sich um Arbeit beworben hat; haben Sie sich seine Adresse notiert?“ --
Angestellter: „Gewiß, Herr Chef, ich habe sie jedoch verlegt und kann
sie nicht wiederfinden.“ -- Chef: „Na, da schreiben Sie dem Mann, er
soll seine Adresse nochmals einsenden.“
*
Auch eine Legitimation
Herr Meyer fragt auf der Reise in X. nach postlagernden Briefen.
„Jawohl,“ sagt der Postbeamte, „da ist ein eingeschriebener Brief für
Sie; Sie müssen sich aber legitimieren.“ Herr Meyer sucht in allen
Taschen nach einer Legitimation, findet keine; zeigt aber schließlich
dem Postbeamten seine Photographie. „Jawohl, das sind Sie!“ sagt dieser
und händigt den Brief aus.
*
Der gehorsame Diener
„Sie, Herr Weiß,“ redete der Chef eines Warenhauses seinen ersten
Buchhalter an, „hat John & Comp. in letzter Zeit eine Zahlung auf
seine Schuld geleistet?“ -- „Nichts,“ antwortete der Buchhalter. „So?
Der Mann erweist sich seit längerem als schlechter Zahler,“ bemerkte
kopfschüttelnd der Chef. „Jawohl, als schlechter Zahler,“ stimmte
Weiß zu. „Man darf ihm in Zukunft nicht mehr kreditieren, Herr Weiß!“
-- „Nein, man darf ihm nicht mehr kreditieren.“ -- „Er scheint ein
Bruder Leichtfuß zu sein.“ -- „Jawohl, ein Bruder Leichtfuß.“ --
„Na, schließlich ist er eben jung.“ -- „Jawohl, er ist eben jung.“
-- „Wollen also Geduld mit ihm haben.“ -- „Sehr wohl, Geduld mit ihm
haben.“ -- „Kann noch 'mal ein brillanter Kunde werden.“ -- „Gewiß,
kann noch sehr brillanter Kunde werden.“
*
Selbstkritik
Der Kommis Meyer hat ziemlich laut nach dem Lehrling gerufen.
=Chef=: „Was soll das heißen, Herr Meyer! Sind Sie =Chef= oder sind Sie
es nicht?!“
=Meyer=: „Ich bin nicht Chef, Herr Hirsch!“
=Chef=: „Also, wenn Sie sind =nicht der Chef, wie können Sie da so
brüllen im Lokal wie ein Ochse=?!“
*
Alles auf Lager
=Reisender=: „Kaufen Sie mir was ab, Herr Meyer, billig, preiswert,
lauter Nouveautés.“
=Meyer=: „Was tu' ich mit Ihren Nouveautés; habe noch eine ganze Masse
‚alte Nouveautés’ auf Lager.“
=Reisender=: „Aber bedenken Sie doch, ich verkaufe Ihnen _à tout prix_.“
=Meyer=: „Atuprih habe ich ebenfalls noch auf Lager.“
*
Schlimme Aussicht
=Reisender=: „Die Ware ist von bester Qualität, darauf können Sie sich
verlassen; überhaupt würde es mir nicht einfallen, Ihnen =gleich beim
ersten Geschäft schlechte Ware= zu liefern!“
*
Der Generalinspektor. Von Roda Roda.
Eines Tages, als ich auf einem Kanonenrohr der Belgrader Festung saß
und über Save und Donau hinweg in die Ferne blickte, kam mein Freund
Milan auf mich zu und rief:
„Na, wie gehts, wie stehts, Mütterchens Goldsohn? Was machst du?“
„Ich denke über meine Zukunft nach und schwanke noch, ob ich
Löwenbändiger oder Tanzlehrer werden soll.“
„Wähle den Mittelweg, Bruder, und werde Generalinspektor! -- Na, sieh
mich nicht so groß an, ich meine es ernst. Du mußt wissen, ich bin
seit acht Tagen eine Art Assekuranzkönig von Serbien -- im Dienste
der La Terre, Zemlja, die Erde -- Erste internationale Hagel-, Feuer-
und Lebensversicherungsgesellschaft. Da brauche ich einige Dutzend
Generalinspektoren.“
„Wie ... und du ... du willst mich ernennen?“ Vor Freude stand mir das
Herz im Leibe still.
„Was gibts da zu verwundern? Natürlich. Ich drücke mein Sultanssiegel
darunter, und du bist Generalinspektor.“
Das sagte er so einfach. Nein, wer hätte das in dem kleinen Milan
gesucht?
„Bist du einverstanden?“
„Aber natürlich. Mit tausend Freuden. Ich bitte dich: schon ein General
schlechthin ist ein hoher Herr. Inspektor ... auch nicht zu verachten.
Und ich soll nun mit einem Schlag Generalinspektor werden?“
„Na, laß dirs nur nicht in die Krone fahren. Ohne weitres gehts ja auch
nicht. Du wirst dich zu einer Probeleistung verstehen müssen.“
„Auch das tue ich; überhaupt alles, was du willst.“
„So komm nur erst mit mir, da sollst du alles hören.“
Wir gingen im Kalimegdankkpark auf und ab. Dort erklärte mir Milan
meine Pflichten und wie ich es anstellen müsse, die Leute zu bewegen,
daß sie sich versichern ließen.
„Denn gern tun sies nicht,“ erzählte mir Milan. „Manchem muß man
Zureden wie einem kranken Pferd. Zuerst fragt man ihn nach der
Schwägerin in Nisch und ob der Onkel noch in Poscharewatz im Kerker
sitze ... unschuldig natürlich. Dann kommt man langsam, ganz langsam
auf die Politik zu reden. Ist der Kerl radikal, so schimpft man über
die Schwaben, und sonst über die Russen, aber immer nur mäßig und ohne
Hitze. Kommt die Sprache auf die Regierung, so wiegst du bedächtig
den Kopf und sagst: „Sie werden sehen, es kommt bei diesem System
nichts gutes heraus“ -- und bist gleich beim Wetter. Davon kann man
viel erzählen. Nach und nach lenkst du das Gespräch entweder auf den
Hagel, auf den Blitz oder die vielen Halsentzündungen -- je nach dem,
was versichert werden soll. Du spielst mit der Hand in der Tasche, und
auf einmal hast du ein Prospektchen in den Fingern. Das wäre dir rein
zufällig untergekommen, sagst du -- und so gibt ein Wort das andre ...
Wenn du aber Generalinspektor werden willst, mußt du mir heute noch
den Joso Bojanitsch versichern. Er wohnt auf der Terasija, gleich beim
alten Brunnen. Versuchs doch einmal, Alterchen. Viel Glück auf den
Weg!“
Er klopft mir noch auf die Schulter -- und weg ist er.
* * * * *
„Gesundheit! Guten Tag!“ sagte Joso Bojanitsch ungemein zärtlich.
Ich freue mich über die gute Vorbedeutung des ersten Empfanges.
„Nehmen Sie doch Platz bei mir. Anitze! Anitze! Bring Schnaps für den
Herrn!“
„O, ich danke,“ entgegne ich geschmeichelt. „Zu viel Ehre!“
„Nehmen Sie mit wenigem vorlieb, Herr ...“
„Roda“, ergänze ich.
„Tja, ja, Herr Roda! Schade, daß Sie nicht gestern gekommen sind, wir
haben so herrlichen Kuchen gehabt. Aber immerhin -- Sie sind auch heute
willkommen. Meine Schwägerin in Nisch ...“
„Wie, Sie haben auch eine Schwägerin in Nisch?“ frage ich -- fast
erschrocken vor Freude darüber, daß Milans Rezept so prächtig zutrifft.
„Ja. Haben Sie auch eine Schwägerin in Nisch? ... Gesundheit, Herr
Roda! Stoßen Sie an! ... Brr! Großartige Ware, der Schnaps, was? 's ist
aber auch Eigenbau. Das heißt nämlich eigentlich kein Eigenbau, denn er
stammt von meinem Oheim, der ihn leider Gottes nicht trinken kann.“
„Oh! Ist er tot, Ihr Oheim?“
„Schlimmer als das. Denken Sie nur: er ist in Poscharewatz eingesperrt
... Was haben Sie? Was staunen Sie?“
„Hm ... nichts, wirklich nichts ... Sagen Sie doch, bitte, Herr
Bojanitsch, hat jede Belgrader Familie einen Oheim in Poscharewatz
sitzen?“
„Wie witzig Sie sind! Ja, die Herren Ausländer! Das bringt den Geist
aus der Welt mit. Ein andres Leben da draußen als hier auf dem Balkan
-- wie? Na, es wird auch bei uns einmal anders werden. Denn, nehmen wir
an, der Berliner Vertrag wird eines schönen Tages revidiert ...“
„Um Gottes willen, nur nicht zu viel von der Politik!“ rufe ich,
eingedenk der Warnung Milans.
„Sie haben recht. Es ist ein undankbares Ding. Was dich nicht brennt,
das blase nicht. Sie sind ein Oesterreicher, nicht wahr? Tja, ja
-- zunächst hängt unser Heil doch nur von Oesterreich ab ...“ Joso
Bojanitsch beginnt den Kopf zu wiegen. „Anitze, sag ich immer zu meiner
Frau, Anitze ...“
Ich wiege mit. -- „Du wirst sehen, es kommt bei diesem System nichts
gutes heraus.“
Joso blickt auf -- erfreut darüber, daß ich seine Gedanken so gut
errate.
„Freund,“ schreit er, „Sie gefallen mir, wie Sie doch die Dinge so
richtig zu beurteilen wissen!“
„Mein Gott, wenn man schon so lange hier ist ...“
„Ah, schon lange hier? Aber dennoch: Grütze muß man im Kopf haben. Hat
man die, findet man sich überall gleich zurecht. Und gefällts Ihnen bei
uns?“
„Sehr gut. Das Klima ...“
„Herr,“ ruft er. „Sie sind ein Gedankenleser! Eben auf das Klima wollt
ich zu reden kommen. In Silber sollte man Ihre Worte fassen. Tja, ja.
Scheußlich, dieses Wetter. Sind Sie Landwirt?“
„Nein. Ich ...“
„Also Hausbesitzer, nicht wahr?“
„Nein. Ich ...“
„Tja, ja, ein mörderisches Wetter! Wenn man in Belgrad umhergeht und
die schönen Menschen sieht, meint man, es müsse, weiß Gott, wie, gesund
sein, hier zu leben. Alle sehen aus, als sollten sie dereinst ihr
Brot mit einem Zahn kauen. Aber, aber: sie sind wie die Pappeln, diese
Belgrader -- der Stamm ist groß, das Holz ist morsch. Das lebt wie die
Made im Speck und denkt nicht an die Zukunft ... Noch ein Gläschen,
Herr Roda? ... Zur Gesundheit!“
Ich stoße fröhlich an. So leicht habe ich mir die Sache nicht gedacht.
-- Ich habe ein verbindliches Lächeln auf den Lippen, stelle das
Gläschen hin und greife in die Tasche. Jetzt muß ja bald mein Prospekt
heraus.
„So sind die Leute; Sie haben wahr gesprochen, Herr Bojanitsch,“ knüpfe
ich an. „In den Tag hinein leben sie und denken nicht daran: Was wird
aus meinen Lieben, wenn ich einmal nicht mehr bin?“
„Bravo, junger Mann! Ich wollt, ich hätte eine Tochter. Ihnen würde ich
sie anvertrauen.“
„Ich erkenne den guten Willen an. -- Wenn man sieht, wie so mancher in
Saus und Braus lebt ...“
„Nicht wahr? Und alles verbraucht, so daß Weib und Kinder dereinst
darben müssen, weil ihnen das Familienoberhaupt nichts zurückgelassen
hat? ... Herr,“ ruft Bojanitsch, „wenn ich was zu befehlen hätte, müßte
jedermann ...“
„Ein Viertel seines Einkommens in einer Lebensversicherungspolizze
anlegen.“
„Was sagen Sie, ein Viertel? Ein Drittel wenigstens, ein volles
Drittel.“
Jetzt heraus mit dem Prospekt! Aber wo hab ich ihn, zum Kuckuck?
Auf einmal fängt Bojanitsch herzlich an:
„Sehen Sie, da hab ich rein zufällig ein Prospektchen bei mir: von
der Ozean, Internationale Versicherungsgesellschaft, einem Unternehmen
ersten Ranges.“
„Aber ...“ Ich strecke ihm hilflos den Prospekt meiner La Terre
entgegen.
„Nein Aber, junger Mann! Sie müssen unbedingt eine Polizze nehmen. Ich
sage nur auf vierzigtausend Dinar.“
„Aber ...“
„Kein Aber! Sie sind nicht verheiratet, wollen Sie sagen? Denken Sie
nicht an die armen Eltern, an die Geschwister? Sollen die verhungern,
wenn Sie einst nicht mehr sind?“
„Aber ...“
„Lächerlich. Vierzigtausend Dinar, denken Sie nur! Sie gehn auf der
Straße, ein Ziegel fällt Ihnen auf den Kopf, und schlägt Sie tot.
Weinend umringt Sie Ihre Braut. Doch vierzigtausend Dinar sind da.
Haha!“
„Aber ...“
„Unterschreiben Sie, junger Mann, rate ich Ihnen! So was von
Gesellschaft, wie die Ozean, gibts doch nicht zum zweitenmal.
Sie zucken noch mit Händen und Füßen, und die Gesellschaft zahlt
schon aus. Dabei ist die Prämie lächerlich billig, vierteljährlich
dreihundertundzwanzig Dinar und zwanzig Para. -- Anitze, schnell noch
einen Schnaps! -- Schreiben Sie, junger Mann, morgen um neun Uhr ist
der Arzt bei Ihnen ... So! Nun setzen Sie noch das Datum über Ihren
Namen! So! ... Zur Gesundheit, Herr Roda! Mögen Sie sich, Gott behüte,
recht bald von der Solidität der Ozean überzeugen!“
Vernichtet und geschlagen kehre ich zu den Kanonen in die Festung
zurück.
's nützt nichts. Ich hab kein Talent fürs Versicherungsgeschäft.
*
Ein Unglücksfall
passierte gestern im Geschäftszimmer der Essigfabrik von Schultze.
Ein =Reisender=, der das Aufsehen erregende Buch „=Reise-Kniffe, die
zu ungeahnten Erfolgen verhelfen=“, gekauft, gelesen und studiert
hatte, war kaum mit seiner Offerte in das Zimmer des Geschäftsinhabers
getreten, als er von Herrn Schultze gefaßt, geprügelt, in den Bauch
gestoßen, auf den Rücken getrampelt, vermöbelt, zerbolzt, in Stücke
gerissen und auf die Straße geworfen wurde! -- Ein unglückseliger
Zufall hat es gefügt, daß =eine Viertelstunde vorher= auch Herr
=Schultze die „Reise-Kniffe“ gelesen hatte=.
*
Aufklärung
Herr Willi Schulz -- ein reicher Kaufmannssohn -- darf mit einigen
Studenten verkehren, da er über ein Auto verfügte; wird aber von ihnen
etwas von oben herab behandelt. Eines Tages fragt er, ob er die Herren
am Sonntag morgen um 7 Uhr zu einer Fahrt abholen dürfe. Da wird ihm
zur Antwort:
„Um 7 Uhr?! Was denken Sie, mein Lieber, da kotzt ja der Gent noch!“
*
Verfehlte Wirkung
Der Bankier Tulpenthal beauftragt seinen Buchhalter, dem Herrn Baron
von X., welcher trotz wiederholter Versprechungen seine alten Schulden
nicht begleicht, einen recht groben Brief zu schreiben, ohne jedoch
direkt verletzend, d. h. „ä bißchen durch die Blume grob“ zu sein.
Der Buchhalter tut dies. Der Herr Chef ist aber mit der Leistung
sehr unzufrieden; er vernichtet den Brief und schreibt selbst
folgendermaßen: „Geehrter Herr Baron! Wer hat wollen seine Schuld
ausgleichen spätestens am 1. Januar d. J.? -- Sie, Herr Baron! Wer hat
es aber nicht getan? -- Sie, Herr Baron!! Wer hat darauf versprochen,
am 1. März zu bezahlen? -- Sie, Herr Baron!!! Wer hat aber nicht
bezahlt am 1. März? -- Sie, Herr Baron!!!! Wer hat also sein Wort
zweimal gebrochen? -- Sie, Herr Baron!!!!! Wer ist demnach ein ganz
gemeiner Lump?
Ihr ergebener Tulpenthal.“
*
Verschnappt
Chef (der bemerkt, daß ein Lehrling einen Bleistift im Munde hält):
„Ich verbitte mir diese ekelhafte Unsitte! Wer soll denn solchen
Bleistift hernach =wieder= in den Mund nehmen?“
*
Fatales Versprechen oder die Erinnerung an das Erlernte
Der Handlungskommis Fitzer war zwar in seiner Branche „Bandwaren“
ein ganz brauchbarer junger Kaufmann, allein seine, allerdings auch
talentierte Neigung fürs Theatralische war gewaltiger als jene für die
Bandwaren; kurz, er widmete sich dem Theater und hätte gelegentlich
seines Auftretens einmal zu sagen gehabt: „All mein Glück war
=wandelbar=!“ Statt dessen rief er pathetisch aus: „All mein Glück war
=Bandelwar=!“
*
Anzeige
„Für den Vertrieb von Oelen und Lacken werden Provisions-Reisende
gesucht. Letztere sind im trocknen Zustande glänzend und hart wie
Glas, zerspringen nicht, kriegen keine Risse und sind in dem Handel in
Flaschen und Kruken auf dem Bauche mit unserer Firma versehen.“
*
Fatale Empfehlung
Meine Schreibmaschinen sind in folgenden Häusern im Gebrauch
Maier & Müller in Berlin,
Schutz & Cohn in Wien,
Hirsch & Bär in Köln.
Außer diesen =angeführten= Firmen bin ich in der Lage, =noch viel mehr
Firmen anzuführen=!
August Klapperle,
Fabrik patentierter Schreibmaschinen.
*
Sally Friedenthal wollte sein Herrengarderobengeschäft aufgeben
und veranstaltete einen Ausverkauf. Schließlich blieben aber noch
49 Anzüge, für die sich keine Käufer finden wollten. „Was fang ich
damit an?“ fragte er seinen Freund Lilienfeld, „morgen muß der Laden
geräumt sein.“ -- „Nichts einfacher als das,“ erwidert Lilienfeld.
„Du wirst doch haben, nu -- sagen wir: sieben Freunde.“ -- „Hab ich,“
versetzte Friedenthal. „Also schickste jedem von den sieben Freunden
sieben Anzüge mit der Nota über sechs. Werden se nichts sagen und se
behalten.“ -- „Ausgezeichnete Idee!“ ruft Friedenthal und begibt sich
sofort an die Ausführung. Nach acht Tagen trifft er seinen Freund auf
der Straße. „Nu?“ fragt dieser, „wie is es geworden mit den Anzügen?“
-- „n' Schlag sollste kriegen!“ ruft Friedenthal, „refüsiert haben se
und retourniert haben se alle mit'nander, aber keiner mehr als sechs!“
*
Böse Auskunft
Lehmann kommt in eine Auskunftei, um sich über den Kaufmann Fischer
zu erkundigen, auf den er einen Wechsel gezogen. Der Auskunftsbeamte
sagt, die Firma sei pikfein, das einzige Nachteilige, wenn jener es so
ansehen wolle, sei, daß der Chef blind sei. „Au weih!“ schreit Lehmann,
„das genügt, ich bin verloren; mein Wechsel ist ein Sichtwechsel!“
*
Passender Ersatz
In einen Kolonialwarenladen kommt ein Herr und verlangt einen
Matjeshering. „Bedaure,“ sagt der junge Kommis, „Matjesheringe
haben wir nicht.“ -- Der Kunde geht. -- Der Prinzipal hat dies
vom Nebenzimmer angesehen und haucht den Kommis an. „Wie kenn Se
lassen geh'n ä Kundschaft ohne was zu kaufen! Wenn mer haben keene
Matjesheringe missen Se anbieten, was is auf Lager: ä Stockfisch, ä
Bülowhering, ä Ostseehering, ä paar Sprotten ... aber nie lassen fort
die Kundschaft ohne was zu kaufen!“
„Gut,“ sagt der Kommis, „ich werd' mer's merken.“
Am nächsten Tage kommt eine feine Dame in den Laden und verlangt
errötend eine Rolle Toilettepapier.
„Bedaure,“ sagte der Kommis, „=Toilettepapier= haben wir nicht,
vielleicht nehmen Sie dafür =Schmirgelpapier=!“
*
Zerstreut
Herren Bock & Ströbel in Mannheim.
Heilbronn, den
Senden Sie uns gef. umgehend per Bahn
3 Ballen grün Santos, wie gehabt, Cond. bekannt.
Achtungsvoll =Klug & Comp=.
P.S. Wir bemerken soeben beim Gang durch unser Lager, daß
wir noch Vorrat haben; wir annullieren also unsern obigen
Auftrag; =senden Sie nicht!=
*
[Illustration]
Der vielgeplagte Herr Meyer!
=Meyer= (Geschäftsreisender): „Gott, bin ich zu bedauern! Du siehst
doch die Fliege?“
=Schulze=: „Natürlich!“
=Meyer=: „Die sitzt schon seit der Früh' auf meiner Nase, und noch hab'
ich keine Zeit gehabt, sie wegzujagen!“
*
_________________________________________________
Jedem Leser von „Der tolle Koffer“ sei empfohlen:
Die
meschuggene Ente
Die 200 ulkigsten Enten, die im Blätterwalde deutscher
Zeitungen unfreiwillig ausgebrütet worden sind.
In Freiheit dressiert und vorgeführt von
Felix Schloemp
Mit einem Vor- und Nachwort von
Otto Julius Bierbaum
Mit lustigen Zeichnungen und Umschlag von C. O. =Petersen=
Geh. Mk. 2.--, geb. Mk. 3.--
_Innerhalb 5 Monaten sind 18 Auflagen
erschienen im Verlag von Georg Müller in München_
Aus dem Inhalt: Der entfettete Zeppelin -- Caruso in der Badewanne
-- Die elastische Cousine -- Die Kuh mit den höheren Absichten --
Die leichtfertigen Bullen -- Aepfel des Pegasus -- Lona Barrisson im
Negligé -- Der „bockende“ Otto Erich -- Der Knabe mit de Schwimmfieß
usw. usw.
Aus den zahlreichen spaltenlangen Urteilen der Presse: „... Wer auch
nur eine Seite in diesem urkomischen Werkchen aufschlägt und liest,
der lacht, lacht Tränen und ruft den Freund und läßt ihn mitlachen!
Das gesunde, herzliche Lachen, das von dieser Sammlung wunderbarer
Untaten des Zeitungsteufels ausgeht, verscheucht alle düsteren
Schatten der Melancholie.“
________________________________________________________
Von dem Herausgeber des „Tollen Koffer“ erschien ferner:
Die Über-Ente
Ein lustigtoller Rekordflug von 300 =neuen=,
meschuggenen Enten, so von allerlei Zeitungen
=unfreiwillig= losgelassen wurden.
Arrangiert unter Protektorat von
Felix Schloemp
Mit zahlreichen =neuen= Zeichnungen von
Carl Olaf Petersen
Elfte Auflage
Preis geh. 2 Mark, geb. 3 Mark
=Verlag von Georg Müller in München=
Die außerordentlich beifällige Aufnahme der „meschuggenen Ente“
veranlaßte den Herausgeber diese neue Sammlung unfreiwilliger
Zeitungskomik in künstlerisch-gediegener Ausstattung herauszugeben.
Die mit eminentem Sammelfleiß aus Tausenden und Abertausenden von
deutschen und ausländischen Zeitungen gesammelten Beiträge sind
wieder mit glänzendem Humor und feinem Verständnis für die Pointen so
geschmackvoll arrangiert, daß die Lektüre jedem Freund drastischer,
unfreiwilliger Komik einen vollendeten Genuß gewährt.
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Von dem Herausgeber des „Tollen Koffer“
erschien im Verlag von Georg Müller in München ferner:
Der
perverse Maikäfer
Galante und ungalante Satiren von
Felix Schloemp
Mit einem Leitgedicht von
Rudolf Presber
Mit seltsamem Umschlag von Carl Olaf Petersen und
zahlreichen ganzseitigen Original-Kunstblättern von
Franz von Bayros
Achte Auflage
Preis geheftet Mk 2.--, gebunden Mk. 3.--
Aus dem Inhalt: Der gepiesackte Nordpol. -- Abenteuer im Eispalast.
-- Diabolo des Herzens. -- Nietzsche im Lindenkasino. -- Das
impotente Knickebein. -- Reinhold Reinbold im „Rheingold“. --
Das eingebildete Känguruh. -- Die Musik des Mädchenleibes. -- Das
Mitternachtsmädchen u. a. m.
Alle guten Geister des Humors werden in diesem eigenartigen,
lustigtollen Werk glänzend entfesselt: scharfpointierte, aktuelle
Satiren gegen die Torheiten unserer Zeit, amüsante Schilderungen
galanter Liebesabenteuer, feingeschliffene Parodien auf moderne
Literaten, wie Kerr, Sudermann, H. H. Ewers, Peter Altenberg, R. M.
Rilke u. a. m. und die zahlreichen eleganten Originalkunstblätter
von der Meisterhand Franz von Bayros' gestalten das Werk zu einem
=reizvollen Leckerbissen für alle Freunde lustig-galanter Satire=.
_____________________________________________________________
Ferner ist vom Herausgeber von „Der tolle Koffer“ erschienen:
Der gekitzelte Aeskulap
Eine kräftige Dosis der medicynischsten Witze, Schnurren und
Anekdoten von Aerzten, Patienten und lustigen Studenten
Verordnet von =Felix Schloemp=
Mit einem Geleitbrief von =Roda Roda=
Mit vielen urkomischen Originalbildern von E. =Preetorius=.
Geh. 2 M., geb. 3 M. -- Dreizehnte Auflage.
Verlag von Georg Müller in München.
Ein glänzendes Brillantfeuerwerk funkelnder Witzraketen mit
scharfknatternden Pointen ist es, was durch dieses einzigartige
Kompendium medizinischen Humors zur Erheiterung eines lachlustigen
Publikums unter Assistenz erster Humoristen wie Roda Roda, Dr.
Owlglaß, H. H. Ewers und vieler humorbegabter Mediziner abgefeuert
wird.
Aus dem Inhalte seien nur einige besonders ulkige Schlager erwähnt:
Der Student mit dem Saumagen -- Blasensteine der Dummheit -- Bernhard
Shaw als Gynäkologe -- Das Therapeutische bei Rich. Wagner -- Das
Herz in der Blase -- Die verschluckte Rasierseife -- Schallbäder und
Bettgymnastik und hunderte andere lustig-tolle Schlager!
Aus den zahlreichen =Urteilen der Presse=:
=Die Heilkunde.= Wien. (Dez. 1909) schreibt: „Der Verfasser der
„meschuggenen Ente“ hat das Wagnis unternommen, dem alten, ehrlichen
Gott der Heilkunde, Aeskulap, mit dem Federkiel gewaltig das
Zwerchfell zu kitzeln. =Und das Wagnis ist durch die Witzanthologie
„Der gekitzelte Aeskulap“ glänzend gelungen. Der Gott lacht und jeder
wird von dieser göttlichen Heiterkeit angesteckt und muß mitlachen!=
Aus allen Elixieren des Humors ist in der Retorte dieses lustigen
Werkchens eine kräftige Dosis von Lachgas herausdestilliert, die
selbst den griesgrämigsten Hypochonder zum Lachen bringen muß. So
entsteht ein außerordentlich reichhaltiges, urkomisches Kompendium
medizinischer Satire und Witzes, das =nicht nur jedem= Arzt,
sondern auch jedem =Patienten=, =Apotheker=, =Zahnarzt=, =Student=,
=überhaupt jedem Freund drastischen Humors= einige lachfrohe Stunden
bereiten wird“.
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Druck von Mänicke und Jahn, Rudolstadt.
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| Anmerkung zur Transkription |
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| Offensichtliche typografische und Fehler bei der Zeichensetzung |
| sind stillschweigend bereinigt. |
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