Ich stellte ärgerlich meinen Wirt zur Rede: „Ich muß seit Monaten zehn

Lire Pension zahlen und mein Nachbar, der Berliner, der heute gekommen

ist, zahlt für das gleiche Zimmer, die gleiche Küche nur sieben.“

Der Wirt zuckte die Achseln.

„Was wollen Sie,“ sagte er, „-- _e fortunato_. Er hat Glück.“

Roda Roda

*

=Frau Goldstein= (im Hotel): „Sie Portier, wo steckt denn wieder der

=Liftgoy=?!“

*

In Galizien in einem kleinen Orte, wo kein Hotel existiert, steigt ein

Reisender in einem Gasthofe ab. Um 12 Uhr mittags weckt ihn der Wirt

und sagt: „Steh'n Sie auf, es ist Zeit zum Essen.“ Der Reisende sagt:

„Ich dank' schön. Ich hab' kan Appetit.“ Der Wirt erwidert: „Ich brauch

aber doch das Bettlaken zum Tischdecken.“

*

Was alles im Hotel liegen bleibt!

Herr Klepper war um 5 Uhr des Morgens aufgewacht, schnell zog er

sich an und eilte nach dem Bahnhofe. Als das Zimmer aufgeräumt wurde,

fand man seine drei falschen Zähne mit mächtiger Goldplatte. -- Die

Sängerin Jolanda war um 10 Uhr des Morgens abgereist, was hatte sie

liegen lassen? Ein Strumpfband mit silbernem Schloß, Wappen A. von M.

-- Der Geschäftsreisende Schirmer war um 7½ Uhr morgens aufgestanden,

unbekannt wohin gereist, was fand man in seinem Bette? Eine kleine

goldene Uhr. -- Herr Eberlein reiste in der Frühe ab, was fand man

in seinem Bette? Ein kostbares Juchten-Zigarrenetui mit geheimem

Verschluß. -- Ein Brillantenhändler aus Brüssel hatte im Schlafzimmer

eine Zahnbürste liegen lassen. Er holte sie nach einigen Tagen ab,

da fand man auch noch einige Perlen dabei liegen, worauf er sagte,

„die gehören nicht mir.“ -- Mit einem großen Paket war ein Ehepaar

angekommen. Sie zahlten im Voraus und gingen morgens in aller Frühe.

Was ließen sie liegen? Ihr Paket. Es wurde geöffnet, und was fand man

darin? Vier große Zigarrenkästen ohne Zigarren, aber mit Eierschalen.

-- Frau Professor hatte einige Tage im Hotel gewohnt, sie reist ab, da

vergißt sie ihren Photographenapparat, den sie täglich spazieren führt,

mitzunehmen. Ein Telegramm trifft ein; da fällt der Apparat auf den

Boden und mit ihm Seife, Waschlappen, Puder, Schminke usw. Es war nur

ein Renommierapparat gewesen; recht praktisch für die Frau Professor.

*

[Illustration: Musterkoffer der Tollheit]

Mißverständnis

Ein Herr kommt in einen Handschuhladen.

Verkäuferin: „Womit kann ich Ihnen dienen?“

Herr: „Ach, weißt du, du kannst mir ein Paar Glacéhandschuhe geben!“

Verkäuferin (erstaunt): „Was wünschen Sie?“

Herr: „Na, ich hab's dir ja schon gesagt, du möchtest mir ein Paar

Glacéhandschuhe geben!“

Die Verkäuferin geht kopfschüttelnd und empört zum Chef und sagt: „Herr

Klosettdeckel, da ist vorne im Laden ein wildfremder Mann, der mich in

unverschämtester Weise duzt.“

Der Chef geht nach vorn in den Laden.

Chef: „Sie wünschen, mein Herr?“

Herr: „Ja, ich habe es doch schon deinem Fräulein gesagt, du möchtest

mir ein Paar Glacéhandschuh geben!“

Chef (wütend): „Herr, was soll das heißen? Erst duzen Sie meine

Verkäuferin und jetzt machen Sie mit mir dieselben Tollheiten?!“

Herr (ruhig): „Tollheiten? Wieso? Da draußen in dem Schaufenster steht

doch ein Schild:

+---------------------------------+

| _Glacéhandschuhe à Paar 3 Mark_ |

| _=Duzend billiger=!_ |

+---------------------------------+

*

Korrekt

Diener: „Da ist der Weinhändler mit der Rechnung für den Champagner;

soll ich ihn hinausschmeißen?“

Herr: „Nein, noch nicht; ich muß doch erst sehen, ob die Rechnung auch

stimmt.“

*

Nix zu machen!

Ein Hausierer kommt zu einem reichen Juden und bietet ihm Hosenträger

an. „Nee, ich kaufe nix!“

„Nu, wenn ich Ihnen sag', es is e prima Qualität!“

„Nee, nee! Ich kaufe nix!“

„Nu, wenn Se nix kaufen, sind Se das größte Kameel, Rindvieh un

Heupferd, das jemals gelebt hat!“

„=Se kennen mir schmeicheln wie Se wollen, aber ich kaufe nix!=“

*

Sicheres Kennzeichen

Prinzipal: „Nun, haben Sie den Schuldner Müller gefunden?“ -- Kommis:

„Leider nicht. In dem Hause wohnten eine Menge Müller, von denen keiner

unser Gläubiger sein wollte. Der letzte hat mich sogar hinausgeworfen.“

-- Prinzipal: „=Zu dem gehen Sie noch einmal hin -- der ist's.=“

*

Gerechtfertigter Wunsch

Beim Minister des Innern hat ein Herr Audienz, der wegen

Namensveränderung petitioniert.

„Wie heißen Sie?“

„Mein Name ist: =Zietz=.“

„Ja, das ist doch ein ganz schöner Name; weshalb wollen Sie ihn denn

ändern?“

„Ich hab' doch ein Geschäft! Und sowie ich angerufen werde und sage:

=Hier Zietz!= ruft der andere immer: =Machen Sie die Tür zu!=“

*

Die beiden Stotterer

Zwei Geschäftsreisende, die beide stottern, gehen zusammen spazieren.

Plötzlich sagt der eine: „Sieh--m--m--mal, da si--si--sitzt ein

V--V--V-- -- schon fortgeflogen!“

Nach einer Weile der andere: „V--V--Vorsicht, d--d--da liegt --

sch--sch-- schon reingetreten!“

*

Uebertrumpft

In einer Gesellschaft unterhält man sich mit drolligen Erzählungen von

Kleinbahn-Erlebnissen.

„Das ist alles noch gar nichts,“ prahlte u. a. der Schnellphotograph

Müller, „ich sprang mal während der Fahrt aus dem Zuge, rannte ein

Stück voraus und photographierte den heranbrausenden Zug von vorn!“

*

Das Kaufhaus der Zukunft

Nur noch kurze Zeit und im fashionablen Westen Berlins wird wiederum

ein neues elegantes Riesen-Warenhaus eröffnet und mit Wertheim, Tietz

und Jandorf um die Palme der Konkurrenzlosigkeit ringen. Von dem bisher

ungeahnten Komfort desselben werden jetzt bereits Wunderdinge erzählt.

Wir sind in der Lage, einige Details aus dem Betriebe des neuen

Kaufhauses veröffentlichen zu können.

Jeder Besucher wird beim Eintritt vom Portier nach seinen Wünschen

gefragt, hierauf in eine passende Kapsel gepackt und a la Rohrpost

an den betreffenden Verkaufsstand „=gepustet=“, wodurch das ermüdende

Herumlaufen vermieden wird. Nachdem man hierauf =pneumatisch= bezahlt

und gewechselt bekommen hat, wird man ebenfalls per Luftdruck wieder an

den Ausgang zurückbefördert und umsonst per Auto nach Hause gefahren.

Geradezu hervorragend sind die =Gratis-Zugaben=, die jeder Käufer im

neuen Kaufhaus erhält. Wer für 1.-- Mk. einkauft, erhält einen Bon im

Werte von 80 Pfg. und einen eleganten Klosettpinsel oder Zahnbürste

gratis; bei Einkäufen zum Preise von 1.-- bis 5.-- Mk. bekommt man nach

Wahl einen Kinderwagen, ein Leistenbruchband oder ein Paar Schneeschuhe

zu; bei 5.-- bis 10.-- Mk. betragenden Einkäufen kann man zwischen

einer Freifahrt mit dem Zeppelinschen Luftschiff, einem Diner im

„Rheingold“ (Wein a discretion) oder einem Gummibusen wählen. Kauft

man für 20.-- Mk., so erhält man ein Dutzend farbige Photographien in

Lebensgröße mit Rahmen, einen Logenplatz zu den Kammerspielen oder ein

Autogramm Wedekinds gratis, bei 100.-- Mk.-Einkäufen wird man gratis

in Marmor ausgehauen oder erhält ein kleines Motorboot oder ein Pianola

gratis. Wer aber gar für 1000 Mk. kauft, bekommt eine Villa am Wannsee

mit vollständiger Einrichtung, oder einen echten „Böcklin“, oder ein

Rundreisebillett um die Erde, oder den Schwarzen Adlerorden gratis zu.

Besonders zeitgemäß sind die =Erfrischungsräume= ausgeführt. Während

der Sommermonate sind dieselben unter Wasser gesetzt, um als „=Ostende

des Westens=“ vielen Familien die teuren Reisekosten zu ersparen.

Jeder Käufer einer Badehose erhält ein Gratisbad, jeder Käufer eines

Badeanzugs darf sich im „Familienbad“ tummeln, in welchem namentlich

die „=five o'clocks= im =Wasser=“ von den Berliner W.-Damen stark

frequentiert sein werden.

In den Erfrischungsräumen finden ferner =Familien-Konzerte=

hervorragender Kunstgrößen wie Richard Strauß, Mahler, Nikisch usw. mit

anschließendem Tanzkränzchen statt. Vielen Zuspruch wird jedenfalls

auch die „=Henkel-Trocken-Fontäne=“ und das „=Kaufhaus-Kabarett=“

finden. Im Winter wird der wunderbare Palmengarten als „Riviera des

Westens“ große Anziehungskraft ausüben. Jedem Schlittschuhläufer steht

der „=Kaufhaus-Eis-Palast=“ zur Gratisbenutzung zur Verfügung.

Wie es schon jetzt üblich ist, den Käufern von Noten dieselben

gleich vorzuspielen, so wird man im Neuen Kaufhaus in der Abteilung

Theaterbilletts, Texte usw. auf einer Drehbühne die gewünschten Stücke

von bedeutenden Schauspielern gleich zur Probe vorgemimt erhalten.

Jeder Käufer, der mit dem gekauften Gegenstand nicht zufrieden

ist, erhält denselben nicht bloß gegen ein konvenierendes Objekt

bereitwilligst eingetauscht, sondern außerdem noch sein Geld zurück und

„bedagt“ hierauf vergnügt nach Hause.

Mehr kann man nicht verlangen!

F. Schl.

*

O weh!

In einer Gesellschaft bei Bankier Tulpenstiel werden Rätsel aufgegeben,

plötzlich schreit da die kleine Tochter des Hauses: „Bitte, darf ich

auch ein Rätsel aufgeben?“ „Ja, gerne, gerne,“ sagt ihre Mama, „wenn

du ein schönes weißt!“ Da sagt die Kleine: „Welcher Unterschied ist

zwischen dem Herrn Veilchenfeld hier und einer Katze?“ Niemand weiß es

und man sagt zur Kleinen, sie möge die Auflösung sagen; da entgegnet

die Kleine: „Die Katze hat einen Schweif und der Herr Veilchenfeld hat

keinen.“ Ganz verlegen sagt die Mutter rasch, ohne zu überdenken, was

sie spricht: „Entschuldigen Herr Veilchenfeld, =meine Tochter meint

nämlich -- hinten=.“

*

Ein Diplomat

Der wegen seiner Eleganz bekannte Herr Kommerzienrat Aaron steht

nachdenklich vor der Börse; da tritt ein kleiner, schäbiger

Börsenjobber an ihn mit der Frage heran: „Na, lieber Freund, wie geben

Sie Russen?“ -- Entrüstet wendet sich der Kommerzienrat um und spricht

würdevoll: „Erstens bin ich für Sie der Herr Kommerzienrat Aaron;

zweitens bin ich nicht Ihr lieber Freund und drittens -- per wann

wollen Sie se haben?“

*

Bank-Usancen im fernen Westen

Seit dem jüngsten verwegenen Bankraube in Cody haben die meisten

Banken im Staate Wyoming (U. S. A.) folgendes Regulativ an ihren Türen

angeschlagen: „Wir zeigen an, daß wir Mitglieder der amerikanischen

Scharfschützenvereinigung sind. Kunden, die glauben, daß der Kassierer

sich geirrt hat, werden ersucht, nicht vor einer etwaigen Klarstellung

zu schießen. Fremde dürfen die Bank nur mit hochgehaltenen Händen

betreten, andernfalls setzen sie sich dem Feuer unseres Schützenstabes

aus. Depositen von Leuten, die auf unserem Grund und Boden getötet

werden, bleiben Eigentum der Bank. Die Bank ist für verlorene Revolver

und Messer nicht verantwortlich. Kunden, die sich üben wollen, werden

ersucht, nach den Federn in den Händen der Buchhalter zu schießen

und den Kassierer unbelästigt zu lassen. Leute, die schnell bedient

werden wollen, mögen freundlichst beachten, daß das Ausschießen der

Lampen die Arbeit unserer Beamten mehr verzögert als beschleunigt.

Die Leichenbestatter werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Bank

nicht für die Beerdigungskosten von Personen aufkommt, die von unseren

Stabsbeamten im Geschäftsbetriebe getötet werden.“

*

Im Tuchladen

Tuchhändler (zum Kommis): „Ist der neue Stoff, der =gar nicht einlaufen

soll, noch nicht eingelaufen=?“

*

Kohns Gruß an die Sonne

Erdballerlaichtende ewige Lampe, wenn dich ich betrachte,

Szieht mer ä Wonnegefiehl faktisch derekt durch den Leib,

Funkelst doch so berückend wie =Gold=, un noch eins imponiert mer --

=Sonne=, akkrat as de Börs', gehste mal runter mal rauf!

Darum begrießt dich als strahlendes Urbild von Hausse und Baisse

Namens der „Spekulaßjon“

ganz untertänigst

R. Kohn.

*

Levys Sang an den Mond

Hat doch mei Chef, der Herr Kohn, die Sonne besungen ... e

Kunststick!

Werd' ich besingen den Mond, -- auch e poet'sches Objekt! --

Also -- wenn abens ich auf'm Balkong sitz' un raufseh ßum Himmel,

Schleicht mer -- identisch mit Kohn -- auch e Gefiel dorch's

Gemieth.

Sag' ich mer so: der Mond -- er pumpt von der Sonne sei Licht

doch ...

=Goldiges= -- nu' und was werft runter er nachts auf die Erd? --

=Silbernes!= -- haißt e Geschäft! was? faktisch e faines

Geschäft! --

Jeder =Agrarier= muß finden darin e Simbol --:

Sein Ideal --: 's Kappetal mechte ich borgen in =Gold= un de Szinsen

Szahlen in =weißem= Metall! ... -- Bimetallistekalkiel!

20 Reichsmark in Gold = 6 Taler 20, -- e Taler

Aber hat =inneren= Wert ßirka 'ne Mark nur im Kursch --

Haste gesehen! ... un ich? -- was lern' ich vom Nachtlicht da oben?

Nun, als e denkender Mensch komm ich ßu =dem= Resultat:

=Mond=, 's existiert ßwischen uns 'ne frappante Ideengemeinschaft,

Namentlich =kommerßiell= schätz ich als Vorbild dich hoch! --

Darum verneigt sich vor dir in hochachtungsvollster ergebener

Tiefster Subordenaßion

Levy,

im Hause R. Kohn.

*

Unerwartete Wirkung

War da ein biederer Kleiderhändler, der einmal in einem Fabrikskontor

vorsprach. Unter den Inschriften und Emblemen, die die Wände

schmückten, fesselte besonders seine Aufmerksamkeit:

„Was du heute kannst besorgen,

Das verschiebe nicht auf morgen!“

Ein prächtiges Motto! dachte er. Das ist wirklich ein Ansporn für

jedermann, der einen Entschluß lange in sich herumträgt, sich aber zur

Ausführung nicht entschließen kann und sie von Tag zu Tag verschiebt!

Und so ging er denn hin und brachte den Wahlspruch überall in seinem

Geschäfte an. Die Wirkung war eine prompte, aber unerwartete. Am

nächsten Tage war der Kassierer mit der Kassa und der Buchhalter mit

der Frau des Prinzipals durchgegangen, und der Laufbursche hatte die

Portokasse erbrochen und war mit einem Revolver und einem Schatz von

hundertdreißig Nick-Carter-Heften durchgebrannt.

*

Abschreckungsmittel

=Chef= (der einen herkulischen Hausknecht engagiert hat): „Haben Sie

keine Photographie von sich?“

=Hausknecht=: „O ja; zu welchem Zweck?“

=Chef=: „Wir könnten sie gleich im Hausgang anheften für die Herren

=Handlungsreisenden=!“

*

Die interessante Geschichte

A: „Sag mal, hast du denn schon davon gehört?“

B: „Wovon denn?“

A: „Nu, von die Jeschichte mit den -- mit den -- na, da draußen, da

neben die -- Jees! wie heeßen denn die Leute?“

B: „Meenst du vielleicht die neue Bierkneipe?“

A: „I nee doch! Ich meene die Jeschichte mit den -- na, der Name

schwebt mir uf de Lippe. Die da draußen vorjejangen is, da bei -- da

draußen bei -- Jott, du mußt ja den Ort kennen!“

B: „Ach Jees, det is die Jeschichte mit den -- ja, die kenn ick -- mit

den -- na mit den -- Jees, wie heeßt er doch? Die meenste?“

A: „Richtig, die meen ick. Also du kennst se schon?“

B: „Ja, die kenn ick; die hat mir ja der -- der -- na, wie heeßt er

denn, erzählt. Der -- da draußen -- du weeßt ja!“

A: „Ja, ick weeß schon, det is die Jeschichte! Von den hab ick se ooch.“

*

Mißverstanden

Lotteriekollekteur: „Hier ist das gewünschte Los. -- Nun machen Sie

aber endlich einmal, daß Sie =herauskommen=.“ -- Kunde: „Na, solche

Flegelei ist mir denn doch noch nicht vorgekommen.“

*

Kollegial

Agent A: „Ich war gestern so furchtbar aufgeregt, daß ich Sie einen

Schwindler nannte. Sie nehmen es mir doch nicht übel?“ -- Agent B:

„Nicht im geringsten, Herr Meyer, wir sind doch Kollegen!“

*

Was einem Geschäftsreisenden passieren kann

Ich besuchte seit Jahren einen treuen Kunden in Sachsen, bei dem sich

wie von selbst das „Gewohnheitsrecht“ herausgebildet hatte, daß er

mit mir jedesmal, bevor wir ans Geschäft gingen, in einem benachbarten

guten Weinrestaurant „eine“ gute Flasche trank, und er war nicht nur

ein Freund von „Weinrot“, sondern auch von Rotwein, besonders wenn es

auf Geschäftsunkosten ging. Am andern Tage bekam ich dann regelmäßig

meinen guten Auftrag. So ging das Tour für Tour; auch neulich holte

ich ihn abends, gleich nach meiner Ankunft an dem betreffenden Platze,

zu unserem obligaten gemütlichen Schoppen ab. Diesmal wählte er eine

ganz besonders schwere und teure Marke; ich machte aber gern mit, denn

was tut man nicht alles für seinen Chef und seine Kundschaft. Auch

quantitativ ging er diesmal über das bisher übliche Maß hinaus; ich

hielt still, denn er schien mir auch bezüglich seiner Order diesmal

besonders „große Rosinen im Sack“ zu haben ... Der Morgen graute schon,

als ich ihm beim Abschied ein „Wohl bekomm's!“ zurief und ihn zum

Schluß möglichst beiläufig fragte: „Na, lieber Freund, wann kann ich

Ihnen morgen früh meinen Koffer schicken?“ „Hären se, mei Kutester“,

erwiderte er, „diesmal gann ich Ihnen awer nischt bestellen, ich bin Se

nemlich pleite!“

*

In einem Modewarengeschäft

Kundin: „Und ist das auch wirklich der neueste Stoff?“ -- Verkäufer:

„Gewiß, Madame, erst gestern hereingekommen!“ -- Kundin: „Ja, das

sagen Sie so. Können Sie mir dafür garantieren?“ -- Verkäufer: „Gewiß,

gnädige Frau, gewiß! So neu ist der Stoff, daß wir noch nicht einmal

Zeit gehabt haben, seinen Preis herabzusetzen!“

*

Eine wäss'rige Geschichte

Wenn die kleinen Schollen schmollen,

Daß die lieben Muscheln tuscheln,

Weil die fetten Schleien speien,

Wenn im Teich Karauschen lauschen

Und die Kieler Sprotten spotten

Wie die glatten Pricken blicken,

Oder mit den Hechten rechten,

Ob die Elleritzen schwitzen

Und wohin die Zandern wandern.

Wenn wir von den Stören hören,

Wie die armen Barben darben

Und wir uns Makrelen wählen,

Oder einen Rochen kochen.

Wenn die Bachforellen schnellen

Und die alten Kröten flöten,

Oder bunte Unken tunken,

Wo die fetten Schnecken stecken --

Werden sich die Flundern wundern!

*

Vor Weihnachten

„Ich bitte um eine Bluse.“

Verkäuferin: „Jawohl, mein Herr, wäre Ihnen dieser Schnitt recht?“

„Janz ejal!“

Verkäuferin: „Welche Farbe dürfte es dann sein?“

„Auch ejal, auch ejal.“

Verkäuferin: „Aber um die Größennummer darf ich doch bitten?“

„Is ejal, is alles ejal, =umgetauscht wird se doch=!“

*

Stoßseufzer

„Da hab' ich mir nun für teures Geld Normalbeinkleider gekauft, aber --

normal schauen meine Beine immer noch nicht aus!“

*

Geburtsanzeige[3]

„=Trotz geschäftlicher Ueberbürdung= sind wir in der glücklichen Lage,

die Geburt des dritten kräftigen Hamburger Jungen anzuzeigen. Motto:

„=Wir haben keine Zeit, müde zu sein.=“

Hamburg, d. 17. Dez. 1907. Carl Voß und Frau.“

[3] Aus „Die meschuggene Ente“. Die 200 ulkigsten Enten, die im

Blätterwalde deutscher Zeitungen unfreiwillig ausgebrütet worden

sind. In Freiheit dressiert und vorgeführt von Felix Schloemp.

Mit Geleitwort von Otto Julius Bierbaum. 18. Aufl. Verlag von

Georg Müller in München.

*

Seine Auslegung

Zigeunerin (dem jungen Kassier Meier aus den Linien der Hand

wahrsagend): „Hier, junger Herr, sehe ich eine Linie, die für Ihr

Leben große Bedeutung gewinnen wird.“ -- „Weiß ich, das ist die

Hamburg-Amerika-Linie!“

*

Vom Telegraphen-Kobold

Eine Depesche von dem Ableben des Vaters hatte folgende Fassung: „Vater

sauft (anstatt sanft) verschieden.“

Die Telegrammadresse an eine Kammersängerin lautet: „An die

Jammersängerin N. N.“

Von einem Verliebten aus der Ferne: „Liebes Rind (Kind), könnt' ich bei

dir sein!“

Ein Kondolenztelegramm: „Auch wir sind schwer besoffen (statt

betroffen).“

Eine Rückmeldung, betreffend die Unbestellbarkeit eines Telegramms

wegen mehrerer gleicher Namen lautete: „Kohn ohne Bezeichnung des

Vornamens unbestellbar, da mehrere gleichnasige.“ (Gleichnamige.)

Ein Kaufmann in Kr. ersuchte drahtlich einen ländlichen Verwandten

um sofortige Absendung von „Grasbutter“. Das Telegramm ging durch

Fernsprechverbindung weiter und der Verwandte erhielt eine Depesche

mit der Weisung, „sofort Großmutter absenden.“ Letztere langte, in

der Meinung, es sei etwas Außergewöhnliches passiert, alsbald sehr

aufgeregt mit vielen Koffern und Schachteln in Kr. an.

*

Aus dem Geschäftsbrief eines Materialwaren-Händlers

„Die mir gesandten Heringe gefallen mir nicht. Sie sind faul. Sie

stinken ja vor Faulheit. Das Faß Tran, welches ich für Sie im Auge

hatte, geht Ihnen jetzt auch vor der Nase vorüber.“

*

Geschickt ausgewichen

Der lange Baron v. Schnabelwitz und der kleine Produktenhändler

Veitel gehen die Straße laut sprechend und heftig gestikulierend

auf und nieder. Kaum entfernt sich der lange Baron, so drängen sich

die Konkurrenten an Veitel mit der Frage: „Was hat der Baron von dir

gewollt?“

=Veitel=: „Was er gewollt hat? Weiß ich? Ich soll da =unten= verstehen,

was der da =oben= spricht!“

*

Im Wäschegeschäft

Einer Dame sind bei Bestellung eines größeren Wäschepostens ein halbes

Dutzend Beinkleider zuviel geliefert und berechnet worden. Sie trägt

dieselben zurück und ersucht um Richtigstellung der Rechnung. Darauf

der Prinzipal:

„Ja, bitte, das ist ein Irrtum gewesen! Entschuldigen Sie vielmals!“

Und zum Buchhalter sagt er: „=Ziehen Sie mal der Dame die Beinkleider

ab!=“

*

Wetterbericht im Börsenstil

Seit einigen Tagen tritt das Gerücht auf, dass die bekannte Weltfirma

Sommer u. Co. in Liquidation getreten sei. Zahlreiche Gläubigergruppen

haben bereits vor Wochen Protestversammlungen veranstaltet, um gegen

die besonders in den letzten Monaten zutage getretenen Mißstände

Stellung zu nehmen. Ihre eingegangenen Verpflichtungen hat die Firma im

letzten Geschäftsjahr zum Teil gar nicht, zum Teil nur sehr mangelhaft

erfüllt. Es steht zu befürchten, daß der Zusammenbruch der Weltfirma

den Konkurs zahlreicher anderer Firmen zur Folge haben wird ... Zu

den am meisten geschädigten „Geschäftsfreunden“ gehören vor allem

zahlreiche Gastwirte und Biergartenbesitzer. Sonnenschein war stets

sehr knapp am Lager und wurde trotz reger Nachfrage gar nicht oder

nur in sehr kleinen Quanten geliefert. Auch den Landleuten gegenüber

hat die Firma die Lieferungsverträge nicht innegehalten. Es wurde

in den letzten Monaten überhaupt nur noch mit „Wechseln“ gearbeitet,

die natürlich immer unbeliebter wurden. Bei dem Konkursverwalter Aug.

September laufen täglich zahlreiche Forderungen auch aus den Kreisen

der Gewerbetreibenden und der sog. kleinen Leute ein; besonders aber in

Sportkreisen und unter der Lebewelt der Badeorte hört man mannigfache

Klagen über das unlautere Geschäftsgebaren der früher so angesehenen

Firma. Als letzter Termin zur Anmeldung von Forderungen war der 23. d.

Mts. festgesetzt. Mit diesem Tage übernahm, wie jetzt bekannt wird,

die bekannte und gut fundierte Firma Herbst u. Co. den Betrieb mit

sämtlichen Warenvorräten. Hoffentlich gelingt es dieser, das verloren

gegangene Vertrauen unter der Bevölkerung wieder zu gewinnen.

*

Nach dem Leben

Ein neuengagierter Reisender wird von seiner Firma auf die Tour

geschickt, kommt aber ohne Aufträge zurück.

Der Chef der Firma ist sehr ungehalten und läßt den Reisenden in sein

Privatkontor bitten.

„Ja, wie ist es bloß möglich, daß Sie nix verkaufen?“ fährt er ihn an,

„gewiß machen Sie die Sache nicht energisch genug. Wir wollen gleich

mal eine Probe machen. Also denken Sie, ich bin der Kunde, dem Sie

Offerte machen sollen, und fangen Sie mal an!“

Der Reisende geht hinaus, klopft an, tritt mit einer Verbeugung ein:

„Ich komme von der Firma Troddelkopp & Co. und wollte mir gestatten,

Ihnen Offerte in Lebertranpillen zu machen.“

„Bedaure,“ sagt der Chef, „brauche nix!“

„Dann entschuldigen Sie bitte, vielleicht ein andermal! Empfehle mich

gehorsamst!“ Der Reisende geht hinaus.

„Falsch,“ schreit der Chef, „sehen Sie, ich hab's ja gesagt, daß Sie

nicht können energisch genug auftreten! Nun wollen wir mal die Sache

umgekehrt machen. Setzen Sie sich mal her und spielen Sie den Kunden

und ich werde den Reisenden machen!“

Gesagt, getan. Der Reisende setzt sich hin und der Chef geht hinaus,

klopft an und tritt ein:

„Verzeihung, wenn ich störe, ich wollte mir gestatten, Ihnen von der

bekannten Firma Troddelkopp & Co. die berühmten Lebertranpastillen zu

offerieren!“

„Was,“ brüllt der Reisende los, „von diesem Schwindler wollen Sie mich

beschummeln helfen! Raus!!!“

Packt den Chef beim Kragen und befördert ihn unter einem kräftigen

Fußtritt aus dem Lokal.

„Sehen Sie,“ sagt er dann, als der Chef, seine Kehrseite reibend,

wieder ins Bureau kommt, „den Reisenden haben Sie ganz nett gespielt,

=aber den Kunden habe ich energischer und lebensgetreuer gemacht=!“

*

Telegramm

„Viehhändler U. Magdeburg. Morgen alle Schweine auf dem Bahnhof. Sie

erwarte ich auch. Ich komme erst morgen, da Personenzug keine Ochsen

mitnimmt. Schlechtes Marktgeschäft. Rindvieh im Preise gestiegen. Sehen

Sie sich vor. Wenn Sie Ochsen brauchen, denken Sie an mich.“

Merkwürdige Kalkulation

Der tolle Koffer Eine ff. prima Musterkollektion der besten Witze, Schnurren und Anekdoten von Reisenden und Kaufleuten · 第 2 / 6 段