Zeitgenossen! Glückliche oder unglückliche Zeitgenossen -- wie soll ich
euch nennen? daß ihr nicht aufmerken wollet, oder nicht aufmerken
könnet. Wunderbare und sorgenlose Blindheit, mit welcher ihr nichts
vernehmt! O, wenn in euren Füßen Weissagung wäre, wie schnell würden sie
zur Flucht sein! Denn unter ihnen gährt die Flamme, die bald in Vulcanen
herausdonnern, und unter ihrer Asche und ihren Lavaströmen Alles
begraben wird. Wunderbare Blindheit, die nicht gewahrt, daß Ungeheures
und Unerhörtes nahe ist, daß Dinge reifen, von welchen noch der Urenkel
mit Grausen sprechen wird, wie von atridischen Tischen und Pariser und
Nanter Bluthochzeiten? Welche Verwandlungen nahen! Ja, in welchen seid
ihr mitten inne und merkt sie nicht, und meint, es geschähe etwas
Alltägliches in dem alltäglichen Nichts, worin ihr befangen seid! -- ^G.
v. J.^ S. 13.[68]
Diese Prophezeiung -- in der That, mehr als einmal habe ich diese Worte
als übertrieben tadeln hören. Sie flößen, sagt man, ein gewisses
falsches Entsetzen ein, das die Gemüther, statt sie zu erregen, vielmehr
abspanne und erschlaffe. Man sieht um sich, heißt es, ob wirklich die
Erde sich schon unter den Fußtritten der Menschen eröffne; und wenn man
die Thürme und die Giebel der Häuser noch stehen sieht, so holt man, als
ob man aus einem schweren Traume erwachte, wieder Athem. Das
Wahrhaftige, was darin liegt, verwerfe man mit dem Unwahrhaftigen, und
sei geneigt die ganze Weissagung, die das Buch enthält, für eine Vision
zu halten.
O du, der du so sprichst, du kömmst mir vor wie etwa ein Grieche aus dem
Zeitalter des Sülla, oder aus jenem des Titus ein Israelit.
»Was? dieser mächtige Staat der Juden soll untergehen? Jerusalem, diese
Stadt Gottes, von seinem leibhaftigen Cherubime beschützt, sie sollte,
Zion, zu Asche versinken? Eulen und Adler sollten in den Trümmern dieses
salomonischen Tempels wohnen? Der Tod sollte die ganze Bevölkerung
hinwegraffen, Weiber und Kinder in Fesseln hinweggeführt werden, und die
Nachkommenschafft in alle Länder der Welt zerstreut, durch Jahrtausende
und wieder Jahrtausende[69] verworfen, wie dieser Ananias prophezeit,
das Leben der Sclaven führen? Was?«