STARODUM. Gnade und Freundschaft nach Neigung, Ämter und Würden nach
Verdienst.
PRAWDIN. Damit es keinen Mangel an würdigen Menschen gebe, wird jetzt
ein besonderes Augenmerk auf die Erziehung gerichtet.
STARODUM. Sie muß in der That das Pfand des Staatswohls sein. Alles
Unglück entsteht durch schlechte Erziehung. Freilich – welchen Nutzen
kann der Staat von einem Menschen wie Mitrofan ziehen, dessen unwissende
Eltern unwissenden Lehrern gar noch Geld zahlen? Wie viele Väter gibt es
unter dem Adel, welche die Erziehung ihres Sohnes einem
sklavenseelischen Leibeigenen anvertrauen! Nach etwa fünfzehn Jahren
gibt’s dann zwei Sklaven: den alten Hofmeister und das junge Herrchen.
PRAWDIN. Doch Personen aus den höchsten Ständen sorgen für eine tüchtige
Erziehung ihrer Kinder –
STARODUM. Vollkommen richtig, mein Freund; doch wünschte ich, daß in
allen Wissenschaften das Hauptziel jedes menschlichen Wissens nicht
vergessen werde: die Tugend. Glaube mir, daß die wissenschaftlich
gebildeten, aber demoralisierten Menschen diese Wissenschaften zum argen
Werkzeug des Bösen gebrauchen werden. Die Aufklärung erhebt nur eine
tugendhafte Seele. So wünschte ich, daß der Erzieher eines jungen
Aristokraten denselben täglich auf zwei Fälle aus der Weltgeschichte
aufmerksam mache: erstens – wie große Männer das Wohl ihres Vaterlandes
fördern, und zweitens – wie ein unwürdiger Würdenträger sein Vertrauen
und seine Macht zum Bösen mißbraucht und von der Höhe seines glänzenden
Ranges in den Abgrund der Verachtung und des Spottes niederstürzt.
PRAWDIN. Es ist in der That notwendig, daß jeder Stand eine angemessene
gute Erziehung erhält: dann kann man versichert sein – Was für ein Lärm?
STARODUM. Was ist geschehn?
Zweiter Auftritt.