1. Einleitung [zur Zeitschrift Germania].

Diese Zeitschrift soll der erste Athemzug der deutschen Freiheit sein.

Sie soll Alles aussprechen, was während der drei letzten, unter dem

Druck der Franzosen verseufzten, Jahre in den Brüsten wackerer Deutschen

hat verschwiegen bleiben müssen: alle Besorgniß, alle Hoffnung, alles

Elend und alles Glück.

Es bedurfte einer Zeit wie die jetzige, um einem Blatt, wie das

vorliegende ist, das Dasein zu geben. So lange noch keine Handlung des

Staats geschehen war, mußte es jedem Deutschen, der seine Worte zu Rathe

hielt, ebenso voreilig als nutzlos scheinen zu seinen Mitbrüdern zu

reden. Eine solche Stimme würde entweder völlig in der Wüste verhallt

sein, oder -- welches fast noch schlimmer gewesen wäre -- die Gemüther

nur auf die Höhen der Begeisterung erhoben haben, um sie in dem zunächst

darauf folgenden Augenblick in eine desto tiefere Nacht der

Gleichgültigkeit und Hoffnungslosigkeit versinken zu lassen.

Jetzt aber hat der Kaiser von Oesterreich an der Spitze seines tapfern

Heeres den Kampf für seiner Unterthanen Wohl, und den noch

großmüthigeren für das Heil des unterdrückten und bisher noch wenig

dankbaren Deutschlands unternommen. Der kaiserliche Bruder, den er zum

Herrn des Heers bestellte, hat die göttliche Kraft, das Werk an sein

Ziel hinauszuführen, auf eine erhabene und rührende Art dargethan. Das

Misgeschick, das ihn traf, trug er mit der Unbeugsamkeit der Helden, und

ward in dem entscheidenden Augenblick, da es zu siegen oder zu sterben

galt, der Bezwinger des Unbezwungenen, -- ward es mit einer

Bescheidenheit, die dem Zeitalter, in welchem wir leben, fremd ist.[66]

Jetzt oder niemals ist es Zeit den Deutschen zu sagen, was sie

ihrerseits zu thun haben, um der erhabenen Vormundschafft, die sich über

sie eingesetzt hat, allererst würdig zu werden; und dieses Geschäfft ist

es, das wir, von der Lust am Guten mitzuwirken bewegt, in den Blättern

der Germania haben übernehmen wollen.

Hoch, auf dem Gipfel der Felsen soll sie sich stellen und den

Schlachtgesang herabdonnern ins Thal! Dich, o Vaterland, will sie singen

und deine Heiligkeit und Herrlichkeit, und welch ein Verderben seine

Wogen auf dich heranwälzt! Sie will herabsteigen, wenn die Schlacht

braußt,[67] und sich mit hochroth glühenden Wangen unter die Streitenden

mischen und ihren Muth beleben, und ihnen Unerschrockenheit und Ausdauer

und des Todes Verachtung ins Herz gießen; -- -- und die Jungfrauen des

Landes herbeirufen, wenn der Sieg erfochten ist, daß sie sich

niederbeugen über die so gesunken sind, und ihnen das Blut aus der Wunde

saugen. Möge jeder, der sich bestimmt fühlt dem Vaterlande auf _diese_

Weise zu -- -- --

Heinrich von Kleist's politische Schriften und andere Nachträge zu seinen Werken · 第 11 / 39 题