SKOTININ. Nun, Schwester, einen schönen Streich hast du mir – Ei! Was
ist denn das? Alle auf den Knieen?!
FRAU PROSTAKOWA (knieend). Verzeihung! Dem Reuigen wird vergeben. Ja,
ich bekenne meine Schuld! Gnade! (Zu Sophie.) Beste, goldne Sophie –
verzeihe mir, erbarme dich mein und (auf Mann und Sohn weisend) dieser
armen Waisen!
SKOTININ. Schwester, bist du bei Troste?
PRAWDIN. Schweige, Skotinin!
FRAU PROSTAKOWA. Gott wird dich und deinen teuren Bräutigam segnen! ...
Was hast du von meiner Bestrafung?!
SOPHIE (zu Starodum). Onkel, ich vergesse die mir zugefügte Beleidigung.
FRAU PROSTAKOWA (mit erhobenen Händen zu Starodum). Auch du vergib mir
Sünderin! Ich bin ja ein Mensch und kein Engel!
STARODUM. Wohl weiß ich’s, daß der Mensch kein Engel sein kann: doch muß
er auch kein Teufel sein! ... Sowohl ihr Vergehen als auch ihre Reue ist
verächtlich!
PRAWDIN (zu Starodum). Nur Eine Klage Ihrerseits, nur Ein Wort von Ihnen
bei der Regierung – und sie ist nicht zu retten.
STARODUM. Ich will keines Menschen Unglück; ich verzeihe ihr. (Alle
springen auf).
FRAU PROSTAKOWA. Er hat verziehen? O, du mein Wohlthäter! ... Nun aber
will ich es diesen Kanaillen von Dienstboten zeigen! Jeden nehm’ ich
einzeln ins Gebet! Gestehen müssen sie, wer sie aus den Händen gelassen.
Nein, ihr Spitzbuben, ihr Diebe – _das_ verzeih’ ich euch nie im Leben!
PRAWDIN. Und wofür wollen Sie Ihre Leute bestrafen?
FRAU PROSTAKOWA. Aber das ist denn doch eine sonderbare Frage! Hab’ ich
nicht die Macht, mit meinen Leuten zu thun, was ich will?
PRAWDIN Sie halten sich also im Recht, nach Laune und Belieben
körperlich zu strafen?
SKOTININ. Steht’s denn dem Edelmann nicht frei, seine Bedienten zu
prügeln, wann es ihm beliebt?
PRAWDIN. Wann es ihm beliebt? Welch ein viehisches Belieben! (zu Frau
Prostakowa) Nein, Madame, es hat niemand das Recht, andere zu
tyrannisieren!
FRAU PROSTAKOWA. Ein Edelmann hat nicht das Recht, einen Bedienten
durchpeitschen zu lassen, wann es ihm gefällt? Wozu haben wir denn den
Ukas von den Rechten des Adels?
STARODUM. Die versteht’s, Ukase zu deuten!
FRAU PROSTAKOWA. Ihnen ist es lächerlich zu Mut’, mir aber gar nicht,
und auf der Stelle will ich jeden einzelnen – (will schnell fort).
PRAWDIN (hält sie zurück). Bleiben Sie noch, Madame. (Zieht ein Papier
aus der Tasche und spricht mit strengem Ton zu Prostakow). Im Namen der
Regierung befehle ich Ihnen, sofort Ihr ganzes Hausgesinde und alle
Bauern zusammenzurufen und ihnen bekannt zu machen, daß infolge der
Unmenschlichkeiten Ihrer Frau – wobei Ihre außerordentliche
Beschränktheit ihr freie Hand gelassen – mir die Regierung befiehlt, Ihr
Haus und Ihr Dorf unter Tutel zu stellen.
PROSTAKOW. Was müssen wir erleben!
FRAU PROSTAKOWA. Was? Ein neues Unglück! Wofür, wofür denn? Daß ich
Herrin bin in meinem Hause –
PRAWDIN. Eine unmenschliche Herrin, deren Boshaftigkeit in einem
wohlsituierten Staate nicht geduldet werden kann. (Zu Prostakowa.) Gehen
Sie.
PROSTAKOW (ab, die Hände über dem Kopf zusammenschlagend). Was heißt
das, was heißt das?!
FRAU PROSTAKOWA (schmerzlich). O, wie traurig, wie traurig!
SKOTININ (beiseite). Hehe! Auf solche Weise komm’ ja auch ich an die
Reihe! Da kann ja jeder Skotinin unter Tutel gestellt werden! ... Besser
ist’s, ich verschwinde, bevor –
PRAWDIN (zu Skotinin). Und du! Ich habe gehört, daß du mit Schweinen
unvergleichlich besser umgehst als mit Menschen.
SKOTININ. Gnädigster – wie sollte auch mein Herz an den Menschen hängen!
Bedenke selbst: die Menschen sind mir zu klug, unter den Schweinen aber
bin ich selber der Klügste.
FRAU PROSTAKOWA. Alles verloren! Ich bin ruiniert!
SKOTININ (zu Starodum). Ich möchte doch gern wissen ... was den
Bräutigam betrifft –
STARODUM (auf Milon weisend). Hier steht er.
SKOTININ. Aha! So hab’ ich hier nichts mehr zu thun. Nun, dann geh’ ich.
PRAWDIN. Ja, geh zu deinen Schweinen! Vergiß jedoch nicht, jedem
Skotinin mitzuteilen, was seiner wartet.
SKOTININ. Wie sollt’ ich Freunde nicht warnen! Sagen will ich, daß sie
die Leute –