so bekommen

Sie 50000 Mark -- und sind dann der glücklichste Mensch der Welt!“

*

=Erster Kaufmann=: „Na, Sie haben's weit gebracht, nach einem Jahr

melden Sie schon Konkurs an?“ -- =Zweiter Kaufmann= (stolz): „Nicht

wahr? Und mit gar nichts habe ich angefangen.“

*

Ein Schreckschuß

„Onkel, wenn Du mir die tausend Gulden verweigerst, dann spring' ich

ins Wasser.“ -- „Werst De kriegen 'n Schnupfen!“ -- „Oder schieße mir

eine Kugel vor den Kopf.“ -- „Werd se prallen ab an Deiner Stirn.“

-- „Dann kaufe ich mir einen Strick.“ -- „Werd nichts tun ein Strick

dem andern.“ -- „Ich laß mich taufen!“ -- „Werden wir uns freuen, daß

mer sind Dich los!“ -- „Gebe ich meine Studien auf und eröffne Dir

gegenüber ein Konkurrenzgeschäft!“ -- „Hier hast De's Geld!“

*

Das Ehrenwort

„Itzigsohn, was kostet jetzt der Hafer?“ -- „160 Mark!“ -- „Hör' mal,

Itzigsohn, ich werde dir 158 Mark geben.“ -- „Gott soll mich strafen!

158 Mark! Ich geb' Ihnen mein Ehrenwort, daß der Schröter schon hat

geboten 159,50 Mark.“ -- „Itzigsohn, wenn du mir gibst dein Ehrenwort,

daß das gelogen ist, werde ich dir 159,50 Mark geben.“ -- „Is in

Ordnung.“

*

Leichte Karriere

Wenn einer weiß, was er will, und nur das will, was er kann, und kann

was er will, und weiß, daß er kann was er will, der wird ein ganzer

Mann.

*

Ein Sophist

Moses Treppengeländer merkt auf einer Geschäftstour, daß er seine

Pantoffel zu Hause gelassen hat, er setzt sich also abends ins

Schreibzimmer des Hotels und schreibt an seine Frau:

Liebes Rebeckchen! -- Ich möcht Dir bitten, sende mir =Deine=

Pantoffel! Ich brauche allerdings nicht =Deine= Pantoffel, sondern

=meine= Pantoffel, aber wenn ich Dir schreibe, =meine= Pantoffel, wirst

Du ja lesen =meine= Pantoffel und verstehen =Deine= Pantoffel und mir

schicken =Deine= Pantoffel. Darum schreibe ich =Deine= Pantoffel, damit

Du liest =Deine= Pantoffel und verstehst =meine= Pantoffel und mir

wirklich =meine= Pantoffel schickst.

Dein

Moses.

*

Recht hat er

Onkel: „Jetzt habe ich dir das teure Buch „Der kleine Kaufmann“

geschenkt, und du hast noch keinen Blick hineingeworfen.“ -- Moritzche:

„Ach, Onkel, was ist denn heutzutage ein kleiner Kaufmann!“

*

Eigentümlicher Handel

Geschäftsmann (vor dem Laden zu einem Kunden): „Sie lassen sich ja

gar nicht mehr bei mir sehen, wollen Sie denn gar nicht mehr bei mir

kaufen?“ -- Kunde: „Nee, wenn Sie immer sagen, Sie hätten Schaden dabei

-- das kann ich doch nicht verlangen.“ -- Geschäftsmann: „Nun ja, aber

wenn Sie recht viel kaufen, habe ich doch immer etwas Nutzen!“

*

Der Sozius

Ein nettes Geschichtchen erzählt man sich in der Berliner

Konfektionsbranche: Die beiden Chefs eines noch nicht lange bestehenden

Hauses hatten einen Reisenden, mit dem sie sehr zufrieden waren. Im

ersten Jahre hatte das Geschäft rein netto 16000 Mark gebracht, so daß

auf jeden der Inhaber 8000 Mark kamen, der Reisende aber hatte 12000

Mark verdient. Da er wußte, daß ihn die Firma nötiger brauche als er

die Firma, verlangte er als Sozius aufgenommen zu werden. Nach einigem

Hin und Her setzte er seine Forderung durch. Dem neuen Chef wurde außer

anderen Ehrenrechten auch die Benutzung der den Chefs vorbehaltenen

Toilette eingeräumt und der dazu gehörige Schlüssel mit einer gewissen

Feierlichkeit überreicht. Ein Jahr verging, der neue Mitbesitzer

hatte stramm gearbeitet, und der Reingewinn hatte sich auf 30000 Mark

gehoben. Auf jeden der Chefs kamen 10000 Mark. Als der frühere Reisende

dies Ergebnis erfuhr, ging er still an sein Pult und brachte den

Schlüssel seinen Kompagnons zurück. „Zweitausend Mark dafür sind mir zu

teuer,“ sagte er, und aus dem Associé wurde wieder ein Angestellter.

*

[Illustration: Bilanzen der Liebe]

_Semper idem_

Herr Bankier Cohnreich (zu seiner Frau, welche auf den Stuhl steigt, um

auf dem Schrank etwas zu suchen): „Berta, verlier' nicht de =Bilanze=!“

*

Glücklicher Ausweg

Moses kommt zum Rechtsanwalt.

„Herr Rechtsanwalt, was soll ich machen, jedesmal wenn ich nach Haus

komme, sitzt mein Buchhalter mit meiner Frau zusammen auf'm Sofa und da

knutschen sie sich ab.“

„Schmeißen Sie doch Ihren Buchhalter 'raus!“

„Das kann ich nicht, er ist im Geschäft unentbehrlich.“

„Dann lassen Sie sich von Ihrer Frau scheiden!“

„Ich habe meine Frau so lieb -- das tu' ich nicht.“

„Dann kann ich Ihnen nicht helfen.“ -- --

Nach einiger Zeit treffen sich Moses und der Rechtsanwalt auf der

Straße.

„Na, haben Sie sich nun von Ihrer Frau scheiden lassen oder haben Sie

Ihren Buchhalter 'rausgeschmissen?“

„Nee -- ich habe 's =Sofa verkauft=!“

*

Liebesbrief im Geschäftsdeutsch

Liebste Emma!

Im Besitze deiner werthen Zeilen

Von dem fünfundzwanzigsten _currentis_

Beehr' ich mich ergebenst mitzutheilen

Daß mein Herz in heißer Lieb entbrennt is.

Dich hab ich ergebenst auserkoren

Als die höchste Sehnsucht meiner Triebe

Und so bitt' ich Euer Wohlgeboren

Höflichst um gefäll'ge Gegenliebe.

Welche Qual mir Deine werthen Blicke schufen!

Ach und dennoch kann ich nicht bereuen.

Deine Reize brauchen nämlich unberufen

Wirklich keine Konkurrenz zu scheuen!

In Betreff der heiligsten Gefühle,

Welche ganz ergebenst in mir brennen,

Da bedaure ich, o blonde Kühle,

Leider keine Rücksicht mehr zu kennen.

Nein, ich kann mich nicht mehr länger fügen

Oben detaillierten Schicksalsschlägen

Und so sehe ich denn mit Vergnügen

Ihrer werthen Rückantwort entgegen.

Karl Ettlinger

(Aus „Streifzüge eines Kreuzvergnügten.“)

*

Ein schlagender Beweis

Herr Isidor Nelkenkopf hat eine Geschäftsführerstelle für sein

Seidenhaus ausgeschrieben und läßt sich die einzelnen Bewerber in

seine Privatwohnung kommen, denn seine Frau hat -- wie in allen Sachen

-- auch im Geschäft ein wichtiges Wort mitzusprechen. Drei Herren

hatten sich bereits vorgestellt, doch keiner entsprach den gestellten

Forderungen. Plötzlich geht die Tür auf und der vierte Bewerber tritt

ein: Herr Isaak Fingerstock. Sobald dieser seine Prinzipalin _in spe_

erblickte, schrak er sichtlich zusammen und brachte kein Wort hervor.

Herr Nelkenkopf bemerkte dies und frug erstaunt:

„Nuu -- was is das? Kennen Se ihr?“

„Ja“ -- stotterte Fingerstock, „ich -- ich -- --“

„Nuu und woher kennen Se ihr?“ unterbrach ihn der Prinzipal.

„Ich -- ich war mal mit ihr verlobt,“ -- sagte Fingerstock zaudernd.

„=Verlobt!= -- mit ihr!“ schrie Nelkenkopf, „und =trotz ihres Geldes=

haben Sie ihr nischt geheirat. Das beweist mir, daß Sie unbedingt ä

kluger Kopf sein missen. Sie passen mir in mein Geschäft. Morgen können

Se de Stellung antreten!“

*

Herr Aaron Tapetenmuster, Chef der Firma Tapetenmuster & Cie., kommt

eines Tages zu ungewohnter Stunde heim und findet zu seinem Entsetzen

seinen ersten Reisenden mit seiner jungen schönen Frau in einer äußerst

kompromittierenden Situation.

„Sie Lump, Sie elendiger,“ fährt er auf den Ehestörer los, „Sie

Spitzbub, Sie Hallunk, Sie Bube, Sie ehrloser; wenn ich jetzt einen

Revolver bei mir hätt', meiner Seel' und Gott -- =ich hauet' Ihnen zwei

Ohrfeigen herunter=!“

*

Verschiedene Auffassung

=Isaak=: „Aaron, Gott was de hast vor ä reizende Braut mit vornehmem

Sinn vor =höhere Interessen=!“

=Aaron=: „Gott, was kann mer nützen der =Sinn vor höhere Interessen=,

zahlt ja heutzutage niemand mehr als =höchstens= 3-3½ =Perzent=!“

*

Streng geschäftlich

=Braut= (deren Verlöbnis vom Bräutigam rückgängig gemacht wurde): Und

somit gebe ich Ihnen auch die Briefe zurück, die Sie an mich gerichtet

haben.

=Kaufmann=: Brauch' ich gar nicht; =sie sind alle kopiert=.

*

Börsenbericht eines verliebten Bankbeamten

Junge Dame stark begehrt

Taille knapp

Stiefelchen hoher Absatz

Werbung stetig

Ueberredungskunst lebhaft

Bedenken matt

Widerstand schwach

Treue kaum behauptet

Umarmung fest

Küsse stark angeboten

Gegenliebe sehr behauptet

Glück still

Verliebtheit steigend

Vernunft fallend

Herzschlag unruhig

Eifersucht hoch

Kassenstand niedrig

Geschenke teuer

Koketterie unverändert

Ende flau

Abschied ruhig

*

Depeschenwechsel

Hirsch jun. (in Berlin telegraphiert an seinen Vater in Landsberg):

„Erwarte deine Einwilligung zur Heirat. 50 000.“ -- Hirsch sen.

(antwortet): „Mark oder Taler?“ -- Hirsch jun.: „Taler.“ -- Hirsch

sen.: „Meinen Segen!“

*

Zeitgemäß

A: „Haben Sie nicht damals in das Geschäft Ihres Prinzipals

eingeheiratet?“ -- B: „Ja, aber ich habe, Gott sei Dank, schon wieder

herausgeheiratet!“

*

Ein Gemütsmensch

Der Münchener Vertreter einer Lebensversicherungs-Gesellschaft

erhielt kürzlich aus einem Provinzstädtchen folgenden vielsagenden

Schreibebrief: „Hochgeehrter Herr! Mit tiefer Betrübnis im Herzen

ergreife ich die Feder, um einige Zeilen an Sie zu richten. Meine

liebe Frau Anna Maria, geborene Lindner, welche, wie Ihre Liste

ausweisen wird, bei Ihrer ehrenwerten Gesellschaft für 3000 Mark

versichert war, ist plötzlich gestorben und hat mich in Verzweiflung

zurückgelassen. Der schmerzliche Schlag traf mich heute morgen 6 Uhr.

Trachten Sie doch gütigst, daß ich die versicherte Summe recht bald

erhalte. Die Police-Nummer ist 21 762. Ich kann im Ernst und in voller

Wahrheit sagen, sie war eine treue Gattin und auch eine zärtlich

liebende Mutter. -- Ich habe, damit alles schneller geht, gleich

das bezirksärztliche Zeugnis beigelegt. Sie war nur ganz kurze Zeit

leidend; sie hat aber doch recht viel gelitten, und für mich war der

Schmerz um so größer. Ich denke, Sie werden etwas zu meinem Troste

beitragen und das Geld recht bald schicken, besonders wenn ich Ihnen

die Zusicherung gebe, daß ich auch meine zweite Frau seinerzeit bei

Ihnen versichern lassen will, und zwar um das Doppelte, also 6000 Mark.

Mein Schmerz ist groß, jedoch die Hoffnung auf Ihre freundliche Güte

und Gefälligkeit hält meinen gesunkenen Mut noch aufrecht. Der recht

baldigen Einsendung des obigen Betrages sieht mit Hochachtung entgegen

N. N. mit Kindern.“

*

Abwechslung

„Nachdem dem Herrn Kommerzienrat Mayer sein Kassierer mit dessen Frau

durchgegangen ist, hat er sich eine Kassierin genommen!“ -- „Nun, und

jetzt?“ -- „Ist er mit der Kassierin verduftet!“

*

Ein Mißverständnis

Kaufmann Schulze hatte schon lange ein Auge auf die Tochter des

Zigarrenhändlers Deckblatt geworfen; nur über die finanzielle Seite der

Frage war er sich noch nicht klar. -- Da nahm er eines Tages seinen Mut

zusammen und frug den Vater der Schönen gleich kurzweg in seinem Laden,

ob er ihm wohl seine Tochter zur Frau geben würde. „Warum nicht?“

entgegnet Deckblatt freundlich. „Sie sind ein tüchtiger junger Mann!“

-- „Und,“ fragt Schulze erfreut, „wieviel Mille würden Sie ihr wohl

mitgeben?“ -- „Zwanzig,“ entgegnet jener. Schulze erklärt sich damit

einverstanden, und nach vierzehn Tagen führte der glückliche Freier die

Zigarrenhändlerstochter zum Altar. -- (Zwei Tage nach der Hochzeit.)

„Nun, lieber Papa, darf ich Dich um die Mitgift bitten?“ -- „Jawohl,

mein lieber Schwiegersohn! Sag' mir nur, welche Sorte Du willst:

Regalia, Colorado, Divinos oder Perfectos?“ -- „Waas? =Zigarren?!=...

Und ich =Unglücklicher= bin noch dazu =Nichtraucher=!!“

*

Nobel

Agent: „Sie haben sich auf Ihrer Tour wirklich mit der Tochter eines

Kunden verlobt, weil Sie keine andere Möglichkeit sahen, den Ansturm

der Konkurrenz abzuschlagen? Was hat denn Ihr Prinzipal zu einer

solchen Aufopferung gesagt?“ -- Geschäftsreisender: „Gar nichts, er hat

mir bloß für meinen Verlobungstag die Spesen gestrichen, weil mich da

Essen und Trinken nichts gekostet hätte.“

*

Der praktische Freier

=Kommerzienrat=: „Nu, main Lieber, Se sollen also haben main Rebbekche,

doch de Mitgift werd' ich deponieren bei der Bank!“

=Freiender Handelsmann=: „Was meine Se su main Vorschlag, Herr

Kommerzienrat? Ich mein', Sie sollten mer geben de Mitgift und das

Rebbekche deponieren bei der Bank!“

*

Immer im Geschäft

Buchhändler (dem neuen Schwiegersohn die Tochter übergebend): Hier

übergebe ich Ihnen das Beste, was ich habe, lieber Schwiegersohn.

(Gerührt.) =Soll ich sie Ihnen etwas in Papier einschlagen?=

*

Leider nicht

Ein Großhändler in Budapest besitzt einen Kontoristen, der ein Muster

seines Standes wäre, wenn er minder an unheilbarer Bummelei litte.

Vieles ließ ihm sein Chef hingehen; als er ihn aber eines Tages, da

der Gute schon um vier Uhr fortgegangen war, um einen schwerkranken

Bruder zu pflegen, mit einem hübschen Mädchen spazieren gehend fand, da

war auch seine Geduld erschöpft und er kündigte ihm ernste Maßregeln

für den Wiederholungsfall an. Einige Tage war alles in Ordnung; dann

nahte sich der Kontorist dem Gestrengen wieder mit dem bekannten

Armensündergesicht. Der aber ließ ihn gar nicht zu Wort kommen. „Herr!“

schrie er ihn an, „kommen Sie morgen pünktlich, oder ...“ Der folgende

Tag kam; es ward elf Uhr, der Chef saß in seinem Kontor und blätterte

mit finsterer Miene in einem ganz eigentümlichen Geschäftsbuche;

dort wurden nämlich alle Ausreden gebucht, die der Unverbesserliche

bereits ersonnen, und es gab dort so viel gestorbene Neffen, erkrankte

Nichten, angelangte Tanten, daß der Buchhalter eine ganz unglaublich

große Familie besitzen mußte. Endlich trat der Sünder ein, so drollig

zerknirscht, daß sein Brotgeber fast seinen Zorn schwinden fühlte.

„Nun! wer ist gestern gestorben?“ rief er ihm zu. „Gestorben? Niemand,

ich habe bloß heute geheiratet,“ erwiderte der Ankömmling zerknirscht.

-- „Herr, das ist doch zu arg, das ist eine infame Ausrede!“ --

„Entschuldigen Sie,“ erwiderte tief seufzend der Buchhalter, „aber,

leider Gottes, es ist =diesmal leider= keine Ausrede.“

*

Der Kaufmann par excellence

A: „Sie sind mit Zwillingen beschenkt worden. Sind es denn Jungen oder

Mädchen?“ -- B: „Gemischt! Von jeder Sorte ein zwölftel Dutzend!“

*

Im Dusel

Ich kenne Herrn v. Mollnow von meinem Aufenthalt in Pommern her -- nun

freute ich mich ungemein, ihm in Berlin zu begegnen.

„Ick bleibe nich lang,“ erzählte er mir, „ick fahre heute schon wieder

nach meener Klitsche. Jestan abend, wissen Se, is mir nämlich hier in

Balin ene sehr, ene unanjenehme Jeschichte passiert.

Ick wohne doch imma int Christliche Hospiz -- nich? Un wie ick nu bei

Dressel soupiert habe, jehe ick in die Winzerstuben, un dort mache ick

ne sehr ene interessante Bekanntschaft mit 'ner russischen Jräfin. Een

Wort jibt det andre -- sie erzählt, sie wohne nich jut un will janz

jern diese Nacht ooch int Christliche Hospiz.“

„Ah -- und da hat man Sie wohl nicht eingelassen?“

„Rin ließ man uns schon -- ick sagte, die Dame wäre meene Frau. Aber

wie ick mit der Jräfin in meene Stube komme, wissen Se, da waren

wa nich alleene. Ick hatte nämlich, wissen Se, in meenem Tran total

vajessen, det ick meene richtije Frau mit nach Balin jenommen hatte.“

Roda Roda

*

Verlockend

Geschäftsreisender (zur unverheirateten Ladenbesitzerin, der er etwas

verkaufen will): „Noch eins: mein Chef ist ledig, ich bin ledig, der

Buchhalter ist ledig ... und wir heiraten nur in der Kundschaft!“

*

Immer Geschäftsmann

Freier (um die Hand der Tochter eines Geldverleihers anhaltend): „...

Und nach alledem bitte ich Sie, geben Sie mir Ihre Tochter zur Frau.“

-- „Auf wie lange, junger Mann?“

*

Ein Heiratsvermittler besucht einen jungen Bankbeamten, um ihm eine

Partie anzutragen.

„Herr Rosenfeld,“ redet er ihm zu, „ich weiß für Sie eine Frau, die hat

50 000 Mark Mitgift ... dann eine mit 75 000 ...“

„Geben Sie sich doch keine Mühe,“ unterbricht ihn Rosenfeld, „ich habe

Ihnen doch gesagt, ich heirate nur aus Liebe ...“

„... und dann,“ fährt der Schadchen unbeirrt fort, „dann habe ich eine,

die kriegt 100 000 Mark Mitgift ...“

Rosenfeld schweigt.

„Nu,“ ruft der Schadchen, „=lieben Sie sie noch nicht ...=“

*

Schmus

Die Tochter des Abraham Wassergeplätscher bekommt Besuch ihres

Verehrers. Der Alte empfängt den jungen Mann und sagt: „Gehen Se 'erein

und setzen Se sich bei meiner Tochter auf 'n _dos-à-dos_!“

Als er nach einer Weile ins Zimmer tritt, überrascht er das Pärchen bei

einer Umarmung.

„Nu,“ schreit er los, „ich habe Ihnen gesagt, Se sollten sich setzen

=_dos-à-dos_=, aber nix -- =Nos-_à_-Nos!“

*

In der Hitze des Gefechtes

Der Fabrikbesitzer Veilchenbaum kommt unerwartet von einer

Geschäftsreise nach Hause und überrascht dort seine Frau im

zärtlichsten Tête-à-Tête mit seinem Prokuristen Morgenstern. Wütend

stürzt er auf den Räuber seiner Ehre und es entspinnt sich ein heftiges

Handgemenge. Der bedeutend stärkere Prokurist hat bald seinen Chef

auf den Boden unter sich gebracht und haut wie verrückt auf ihn

los. Plötzlich tönt durch das Getümmel der heisere Schrei: „=Herr

Morgenstern, de Prokura is erloschen!=“

*

Beim Heiratsvermittler

„Ehe ich Ihnen eine gute Partie namhaft mache, muß ich Sie um zwanzig

Kronen Vorschuß bitten --“ -- „Na, glauben Sie, ich dächte ans

Heiraten, wenn ich noch zwanzig Kronen hätte!“

*

Aus dem Kassabuch des Herrn Poussierstein

==+========+===========================================++===+==

11| Januar |Inserat (junge Komptoristin gesucht, die || |

| | flott Schreibmaschine schreiben kann) || 2|50

13| " |Wochensalär, pränumerando an Frl. R. || |

| | Lieblich || 5|--

14| " |Besseren Komptoirstuhl für Frl. L. || --|50

20| " |Wochensalär für Frl. L. || 10|--

22| " |Bonbons für R. || 16|--

22| " |Veilchen für meine Frau || --|50

24| " |Frühstück mit Rosa || 15|75

26| " |Hut für Röschen || 28|--

27| " |Salär an Röschen || 20|--

29| " |Theater und Souper mit Röschen || 54|25

30| " |Sealskinmantel für meine Frau ||450|--

30| " |Seidenkleid für meine Schwiegermutter ||180|--

30| " |Inserat (junger =Sekretär= gesucht, der || |

| | flott Schreibmaschine schreibt) || 2|50

*

Unüberlegt

=Prinzipal:= Wer ist am Telephon?

=Lehrling:= Ihre Frau Gemahlin.

=Prinzipal:= Was will sie denn?

=Lehrling:= Ich hab nur das Wort „=Schafskopf=“ verstanden!

=Prinzipal: Gehen Sie fort -- sie will mich wahrscheinlich selbst

sprechen!=

*

Immer im Beruf

=Tochter des Hauses= (ihren Anbeter im Hausflur erwartend): „Nun,

was hat Papa gesagt?“ =Der junge Mann= (Weinreisender, erschreckt):

„Ach Gott, ich wollte ja um deine Hand anhalten -- =das habe ich ganz

vergessen= -- ich habe ihm 25 Flaschen Rotwein verkauft!“

*

Mangelnde Geschäftskenntnis

=Frau:= „Männchen, heute war der Bote von Schulz & Comp. hier und

wollte die gelieferte Ware bezahlen; ich habe ihm aber die Tür weisen

müssen!“

=Mann:= „Aber sage mir doch ...“

=Frau:= „Der Mensch hatte gar keine Erziehung! Er wollte sich in meiner

Gegenwart durchaus -- was war es doch? -- den =Diskont abziehen=.“

*

[Illustration: Bankerott der Dummheit]

Der Chef einer „_en gros_“-Firma in Berlin wünscht auch in der Provinz

eine ausgedehnte Kundschaft zu haben und will daher einen seiner

jungen Leute probeweise auf die Reise schicken. Da der Jüngling

in diesem Fache noch unbewandert ist, gibt ihm der Chef genaue

Verhaltungsmaßregeln mit auf den Weg: „Also Se fahren erst nach

Nakel. Da trinken Se ne Bouillon und dann jehn Se in das Jeschäft von

Lilienthal und machen Offerte ... Se werden ja sehen, was sich machen

läßt. Verkaufen Se nich jleich was, nu, schadet auch nichts. Schreiben

brauchen Se erst am dritten Tag, am besten Se telegraphieren!“

Der Jüngling reist. Am zweiten Tage schon wird der Chef ungeduldig.

Man beruhigt ihn, da er selbst doch erst am dritten Tage eine Nachricht

haben wollte.

Am dritten Tage endlich kommt die Depesche. Der verzweifelte Jüngling

drahtet: „In ganz Nakel keine Bouillon aufzutreiben! Was tun?“

*

Schwer ausführbar

Der tolle Koffer Eine ff. prima Musterkollektion der besten Witze, Schnurren und Anekdoten von Reisenden und Kaufleuten · 第 5 / 6 段