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DER TOLLE KOFFER
Eine ff. prima Musterkollektion
der besten Witze, Schnurren und Anekdoten
von
Reisenden und Kaufleuten
Offeriert von
FELIX SCHLOEMP
Vater von „Die meschuggene Ente“, „Die Über-Ente“,
„Der perverse Maikäfer“ und „Der gekitzelte Aeskulap“
Mit einem Leitgedicht von Frank Wedekind
[Illustration: Verlags-Logo]
____________________________
München und Leipzig
bei Georg Müller
1910
Den Umschlag und die acht Kapitel-Vignetten
zeichnete Emil Preetorius.
Nachdruck und Vortrag einzelner Beiträge ist
nur mit vollständiger Quellenangabe gestattet.
_Meinem lieben Jugendfreunde_
_Karlchen (Karl Ettlinger)_
_zugeeignet_
Inhalt
Seite
Leitgedicht von Frank Wedekind 7
Signale der Abfahrt 9
Imbisse des Coupés 25
Flohbisse des Hotels 41
Musterkoffer der Tollheit 57
Bosheit der Bürokröten 89
Dividenden der Schlauheit 113
Bilanzen der Liebe 129
Bankerott der Dummheit 145
__________________________
Der tolle Koffer
Bei Tafel saßen in bunter Reih'
Damen und Herren; auch saß dabei
Ein junger Mann von blassem Gesicht,
In Haltung und Ausdruck ernst und schlicht,
Durchaus bescheiden, zwar etwas gefräßig,
Aber schweigsam verhältnismäßig.
Und wie der Bach in der Sonne Blinken
Glitt das Gespräch zwischen Scherzen und Trinken.
Man sprach über dieses, man sprach über jenes,
Man sprach über Nützliches, über Schönes,
Und kam über Unfälle und Verbrechen
Glücklich auf =Reisekoffer= zu sprechen.
Nun waren, wie das so geht hienieden,
Urteil und Ansichten sehr verschieden;
Die Damen lobten die großen, schweren,
Bequem zu packen und rasch zu leeren,
Ohne daß dabei die Toilette
Jemals Schaden genommen hätte.
Den Herren hingegen wollte es scheinen,
Angenehmer wären die kleinen,
Die leichten zusammengeklappten Dinger;
Man könne sie heben mit einem Finger.
Unser Jüngling in guter Ruh'
Kaut seinen Bissen und schweigt dazu.
Und wie im Schilfe der schaukelnde Nachen
Glitt das Gespräch zwischen Scherzen und Lachen
Von Reisekoffern auf ferne Gefilde
Im schönen Italien und Kunstgebilde
Und auf das Glück und das Glücklicherscheinen,
Sowie auf =die Liebe= im allgemeinen.
Unser Jüngling kaute wacker fort,
Hört von dem allen kein Sterbenswort,
Seine Gedanken, begreiflicherweise
Dämmern so weiter im alten Gleise.
Und wie er sich abmüht mit düstrer Stirn,
Löst sich ein Etwas in seinem Hirn,
Und klettert herab, und erreicht seine Zung',
Und wird nun allmählich zur Aeußerung.
Und er tut den Mund auf, er winkt mit der Hand,
Die Damen im Kreise die lauschen gespannt,
Die Herren verstummen von Reminiszenzen
Aus schwülen Garderoben mit welkenden Kränzen;
Alles starrt in nervösem Grimme,
Und er sagt mit flötend melodischer Stimme,
Und dabei leuchtet sein Antlitz hell:
„=Ich habe einen von Seehundsfell.=“
[Illustration: Signatur]
[Illustration: Signale der Abfahrt]
Aengstliche Frage
Zehn Uhr vormittag. Der Zug nach Nürnberg geht um zehn Uhr eins.
Frau Schneider, die sich verspätet hat, stürzt an die Kasse.
„Herr Kassier, haben Sie noch ein Billett zweiter Klasse nach
Ingolstadt?“
*
Per „Zuschlag“billett
Ein Schnorrer wird im Coupé ohne Billett angetroffen und auf der
nächsten Station rausgeworfen, nachdem man ihn tüchtig verprügelt hat.
Es gelingt ihm aber, bei der Abfahrt wieder in ein anderes Coupé zu
schlüpfen, doch wird er wieder vom Schaffner erwischt und nachdem man
ihm sein Fell tüchtig gegerbt hat, an die Luft gesetzt. Jedoch abermals
glückt es ihm, aufzuspringen und bis zur nächsten Station mitzufahren.
Hier nimmt ihn aber der Bahnhofsinspektor in Empfang, und während er
wieder tüchtig verhauen wird, fragt ihn der Inspektor: „Ja, Mensch,
was soll denn das eigentlich heißen?! Wohin wollen Sie denn eigentlich
fahren?“
„Herr Inspektorleben,“ antwortet er, „=wenn's mei Körperche aushält,
bis Krakau=!“
*
Der poetische Zugführer
Der Führer eines Güterzuges rapportierte in seinem Fahrbericht:
„Eingeladen in den Wagen acht
2070 Kilo schwere Eisenfracht.“
Zugverspätung meldet er:
„Versäumt ab München vor dem Sperrsignal
Wegen hoher Tonnen- und Achsenzahl.“
Ein schadhaftes Packwagendach besingt er:
„Voll Flecken sind Papier und der Fahrbericht,
Weil das Wagendach nicht wasserdicht.“
Eine Fahrkontrolle meldet er mit folgenden Worten:
„Es fuhr im Zuge zur Kontrolle mit:
Ein Direktionsassessor namens Schmitt.“
Von einem Leichentransport sagt er:
„Es fährt der Zug zum Aschenreiche
Von Reichenhall nach Gotha eine Leiche.“
Beschädigung eines Coupés meldet er in dem Vierzeiler:
„Offiziere von Talent und Wissen,
Glieder dieser Welt Nobleß --
Zerschnitten zweier Rücken Kissen,
Verübten Roheit mit Exzeß!“
Die Dichtkunst sollte dem Zugführer nicht gut bekommen. Die Direktion
München verbot ihm, in Fahrberichten poetische Ergüsse zu liefern, und
nahm ihn vorläufig in 1 Mark Ordnungsstrafe. -- Armer Poet!
*
Die Sekundärbahn
Ein biederer Landmann, dem man es ansieht, daß er sich einen heftigen
Schnupfen zugezogen hat, will mit der Kleinbahn fahren. Jedoch der
Schaffner, ein umsichtiger Beamter, verweigert ihm die Mitfahrt:
„Dös därf i nit dulde, daß Sie mit Ihra Schnuppen sich 'nei'setze!“
Natürlich will der Bauer auch den Grund wissen, weswegen er mit seinem
Schnupfen nicht mitfahren darf.
„'s isch halt wegen der =Sicherheit=,“ erklärt wichtig der Beamte --
„neulich hat jemand so stark =geniest=, daß' =Zügle entgleischt is=!“
*
Schlagfertig
Als der Zug gerade abfahren wollte, kommt in hellem Schweiße ein
Bäuerlein angelaufen, springt schnell in ein Abteil und läßt sich
völlig erschöpft auf eine Bank nieder, mit den Worten: „So, nu lat
den Zug to'n Düwel fahren!“ Fortwährend fluchend wischt er sich die
zahlreichen Schweißtropfen von der Stirn. Ein ihm gegenüber sitzender
geistlicher Herr hat die Worte mit Mißfallen angehört. „Mein Lieber,“
redet er das Bäuerlein salbungsvoll an, „wenn wir zum Teufel fahren, so
führt uns der Weg aber zur Hölle.“ -- „Dat is mir ganz egal,“ erwidert
der Angeredete, „=ick hewwe jo'n Retourbillett=!“
*
Falsche Adresse
Auf dem Bahnhof steht ein Zug zur Abfahrt bereit. Auf einmal stürzt
ein Herr auf den Perron, läuft den ganzen Zug entlang und ruft immer:
„Lehmann! Lehmann!“
Herr Cohn macht das Fenster auf und will sehen, was los ist. Wie er den
Kopf raussteckt, haut ihm der Fremde eine kräftige Ohrfeige runter.
Herr Cohn schnappt Luft und ruft den Schaffner: „Herr Schaffnerleben,
hier hat einer Lehmann gerufen, ich mache das Fenster auf und da gibt
mir der Kerl eine Ohrfeige!“
„Ja,“ fragt der Schaffner, „heißen Sie denn Lehmann?“
„Keine Ahnung, Cohn!“
„Na, dann geht Sie die Sache ja auch garnix an!“
*
Empfindlich
Wir lösten zwei Perronkarten und wollten auf den Bahnsteig hinaus --
Herr v. Kossow und ich. Am Schranken verlangte der Portier die Karten.
Da wurde Herr v. Kossow aber wild.
„Jestatten Sie, Kammerherr v. Kossow, Leutnant der Reserve. Vermuten
Sie versuchten Betrug?“
Roda Roda
*
Bahnhofs-Metaphysik
„Was ist schwerer, der Körper oder der Geist?“
„Der Körper natürlich!“
„Falsch, der Geist. Denn der Körper wird im Coupé befördert, aber den
Geist muß man ‚aufgeben’!“
*
Beim Abschied
Von einem Bankier verabschieden sich auf dem Bahnhof Verwandte und
Bekannte. Kurz vor Abfahrt des Zuges reicht ihm seine Schwägerin noch
eine Tafel Schokolade mit den Worten: „Damit du nicht verhungerst!“
-- Darauf sagt sein Vetter, ihm ein Fläschchen mit Kognak übergebend:
„Hier, damit du nicht verdurstest!“ -- Seine vierjährige Nichte, die
aufmerksam zugehört hat, soll ihm nun noch ein Veilchensträußchen
reichen. Sie tut dies auch, ans Coupéfenster emporgehoben, mit den
Worten: „Hier lieber Onkel, damit du nicht verduftest!“
*
Treffend
„Schaffner, ich möchte ein Coupé haben, in dem nicht geraucht und
nicht gesprochen wird, und in dem die Passagiere nicht immer raus- und
reinlaufen!“ -- „Na dann bleibt nur's Hundecoupé!“
*
Knigge auf dem Kutscherbock
Fahrgast (am Ende der Tour): „Hier, Kutscher, haben Sie drei Mark.“ --
Kutscher: „Wat, drei Mark jeben Sie mir vor die lange Tour? Sie denken
woll, ick habe den Schimmel jestohlen, Sie oller Nassauer, Sie!“ --
Fahrgast: „Wenn Sie so mit mir reden, sollen Sie auch nur die Taxe
bekommen; die macht zwei Mark fünfzig, geben Sie mir sofort fünfzig
Pfennig retour!“ -- Kutscher: „Na, die fufzig Pfennje Trinkgeld könnten
Se mer doch wenigstens lassen, -- =wo ick mir schon davor bedankt
habe=!“
*
Verwechselt
Professor Hühnersteiß will seine Gattin, die einige Zeit bei ihren
Verwandten zu Besuch war, von der Bahn abholen. Um ihr eine Freude
zu bereiten, kauft er auf dem Wege zum Bahnhof eine Torte, die er
in einem runden Karton verpackt unter den Arm nimmt. Auf dem Bahnhof
muß er jedoch erst noch einem menschlichen Bedürfnis nachkommen und
suchte die betreffende dunkle Oertlichkeit auf. Plötzlich hörte er
den Zug einlaufen, nimmt im Dunkeln sein rundes Präsent, eilt hastig
auf den Bahnsteig und überreicht seiner erstaunten Gattin -- =den
Klosettdeckel=.
*
Die Abonnementskarte
Horace Vernet, der berühmte französische Schlachtenmaler wohnte in
Versailles, mußte von dort aus sich jeden Tag nach Paris begeben
und hatte deshalb ein Abonnement für die Strecke genommen. Da er
nach einigen Wochen sich zu der Annahme berechtigt glaubte, daß die
Eisenbahnbeamten ihn kennen mußten, wollte er sich's ersparen, ihnen
täglich seine Abonnementskarte zu zeigen. Aber der am Eingang des
Bahnsteiges in Versailles aufgestellte Beamte, ein grämlicher alter
Unteroffizier, bestand unweigerlich darauf, daß die Karte stets
vorgezeigt wurde. Auf alle Vorhaltungen des Künstlers erwiderte er
barsch: „Das Reglement schreibt das vor!“ Schließlich wurde Vernet
die Sache zu bunt und er fand folgenden Ausweg: Er ließ sich seine
Abonnementskarte am oberen Hinterteile des Beinkleides festnähen und
jedesmal, wenn der alte Beamte sie zu sehen verlangte, hob er die
Schöße seines Rockes empor und rief mit einer bezeichnenden Geste laut
aus: „Da ist sie!“
*
Aus Oesterreich
Eisenbahnbilleteur: „Belieben's a Billetten?“ -- Fremder: „Freilich und
zwar ein bißchen schnell, von Bodenbach bis Wien, zweiter Klasse!“ --
Billeteur: „Belieben's mit der Kassen durchgebrannt zu sein?“
*
Abgeführt
=Erster Reisender= (neugierig): „Nun, Herr Kollege, wir haben uns nun
schon so oft getroffen, in welchem Artikel, mit Erlaubnis, machen Sie
denn eigentlich?“
=Zweiter Reisender= (spöttisch lächelnd): „Ich spreche darüber zwar
nicht gerne, doch sollen Sie es wissen! -- Ich, ich mache für die Firma
Bohrer & Co. =in Knopflöchern=!“
*
Mißverstanden
Ein Amerikaner sieht auf einem Bahnhof den Stationsvorsteher vor
dem Thermometer stehen. Er tritt an ihn heran und fragt gemütlich:
„Na, wieviel Fahrenheit?“ -- Aergerlich dreht sich der Beamte um und
erwidert: „Zählen Sie sie doch!“
*
Ein höflicher Beamter
Schaffner: „Also Miß -- schnell einsteigen, 's keine Sekunde Zeit
mehr übrig.“ -- Miß: „Ach -- meiner Schwester muß ich noch einen
Abschiedskuß geben!“ -- Schaffner (eilig): „Nur hinein -- hinein! --
das will ich schon selbst besorgen!“
*
Mißglückte Operation
In der Ecke des Bahnwirtshauses hockt der Gamsbart-Toni und stöhnt
vor Zahnweh, daß die Fenster klirren. Alle möglichen Mittel hatte er
schon vergeblich probiert, aber selbst des Baders Künste waren an der
tiefsitzenden Wurzel gescheitert.
Kommt der Dalsten-Nazi herein, ein pfiffiger Kopf, der meint: „Ich
wüßt dir schon ein Mittel -- aber Kurasch braucht's. Ich hab' da in den
„Fliegenden Blättern“ gelesen, wie einmal einer seinen Zahn hinten am
Zug an den Puffer an'bunden hat -- der Zug is in's Fahren 'kommen und
im Nu war der Zahn heraus!“
Der Toni stutzte einen Augenblick. Da fing der Schmerz von neuem zu
bohren an. Er sprang auf -- just pfiff die Lokomotive draußen zum
Abfahren -- ein Strick war im Nu um den kranken Zahn gewunden und in
der nächsten Minute hatte er ihn fest an den Puffer des letzten Wagens
geknüpft.
Ein Schnauben, ein Brausen ... Anfangs lief Toni ein Stückchen mit;
da rollten die Räder schneller, der Atem ging ihm aus -- plötzlich ein
Krach und Schlag: Toni lag auf der Erde und neben ihm der -- =Puffer=.
*
Gut gegeben
Eisenbahnbeamter (zum Passagier in der ersten Klasse mit einem Billett
zweiter Klasse): „Sie haben ja nur ein Billett zweiter Klasse, Sie
müssen die Differenz nachzahlen.“ -- Passagier: „Die zweite Klasse war
aber doch besetzt.“ -- Beamter: „Ja, aber es war doch eine Menge Platz
in der dritten Klasse.“ -- Passagier: „Sehr richtig. Zahlen Sie mir die
Differenz heraus, dann steige ich um.“
*
Der Affenkasten
Tritt da am Droschkenstand beim Kurhaus ein eleganter Herr auf ein
Gefährt zu, das durch seine Neuheit angenehm in die Augen fiel: „Aeh,
Kutscher, machen Sie mal den Affenkasten auf!“ Der Kutscher kommt
dienstfertig der Aufforderung nach, öffnet den Wagenschlag und bemerkt
in verbindlichem Tone: „Bitte, wollen der Herr Affe einsteigen!“
*
Der überflüssige Koffer
„Kaufen Sie sich den Koffer da.“ -- „Was brauch ich ä Koffer?“ --
„Nu, für Ihre Kleider.“ -- „Für meine Kleider? Nu, soll ich nackt
herumlaufen?“
*
Ein Sophist
Schaffner: „Hier dürfen Sie nicht bleiben, mein Herr, dies Coupé ist
für Nichtraucher!“
Reisender: „Ich bin doch Nichtraucher.“
Schaffner: „Sie rauchen doch aber!“
Reisender: „Ja, =aber nur ganz ausnahmsweise=!“
*
Auch ein Trost
Herr (zum Kellner, am Bahnhof): „Jetzt habe ich, da ich solange aufs
Essen warten mußte, den Zug versäumt!“ -- Kellner: „Nun können Sie es
wenigstens in Ruhe essen!“
*
Der galante Schaffner
Dame: „Kommt denn der andere Zug noch nicht bald, damit ich weiter
fahren kann?“ -- Schaffner (der Sekundärbahn): „Das ist sehr
unbestimmt, verehrtes Fräulein. So nette regelmäßige Züge, wie Sie sie
besitzen, haben wir bei unserer Sekundärbahn natürlich nicht!“
*
Verdächtig
=Herr= (im Eisenbahnzuge): „Wie ist dies Unglück geschehen?“
=Schaffner=: „Jemand hat die Notleine gezogen und den Zug zum Halten
gebracht, und da ist der Schnellzug in uns hineingefahren. Es wird
fünf Stunden dauern, bis die Strecke soweit geräumt ist, daß wir
weiterfahren können.“
=Herr=: „Fünf Stunden! Himmel! Ich wollte mich =heute verheiraten=!“
=Schaffner= (ein verheirateter Mann, streng): „Hören Sie mal, sind =Sie
etwa derjenige=, der den =Zug zum Halten= gebracht hat?“
*
Eine gemütliche Koffer-Reklamation
Eine fränkische Güterexpedition hat, nach der „Amberger Volksztg.“,
dieser Tage folgenden Brief erhalten: „Liwe Giteräxbetütion! Warum
schickst Du mir so lange meinen Kufer nicht. Ich habe Dir doch nikz
gedan, das Du mir meinen Kufer nicht schickst. Sei so gud und schick
mir doch meinen Kufer. Es grüßt Dich bestens Dein M. Sch.“
*
Gute Auskunft
Fremder: „Hält der Zug hier so lange, daß man ein Schnitzel verzehren
kann?“ -- Geschäftsreisender: „O, gewiß!“ -- Fremder: „Sie kennen
wohl den Fahrplan genau?“ -- Geschäftsreisender: „Nee -- aber die
Schnitzel!“
*
Gefühlvoll
Auf dem Bahnhof in M. ist ein Assistent beschäftigt, der stets die
Wagentüren eigenhändig zuschlägt. -- Mein Freund Meier, mit dem
zusammen ich neulich dort durchfuhr, schien das zu wissen, denn wie der
Assistent an unsere Tür kommt, hat Meier den Riemen der Fensterscheibe
zwischen die Türspalte geklemmt. Der Assistent ergreift die Klinke,
holt aus und schlägt die Tür zu, wobei er „Vorsicht“ ruft. Aber: bumm
... fftt prallt die Tür zurück. Da steckt er seinen Kopf in den Wagen
und schreit wütend: „=Die Finger weg!=“
*
Vorsorglich
„Fatal! Wenn ich jetzt meine Reisetasche bei mir hätte, da könnte ich
gleich abfahren!“
„Hatten Sie denn vor, zu verreisen?“
„Natürlich, aber ich dachte, den Zug versäumst du doch, da läßt du die
schwere Reisetasche lieber einstweilen zu Hause!“
*
Das Huhn[1]
In der Bahnhofshalle,
Nicht für es gebaut,
Läuft ein Huhn hin und her ...
Wo, wo ist der Stationsvorsteh'r? --
Wird dem Huhn
Man nichts tun?
Hoffen wir es --
Sagen wir es laut:
Daß ihm unsere Sympathie gehört,
Selbst an dieser Stätte, wo es -- „stört“.
[1] Aus Christian Morgenstern Galgenlieder V. Auflage bei Bruno
Cassierer.
*
Mißverständnis
Vor Abfahrt eines Zuges kommt Nathanael Tapetenmuster auf den Bahnhof
gestürzt und fragt den Stationsvorsteher, wo er einem tiefgefühlten
Bedürfnis entsprechen kann, und nachdem dieser ihm den Weg gesagt
hat, zieht er sich zu geheimer Sitzung zurück. Der Zug ist nunmehr zur
Abfahrt fertig und der Stationsvorsteher gibt das Zeichen zur Abfahrt,
indem er mit Stentorstimme: „Fertig!“ ruft.
Da tönt Nathanaels Stimme aus dem bekannten Oertchen: „=Nein -- noch
nicht!=“
*
[Illustration: Imbisse des Coupés]
Der Rauch
Durchlaucht sitzen im Eisenbahncoupé und versuchen nach Möglichkeit
die Reize der Landschaft zu genießen, durch welche der Zug dahinsaust.
Aber gerade auf der schönen Aussichtsseite verhüllt der dichte Rauch
der Lokomotive das Gebirgsbild. Ungeduldig wendet sich Durchlaucht zu
seinem Begleiter: „Kindermann, lassen Sie dem Maschinenführer sagen,
er möge -- äh -- möge den Rauch auf die andere Seite auslassen! Hier
verdeckt er ja die schönste Gegend!“ Kindermann erhebt sich verlegen
und will die Sache mit der Windrichtung begründen; aber Durchlaucht
wehrt entschieden ab. Kindermann geht in den Durchgang hinaus und
bespricht die Sache scheinbar mit dem Schaffner -- natürlich ohne
Erfolg. Durchlaucht wartet in übelster Laune auf die Rückkehr seines
Begleiters. Kindermann versichert, es werde das Möglichste geschehen.
Aber nach wie vor verdeckt der Rauch die Landschaft auf der linken
Seite. Durchlaucht wird immer erregter. Da beschreibt die Bahn
eine Kurve -- der Wind treibt den Rauch auf die andere Seite. Und
Durchlaucht spricht mißmutig: „Na also -- warum geht es jetzt? Daß die
Leute so schwerfällig sein können!“
*
Abgeführt
Eine Dame ruft voll verhaltenem Aerger, weil in ihrem Coupé geraucht
wird:
„Schaffner, darf hier geraucht werden?“
„Ja, stecken Sie sich nur eine an!“
*
Gemiedlich
Rentier Bliemchendopp aus Dresden sitzt im Coupé, als ein Reisender
einsteigt und über ihm ins Gepäcknetz seinen ziemlich gewichtigen
Koffer stellt. Als der Zug eine Kurve macht, fällt der Koffer auf
Bliemchendopps Kopf. Der Reisende entschuldigt sich vielmals und
stellt den Koffer wieder hinauf. Ein zweites und drittes Mal fällt
der Koffer auf Bliemchendopp herab und jedesmal überbietet sich der
Reisende an höflichen Entschuldigungen. Als jedoch der Koffer das
vierte Mal auf Bliemchendopp herunterpurzelt und der Reisende wieder
seine Entschuldigungsphrasen loslassen will, sagt Bliemchendopp mit
einer abwehrenden Handbewegung: „Jetzt brauchen Sie sich nich mehr zu
endschuldchen, jetzt bin ich Se nämlich schon =dran gewöhnd=!“
*
Sein Geschäft
A: (zu seinem Coupé-Genossen während seiner Geschäftsreise): „Und
wie geht denn in Ihrer Branche das Geschäft -- auch so miserabel,
wie in der meinigen?“ B: „O vorzüglich! Das Rohmaterial oberfaul,
im Kundenkreise nichts als Jammer, gewaltsame Eingriffe jeden Tag zu
Dutzenden ...“ -- A: „Und das nennen Sie vorzüglich?“ -- B: „Gewiß --
Sie müssen nämlich wissen, ich bin -- Zahnarzt!“
*
Wenn man dick ist
=Herr= (der soeben in einen Wagen der Berliner Ringbahn eingestiegen
ist, zu einer sehr dicken Dame): „Warum weinen Sie denn, meine
Gnädige?“
=Dame=: „Ach, lieber Herr, sehen Sie, durch diese Station bin ich
nun schon dreimal gefahren -- ich soll hier aussteigen, und ich kann
nicht!“
=Herr=: „Warum denn nicht?“
=Dame=: „Ja, sehen Sie, ich bin etwas korpulent und muß deshalb
=rückwärts= aussteigen. Wenn nun der Zug hält, mach' ich die Tür auf
und setze den einen Fuß auf das Trittbrett. Jedesmal kommt dann der
Schaffner, =denkt, ich will einsteigen, gibt mir einen kleinen Schubs=
und schlägt mit den Worten: „Madamken, wenn Sie noch mitwollen, dann
müssen Sie sich beeilen!“ -- die Waggontür zu!“
*
Der Oberlehrer
Ein Oberlehrer wird in der Eisenbahn mit den Worten „Sie, geben Sie
mal Streichhölzer“ um Feuer gebeten. Er erwidert: „Erstens habe ich
keine Streichhölzer, zweitens würde ich Ihnen, selbst wenn ich solche
hätte, keine geben, _a_) weil Sie mich in unhöflicher Weise darum
angegangen haben, _b_) weil wir im Nichtrauchercoupé fahren.“
*
Der Gentleman mit dem Zylinderhut[2]
Hanns Heinz Ewers erzählt:
„Auf einer Fahrt durch Estremadura (Spanien) befand sich in meinem
Coupé eine englische Dame, welche sich genierte, die primitiven
aus zwei durchlöcherten Brettern bestehenden W. C. der spanischen
Bahnstationen zu benutzen und deshalb seelische wie körperliche Qualen
litt.
Da war es, daß ich ein seltenes, ein aufopferndes Bild von Edelmut und
Herzensgüte erlebte.
Ein im Coupé sitzender Handlungsreisender erhob sich und nahm aus der
Schachtel seinen neuen, wundervollen Zylinderhut. Er reichte ihn der
Dame hin und sagte würdevoll:
„Madam! Dies ist ein Zylinderhut. Man kann ihn auch zu anderen Zwecken
benutzen. -- Ich und die beiden Herren möchten jetzt schrecklich gern
hier aus dem Fenster hinaus die Gegend betrachten. -- Wenn in der
Zwischenzeit der Zylinderhut aus dem anderen Fenster hinausgeworfen
würde, würde ich mir das zur hohen Ehre anrechnen!“
Ohne eine Antwort abzuwarten, stellte er den Zylinderhut neben
die Dame, faßte uns am Arm und drängte uns zum Fenster hin. Wir
unterhielten uns laut über die schöne Gegend, die aus Sand, verbranntem
Gras und Telegraphenstangen bestand. Als wir sie genug bewundert
zu haben glaubten, drehten wir uns wieder um. Der Zylinderhut war
verschwunden, die Engländerin saß ruhig mit glücklichem Gesicht in
ihrer Ecke. Sie warf dem Handlungsreisenden einen dankbaren Blick zu.
„Sie sind ein Gentleman!“ sagte sie einfach.
„Ja!“ sagte ich ergriffen und drückte ihm die Hand, „man sollte Ihnen
ein Denkmal setzen!“
„O bitte!“ sagte der Herr vornehm. Und rasch brachte er ein anderes
Gesprächsthema auf, erzählte höchst ergötzliche Geschichten von
Leutnants und Schwiegermüttern.
„Welch ein Mensch!“ dachte ich.
Alles nimmt ein Ende. Und so gelang es schließlich auch unserer
braven sechzigjährigen Lokomotive „Esmeralda“ uns nach Sevilla
hineinzuschleppen. Sie schnarchte fürchterlich und war schrecklich müde
-- das arme Tierchen!
Wir stiegen aus, der Handlungsreisende reichte liebenswürdig der
englischen Dame ihre Gepäckstücke und ich sah, wie er die Adresse auf
ihrem Koffer las.
„Miß Maud Clifton, Park Road, Sheffield!“ murmelte er. -- „Sheffield?
-- Das ist gut, da ist ja die Firma Winter Brothers!“
Er half der Dame beim Aussteigen. Dann kritzelte er ein paar Worte auf
eine Karte und wandte sich an mich:
„Lieber Landsmann,“ sagte er, „ich muß unserer Reisegefährtin mit
dem Gepäck behilflich sein. Wollen Sie mir wohl dies Telegramm hier
aufgeben?“
Ich war froh, dem hochherzigen Mann einen kleinen Dienst erweisen zu
können und sprang schnell zum Telegraphenbureau. Die Depesche lautete:
Winter Brothers, Sheffield!
„Hat Miß Maud Clifton, Sheffield, Park Road, eigenes Vermögen? Und
wieviel? Drahtantwort. Lehmann in Firma Obermeier, Berlin, zur Zeit
Sevilla, Hotel Cadiz.“
Nachdem ich das Telegramm aufgegeben hatte, suchte ich mein Handgepäck
zusammen und lief zum Hotelwagen, der bis zum letzten Platz besetzt
war.
„Sie müssen in ein anderes Hotel!“ rief mir Herr Lehmann aus dem
Fenster zu, „in diesem ist alles besetzt.“ --
„Die Depesche ist besorgt, sie hat acht Pesetas vierzig gekostet!“
sagte ich.
„Schon gut,“ meinte Herr Lehmann. „Wenn nur die Antwort befriedigend
ist!“ Er beugte sich hinaus und sagte vertraulich: -- „Hübsch ist sie
ja, die Miß, wenn sie nun auch noch Geld hat, können wir bald Verlobung
feiern!“
„O!“ beteuerte ich. „Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Glück! -- Sie
edler Mensch, Sie! Sie Gentleman! -- Ihr neuer Zylinderhut!“
„Reden Sie doch nicht!“ sagte Herr Lehmann, „meinen Sie denn ich würde
=auf ein so schwaches Risiko hin meinen eigenen= Zylinderhut hergeben?!
-- Nicht mal die Telegrammkosten!“
Der Kutscher knallte. Der Hotelwagen knatterte über das Pflaster hin.
Eine schreckliche Ahnung stieg in mir auf. -- Ich öffnete meine schöne
lederne Hutschachtel -- -- sie war leer!
O dieser Gentleman -- -- dieser scheußliche Gentleman!
Wenn er aber Hochzeit macht -- -- ich werde ihm telegraphisch meine
Rechnung schicken! --“
[2] Aus „=Mit meinen Augen= -- -- --“ Fahrten durch die lateinische
Welt von Hans Heinz Ewers. 3. Aufl. Verlag Konrad W. Mecklenburg.
Berlin.
*
Ein frecher Trick
Mayer und Kohn fahren zusammen mit der Bahn. Kohn hat keine Fahrkarte.
Wie sie zur Endstation kommen, sagt Kohn zu Mayer: „Borg' mir e Moment
deine Fahrkarte.“ Mayer gibt Kohn seine Karte. Kohn schreibt rückwärts
seinen Namen darauf und gibt die Karte wieder dem Mayer zurück. Beide
steigen aus. Mayer gibt beim Ausgang seine Karte ab und hinter ihm
kommt Kohn. „Bitte, die Fahrkarte,“ sagt der Beamte. „Hab' ich Ihnen
ja gerade gegeben.“ „Das ist nicht wahr,“ sagt der Beamte. „Wieso nicht
wahr?“ sagt Kohn, „sehen Sie, bitte, nach, ich hab' mein' Nam' auf die
Karten d'raufgeschrieben, ich heiße Kohn.“ Der Beamte schaut nach,
findet richtig die Karte und sagt zu Kohn: „Gut, Sie können gehen.“
Kohn: „Wie haißt, Sie können geh'n, das Beschwerdebuch will ich haben!“
*
Abfuhr
Veitel Troddeles sitzt im Coupé neben einem Offizier und raucht eine
hundsgemeine Stinkadores. Der Offizier murmelt indigniert etwas von
„schreckliche Jesellschaft“ und bietet ihm seufzend eine von seinen
teuren Zigarren an.
Veitel Troddeles akzeptiert diese dankend, steckt sie aber nicht an,
sondern ein, und schmaucht seinen Stänker weiter. Der Offizier ruft
wütend:
„Aber Mann Gottes, nun rauchen Se doch um Gottes willen die =andere=
Zigarre!“
„Ach nein,“ sagt Veiteles, „die rauch' ich mal, wenn ich bin in ä
=feinere Gesellschaft=!“
*
Schlechter Trost
Ein Brautpaar fährt mit der Eisenbahn und erhält auf seine Bitte vom
Kondukteur in dem wenig besetzten Zug ein separates Coupé eingeräumt.
Während der Fahrt erlaubt sich das Paar allerlei Zärtlichkeiten, als
plötzlich ein Mann unter der Bank hervorkriecht. Erschreckt ruft der
Bräutigam: „Was tun Sie hier -- haben Sie uns beobachtet?“ -- „Oh nein,
seien Sie unbesorgt, ich habe nichts gesehen; ich bin ein ‚=blinder
Passagier=’.“
*
Beste Lösung
Zwei Damen sitzen im Eisenbahncoupé, die eine macht das Waggonfenster
auf, da sagt die andere: Das Fenster muß zubleiben, ich bin leidend,
wenn ich einen Zug bekomme, kann ich momentan tot sein. Die andere sagt
wieder: Ich halt's nicht aus beim geschlossenen Fenster, ich muß Luft
haben, sonst trifft mich der Schlag. Es entsteht ein großer Streit,
der Kondukteur kommt und sagt folgendes: „Also machen wir zuerst das
Fenster auf, dann sterben Sie, dann machen wir's zu, dann trifft Ihnen
der Schlag -- dann haben wir Ruhe!“
*
Ein Idiot
A: „Mir ist so schlecht, ich kann es gar nicht beschreiben.“
B: „Ja, von was denn?“
A: „Wissen Sie, ich bin von Pest nach Wien gefahren und immer im Coupé
verkehrt gesessen.“
B: „Wieso verkehrt?“
A: „Na, gegen den Zug.“
B: „Da hätte ich doch mein _vis-à-vis_ ersucht, es soll mit mir
den Platz wechseln!“
A: „Ja, das hätte ich ja auch getan. Aber es ist niemand
_vis-à-vis_ gesessen.“
*
Aller Anfang ist schwer
Ort der Handlung: Ein Eisenbahnzug „drüben“. In einer Ecke am Fenster
ein junger, eben eingewanderter Fremdling -- in der anderen gleichfalls
am Fenster ein alter würdiger Yankee _pur sang_. Dieser, eifrig
mit Tabakkauen beschäftigt, spuckt von Zeit zu Zeit mit großer Vehemenz
und noch größerer Zielsicherheit nicht etwa aus seinem Fenster, sondern
zum jenseitigen hinaus, dicht an des „_foreigner_“ Nase vorbei.
Der Neuling, mit des Landes Sitten nicht vertraut, beschließt, dem
Mitinsassen eine Lektion zu erteilen, und indem er sich den Anschein
gibt, als beabsichtige er durch das neben dem Amerikaner befindliche
Fenster zu spucken, trifft er den würdigen Herrn mitten ins Gesicht.
Der jedoch schüttelt milde tadelnd sein Haupt und sagt gelassen: „=Sie
sind noch ein Anfänger, mein Herr!=“
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Kaltblütig
Ein Eisenbahnzusammenstoß hat einige Waggons zertrümmert. Dabei sind
dem Diener eines Lord beide Beine abgequetscht worden. Als man das dem
Lord, der selbst unbeschädigt geblieben ist, mitteilt, sagt er:
„Well, bringen Sie mir das Bein, wo sind drin meine Kofferschlüssel!“
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Die Tomatensauce
In einem Coupé machten sich bei dem von einem opulenten Diner
heimkehrenden Herrn Großkotz aus Klein-Pankow die Folgen der zu
starken Nahrungsaufnahme in explosiver Weise bemerkbar und das
Ungewitter entladet sich unglücklicherweise gerade auf den Anzug
eines ihm _vis-à-vis_ sitzenden Herrn, der ebenfalls angesäuselt,
eingeschlafen ist. Der Attentäter will sich durch einen Trick aus der
Affäre ziehen, weckt den Herrn und sagt: „Na, guter Mann, ist Euch
jetzt wieder besser?“
Der Herr sieht sich verdutzt um und sagt endlich: „Dunnerkeil, ich --
habe -- aber -- doch seit Monaten keine Tomaten mehr gegessen!“
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Auf einen groben Klotz
Szene: Ueberfüllter Wagen der Ringbahn in Bremen. Eine Dame steigt
ein und muß stehen; ein Arbeiter erhebt sich und nun entspinnt sich
folgendes Gespräch:
Arbeiter: „Madame, nehmen S' minen Platz, ick kann ehder stahn.“
Dame (hochmütig): „Danke, ich setze mich auf keinen warmen Platz.“
Arbeiter: „Denn kann'k dett nicht helpen, Madamm, een Isbüdel kann'k
mer nich in de Boxen hangen.“
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Vorschläge, den Raubanfällen auf der Eisenbahn abzuhelfen
Wenn einer eine Reise tut, so kann er -- totgeschlagen werden. Leider
Gottes ist das eine Binsenwahrheit für deutsche Verhältnisse geworden.
Da ist es denn überaus erfreulich, zu erfahren, daß die Bahnverwaltung
auf alle möglichen Mittel sinnt, um den Prozentsatz der Morde in den D-
und Schnellzügen auf das normale Maß zu reduzieren.
Der Vorschlag, alle Reisenden vor Antritt der Fahrt der Untersuchung
durch das Bertillonsche Meß-System zu unterwerfen, um berüchtigte
Raubmörder von vornherein zu fassen, hat manches Mißliche, da er eine
unerhörte Belästigung des Publikums darstellt.
Auch die Versuche, den einzelnen Zügen Berliner Kriminal-Schutzleute
mitzugeben, sind total mißglückt, da die braven Beamten von dem
Raubgesindel in der frechsten Weise bestohlen und ausgeplündert wurden.
Aussichtsvoller wäre schon der Plan die so hochintelligenten
=Polizeihunde= der Eisenbahnbehörde zur Verfügung zu stellen.
Aengstliche Reisende, die größere Geldsummen mit sich führen,
könnten dann eine „=Fahrkarte mit Hund=“ lösen, müßten aber, da die
Bahnverwaltung diese Vierfüßler, selbst wenn sie als „=königliche
Staatsbeamte=“ fungieren, nur in gesonderten Abteilen transportieren
läßt, im -- =Polizeihunde-Coupé=, Platz nehmen, ein Umstand, der der
Durchführung genannter Idee einige Hindernisse bereitet. Immerhin
dürfte selbst der =besonders furchtsam= veranlagte Reisende einzig und
allein im =Polizeihunde-Coupé= ein unbedingtes Gefühl der Sicherheit
auf den deutschen Staatsbahnen erhalten.
Gegen das Verbot, =unter keinen Umständen= nur =zwei= Passagiere
in einem Abteil fahren zu lassen, protestieren wieder energisch die
Hochzeitsreisenden, die sich sogar scharf gegen die Beleuchtung der
Tunnelpassagen ausgesprochen haben. --
Ernsthafter ist schon die Idee zu betrachten, die Passagiere vor
Antritt der Fahrt sorgfältig nach dem =Zweck ihrer Reise zu befragen=.
=Hier= wäre für intelligente Bahnbeamte ein weites Gebiet der
Tätigkeit.
Wenn z. B. ein gewisser Klamotten-Ede erklärt, er wolle =nach
Norderney=, um zur Stärkung seiner Gesundheit einige Dutzend Fußbäder
zu nehmen, so wäre dies durchaus auffällig, und weitere Recherchen
würden vielleicht die Unrichtigkeit seiner Angaben bestätigen.
Auch die Aussage der berüchtigten „Troddel-Bertha“, sie fahre
nach Bernau, um Untersuchungen über die Säuglingssterblichkeit in
Kellerwohnungen anzuregen, könnte allzu berechtigten Zweifeln begegnen.
Ebensogut wäre Mißtrauen am Platze, wenn ein Berliner
Geldschrankknacker den Nachtzug Berlin-Köln angeblich =dazu= benutzt,
um der Frühmesse im Dom beizuwohnen oder vielleicht Kölnisches Wasser
für seine „Braut“ zu kaufen!
=Hier= nun muß die Bahnschutz-Kontrolle einsetzen. Sobald sich daher
ein derartig =verdächtiges= Individuum einem Passagier gegenübersetzt,
wird dieser =sofort davon verständigt=. Dann wird die =Hosenschnalle
des Gefährdeten= durch eine Zuckerschnur mit der =Notleine=
verbunden, die rechte Hand des =Verdächtigen= anderseits mit der
=Bremsvorrichtung=, so daß jedes Zerren daran den Zug auf der Stelle
zum Stehen bringt.
Da weiterhin „Raubmörder“ gewöhnlich das Opfer während der =Lektüre=
überfallen, so werden dem Gefährdeten durch den Zugführer sämtliche
eventuell in seinem Besitz befindlichen =Zeitungen= und =Broschüren=
abgenommen.
Bevor ein Tunnel passiert wird, tritt der diensttuende Schaffner
in das Coupee hinein und versorgt den gefährdeten Passagier mit
Beschwerdebuch, schwedischen Streichhölzern und einer kurzen gedruckten
Anweisung zum Jiu-Jitsu.
Diese Vorbereitungen werden den Raubmörder derartig beunruhigen, daß
er sich meistens auf der nächsten Station in unauffälliger Weise --
drückt!
=Sehr= zu empfehlen ist ängstlichen Passagieren auch der von der
Bahnbehörde gelieferte =künstliche Oberkopf=, in dem sich ein
elektrisches Läutewerk befindet. Es erregt erfahrungsgemäß regelmäßig
bei dem „Opfer“ große Heiterkeit, wenn der „Verdächtige“ mit seinem
Hammer wie verrückt darauf losschlägt und das gesamte Schaffnerpersonal
alarmiert, während der Passagier -- =in aller Ruhe seine Zeitung
liest=! --
Max Brinkmann.
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Im Speisewagen
„Ich hab' vier Passionen, wissen Sie: Pferde, Hunde, Damen und Weiber.“
„Und in was reisen Sie?“
„In =Barchent.=“
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[Illustration: Flohbisse des Hotels]
=Zimmerkellner= (zum Passagier): „Also hier ist Ihr Zimmer!“
=Passagier=: „Ist das Zimmer auch rein?“
=Zimmerkellner=: „Selbstredend!“
=Passagier=: „Sind =im Bett= Flöhe?“
=Zimmerkellner=: „Wo sollen sie =denn= sein?“
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Der gute Ruf
Auf dem Weg nach Rügen kamen wir in Berlin an, dort gedachten wir, eine
Nacht zu bleiben.
Ich wollte unser Gepäck beheben, da zeigte es sich, daß meine Frau
den Aufgabeschein verloren hatte. Wir hielten uns nicht weiter auf und
fuhren ohne Gepäck ins Hotel.
„Nee,“ sagte der Portier, „Paare ohne Jepäck dürfen wa nich uffnehmen.“
Ich schlug Lärm und verlangte nach dem Wirt.
Er kam, ließ sich den Fall vortragen und zuckte die Achseln.
„Ick muß den juten Ruf von meenem Etablissemang wahren“ sprach er.
„So spät am Abend könn wa keen Zimmer jeben -- an Paare, die wo nich
wenichstens ennen Hutkarton mithaben.“
Roda Roda.
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Reiseerlebnis
Rentier Striese aus Leipzig kommt von einer Reise zurück und erzählt an
seinem Stammtisch:
„Wissen Se, da is mer in Götschenbrode ä närrsches Ding bassiert. Also,
wie ich nachts eene Weile im Hodelbette liege, beißt mich uff eemal e
Floh. Nu, ich schnell Licht gemacht und das Luderchen gefangen. Aber
das arme Dierchen zu deeden hatt 'ch doch nich ibersch Herz bring genn
un so sperrt 'ch den Floh in meine Daschenuhr untersch Uhrglas. -- Was
soll 'eh Ihnen sagen, als 'ch am nächsten Morchen nachsehe, hat sich
das freche Vieh =uff'n Sekundenzeiger gesetzt un läßt sich Karussel
fahren=!“
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Leben, und leben lassen
Zwei Geschäftsreisende haben eine kleine Bierreise gemacht und kommen
bezecht in ihr Hotel zurück. Im Dusel öffnen sie statt der Tür zu
ihrem Schlafzimmer die Tür zum Nebenzimmer, wo =eine Dame= logiert.
Erschreckt springt diese aus dem Bett und ruft, da sie die beiden für
Raubmörder hält: „Ach Gott, lassen Sie =mich doch leben!=“ -- „Karle,“
sagt darauf der eine, „warum sollen wir sie =nicht leben lassen=?“ --
=Beide: Sie lebe hoch! Sie lebe hoch! Dreimal hoch!=
In einem Hotel, wo ein Reisender wohnt, steigt neben sein Zimmer ein
junges Ehepaar, welches sich auf der Hochzeitsreise befindet, ab. Der
Reisende wird fortwährend aus seinem Schlafe gestört, weil die junge
Frau immer zu ihrem Manne sagt: „Ach, Felix, du bist so süß. Dich soll
man vergolden!“ Endlich wird dem Reisenden die Sache zu dumm, er klopft
heftig an die Tür, das Ehepaar erschrickt und fragt: „Wer ist's?“ Drauf
sagt der Reisende: „Der Vergolder, damit amal a Ruh' is!“
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Ein „Messeresser“
bildet oft das stille Vergnügen seiner Tischnachbarn. Von einem solchen
Original, und zwar einem solchen aus Wildwest, wird folgende Leistung
erzählt. Seine Geschäfte führten ihn wieder einmal unter die Menschen,
und er stieg in einem Gasthofe ab. Als er zum Essen ging, sprach er
tapfer zu, aber er aß sein ganzes Mahl mit dem Messer und merkte erst
zum Schluß der Tafel, daß er keine Gabel hatte. So sagte er denn zu
seinem Geschäftsfreunde: „Denken Sie sich, der Kellner hat mir gar
keine Gabel gegeben.“ „Das schadet ja auch nichts,“ erwiderte der
Freund, „Sie brauchen sie ja doch nicht.“ „Die brauch' ich nicht?“ kam
es von den Lippen des Mannes aus Wildwest. „Womit soll ich denn sonst
zum Teufel den Kopf kratzen?“
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Wenn's geht
Ein Engländer hat in einem kleinen Ort in der Nähe des Rheins ein
paar Tage gewohnt und läßt sich bei seiner Abreise die Rechnung
bringen. Hier findet er alles der Ordnung gemäß. Als letzter Posten
war aufgeführt: „Wenn's geht ... 3,50 M.“ Erstaunt fragte er den
Gasthalter: „Uas ist das: „Wenn's geht“?“ „No,“ sagt der Gasthalter,
„wenn's net geht, do streiche mer's widder dorch!“
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Merkwürdig
Der Pikkolo eines Hotels will der Köchin einen Schabernack spielen und
streut ihr vorm Schlafengehen Juckpulver ins Bett.
„Komisch,“ sagt er am nächsten Morgen zu seinem Kollegen, dem er von
seinem Streich erzählte, „komisch, die Köchin kratzt sich ja gar nicht
und das Merkwürdigste, guck bloß mal =den Oberkellner, der kratzt sich
ja fortwährend=!“
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Im Hotel
„Bedaure, wir sind vollständig besetzt! ... Wir haben nur mehr ein
Zimmer mit zwei Betten frei!“
„Das genügt uns ja aber auch!“
„Pardon! ... Ich dachte, die Herrschaften seien verheiratet!“
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Auf Reisen
„Wirklich, Schatz -- wir steigen im Hotel Greif ab? Das ist gescheit.
In dem Hotel =hab ich mich auch voriges Jahr einmal verlobt=.“
Ein sehr nervöser Hotelgast wendet sich an den Portier des Hotels
mit der Bitte, dieser möge doch die Bewohner der angrenzenden Zimmer
um möglichste Ruhe beim Schlafengehen ersuchen, da ihn das geringste
Geräusch foltere. -- Einer seiner Zimmernachbarn kommt nachts
nach Hause, denkt nicht an den nervösen Herrn, und während er sich
auskleidet, wirft er geräuschvoll seinen einen Stiefel in die Ecke. Da
fällt ihm das Ersuchen des Portiers ein, und er beendet das Auskleiden
möglichst geräuschlos. Nach drei Stunden weckt ihn sein nervöser
Nachbar aus dem Schlaf: „Ja, um Gottes willen, Mensch, wann werden Sie
endlich den anderen Stiefel in die Ecke werfen, ich warte schon drei
Stunden darauf?“
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Diensteifrig
Ein Kellner steht, rückwärts sich kratzend, bei einem Gast, der soeben
eine Auswahl unter den Speisen trifft; der Gast beobachtet den Kellner
und fragt ihn: „Haben Sie Hämorrhoiden?“ „Werde gleich in der Küche
nachfragen!“ antwortet derselbe und eilt geschäftig weg.
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Die geheime Zeichensprache der Geschäftsreisenden
Auch die =Geschäftsreisenden= -- dieses Faktum dürfte manchem noch
unbekannt sein! -- haben eine Art der geheimen Verständigung durch
Zeichen, die, ähnlich der Zeichensprache der „=Stromer von der
Landstraße=“, den einzelnen quartiersuchenden Individuen eine klare
und präzise Auskunft über die Güte und charakteristische Besonderheit
des gekennzeichneten Hotels gibt. Die Hieroglyphen werden meistens
unterhalb der Nachtklingel des Gasthauses mit Bleistift auf den
Mauerkalk gekratzt.
Hier folgen die wesentlichen Bestandteile der Sprache:
[Illustration: Zeichen_01]
=Kleiner Strich in Hufeisenform=: Es wird Fleisch, das hinreichend
verdächtig erscheint, von der Peitsche eines Droschkenkutschers mürbe
geschlagen zu sein, zu Beefsteaks und Klopsen verarbeitet.
[Illustration: Zeichen_02]
=Großer Strich in derselben Form, mit Apfel in der Mitte=: Der Wirt ist
ein absolutes Pferd.
[Illustration: Zeichen_03]
=Ein lateinisches K, über dem die bekannte Zeichnung des nützlichsten
Haustieres prangt=: Der Kaffee ist unter der Sau!
[Illustration: Zeichen_04]
=Der dreifach geschriebene Buchstabe W=: Achtung! Wanzen!
[Illustration: Zeichen_05]
=Ein kleines v vor der gleichen Buchstabenreihe=: Achtung, =viel=
Wanzen!
[Illustration: Zeichen_06]
=Eine Wiege und ein Hundeschwanz:= Die Betten sind hundsmiserabel!
[Illustration: Zeichen_07]
=Ein bekanntes und sehr zweckmäßiges Inventarstück des Schlafzimmers:=
Bitte =nie= Bouillon bestellen! Eventuell vor dem Genuß durch ein Sieb
filtrieren! --
[Illustration: Zeichen_08]
=Ein Stiefelknecht mit Ohren:= Vorsicht! Der Hausdiener und die
Zimmermädchen lauschen an den Türen!
[Illustration: Zeichen_09]
Nicht zu machen! Weibliche Bedienung gegen Liebenswürdigkeit sehr
unempfänglich!
[Illustration: Zeichen_10]
=Ein Besen:= Weibliche Bedienung reagiert auf Zärtlichkeiten =sehr=
unangenehm!
[Illustration: Zeichen_11]
=Rasierpinsel zum Einseifen:= Aufpassen beim Begleichen der Zeche!
Zahlkellner ist ein gewitztes Luder! Doppelte Buchführung! --
Max Brinkmann.
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Vorschlag
Das Stubenmädchen eines bekannten Leipziger Hotels, das wegen
seiner guten Verpflegung von Reisenden viel besucht wird, kommt zum
Rechtsanwalt, um eine Alimentenklage anhängig zu machen. Auf die
Frage, gegen wen die Klage gerichtet werden soll, tiefes Schweigen
und schließlich das Bekenntnis, daß sie ihre Gunst mehreren zugewendet
habe und den Vater nicht angeben könne. Darauf aufmerksam gemacht, daß
unter diesen Umständen die Klage unmöglich sei, erfolgt die schüchterne
Frage, „Herr Notar, könnte man sie denn nicht gegen den ‚Verband
reisender Kaufleute’ richten?“
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Verständigung
An den Türen des Speisesaals eines Alpenhotels prangt: „_On parle
français._“ „_English spoken._“ „_Si parla italiano._“
Mendel Auerhahn der Jüngere, sehr gebildet, aber noch nicht ganz
fertig, tritt ein, nimmt Platz und ruft, den Kellner: „_Give me a menu
card!_“
Der Kellner bleibt lächelnd stehen.
„_Donnez-moi la carte de menu!_“
Der Kellner bleibt lächelnd stehen.
„_Prego di darmi la carta di menu!_“
Der Kellner sagt leise: „Wissen Se was. Ich werd' Ihnen bringen
Gansbiegel mit Ritscherl.“
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Unerhörte Neugierde
Ein Reisender kam in ein Hotel und wollte seinen Namen in das
Fremdenbuch eintragen, als er einen Floh in dem Buch herumkriechen sah.
Die Feder wegwerfen, sein Gepäck nehmen und fortgehen, war bei ihm
das Werk eines Augenblicks, wobei er ausrief: „Ich habe in bezug auf
Ungeziefer schon einiges mitgemacht, daß aber dieses Vieh schon gleich
im Fremdenbuch nachsieht, in welchem Zimmer man untergebracht ist, das
ist mir zu stark!“
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Reiselatein
Zwei Reisende, beide in feuerfesten Geldschränken machend, sitzen
abends zusammen im Hotel. Nach kurzer Zeit entbrennt natürlich ein
lebhafter Disput über die Prävalenz der vertretenen Firmen.
„Ich sage Ihnen,“ renommierte der Eine, „wir haben neulich in einen
unserer Schränke einen lebendigen Hahn gesetzt, ihn dann 24 Stunden
ununterbrochen der stärksten Glühhitze ausgesetzt, nachher wieder
abgekühlt und geöffnet. Wir sehen nach dem Hahn und denken Sie -- das
Tier lebte noch!“
„Das ist noch gar nichts. Wir haben genau denselben Versuch gemacht,
aber als wir den Schrank öffneten, da war der Hahn -- =erfroren=!“
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Fatale Vergeßlichkeit
=Erster Hotelkellner=: „Nein, was bei uns für =vergeßliche Leute=
verkehren. Hat da neulich eine junge Dame ihre ganzen Schmucksachen
liegen lassen!“
=Zweiter Hotelkellner=: „Das ist noch gar nichts! Bei uns steigt da
neulich ein Hochzeitspärchen ab und nimmt ein Zimmer. Am nächsten
Morgen muß die junge Frau mal aus dem Zimmer. Aber als sie wieder
zurück will, hat sie die Zimmernummer vergessen. Sie stürzt auf mich
zu und fragt mich, welches Zimmer sie habe. „Ganz einfach,“ sage ich,
„da sagen Sie mir nur =Ihren werten Namen=, ich gehe runter und sehe
im Fremdenbuch nach, welche Nummer Sie haben!“ Was soll ich dir sagen,
=den Namen von ihrem Manne hatte sie sogar vergessen=. Nee, so was von
Vergeßlichkeit!“ --
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Aus der Cholerazeit
=Hotelier=: „Mein Herr, ich muß Sie im Interesse meines Hotels
und beziehungsweise meiner sonstigen Gäste dringend ersuchen, sich
untersuchen zu lassen, denn Sie waren in dieser Nacht achtmal am
Abort!“
=Handlungsreisender=: „Ganz richtig! Aber beruhigen Sie sich nur, mein
Lieber! Es war eben =siebenmal besetzt=!“
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Ueberlistet
Ein Hotelgast, welcher sich nicht den ganzen Tag mit seinem Schirm
abschleppen will, läßt denselben im Lesezimmer stehen, nachdem
er folgende Karte daran befestigt: „Dieser Schirm gehört dem
Champion-Preisboxer Knuffer. Bin in zehn Minuten zurück.“ -- Als er
abends zurückkommt, ist der Schirm fort, an seiner Stelle aber findet
Knuffer folgende Karte: „Diese Karte gehört dem Champion-Schnelläufer
Eilemann. Kann nicht sagen, ob ich je zurückkomme.“
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Hotelordnung im amerikanischen Osten
Im „Oklahoma-Hotel“ ist folgende Hausordnung im Fremdenzimmer
vorgeschrieben: „Gentlemen, welche mit ihren Stiefeln zu Bette gehen,
bezahlen einen Extrazuschlag. -- Drei Schläge an der Tür bedeuten, daß
ein Mord im Hause geschehen ist und daß Sie aufstehen müssen. -- Das
Abschießen einer Pistole ist kein genügendes Alarmzeichen. -- Es ist
verboten, die Tapeten abzureißen, um damit die Pfeife anzuzünden. --
Die Ratten werden Sie nicht fressen, wenn sie Ihnen auch einmal übers
Gesicht fahren. -- Im Falle es durch die Decke zu stark hineinregnen
sollte, finden Sie unter Ihrem Bett einen Regenschirm.“
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Die Berufskrankheit
In Venedig lernten wir ein nettes Ehepaar aus Deutschland kennen --
aber die Frau war vom Reisen keineswegs entzückt. Sie wollte bald
wieder heimkehren.
„Es is so peinlich,“ sagte sie, „mit meinem Mann. Er war doch ehemals
_maitre d'hôtel_ -- un wenn nu jemand an't Jlas kloppt, springt er
unwillkürlich uff un rennt hin.“
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Hoteladel
„O, bei uns steigt lauter hocharistokratisches Publikum ab. Das dort
ist der Graf Plein -- hier Baron Königshaus, und der Alte in der Ecke,
das ist der Herr von Nr. 59.“
Roda Roda
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In Metz war's, in einem ausschließlich von Geschäftsreisenden
frequentierten Hotel, wo einer dieser ruhelosen Jünger Merkurs an
der Tafelrunde die Zusammensetzung seines Artikels -- Wichse --
erklärte. Nachdem er die einzelnen Substanzen, als Elfenbeinschwarz,
Schwefelsäure, Oel usw., aufgezählt hat, fragt ein Berliner: „Nu sagen
Sie mal, Kolleje, was jibt denn da nu'n Jlanz?“ -- „De Berschte!“
platzt ein Herr raus.
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In einem ehrbaren Gasthof des bayerischen Hochlandes findet sich in den
Fremdenzimmern folgender Anschlag:
„In den Preis des Zimmers ist das Zimmermädchen nicht mit einbegriffen!“
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Am Gardasee