SOPHIE. Onkelchen, Ihre Güte –

STARODUM. Du weißt, daß nur du mich ans Leben bindest. Du mußt der Trost

meines Alters sein, und meine Fürsorge soll dein Glück begründen. Als

ich meinen Abschied nahm, legte ich den Grund zu deiner Erziehung; doch

ich konnte dein Wohl nicht anders begründen, als indem ich mich von

deiner Mutter und dir trennte.

SOPHIE. Ihre Abwesenheit kränkte uns unaussprechlich.

STARODUM (zu Prawdin). Um ihr Leben vor dem Mangel am Notdürftigsten zu

sichern, beschloß ich, mich für einige Jahre in jenes Land

zurückzuziehen, wo man Geld erwirbt, ohne sein Gewissen dafür in den

Tausch zu geben, wo man nicht durch Kriecherei emporsteigt, wo man das

Vaterland nicht beraubt; in jenes Land, wo man das Geld der Erde selbst

abverlangt, die, gerechter als die Menschen, keine Parteilichkeit kennt

und nur die Arbeit gewissenhaft und reich belohnt.

PRAWDIN. Sie hätten, wie ich gehört, ungleich reicher werden können.

STARODUM. Und wozu?

PRAWDIN. Um ebenso reich zu sein wie die andern.

STARODUM. Reich! Wer ist denn reich? Weißt du auch, daß, um die

launischen Gelüste eines einzigen Menschen zu befriedigen, das ganze

Sibirien nicht hinreichen würde? Mein Freund, das alles ist nur

Einbildung! Folge dem Beispiel der Natur, und du wirst niemals arm sein;

gib acht auf das Gerede der Menschen, und du wirst nie reich werden.

SOPHIE. Onkelchen, wie wahr sprechen Sie!

STARODUM. Ich habe so viel erworben, daß die Armut eines rechtschaffenen

Bräutigams deiner Verbindung mit ihm kein Hindernis in den Weg legen

wird.

SOPHIE. Zeit meines Lebens wird Ihr Wille Gesetz für mich sein.

PRAWDIN. Sodann wär’s nicht übel, gleichfalls für die Kinder einiges

beiseite zu legen.

STARODUM. Für die Kinder? Den Kindern Reichtümer hinterlassen? Das

fehlte noch! Sind sie klug, so werden sie auch ohne Reichtum fortkommen;

dummen Kindern aber kann der Reichtum nur schaden. Ich habe Bursche

gesehen in goldenen Kaftanen und mit bleiernen Köpfen. Nein, mein

Freund: bares Geld ist noch nicht bare Tugend! Ein goldner Klotz ist und

bleibt nur ein Klotz.

PRAWDIN. Trotz alledem sehen wir, daß Reichtum oft zu Rängen führt und

Ränge zu Würden und Würden zu Hochachtung.

STARODUM. Hochachtung? Nur eine Hochachtung muß dem Menschen

schmeichelhaft sein – diejenige, welche seiner Seele gezollt wird. Und

nur der ist dieser Seelenhochachtung wert, dessen Ränge nicht dem Gelde,

dessen Würden nicht den Rängen ihre Entstehung verdanken.

PRAWDIN. Dagegen läßt sich nichts einwenden.

STARODUM. Ei, was ist denn das für ein Lärm?

Dritter Auftritt.

DIE VORIGEN. FRAU PROSTAKOWA, SKOTININ und MILON. (Letzterer trennt

Frau Prostakowa von Skotinin.)

Der Landjunker: Lustspiel in fünf Aufzügen · 第 18 / 47 题