4. März.

Da liegt sie neben mir und schläft. Die zwei Fauteuils sind

zusammengerückt, so daß sie eine Art Divan bilden und darauf schlummert

sie. Das Wasser zum Kaffee wird bald zu kochen beginnen. Sie hat meinen

Mantel um den Körper und über ihren Füßen liegt das weiße Deckbett. Die

Haare hängen aufgelöst bis auf den Boden. Um uns ist die stille, tiefe

Nacht. Bisweilen wird die Ruhe von fernem Wagengerassel gestört.

Ich finde, dies ist so sehr charakteristisch. Wenn ich frage: Mely

friert dich? Willst du meinen Mantel? so schüttelt sie den Kopf. Aber

bald darauf erhebt sie sich und holt sich den Mantel selbst.

5. März:

fünf Uhr morgens.

Soeben ist sie schlafen gegangen. Wie wild, wie toll war diese Nacht

wieder! In solchen Stunden, wo sie erfüllt ist von einer fast

ingrimmigen, verhaltenen Leidenschaft, ist sie nicht mehr sie selbst.

Sie hat sich vergessen, sich ihres Selbst beraubt, sie schmilzt hin in

weicher Ergebung, in seufzender, matt abwehrender Begierde. So ist sie

schön und auch überaus begehrenswert. Ich möchte die Feder, mit der ich

schreibe, ganz in den wunder-wundervollen Duft tauchen, womit in solcher

Nacht ihr Wesen umschleiert ist. Unvergeßlich ist es und herrlich. Stumm

ist die Nacht und die Zeit hat kein Maß mehr den Sinnen. Alle Organe

sind ins Krankhafte verfeinert, und wenn sie seufzt, so vermute ich

einen tiefen Schmerz in ihr, und höre nicht auf zu fragen. Aber unbewußt

frage ich, nur um sie zu liebkosen mit der Stimme, um sie zu trösten, um

ihr zu versichern, daß sie beschützt sei. Alles was sie denkt, errate

ich, und sie nimmt es mit einem halb verwunderten, halb dankbaren

Lächeln auf. Nichts Verborgenes ist mehr in ihrer Seele und ich bin

beruhigt.

Ich weiß gewiß, daß ich nicht schlafen werde. Ich werde noch lange

dasitzen und über jede ihrer Gebärden, jedes ihrer Worte sinniren. Wie

ein schweres Gewicht liegt die Liebe auf meinem Herzen, aber ich trage

es willig. Gleich der Blume eines kostbaren Weins, so berauschend ist

dies Gefühl. Aber der Vergleich ist von geringer Güte. Schwach sind die

Worte und hinfällig jedes Bild. »O du,« flüsterte sie beim Hinausgehen,

»du hast mich leergetrunken mit Küssen.«

Melusine: Ein Liebesroman · 第 41 / 57 题