Zwei Uhr hat es geschlagen, und die Nacht ist sehr still. Der Schnee
liegt überall. Ich öffne das Fenster und die frische, klare Luft
durchdringt mich völlig. Ich sehe das große, runde Kuppeldach des
römischen Panoramas und die neue Pinakothek, die so sehr einer großen
Zigarrenschachtel gleicht. Einen schlanken Kirchturm seh ich in der
Ferne, der wie ein zugeklappter Regenschirm aussieht.
Ich versuche jetzt, mir das Bild des Fräulein Mirbeth vorzustellen. Aber
ich kann es nicht. Ich kann sie nur wie durch dicke Nebelwände
wahrnehmen. Ich weiß wohl, daß ihre Haare ganz dunkel sind, daß sie wirr
sind und hinten in einen griechischen Knoten geknüpft. Ich weiß, daß
sie zu beiden Seiten die Ohren fast ganz verdecken und daß eine einsame
Locke mitten auf der Stirn liegt. Ich weiß, daß sie eine
unvergleichliche Gestalt besitzt, aber das kann ich alles nicht
innerlich _sehen_. Doch ich bin verwundert, daß ich mich bemühe, es zu
sehen. Warum? Sie ist mir fremd. Ich könnte mir nicht vorstellen, daß
sie mehr für mich wäre, als das Fräulein Mirbeth. Doch wer ist
eigentlich dieser Oberst? Was will er von ihr?
Die kleine Helene gefällt mir. Übrigens bemerke ich, daß mir Alles und
Alle gefallen. Das beschämt mich ein wenig. Ich bin so gar nicht
blasirt. Da habe ich wahrlich wenig Aussicht, dämonisch zu werden.