derselben ist bei mir mit tausend Mark belastet.“ -- Reisender: „Da
bin ich aber in der Tat sehr froh, daß ich den letzten Posten zu
Schundpreisen verkauft habe.“ -- Chef: „Wieso?“ -- Reisender: „Sonst
wäre ja Ihr Verlust viel größer.“
*
Mahnung und Antwort
+----------------------------------------------------------+
| Siegfried Jacob & Co. |
| Breslau. _Breslau, d. 5. 12. 09._ |
| |
| _Herrn Aaron Ponimsohn_ |
| _in Krotoschin._ |
| |
| _Bei Durchsicht unserer Bücher finden wir Ihr Konto |
| noch immer mit M. 300.-- belastet._ |
| _Wenn Sie nicht innerhalb 5 Tagen bezahlen, verklagen |
| wir Sie._ |
| _Ergebenst |
| Siegfried Jacob & Co._ |
+----------------------------------------------------------+
Antwort.
+----------------------------------------------------------+
| _Krotoschin, d. 8. 12. 09._ |
| _Herrn |
| Siegfried Jacob & Co. |
| Breslau._ |
| _Anbei übersende ich Ihnen die 300 M._ |
| _Wie können Se mer solch grobben Brief schreiben! Wo |
| ich kaufe schon seit 30 Jahren von Ihnen de mieseste |
| Schundware, asser kaufe ich nich for einen Pfennig mehr |
| von Ihnen; ich verbitte mir soiche Briefliches._ |
| _Ergebenst |
| Aaron Ponimsohn._ |
| |
| _Bitte wenden!_ |
+----------------------------------------------------------+
Rückseite der Antwort.
+----------------------------------------------------------+
| |
| _Eso hätt ich geschrieben, hätt ich gehabt Geld zu |
| Bezahlen._ |
| _Aperçü: Schicken Se mir noch von de leinenen Ticher |
| 3 Dtzd._ |
| |
+----------------------------------------------------------+
Energisch
Ein Schneider schickt seinen Reisenden zum Studenten Borgerl, um
demselben mal energisch auf die Hinterbeine zu treten. Nach 'ner halben
Stunde kommt der Reisende zurück.
„Nun, Herr Meyer,“ fragt der Schneider, „haben Sie es dem Manne
gesagt!?“
„Ob ich es ihm gesagt hab' und =wie= hab' ich es ihm gesagt, und wenn
er =dagewesen wär', hätt' ich es ihm noch viel mehr gesagt=!“
*
Im Sargmagazin[4]
„Was für einen Sarg wünschen gnädige Frau? Einen metallenen oder einen
eisernen?“
„Welche sind besser?“
„Beide Sorten sind gut. Die metallenen Särge sind dauerhafter, aber die
eisernen =gesünder=!“
„Gut, also einen eisernen! Was kostet dieser?“
„Sechzig Mark.“
„Was so teuer, können Sie ihn mir nicht billiger abgeben?“
„Nein, billiger kann ich ihn nicht lassen, aber ich =will Ihnen noch
einen kleinen zugeben=!“
[4] Aus: „Der gekitzelte Aeskulap“. Eine kräftige Dosis der
medicynischsten Witze und Schnurren von Aerzten, Patienten
und lustigen Studenten. Verordnet von Felix Schloemp. Unter
Accouchement von Roda Roda. 13. Auflage. Verlag von Georg Müller,
München.
*
Industrie
Wie anders war es doch in alter Zeit!
Mit tiefer Wehmut gedenke ich noch heute eines traulichen
Familienbildes. Es war am Vorabend der Hinrichtung unsres seligen
Urgroßvaters. Großpapachen, damals noch ein rüstiger Herr, saß,
ein gesticktes Hauskäpplein auf dem Haupte, über der „Morgenpost“,
Großmamachen las einen Roman von der Luise Mühlbach, Onkel Kaspar
rauchte seine schwarz-rot-goldne Pfeife und Mutterchen -- sie hatte
sich kurz vorher verlobt -- häkelte eine Weste für ihren Bräutigam.
-- In der friedlichen Runde aber kreiste die Lichtputzschere, und alle
wetteiferten im Schneuzen der anheimelnd flackernden Kerze.
Seitdem sind viele Jahre vergangen.
Die technischen Fortschritte auf allen Gebieten sind bis in die
innerste Häuslichkeit gedrungen, man brennt heute nur mehr Gas oder
Elektrizität.
Wir hatten in unsre alte Wohnung Gas einziehen lassen, aber Großmama
wurde nie den Gedanken los, daß es nach Ziegenbock stinke. Dann ist es
auch im Schlafzimmer sehr unangenehm. Elektrizität wieder, das kostet
eine Menge Geld, wenn man noch nicht darauf eingerichtet ist, und man
hört auch so viel von Kurzschlüssen.
Da las Großpapachen in der „Morgenpost“ von der
Spektral-Multiplex-Biform-Lampe, und auch im Krakauer Kalender war sie
rühmend erwähnt -- als etwas wirklich Gediegenes.
Zufällig sah ich bei Beer & Cie. im Schaufenster eine Multiplex-Biform
brennen und fand das Licht ruhig und sehr hell.
Am nächsten Abend nahm ich meine Käte mit. Wir sahen uns beide das Ding
an. Sie konnte auch nicht viel dagegen sagen und war nur mißtrauisch,
weil die Lampe patentiert war. Aber es ist doch einfach töricht, eine
Lampe, nur weil sie patentiert ist, für schlecht zu halten.
Wir besprachen die Sache zu Hause. Großpapachen, der sehr modern denkt,
war dafür, daß ich zu Beer & Cie. fragen gehen sollte: erstens, wieviel
Petroleum die Lampe brauche, zweitens, wieviel sie koste und drittens
wegen einer schriftlichen Garantie auf ein Jahr.
Bei Beer & Cie. traf ich einen Kommis, einen sehr geläufigen jungen
Mann. Er fragte mich, ob ich einen Spektral-Multiplex-Biform-Löscher
haben wolle -- oder eine Spektral-Multiplex-Biform-Lampe.
Ich sagte: eine Lampe.
Da begann der junge Mann:
„In höflicher Beantwortung Ihrer sehr geschätzten Anfrage gestatten
wir uns, Ihnen unsere hochprima Spektral-Multiplex-Biform-Lampen in
zwei Größen zu offerieren: die eine für Wohnzimmer, die andere für
Lokalitäten.“
Ich verlangte natürlich eine Lampe von der ersten Art. Er brachte sie
und zündete sie an.
„Unsre von allen Höfen und den höchsten Fürstlichkeiten durch lobende
Anerkennungen ausgezeichnete Spektral-Multiplex-Biform-Lampe hat ihren
Namen daher, daß die Flamme, wie Sie sehen, in Form eines griechischen
Bi brennt. Man kann sie auf acht Kerzenstärken einstellen -- wie
jetzt -- für Gesellschaften bis zu fünf Personen; oder -- so -- auf
neun Kerzen -- für elf Personen, darunter auch Kinder oder -- durch
diesen Hebeldruck -- auf dreizehneinhalb Kerzen -- für Hochzeiten und
andere größere Räumlichkeiten. Die Tabelle dazu geben wir kostenlos
bei. -- Die Lampe wird mit Spektralöl gefüllt, und führen wir selbes
gleichfalls. Das Spektralöl ist von uns erfunden und wird eigens für
unsere werten Kunden erzeugt. Es kostet um fünf Kronen per Tonne mehr,
als das beste im Handel befindliche Petroleum, hat aber auch einen
um 21,5 Proz. höhern Feingehalt an ölig-chemischen Bestandteilen. Die
Multiplex-Biform verbraucht davon in einer englischen Stunde je nach
der Kerzenstärke für dreizehn bis neunzehn Hundertel Heller, wodurch
sich zwar der Liter Spektralöl in der Anschaffung ein für allemal
etwas höher stellt, jedoch im Gebrauche wesentliche Ersparnisse im
Gefolge hat. Hierfür garantieren wir, und legen wir die Tabelle hiezu
gleichfalls kostenlos bei. -- Die Lampe selbst berechnen wir Ihnen
äußerst mit 23 K 70 h netto ab hier, und haften wir schriftlich bis zur
Ueberstellung ins Haus. -- Ein Reserve-Spektral kostet eine Krone, ein
Reserve-Multiplex sieben Kronen und ein Dutzend Reserve-Biformen nur
sechzig Heller.“
Also kaufte ich eine Lampe samt allen notwendigen Nebenbestandteilen.
„Wünschen auch einen Spektral-Multiplex-Biform-Ohrenschützer? -- Nein?
-- Aber einen Spektral-Multiplex-Biform-Löscher empfehle ich Ihnen
unbedingt.“
„Nein, nein -- ich danke,“ sprach ich und ging.
* * * * *
Am dritten Abend, als wir wieder daheimsaßen, Großpapa mit seiner
„Morgenpost“ und Onkel Kaspar mit seiner Pfeife, da sprach meine Käte:
„Sieh nur, die Lampe geht aus.“
Ich rüttelte sie ein wenig -- sie war gefüllt. Ich holte die Tabelle,
stellte die Lampe auf sechs Personen und ein Kind ein -- sie flackerte.
Ich schraubte ein neues Spektral ein -- sie zuckte meterhoch und
summte.
„Vielleicht ist das Multiplex zu stark erhitzt,“ sagte Onkel Kaspar
-- und ich tat ein andres Multiplex an die Biform. -- Als alles nichts
nützte, zog ich auch die Biform heraus und ersetzte sie. Aus der Lampe
hörte man es zornig brausen, und die Flamme züngelte wie eine Schlange
aus dem Zylinder.
„Am besten wäre, die Lampe auszulöschen.“
„Ja -- ja, löschen wir sie aus,“ riefen nun alle.
Ich wollte die Schraube anziehen -- sie war unberührbar heiß. Da blies
ich in den Zylinder. Die Flamme fuhr heraus und fauchte mich an. Onkel
Kaspar begann mitzupusten, dann Käte und alle Kinder, die Gouvernante
und endlich sogar Großväterchen. Wir bliesen zuerst ungeregelt und dann
auf Kommando. Der Gouvernante flog der Puder vom Gesicht und ein Zopf
aus der Frisur -- die Lampe brannte.
Da sah man, wie der Multiplex anfing, von oben her langsam in Rotglut
überzugehen. Immer tiefer und tiefer, jetzt mußte die Röte den
Lampenkörper erreichen.
Und da -- erfolgte ein unbeschreiblicher Krach.
Ich habe jene berühmte Kesselexplosion des Donaudampfers „Radetzky“
im Hafen von Preßburg mitgemacht, wo der zweite Maschinist hoch in die
Luft flog und die Kunde von dem erschütternden Ereignis als erster nach
Bruck an der Leitha brachte. Aber ich muß sagen, ich habe zwischen
den beiden Explosionen keinen Unterschied bemerkt. Onkel Kaspar
wieder, der damals in Preßburg sein Gehör verloren, fand den Knall der
Multiplex-Biform um ein Nuance lauter.
Unsere Fenster waren auf die Gasse geflogen und die der
gegenüberliegenden Häuserreihe eingedrückt worden. Eine bedeutende
Rauchwolke -- in der „Morgenpost“ stand später fünfzehn Stockwerke hoch
-- wallte himmelan. Es brannte der Schreibtisch, das linke Ende von
Großpapachens Bett und die marmorne Säule unter einer Gips-Bronzebüste
von Dante.
Wir alle saßen noch betäubt -- unfähig, uns zu rühren.
Da hörte ichs unten rasseln und blasen: die Feuerwehr.
Und eine Baßstimme vor der Tür: „Ists ein
Spektral-Multiplex-Biform-Brand -- oder ein andrer?“
„Ein Biform --.“
„Na, dann heißts nicht viel.“
Herein trat ein Feuerwehrmann mit einem niedlichen polierten Apparat
und richtete einen dünnen Strahl auf die Brandstellen. -- Im Nu war
alles gelöscht.
Dem Feuerwehrmann auf dem Fuße aber folgte der Kommis von Beer & Cie.
und sprach:
„Sie haben hier soeben den ausgezeichneten amerikanischen
Spektral-Multiplex-Biform-Löscher in Tätigkeit gesehen, und
dürfte derselbe Ihr geschätztes Wohlgefallen gefunden haben.
Wir erzeugen solchen in zwei Größen: Nr. 1 für eine bis drei
Spektral-Multiplex-Biform-Lampen -- Nr. 2 in größerer Ausführung für
vier und mehr Lampen.“
„Um Himmelswillen,“ rief ich, „sind denn euere Lampen geradezu aufs
Explodieren eingerichtet?“
Der junge Mann lächelte. „Der Hauptartikel unsres mit dreiundsiebzig
Filialen in sämtlichen Ländern vertretenen Welthauses sind unsere
großartigen Spektral-Multiplex-Biform-Löscher. -- Nur um unseren
ausgezeichneten Löschern eine weitere Verbreitung zu sichern, erzeugen
wir unsere Spektral-Multiplex-Biform-Lampen, und geben wir selbe an
Interessenten zum halben Selbstkostenpreise ab.“
Roda Roda.
*
Ein Praktiker
Mayer hat einen Schlafrock ganz karriert, und in jedem Quadrat ist eine
Nummer darin. „Zu was hast du e nummerierten Schlafrock?“ frägt ihn
sein Freund. -- „Das ist ganz einfach,“ sagt Mayer, „wenn es mich zum
Beispiel am Buckel beißt, sag' ich zu mein' Weib: Sarah, kratz mir auf
Nr. 27.“
*
Mitleidig
Mendl Zeisig, ein Hausierer, sucht schon Jahre hindurch einen Baron
heim und wird jedesmal von dessen Diener die Treppe hinuntergeworfen.
Hausierer und Diener werden alt dabei. Als der Erstere nach langer
Pause wieder einmal den Baron inkommodiert, ist der Diener schon
so gealtert, daß er den Beharrlichen nur mit großer Mühe die Treppe
hinunterwerfen kann.
Unten angekommen, sagt der Beförderte im Tone des tiefsten Bedauerns:
„Er werd nebbich schon sehr schwach, der Herr Johannleben!“
*
Um jeden Preis
=Reisender=: „Ich vertrete die Firma Qualm & Comp. in Rauchhausen und
erlaube mir, Ihnen unsere vorzüglichen Fabrikate in allen Preislagen zu
empfehlen! Sie finden in meiner reichhaltigen Kollektion --“
=Herr= (unterbrechend): „Bitte, bemühen Sie sich nicht weiter, es ist
zwecklos, denn ich bin Nichtraucher!“
=Reisender=: „Aha, Nichtraucher?! -- Sehen Sie gefälligst, mein Herr,
da habe ich eine Sorte Pfälzer Decker mit Kartoffelkraut-Einlage, Preis
pro Mille 8 Mark, =die ist absolut nicht zum rauchen=!“
*
Feste Preise
Aaron Mandelbaum will sich bei Siegfried Josephsohn einen Anzug kaufen.
Er hat sich schon etwas Passendes ausgesucht und fragt, was der Anzug
kosten soll.
„Nu,“ sagt Josephsohn, „bei mir sind Se in e reellem Geschäfte, wo nix
wird gehandelt, ich habe nor feste Preise un will for den Anzug nich
hundert, nich neunzig un nich achtzig Mark, Se kriegen ihn for siebzig
Mark und =keinen Pfennig billiger=!“
„Gut,“ sagte Mandelbaum, „ich will Ihnen was sagen, Herr Josephsohn,
ich will zahlen for den Anzug nich zehn, nich zwanzig und nich dreißig
Mark; ich will Ihnen geben dafür =vierzig Mark und keinen Pfennig
mehr=!“
„'S is gemacht!“ sagte Josephsohn, „Siegfried, pack' ein for Herrn
Mandelbaum den Anzug!“
*
Kunstbegeisterung
Herr Löwengrub hält in seinem Hause viel auf Bildung. Bei einer großen
Gesellschaft erwartet er ungeduldig, daß einer seiner Gäste einen Toast
hält. Gegen Ende der Tafel erhebt sich endlich Kommerzienrat Baruch,
um einige Zeilen zu verlesen, die er „sich aufgesetzt“ hat. Löwengrub
klemmt sich seinen Zwicker auf die Nase und flüstert seiner Nachbarin
glückstrahlend zu:
„=Endlich e' bissche Literatur!=“
*
Der Dichter
Isidor Rapunzeles ist verlobt und der Geburtstag seiner Braut steht
bevor. Um einen guten Eindruck zu machen, beschließt er, ihr ein
Gedicht zu verehren; aber leider ist er besser auf dem Kontorbock als
auf dem Pegasus zuhause. Er geht also zu einem Gelegenheitsdichter
und bestellt ein Geburtstagsgedicht. Schließlich fragt er: „Herr
Dichterleben, was wird kosten das Gedicht?“ -- „Zwanzig Mark!“ -- „Gott
der Gerechte, is das teuer! -- Na, weil's is for de Rebekka -- hier
sind zwanzig Mark! Aber hören Se, Herr Dichterleben, machen Se's recht
schön, 's is =das erste Mal, daß ich dichte=!“
*
Der Kaufmannssohn
Der Lehrer hat in der Religionsstunde erzählt, wie Moses auf dem Berge
Sinai gewesen und nachdem er dort die zehn Gesetztafeln erhalten, aus
Zorn über den „Tanz der Juden um das goldene Kalb“ die Tafeln mit den
zehn Geboten zerschmetterte.
„Wie kam es nun,“ fragt er den Sohn des Großkaufmanns Meyerstein, „daß
die zehn Gebote trotzdem auf uns überkommen sind?“
Der kleine Meyerstein steht auf und erwidert:
„Nu, der liebe Gott wird doch e Kopierbuch gehabt haben!“
*
Unterschied
In einem Konfektionsgeschäfte werden zwei Angestellte dabei erwischt,
wie sie mehrere Sommerpaletots entwendet haben, und zwar findet man bei
einem zwölf und bei dem andern fünf Stück vor.
Der Chef nimmt von einer Anzeige Abstand, wirft aber die unehrlichen
Angestellten sofort hinaus. Er läßt sie vorher in sein Privatkontor
kommen und zahlt ihnen ihr Gehalt unter Abzug des Preises für die
gestohlenen Paletots aus.
„Herr Silberberg,“ sagt der eine Angestellte, „Sie ziehen mir da ab
für die fünf gestohlenen Paletots 50 Mark, also 10 Mark fürs Stück. Dem
Knobelsdorf haben Sie für die zwölf gleichen Paletots 90 Mark, also nur
7,50 Mark pro Stück abgezogen?“
„Ja,“ sagt der Prinzipal, „=Sie haben ja auch bloß fünf Stück genommen,
der Knobelsdorf aber gleich einen ganzen Posten, da kriegt er se
billiger=!“
Scherzfrage
Welche ist die beste Bank der Welt?
Die Mitteldeutsche Kredit-Bank, denn wenn man der die Mittel und den
Kredit nimmt, bleibt immer noch die „Deutsche Bank“ übrig.
*
[Illustration: Bosheit der Bürokröten]
Einer unter Tausenden
„Dem jungen Kommis dort hinten am letzten Pult können Sie sein Gehalt
aufbessern um 20 Mk.“ bemerkte der Chef zu seinem Prokuristen. „Er
ist einer unter Tausenden. Diesen Morgen, als ich durch das Bureau
ging, war er der einzige, der arbeitete, alle anderen standen an
den Fenstern, um das Militär vorüberziehen zu sehen und der Musik
zuzuhören.“ Das Herz des jungen Kommis hüpfte vor Freude am nächsten
Ersten, als er sich so unerwartet aufgebessert sah, und der Prokurist
erzählte ihm den Vorfall, dem er sein Glück zu verdanken hatte. „So,“
fragte der Kommis, „das Militär zog vorbei?“ -- „Ja, haben Sie denn
nicht das Musizieren gehört?“ -- „Ja,“ meinte der Kommis, „ich mußte
aber grade meiner Braut eine eilige Rohrpostkarte schreiben.“
*
Sehr nobel
=Chef= (in einer Ansprache an sein Personal): „Die große Freude an
dem selten schönen Ereignis des =hundertjährigen= Bestehens meiner
Firma veranlaßt mich denn auch, sämtliche =Herren=, welche =seit der
Gründung= in meinem Hause tätig sind, mit einer Gehaltsaufbesserung zu
bedenken!“
*
Geschäftsstil
„In Ihrem Allerwertesten vom 12. 3. erwähnen Sie einen dunklen Punkt,
den ich mir vorbehalte, bei meinem Dortsein eindringlichst mündlich zu
berühren.“
*
Nervös
Veilchenfeld (nervös am Telephon): „Gehen Sie doch etwas weiter vom
Apparat zurück, Herr Hirschleben, =Se spucken mir ja fortwährend in's
Gesicht=!“
*
Um zwei Uhr nachts klingelt beim Eier-Engroshändler Wassergeruch das
Telephon äußerst stürmisch.
Wassergeruch fährt aus dem Schlafe auf und läuft besorgt zum
Fernsprecher.
„Wer ist dort?“ fragt er.
„Hier Natan Zucker! Sie haben einen Wechsel von mir, der morgen fällig
ist, Herr Rosenstein.“
„Gut, gut,“ schreit der Angerufene, „und was wollen Sie denn
eigentlich?“
„Ich will Ihnen nur sagen, Herr Rosenstein, daß ich nicht in der Lage
bin, den Wechsel einzulösen ...“
„Mensch,“ unterbricht ihn Rosenstein wütend, „und wegen dem wecken Sie
mich auf, mitten in der Nacht. Was fällt Ihnen denn ein, Zucker?“
„Gott,“ sagt Zucker, „ich hab' nicht können schlafen wegen dem Wechsel,
und da hab' ich mir gedacht: sag's ihm jetzt, da wird =er nicht können
schlafen=!“
*
Erkannt
Der Verlagsgehilfe Bummerl benutzt häufig den Vorwand, „etwas Wichtiges
in der Druckerei“ erledigen zu müssen, um einige private Abstecher in
ein nahes Weißbierlokal zu unternehmen, und legte vor seinem Weggehen,
jedesmal einen Zettel:
+----------------------------------------------------------+
| _Bin in der Druckerei_ |
| _Bummerl_ |
+----------------------------------------------------------+
auf sein Pult. Als er einst wieder von einer solchen Exkursion
zurückkehrte, findet er den Zettel so korrigiert vor:
+----------------------------------------------------------+
| _Bin in der Drückerei_ |
| _sehr gross!_ |
| _Bummerl_ |
+----------------------------------------------------------+
*
Stimmungswechsel
Schuldner: „Ich möchte gern meine Schuld bei Ihnen bezahlen --“ --
Gläubiger: „Ach bitte, das hat gar keine Eile!“ -- Schuldner: „Aber ich
kann leider noch nicht!“ -- Gläubiger: „Ja, was bilden Sie sich denn
eigentlich ein? Meinen Sie, ich werde noch länger warten?“
*
Der Lehrling
Wer ist der Jüngling, klein und glattgeschoren,
Der stets als Letzter morgens im Bureau,
Mit langen, zupfenswerten, roten Ohren
Und überhohem Kragen comme il faut,
Den man von früh bis abends hört rumoren,
Doch schafft er nichts, der Bengel tut nur so,
-- Das ist der Lehrling, oft und streng bekrittelt,
Den man auch „=Stift=“ und „=Moritzche=“ betitelt.
Die Presse des Kopierens wird auf Erden
Von seinem muskelstarken Arm geschnürt,
Doch müssen meistens abgeschrieben werden
Die Briefe, die der junge Mann kopiert,
Auch das Kopierbuch macht ihm viel Beschwerden
Es wird im Jahre =einmal= registriert,
Denn seiner Seele Schwarz ist kaum geringer
Als die enorme Schwärze seiner Finger.
Zehn Streiche sinnt er aus in der Minute,
Ob Chef, ob Kommis ist ihm ganz egal.
Und gibt ihm einer eine auf die Schnute,
So haut er wieder mit dem Lineal.
Des Nachts hingegen, da poussiert der Gute,
Nicht leicht zu „kräftig“ ist ihm ein Lokal,
Und trinkt er abends Lagerbier in Masse,
So stimmt am Morgen nicht die Portokasse.
So treibt er es zwei Jahre unverdrossen
Und mit der Frechheit wächst sein rotes Ohr,
Die Kaufmannsweisheit bleibt ihm zwar verschlossen,
Doch menschlich-ethisch steigt er hoch empor.
Und wenn die schöne Lehrlingszeit verflossen,
Ruft ihn der Chef in das Privatkontor
Und spricht mit väterlichem Ton allhier:
„=Nun bist du Kommis -- aber nicht bei mir!=“
=Karlchen.=
*
Der dramatisch veranlagte Kommis
=Prinzipal=: „Herr Troddlich, Sie kommen immer zu spät, das kann nicht
so fortgeh'n!“
=Kommis=: „Spät kommt er, doch er kommt!“
*
Guter Rat
Ein junger Kaufmann beklagt sich einem älteren gegenüber, daß er sich
langweile.
„Weißte was,“ erwidert der, „stell' nur 'n paar Vierteljahr-Akzepte
aus, da sollste sehn, =wie schnell die Zeit vergeht=.“
*
Der Sykophant
=Kommis= (der ein Engagement sucht): „Verzeihen Sie gütigst, wenn ich
störe. Sie suchen einen Kommis und nun wollte ich mir die ergebene
Anfrage erlauben, ob Sie vielleicht für meine Wenigkeit Verwendung
hätten.“
=Kaufmann=: „Nein, Sie sind mir viel zu höflich. Ich muß einen Menschen
haben, der rücksichtslos und grob auftreten kann.“
=Kommis=: „Na, dann steigen Sie mir den Buckel hinauf, Sie alter Esel!“
=Kaufmann=: „Jetzt will er sich bei mir einschmeicheln!“
*
Muster von Deutlichkeit
„Hiermit teile Ihnen mit, daß der nasse Tabak, den Sie mir ein wenig
naß geschickt haben, ein wenig zu naß ist; ein wenig naß durfte er wohl
sein, aber allzu naß, ist zu naß.“
*
Der Urlaub
Der Bureaudiener Säbelbein möchte gern acht Tage Urlaub haben. Er geht
also zu seinem Chef hinein und bittet darum.
„Ah, das geht nicht!“ sagt der Chef. „Sie müssen um den Urlaub
schriftlich einkommen!“
„Ich kann sulchene Gesuch nicht machen!“ meint Säbelbein.
Der Chef, ein sehr freundlicher Herr sagt: „Also, so setzen S' Ihnen
daher, ich werd' Ihnen das Gesuch diktieren!“
Und er diktiert's dem Säbelbein. Eine halbe Stunde lang. „So,“ sagt er
dann. „Jetzt schreiben Sie 's sauber ab, picken S' einen Stempel d'rauf
und bringen Sie 's mir dann herein!“
Säbelbein tut, wie befohlen. Der Chef nimmt das Gesuch, liest
aufmerksam das selbstdiktierte Urlaubsgesuch durch und sagt dann: „Das
ist alles recht schön, lieber Säbelbein, aber ich kann Ihnen den Urlaub
nicht geben ... es ist zu viel zu tun im Geschäfte!“
*
Ein Berliner Kaufmann, der in Konkurs geraten war, hat seine
Gläubiger mit 25 =Prozent= abgefunden; während der kritischen Zeit
hatte er sich nicht blicken lassen, und es hieß, er sei infolge des
Geschäftszusammenbruchs schwerkrank. Das war es auch gewesen, was seine
Gläubiger bewogen, mit ihm einen so billigen Vergleich zu schließen.
Bald nach Aufhebung des Konkurses ist der Mann wieder obenauf.
Eines Tages begegnet ihm ein früherer Gläubiger.
„Nu, Herr Schnupftuch,“ fragt er etwas ironisch, „wie geht's nach der
Krankheit?“
„Wie soll's gehn? Sie sehn doch ...“
„Ja, ja,“ meint der andere, „=Sie sehen wirklich schon um 75 Prozent
besser aus= ...“
*
Fein pariert
Zwei Handlungs-Reisende kamen in der Geschäftsunterhaltung etwas in
Eifer, ja Erregung, so daß sich der Reisende Neidig zur Bemerkung
verstieg: „Bei all Ihren Bestrebungen und Geschäftsmanipulationen
erkennt man allenthalben nur das Trachten nach Verdienst, das
heißt Geld, während ich und beziehungsweise mein Haus mehr nach
Ehre trachten!“ -- „Ganz richtig,“ erwiderte gelassen der Reisende
Schneidiger: „Es trachtet eben jeder nach dem, =das ihm fehlt=!“
*
Schlagfertig
=Wirt= (erregt): „Armer Herr! Sie haben wohl keine Ahnung davon, daß
ich von Weinreisenden heute schon so geplagt wurde, daß ich =bereits
zwei= hinausgeworfen habe!“
=Weinreisender=: „Doch! Doch! Gerade daraus schließe ich ja, daß Sie
Ihre werten Aufträge =für mich= bestimmt haben!“
*
Schadenfreude