MILON. Ich lasse Sie nicht, Madame.
SKOTININ (zornig, die Perücke ordnend). Kleb ab, Schwester! Oder ich
biege dich, daß dir alle Gelenke knacksen!
MILON (zu Prostakowa). Und Sie haben vergessen, daß es Ihr Bruder ist?
FRAU PROSTAKOWA. Ich bin wütend, ich muß mich sattprügeln!
MILON (zu Skotinin). Ist das nicht Ihre Schwester?
SKOTININ. Ja, leider stammen wir von Einer Brut, und dennoch heult sie
wider mich.
STARODUM (der sein Lachen nicht mehr zurückhalten kann, zu Prawdin). Ich
befürchtete zornig zu werden und muß nun lachen!
FRAU PROSTAKOWA. Lachen? Über wen lachen? Was ist denn das für ein
Vogel?
STARODUM. Nimm mir’s nicht übel: aber zeit meines Lebens hab’ ich nichts
Lächerlicheres gesehn.
SKOTININ (sich den Nacken reibend). Der hat gut lachen! Mir ist halbwegs
nicht lächerlich zu Mut.
MILON. Hat ein Schlag getroffen?
SKOTININ. Das Gesicht hab’ ich mir mit den Händen geschützt, und da hat
sie sich mir ins Genick eingekrallt.
PRAWDIN. Schmerzt es?
SKOTININ. Zerkratzt hat sie mich. (Während der folgenden Worte der Frau
Prostakowa wird Milon von Sophie durch Blicke bedeutet, daß vor ihnen
Starodum stehe; Milon versteht sie.)
FRAU PROSTAKOWA. Zerkratzt! ... Nein, Bruder, ein Heiligenbild kauf dir
auf den Namen des Herrn Offiziers: hätt’ er dich nicht beschützt – du
wärst mir nicht mit heiler Haut davongekommen! Wenn ich den Sohn
verteidige, werde ich meinen leiblichen Vater nicht schonen! (Zu
Starodum.) Und daran ist gar nichts Lächerliches! Ich habe ein
Mutterherz in der Brust. Ist’s erhört, daß eine Hündin ihre Jungen
preisgibt? ... Kommt da weiß Gott wer und weiß Gott zu wem –
STARODUM (auf Sophie weisend). Gekommen ist ihr Onkel Starodum.
FRAU PROSTAKOWA (erschrocken). Wie? Du bist’s? ... O, hochwillkommener
Gast! Ich Thörin, ich Närrin! War das ein Empfang für einen Vater, auf
dem unsre ganze Hoffnung ruht, der uns teuer ist wie unser Augapfel?!
... Verzeihe, verzeihe mir Närrin! ... Ich kann gar nicht zu mir kommen!
... Wo ist mein Mann? ... Wo ist mein Sohn? ... Es ist ja, als wärest du
in ein unbewohntes Haus gekommen! Gottes Strafgericht! Den Kopf haben
alle verloren! ... He, Magd, Magd, Palaschka, Magd!
SKOTININ (beiseite). Soso! Er ist’s, der Onkel!
Vierter Auftritt.