Ich traf Doktor Brosam und erwähnte beiläufig Fräulein Mirbeth. Da
lachte er verächtlich und sagte: »Na, die –!« – »Was? Wie meinen Sie
das?« erwiderte ich unwirsch. – »Sie werden doch der ihre
Unschuldsmiene nicht für bare Münze nehmen?« gellte er. Sein Ton verriet
solche Kennerschaft, daß ich schweigen mußte. Wir sprachen von etwas
andrem. Der Mann hat diese eigentümliche Art zuzuhören: wie man einem
Diener zuhört. Vom Fach versteht er nicht viel. Dagegen stellte er mir
einen noch jungen Arzt vor, der es in kurzer Zeit zu großer Praxis in
der besten Gesellschaft gebracht hat. Er heißt Doktor Wendland und
gefiel mir besonders durch den Ausdruck von Güte, der in seinem Gesicht
liegt.
Am Abend erwähnte ich den Doktor Brosam und daß ich ihn getroffen.
Fräulein Mirbeth wurde sehr bleich und fragte, während ihre Augenlider
ruhelos zuckten: »Ah, Sie kennen ihn? Was sprach er denn? Hat er etwas
von mir gesagt?« –
Das geht mir im Kopf herum.