beschenkt worden. Deshalb muß sich der Chef entschließen, selbst
auf die Tour zu gehen. Bei den ersten beiden Kunden Verwunderung,
daß der Chef selbst reist und Bedauern des Reisenden, der ja schon
so eine Menge Kinder hat. Er kommt zum dritten Kunden. „Nanu, Sie
reisen jetzt?“ -- „Ja, was soll ich machen, bei meinem Reisenden
sind Drillinge angekommen.“ -- „Was Sie sagen! Drillinge? Das ist ja
großartig! Das geschieht dem Kerl recht!“ -- „Na, hören Sie mal. Sie
sind der erste, dem der Mensch nicht leid tut. Warum freut Sie denn das
so ungemein?“ -- „Ja, wissen Sie,“ grinst der Kunde, „das gönne ich
dem Kerl! Jetzt sieht er doch mal, wie das ist, wenn man =ein= Stück
bestellt, und =dreie= kommen an!!“ --
*
Verwarnung
Elkan Stinker war 20 Jahre bei Löwenthal als Lagerist tätig. Da läßt
ihn der Prinzipal eines Tages zu sich ins Kontor rufen und hält ihm
folgende Ansprache:
„Stinker, Se sind jetzt gerade 20 Jahre bei mir ins Geschäft. Wie Se
mich haben belogen un betrogen in diese Zeit, läßt sich gar nicht in
Worten ausdrücken. Mein Sohn haben Se zu Unterschlagungen verleitet,
mit meiner Frau haben Se e Verhältnis gehabt und jetzt hat sich meine
Tochter Ihretwegen ins Wasser gestürzt. Ich sage Ihnen nur soviel,
Stinker: =Sobald mer noch das geringste vorkommt, fliegen Se raus!=
Merken Se sich das.“ --
*
Auffällig
In einem Fabrikgeschäft ist es zur Regel geworden, daß niemals die
Kasse stimmt. Bei jeder Revision zeigt sich eine Differenz von 30-50
Mark und man hat sich im Laufe der Zeit vollständig an dies Manko
gewöhnt, so daß es gar nicht mehr auffällt. Eines Abends macht der
Herr Chef wieder Kasse; nachdem er fertig ist, schüttelt er bedenklich
mit dem Kopf und ruft den Prokuristen. Dann zählen sie beide nochmals
und das Ergebnis ist wiederholtes Kopfschütteln. Jetzt wird auch
dem Buchhalter gewinkt und das Trio zählt zum dritten Male. Endlich
ruft der Prinzipal klassisch aus: „=Die Kasse stimmt! Das kann nicht
stimmen!=“
*
Entsetzliche Drohung
=Chef=: „Herr Müller, Sie kommen um zwei Minuten zu spät ins Bureau --“
=Buchhalter=: „Aber Herr Prinzipal, ich --“
=Chef=: „Keine Entschuldigung! Ich möchte wissen, was Sie sagen würden,
wenn ich Ihnen am Monatsende =zwei Pfennig von Ihrem Salär abzöge=!“
*
Auf Deutsch
In der Handelsschule fragt ein Lehrer einen Schüler beim
Buchhaltungs-Unterrichte: „Also was haben wir jetzt vorgetragen?“
=Schüler=: „Den Saldo!“
=Lehrer=: „Gut; sagen Sie mir nun aber auch =auf Deutsch=, was Sie
unter Saldo verstehen!“
=Schüler=: „=Saldo= ist die =Differenz= zwischen =Debet= und =Kredit=!“
*
Boshaft
A: „Sehen Sie mal, der Partiewarenhändler Greulich fährt ja jetzt auch
Automobil. Da muß er doch in seinem Geschäft einen ziemlich bedeutenden
Umsatz machen?“
B: „Gewiß, ich hörte, er =betrüge Tausende=.“
*
„Das Maschinen-Fräulein“
Der Chef war wieder mal, wie gewöhnlich, bei schlechter Laune. Und
war er das, so ließ er sie stets an den Untergebenen aus, denn das
geschieht immer. Und da das „Maschinen-Fräulein“ am meisten mit ihm zu
tun hatte, so hatte sie auch am meisten darunter zu leiden.
„Es ist zum Verrücktwerden!“ rief er. „Wie oft habe ich gesagt, man
soll mir auf meinem Schreibtisch nichts anrühren?!“
„Es ist auch nichts angerührt worden.“
„So? Und wer hat denn die Marken hier hingelegt? Wer sonst wieder als
Sie!“
Sie sagte kein Wort, sondern fing an, auf ihrer Maschine zu klappern.
„Tun Sie die Marken weg!“ schrie er sie an.
„Wo soll ich sie hintun?“ fragte sie und stand auf.
„Irgend wohin, wohin Sie wollen. Nur mir aus den Augen, wo ich sie gar
nicht mehr sehen kann.“
Und das Maschinen-Fräulein nickte, nahm die Briefmarken, befeuchtete
sie ruhig, klebte sie dem Chef auf seine Glatze und sagte: „Ich bitte
um meine Entlassung!“
*
Wenig Geld, wenig Musik
Chef: „Sie, Herr Meyer, viel Gehalt haben Ihre Briefe nicht.“ -- Meyer
(anzüglich): „Ich ja auch nicht!“
*
Vielsagend
In einer mitteldeutschen Stadt befindet sich ein Bankgeschäft mit zwei
Zugängen, einen von der Straße und einen zweiten von der Promenade
durch den Garten. Dieser Zugang war nicht offiziell. Ein Schild an der
Tür besagte vielmehr: „Kein Durchgang.“ Als das Schild nicht beachtet
wurde, ließ die Bank ein zweites, größeres anbringen mit folgender
Inschrift:
+----------------------------------------------------------+
| _Das Durchgehen ist nur den Mitgliedern |
| der Direktion gestattet!_ |
+----------------------------------------------------------+
*
Vorwurf
Der Agent Treppengeländer verhandelt mit den Gläubigern des Nathan
Magensaft, um einen Vergleich zustande zu bringen.
Dem Hauptgläubiger, einem reichen Bankier, bietet er zwanzig Prozent,
die auch sofort akzeptiert werden. Als er Magensaft von diesem Resultat
Mitteilung macht, entspinnt sich folgendes Gespräch:
Magensaft: „Sie haben selbst zwanzig angeboten?“
Treppengeländer (stolz): „Gewiß! Weniger werd' ich doch nicht bieten!“
Magensaft: „Wissen Sie, Herr Treppengeländer, for mei Geld brauchen Sie
=keinen Kavalier zu spielen=!“
*
Aufgeklärt
Ein Geschäftsreisender, der auf einer Tour wenig Erfolg hatte, schiebt
in seinem Schreiben an seine Firma alle Schuld auf das schlechte
Wetter, über dessen Launen er in allen Einzelheiten berichtet. Prompt
erhält er von der Firma die Antwort: „Wetternachrichten erhalten wir
von der meteorologischen Zentralanstalt, wir bitten Sie, uns lieber
Aufträge zu senden.“
*
Unverwüstlich
Ein Reisender kommt in das Bureau einer größeren Maschinenfabrik. Auf
die Frage: „Sie wünschen?“ erwidert er: „Mein Name ist Fix, Vertreter
von nur ersten Häusern. Ich reise in Glühstrümpfen, Kabelschuhen,
Dampfhemden, Bleimänteln, Dampfzylindern und Gummischuhen ...“ --
Direktor: „Sagen Sie mal, ist Ihnen da das Reisen nicht manchmal etwas
beschwerlich?“
*
Zwecklos
Chef (zum Kommis, der schriftstellert): „Ich habe gehört, daß Sie
während der Geschäftszeit Trauerspiele schreiben!“ -- Kommis: „Ich muß
Geld verdienen ... geben Sie mir mehr Gehalt!“ -- Chef: „Das kennt man
... und nachher schreiben Sie Lustspiele!“
*
Schöner Trost
A: „Warum fluchst und wetterst du denn nur so?“ -- B: „Ach, denke dir
bloß, ich habe den verfl...... Prozeß in der ersten Instanz gewonnen,
in der zweiten Instanz gewonnen und heut in der dritten Instanz
verlier' ich glatt.“ -- A: „Na, so sei doch nicht so mißgünstig, du
hast nun zweimal gewonnen -- laß den andern auch mal gewinnen.“
*
Am Neujahrstage erschien bei Rothschild ein Bettler, um ihm zum
Jahreswechsel zu gratulieren. Da er etwas laut sprach, sagte Rothschild
zu ihm: „Sprechen Sie, bitte, etwas leiser -- man schreit doch nicht
so, wenn man ein Anliegen hat!“ Der Bettler erwiderte gekränkt: „Wollen
Sie mich etwa schnorren lehren? Uebernehmen Sie doch mein Geschäft und
übergeben Sie mir das Ihre!“
*
Das Arbeiten
Chef (zum Kontoristen): „Kohn, sagen Sie mir, ist Ihnen einmal etwas
passiert beim Arbeiten?“
Kontorist: „O nein! Aber wie kommt der Herr Chef zu dieser Frage?“
Chef: „Weil Sie so 'ne Angst vor dem Arbeiten haben!“
*
Mißverstanden
Ein Amerikaner war in einen Prozeß mit einem seiner Nachbarn
verwickelt. Vor dem Schlußtermin war er genötigt, eine Geschäftsreise
zu unternehmen, und bat seinen Rechtsanwalt, ihm von dem Resultat
telegraphisch Nachricht zu geben. Er erhielt folgende Depesche:
„Gerechte Sache gesiegt.“ Unverzüglich ging die Drahtantwort zurück:
„Sofort Berufung einlegen.“
*
Der Chef tritt ins Kontor und sieht seinen Buchhalter, eine Zigarette
rauchend, beim Schreibpult stehen. Erzürnt ruft er:
„Was ist das? E' neue Einführung? Seit wann raucht man bei der Arbeit?“
=Buchhalter=: „Wer sagt Ihnen, daß ich arbeite?“
*
„Valuta ...“
Am 1. Januar erhielt ein Kaufmann, der sich durch etwas langes „Pumpen“
auszeichnet, von einem seiner Lieferanten folgende Neujahrskarte:
+----------------------------------------------------------+
| _Herzliche Glückwünsche |
| zum neuen Jahre._ |
| _Valuta Juni!_ |
+----------------------------------------------------------+
*
Mit mathematischer Genauigkeit
=Prinzipal= (zum Kommis): „Aber, Herr Müller, Sie kommen doch auch
regelmäßig eine =ganze halbe Viertel=-Stunde zu spät!“
*
In der Erregung
Herren Schill, Göbel & Müller,
Hamburg.
„Sie sind also nicht gesonnen, mir den gekürzten Skonto zu bewilligen?
Ich weiß wohl, daß die Regulierung diesmal etwas länger angestanden
hat, als üblich, wenn Sie aber einem so alten Kunden den Skonto
durchaus nicht mehr gewähren wollen, dann sage ich Ihnen: „=schämen Sie
sich, Herr Schill, schämen Sie sich, Herr Göbel, schämen Sie sich, Herr
Müller! Schämen Sie sich, Herr Schill, Göbel & Müller!=“
Achtungsvoll
=Bruno Ruhig=.
*
Der Bureaukrat
„Ordnen Sie diese Briefe bitte alphabetisch und werfen Sie sie dann in
den Papierkorb.“
*
Die Wahrheit
Der Produktenhändler Klosettdeckel hat einen Gehilfen, den jugendlichen
Fritze Micheles, der dem Lager in altem Eisen, Lumpen, Metallabfällen
und Knochen zu seiner Zufriedenheit vorsteht. Eines Tages entdeckt
er jedoch zu seiner Empörung, daß Fritze Micheles ihn schnöde
bemogelt, indem er Knochenposten an den Isidor Veigeles auf eigene
Rechnung abgibt. Klosettdeckel wirft darauf entrüstet den ungetreuen
Lageristen hinaus. Fritze Micheles, sehr zerknirscht und nur froh, daß
sein Prinzipal von einer Anzeige des Diebstahls absieht, bittet ihn
schließlich noch um ein Abgangszeugnis. -- „Was soll ich schraiben for
'n Zeigniß for so 'n Lumpen, soll ich auch noch lügen, nachdem de mich
hast betrogen un' bestohlen?“ -- „Se sollen bei de Wahrheit bleiben,
Herr Klosettdeckel,“ antwortete der zerknirschte Fritze, „schreiben Se
bloß: ‚Ehrlich bis auf de Knochen’!“
*
Schlechtes Geschäft
Buchhalter: „Ich möchte mir erlauben, wieder um eine kleine Zulage zu
bitten; meine Familie hat sich neuerlich vermehrt.“ -- Chef: „Schon
wieder? Ja, aber lieber Freund, Sie können doch nicht verlangen, daß
ich Ihnen jedes Kind, das Sie in die Welt setzen, förmlich abkaufe!“
*
Aus einem Geschäftsbrief
„.... Ihren Brief, über den ich mich sehr geärgert, habe ich
augenblicklich vor mir. Bald werde ich ihn hinter mir haben ...!“
*
A: „Was, Sie haben jetzt einen Posten als Prokurist in einer
Pulverfabrik?“ -- B: „Ja!“ -- A: „Hm, da haben Sie ja =gute Aussicht,
noch einmal in die Höhe zu kommen=!“
*
Verdoppelter Schmerz
Der knauserige, aber sehr wohlhabende Kaufmann einer Provinzialstadt
begibt sich mit dem Verkauf seiner Handlung in den Ruhestand, vor
seinem beabsichtigten Wegzuge veranstaltet er ein kleines Fest, zu dem
die mehrjährigen, treuen Kunden eingeladen werden. Seinem knauserigen
Wesen getreu ist der Wein in einer als etwas Säuerling verrufenen Marke
gewählt worden. Als der Festgeber seinen Nachbar, der als Satiriker
bekannt war und sich auch kein Blatt vor den Mund nahm, fragte: „=Nun,
wie finden Sie den Wein?=“ antwortete ihm dieser kühl und trocken:
„=Mir macht er den Abschied doppelt sauer!=“
*
Eine Unverschämtheit
Zum Chef kommt der Buchhalter:
„Herr Chef, ich bitte um Vorschuß.“
Chef: „Ich hab' jetzt keine Zeit, kommen Se morgen!“
Am nächsten Tage wiederholt der Buchhalter seine Bitte.
Chef: „Was ä Unverschämtheit! Gestern erst haben Se Vorschuß verlangt,
heute kommen Se schon wieder?“
*
Sonderbares Hindernis
=Reisender=: „Ich erlaube mir, Ihnen als Bewerber um den in Ihrem Hause
vakanten Reiseposten meine persönliche Aufwartung zu machen!“
=Chef=: „Bedauere sehr! Sie sehen viel =zu wohlgenährt= aus! Wissen
Sie, mein Herr, heutzutage muß ein Reisender durch sein Aeußeres quasi
=Mitleid erwecken=, wenn er Geschäfte machen will!“
*
Großartig
=Kommis=: „Der Lehrling Fritz ist nirgends zu finden.“
=Chef=: „Na, lassen Sie nur, bei der Inventur werden wir ihn schon
finden.“
*
Die englische Bureauzeit
Ich bin auf England nicht sehr gut zu sprechen,
Doch sprech ich's trotzdem unumwunden aus,
Daß manche Dinge in die Augen stechen
Dem Deutschen, drin uns England weit voraus.
So ist zum Beispiel -- jeder Mensch hat Schwächen --
Ein englisch Beefsteak ein solenner Schmaus;
Die schönste, beste aber ihrer Sitten
Ist die =Bureauzeit= in dem Land der Briten.
Um 8 Uhr morgens, den Kaffee im Magen,
Begibt sich pünktlich ins Bureau der Mann
Und pflegt der -- =Arbeit=, wollen wir mal sagen,
Bis 11. Es folgt die Frühstückspause dann.
Hurrah! Soeben hat es 3 geschlagen!
Er klappt die Bücher zu, so schnell er kann,
Und eilt zum Weibchen oder heim zur Mutter
Und labt sich dort am wohlverdienten Futter.
=Dann ist er frei!= Dann kann er unternehmen,
Was ihm behagt! Dann ist er =Herr=, statt Knecht.
Er kann spazieren geh'n und zu sich nehmen
Den Sauerstoff, der im Bureau so schlecht;
Kann lesen, schreiben, schwelgen in Problemen,
Wenn er nicht lieber mit Kollegen zecht.
Er kann das Schläfchen halten, das bewußte,
Das früher im =Bureau= er pflegen mußte.
Er ist ein =Mensch=, und nicht mehr wie am Morgen
Laut seinem Vorgesetzten ein Kameel.
Frei ist er, frei und ledig aller Sorgen,
Kein Tadelwort erschreckt ihn, kein Befehl.
Der =Arbeit= kommt's zu gut am nächsten Morgen,
Wenn er, statt mürrisch, heiter und fidel;
Ach: =schön ist Arbeit unter kluger Lenkung,
Das heißt -- mit weiser, nötiger Beschränkung!=
=Karlchen.=
*
Ausrede
Buchhalter: „Als Sie mich vor drei Monaten engagierten, sprachen Sie
von einer Lebensstellung, und heute machen Sie Pleite!“ -- Prinzipal:
„Kann ich dafür, daß Sie so lange leben?“
*
Etwas umständlich
Bureauvorsteher (zum Schreiber): „Da haben Sie in Ihrem Skriptum einen
i-Punkt vergessen. Geändert darf in dem Dokument nichts werden. Jetzt
haben Sie das Vergnügen, die ganze Geschichte noch mal abzuschreiben.“
*
Ein tüchtiger junger Mann
Prinzipal (zum neu engagierten Kontoristen): „Sie kommen meinem Diktat
nicht nach -- weshalb stenographieren Sie nicht? Sie sagten doch beim
Eintritt, daß Sie Stenograph sind?“ -- „Bin ich auch, aber dann geht's
noch langsamer.“
*
Schnell geholfen
Chef: „Worüber grübeln Sie denn?“ -- Kommis: „Ich will eine
Steuerreklamation einreichen und weiß nicht recht, womit ich sie
begründen soll!“ -- Chef (nachdenklich): „Wissen Sie, Meyer, ich werd'
Ihnen etwas vom Gehalt abziehen!“
*
Kein Grund
Angestellter (der krankheitshalber einen Tag im Geschäft gefehlt hat,
sich beim Chef entschuldigend): „Herr Chef werden verzeihen, daß ich
nicht kommen konnte, hatte mir anscheinend den Magen verdorben, konnte
den ganzen Tag nichts essen.“ -- Chef: „So, das hätten Sie auch hier im
Geschäft besorgen können.“
*
Ein schofler Prinzipal
Der Hausknecht des als Knauser bekannten Kaufmanns Knickrig begeht
das Jubiläum seiner 25jährigen Tätigkeit in Knickrigs Hause, bei
welcher Veranlassung letzterer ihn morgens in sein Kontor ruft und
ihm nach einigen salbungsvollen Worten über bewiesene Treue usw. eine
entsprechende Belohnung verheißt, welche er dem mit hochgespannten
Erwartungen vor ihm stehenden Hausknecht in Gestalt seines Porträts
überreicht. „Aber, Herr Knickrig,“ ruft der Hausknecht, das Porträt
betrachtend, „das sieht Ihnen ähnlich!!“
*
Mit vereinten Kräften
„Bei den Schmumüllers soll's ja so wackelig stehen.“
„Das wundert mich nicht. Die ganze Familie von acht Köpfen ist im
Geschäft tätig und jeder verrechnet sich zu seinen Gunsten.“
*
[Illustration: Dividenden der Schlauheit]
Unter Geschäftsfreunden
Löb Wasserfloh, Grünwarenhändler aus Tarnapol, schreibt an seinen
Spediteur Nachmann Traubeles in Alexandrowo:
„Ich bestätige Ihnen den Empfang von 1500 Gulden. Drei Banknoten
à 100 Gulden waren falsch. Diesmal gelang es mir doch, dieselben
unterzubringen.“
*
Schlau
„Haben Se geschrieben dem Salzlecker, er sei e' Lump und e' Betrüger?“
-- „Jawohl, Herr Prinzipal!“ -- „Na, glauben Se nich, daß er sich
noch besinnt und bezahlt gutwillig?“ -- „Wir haben immer noch einige
Hoffnung!“ -- „Dann streichen Se wieder aus den Lump und den Betrüger
-- aber so, =daß er's kann noch lesen zur Not!=“
*
Gedankenbalken eines Handlungsgehilfen
Pünktlichkeit im Schließen des Geschäfts ist die Höflichkeit der
Prinzipale.
Besser einen dicken Chef, als ein mageres Gehalt.
Man soll den Chef nicht vor der Weihnachtsgratifikation loben.
Gehalt gibt es Ultimo. Vorschuß am Ersten eines jeden Monats.
*
Kaltblütig
Die Spinnerei von Moritz Keller ist in Flammen. Kolossale Aufregung in
der ganzen Stadt.
Moritz Keller ist verschwunden. Endlich, gegen Mittag findet die
besorgte Familie ihn im Kontor von Enesberger & Söhne, Wollwaren en
gros.
„Vater,“ rufen die Söhne, „Moritz,“ schreit die Frau -- „was treibst du
hier, während dein Haus brennt?“
„Nu, wie ich gesehn hab anfangen den Brand, hab ich kalkuliert: nu
krieg ich doch ä größere Summe von der Versicherung. Nu kann ich doch
ä größere Summe nicht gleich verwerten, denn die Spinnerei wird doch
verbrännt sein. Hab ich gemacht mit Enesberger Söhne än Eventualvertrag
auf stille Beteiligung mit 300000 M. für den Fall, daß meine Spinnerei
abbrennt. Nu bin ich aber neugierig: is se nu richtig abgebrännt oder
nich?“
Roda Roda
*
Im Schuhwarenladen
„Sind die Sohlen auch dauerhaft?“
„Es sind die besten amerikanischen Sohlen -- wir garantieren ein volles
Jahr.“
„Aber das Oberleder taugt nichts.“
„Erlauben Sie? Die paar Wochen, was unsre Sohlen halten, hält das
Oberleder auch noch aus.“
*
Die Haferlieferung. Von Roda Roda.
Eines Tages kam eine Kommission, bestehend aus drei Offizieren, einem
Wachtmeister und einer Stehleiter, zu Joschkele Seidenfutter nach
Mikulintze bei Tarnopol und begehrte das Fouragemagazin zu sehen. --
Joschkele öffnete jammernd, der Wachtmeister stieg auf die Leiter und
besichtigte eingehend den Plafond des Magazins an zwanzig Stellen und
in allen Fugen und Ecken. --
Als er fertig war, salutierte er und sagte: „Herr Oberst, ich meld
ghorsamst, es is nix.“
„Hm,“ sagte der Oberst und weidete sich an dem Anblick des geängstigten
Joschkele, „möchten vielleicht Herr Leutnant die Güte haben --?“
Also stieg der Herr Leutnant auf die Leiter -- mit einigen
Segenswünschen für die Andersgläubigen -- pochte den Plafond von links
nach rechts ab, dann von rechts nach links -- hinten und vorn -- -- --
nichts.
Der Herr Rittmeister deutete den flehenden Blick des Obersten ganz
richtig, indem er ebenfalls auf die Leiter stieg. Er holte mit seiner
besten Ulanka die Spinnweben von der Magazinsdecke, aber auch er fand
nichts.
Endlich der Herr Oberst selbst. Er drohte zuerst dem Joschkele mit
der Faust und kletterte dann. Er bohrte mit dem Finger in alle Ritzen.
Er fand einen verstaubten Riß im Plafond, den die anderen alle nicht
gefunden hatten, war sehr stolz auf ihn, putzte ihn sauber aus, besah
ihn so lange, bis ihm der Schmutz in beide Augen fiel -- nichts.
Die Kommission ging, und Joschkele versperrte die Tür. Draußen zog er
sehr tief den Zylinder und sagte: „Se entschuldigen schon, Euer Gnaden,
Herr vün Oberst, bis hundertzwanzig Jahre sollen Se leben ünd gesünd
sein und lauter Frad erleben. Aber wos kloppen Se mr auf mei Boden
erüm?“
„Das will ich Ihnen sagen, Herr Seidenfutter,“ der Herr Oberst zog
ein Schriftstück aus der Brusttasche -- „Sie haben vor einigen Wochen
im Offertwege die Fouragelieferung für das Ulanenregiment Nr. 9
erstanden?“
„Ja, Herr vün Oberst, bis hün -- --“
„Mit zwanzig Hellern per Zentner unter dem Marktpreis?“
„Was tut e Mensch nit for dem Militär, Herr vün Oberst.“
„Sehr schön, daß Sie Patriot sind, Herr Seidenfutter -- aber die Leute
glauben was andres. Da -- lesen S' den anonymen Brief, was ich gestern
kriegt hab. Wenn der Proviantoffizier und Tierarzt den Hafer übernommen
haben und das Magazin versiegelt is, sollen Sie durch ein Loch im
Plafond schlechten Hafer herunterschütten.“
„E Konkorrenz-Manöver, Herr vün Oberstleben, bis hün --“
„Schon gut -- ich weiß -- wir haben uns überzeugt. Aber wir wollen ein
wachsames Auge auf Sie haben -- richten Sie sich darnach.“
„Ich soll nix essen können, Euer Gnaden, wenn bei mir so eppes
vorkümmt, Herr vün Oberstleben.“
* * * * *
Zwei Tage später kam eine neue Kommission: drei Herren, ein
Wachtmeister und eine Leiter. Sie suchten wieder das Loch im Plafond
und fanden es wieder nicht.
Es kam noch eine dritte Kommission am Montag früh, eine Donnerstags
nachts, eine am Sonntag nachmittag.
In der folgenden Woche gab's täglich Untersuchungen: vom Regiment,
von der nächstbeteiligten Eskadron, vom Verpflegsmagazin, vom
Militär-Stationskommando, noch einmal vom Regiment und noch einmal von
der Eskadron. Immer ohne Erfolg.
* * * * *
Dann setzte sich Joschkele Seidenfutter hin und schrieb einen Brief:
„Lieber Schwager Ignaz Germteig, Branntweinbrennerei und
Schlempenerzeugung in Tarnopol!
Ich dank dir, lieber Schwager, daß du bist gewesen eso freindlich, aber
vün jetz an schreib ka anenime Briefe mehr. Warüm? Weil auf den letzten
is schon gar keine Kommission mehr gekümmen. Jetzt kann die Konkorrenz
schreiben, wenn se will. Daweil hob' ich mr schon geloßt machen das
Loch in Plafon. Mit tausend Griße
Joschkele.“
*
Scharfblick
=Prinzipal=: „Na, haben Sie den =‚Müller’= gefunden, für den ich Ihnen
die Rechnung ausgeschrieben hatte?“
=Kommis=: „Leider nicht! In dem Hause wohnten eine ganze Menge
‚=Müller=’, von denen keiner unser Schuldner sein wollte. Der letzte
hat mich sogar hinausgeworfen!“
=Prinzipal=: „=Zu dem= gehen Sie nochmal -- =der ist's=!“
*
Minenspekulation
„Was machst du hier vor der Börse?“ -- „Ich spekulier' in Minen!“ --
„Wieso in Minen?“ -- „Wenn einer rauskommt und macht 'ne gute Miene,
schnorr ich ihn an -- macht er 'ne böse Miene, lass' ich ihn laufen!“
*
Fein umschrieben
Maimum Kanalgeruch aus Tornow wird von einem Bekannten gefragt, wie
sein letzter Konkurs ausgegangen sei.
„Hm,“ sagt Maimum, „wie soll er sein ausgegangen? Eines Tages haben
mich eingeladen meine Gläubiger, ich soll geben Aufklärung über meine
Bücher. Bin ich gekommen in e großes schönes Haus nach Lemberg,
hat mich e Herr schöne grüne Beamtenuniform angezogen, hat mich
aufgefordert zum Sitzen, und darauf bin ich gesessen und bin gesessen
un =hab' sechs Monat Aufklärung gegeben über meine Bücher=!“ --
*
Im Vertrauen
„Hörst, einem alten Freund nimmst Du eine etwas indiskrete Frage
wohl nicht übel: Mit den Annoncen, daß Du Deine Waren unter dem
Einkaufspreis verkaufst, hat es doch kaum seine Richtigkeit? Das ist
nur ein Lockmittel fürs Publikum?“ -- „Ganz und gar nicht!“ -- „Aber
wie kannst Du denn unter dem Einkaufspreis verkaufen?“ -- „Im Vertrauen
gesagt, ich bezahle halt den Einkaufspreis nicht!“
*
Spezialität
„Warum behalten Sie diesen Schlingel von Kontoristen?“ -- „Der Kerl
mahnt großartig.“
*
Der Kaufmann
Eine Fabel von Karl Ettlinger.
Es war einmal ein Kaufmann, der war in jungen Jahren nach England
ausgewandert und hatte dort lange Zeit gelebt und es zu großem Ansehen
gebracht. Als er nun, von Heimweh ergriffen, wieder nach seinem
Vaterland zurückkehrte, da wunderte er sich baß über vielerlei. War
er in England in einer Gesellschaft von Aristokraten, hohen Militärs,
Künstlern oder Politikern gewesen, so hatte man ihm stets die höchste
Achtung gezollt, man hatte auf seinen erfahrenen Rat gehört, und seinen
praktischen Sinn bewundert. Anders erging es ihm zu Hause. Redete er,
so hörte man ihm wohl aus Höflichkeit zu, aber man ging über seinen Rat
hinweg und lächelte arrogant: „Koofmich!“ Denn diesen geistvollen Namen
hatten seine Landsleute für den Kaufmannsstand geprägt.
Unser Kaufmann war ein intelligenter Kopf, und so ging er den
Ursachen dieser eigentümlichen Geringschätzung nach. Er konnte sie
aber nicht entdecken, sondern vermochte nur festzustellen, daß diese
Geringschätzung sich nahezu auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens
zeigte. Im Parlament fand er zwar Landräte, Journalisten, Pfarrer,
Handwerker, Agrarier, aber kein Dutzend Kaufleute. In der Diplomatie
und den Staatsstellungen traf er fast ausschließlich Juristen an,
Angehörige einer bestimmten Kaste, zumeist feudale Protektionskinder.
Das war sonderbar. Doppelt sonderbar für einen Mann, der von England
her das Gegenteil gewöhnt war. Also machte er sich auf den Weg zum
Ministerium, denn er hoffte, dort des Rätsels Lösung zu erfahren.
Nachdem er zehn Stunden gewartet hatte, ließ ihn der Finanzminister
vor.
„Exzellenz,“ begann er, „gestatten Sie mir, Ihnen ein Rätsel
aufzugeben: wie kommt es, daß =der= Stand, der die meisten Steuern
zahlt, der fast allein die Zölle aufbringt, vom Staate in jeder
Beziehung so stiefmütterlich behandelt wird?“