In anderthalb Jahren hatte Falk sein Vermögen von zweimalhunderttausend
Mark verpraßt. Dann heiratete er die Tochter eines jüdischen Bankiers
und gründete sich eine Landpraxis im Osten Bayerns.
Niemals hörte er wieder von Melusine Mirbeth. Und niemals erzählte er
von ihr. Langsam erlosch mit den Jahren die Liebe. Und sie wohnte noch
in seinem Herzen, als er selten mehr ihrer gedachte. So frißt sich die
Flamme noch im Innern eines abgebrannten Gebäudes fort, wenn die Mauern
auch schon längst erkaltet sind.
Ob Mely ihrem Leben ein Ende gemacht, ob sie in den wechselvollen
Stürmen des Lebens ein heimisches, schützendes Dach gefunden, er wußte
es nicht. Aber er suchte es auch nicht zu erfahren. Er glich darin dem
Mann, der mit einer langsam heilenden Wunde umhergeht und jede Berührung
fürchtet.
Aber ist die Liebe eine Wunde? Oder was ist sie sonst? Wer kann es
wissen. Wer kann ermessen, wie tief sie ist, wer kann begreifen, wie sie
entsteht? Hier hat Gott eine große Mauer aufgerichtet.
Mancher glaubt, er hätte sich ein stilles Glück am Herd gesichert. Aber
der rauhe Wind bläst durch den Schlot und fort ist es.
Juli – Oktober 1895.