13. März.

Ich erhielt Nachricht, daß der einzige Oheim, den ich noch

mütterlicherseits besitze, in Biarritz schwer erkrankt sei. Wenn er

stirbt, so erbe ich etwa achtzigtausend Mark, falls nicht auch er mich

mit dem Anathem belegt hat.

* * * * *

Ich kam zu Mely ins Zimmer, als sie gerade mit dem Ausräumen ihres

Schranks beschäftigt war. Heiter sah ich ihr zu, und ich war beglückt,

wenn sie sich mir auf einige Schritte nahte, und ich erschrak und sehnte

mich nach ihr, wenn sie in eine Ecke des Zimmers ging. Wir sprachen

nicht, aber sie empfand meine Gegenwart, und in jeder Bewegung drückte

sich das Bewußtsein aus, mich nahe zu wissen. Plötzlich fiel ein

schwerer Gegenstand zu Boden. Ich blickte hin und gewahrte einen

Revolver. Lächelnd fragte ich, was sie denn mit der Waffe anfangen

wolle. Mely war jedoch totenbleich geworden. Zitternd schaute sie auf

den Revolver hinab und ihre blutleeren Lippen suchten vergebens nach

Worten. Da ward mir heiß. Ich sprang auf und trat zu ihr hin. »Was hat

es für eine Bewandtnis mit dem Ding?« fragte ich erregt. Sie sah mich

wie geistesabwesend an und flüsterte: »Ich weiß nicht.«

Kurze Zeit darnach, als sie sich wieder gefaßt hatte, erzählte sie mir

eine Geschichte; daß ihr der Oberst den Revolver zur Jagdausrüstung

geschenkt habe, daß man einst drüben nach Karten geschossen und daß sie

unvorsichtigerweise den Oberst mit einem Schuß am Arm gestreift habe.

Aber ich fühlte es deutlich in meinem Herzen: es war nur eine

Geschichte, schnell erfunden und nicht einmal gut erfunden. Wie sehr

empfand sie, daß ich die Lüge ahnte! Sie wagte nicht mehr, mir frei ins

Auge zu sehn. Das brennt mich wie Feuer.

Melusine: Ein Liebesroman · 第 44 / 57 题