Habe ich denn um Gottes willen recht gehört? Ist es möglich? ist es
möglich? Bin ich belogen worden, hintergangen worden? Wo ist mein Schlaf
hin, wo ist meine Ruhe? Was kümmert mich der Frühling, was schert mich
die Sonne, die Blumen, die lachenden Kinder –! Dunkelheit liegt in
meinem Herzen schwer und dicht. Melusine! – Sie hat diese an Güte so
unerschöpflichen Augen, und sie hat mich betrogen. Sie hat diese Augen,
strahlend in rührender Kindlichkeit, und sie lügt. Aber nein, ich habe
mich getäuscht, ich habe den Doktor nicht verstanden. Ich will ihn
wieder fragen. Ich will ihn beschwören um die Wahrheit. Wenn er seine
Seele rein von Flecken halten will, möge er mir die Wahrheit sagen.
* * * * *
Thor! – Noch immer zweifelst du. Und zweifelst an der Gewißheit, nach
der du vordem in zitternder Ungeduld haschtest. Warum weine ich nicht?
Warum vergrabe ich den Kopf nicht in die Kissen und suche den Schlaf,
den ewigen? Was will ich noch? Will ich die Bestätigung aus ihrem eignen
Munde hören? Ich müßte mich schämen, so lange vertraut zu haben. Will
ich mich rächen und zur Schußwaffe greifen, wie ich einst so pathetisch
versprochen? Ist es möglich, daß die Sonne scheint, daß der Himmel so
blau ist und daß es noch Dinge in der Welt gibt, worüber fröhliche
Menschen sich freuen? Aber woher kommt es, daß ich schreiben kann, daß
ich wohlgefügte Worte aufs Papier zu bringen noch fähig bin?