In den letzten Nachmittagen treffe ich regelmäßig Doktor Wendland. Ich
unterhalte mich vortrefflich mit ihm. Er ist durchaus kein Arzt
gewöhnlichen Schlages. Er weiß viel und bringt seinem Beruf eine
bedeutende Persönlichkeit als Mitgift. Jene große Güte, die mich schon
beim ersten Eindruck so sehr bestach, vereinigt sich mit einer schönen
Freiheit des Urteils, und er prüft Herz und Nieren seiner Patienten
nicht nur im medizinischen Sinn; er will wissen, was auch in der Seele
_Derer_ vorgeht, die sich ihm und seiner Wissenschaft anvertrauen. Der
Mann wird es noch weit bringen.
(Später.)
Ich habe mich ein wenig mit Melys Schwester unterhalten. Ich war ganz
allein im Hause als sie kam; denn Benders sind spaziren gegangen ... Ich
bin nicht fähig, dieses Gespräch niederzuschreiben. Das Weib hat mein
Herz schwer gemacht. Wie ein Wandrer die Nacht nahen sieht, ohne
Hoffnung, das Ziel zu erreichen, so steh ich hülflos und verlassen auf
ungebahnten Wegen und weiß nicht aus noch ein. Die Zweifel schrecken
mich und quälen. Lange schon haben sie sich eingenistet in mir, und wenn
ich ihnen jetzt nachspüre, muß ich sehen, wie die Schatten fester
werden, lebendiger, überzeugender, bedrückender. O Mely komm! Deine
Gegenwart nur, dein schmerzlich-inniges Lächeln kann die Gespenster
vertreiben.