Mely kam zu mir ins Zimmer und weinte. Sie redete nichts, sie gab auf
mein Fragen keine Antwort: sie weinte und ging wieder. Es legt sich wie
ein nasser Dunst um meine Augen und mir bangt vor Kommendem. – Dann am
Abend sagte sie mir, daß sie oftmals in der Nacht aufwache und weinen
müsse. Sie wisse nicht warum, aber die Thränen überwältigten sie.
»Was wirst du thun,« fragte ich sie, »wenn ich dich verlasse, wenn ich
eine Andere liebe –?« Sie zuckte die Achseln. »Nichts. Ich werde
vielleicht traurig sein, aber ich werde mich trösten.« – »Nein, nein,
das ist nicht wahr. Du wirst nicht länger leben mögen, –« – »O, wie
sehr täuschst du dich! So viel Kummer warst du doch dann nicht wert.« –
»Ja, du hast recht. Aber ich könnte niemals von dir lassen.« – »Geh,
geh.« – »Ich wollte, es wäre nicht so. Doch lieb ich dich mit allem was
ich bin und thu und denke. Du bist ein Bestandteil meines Körpers
geworden, und wenn wir uns trennten, wärs, wie wenn man mir einen Arm
amputirte.« Sie lächelte seltsam und seufzte. »Und du,« fuhr ich fort,
»du entziehst dich mir, und du zeigst nur dadurch, daß du mir nicht
vertraust. Hast du nicht einmal gesagt, du könntest mich lieben wie
Julia?« – Sie schwieg und schloß die Lider ganz. »Ich kann es nicht,«
flüsterte sie endlich beengt. – »Wenn ich dich aber nun so flehte, daß
du nicht anders könntest, wenn ich weinte, wenn ich alles davon abhängig
machen würde, – Schatz, du guter, könntest du dich dann immer noch
weigern?« – Sie sah mich traurig an und schüttelte den Kopf. – »Du
würdest nachgeben –?« – »Ja.« – »Aber dann, was dann?« fragte ich
leise, erschrocken von dem Ausdruck ihres Gesichts. – »Dann würde ich
mir das Leben nehmen.« – Ich fühlte, wie in mir etwas erstarrte. Aber
sie blickte mich furchtlos an; nur ihre Finger zerrten krampfhaft an dem
Saum meines Rocks. Und plötzlich fiel ihr Kopf auf die Lehne des
Fauteuils zurück. Sie war ohnmächtig geworden.