Ich bin sehr fortgeschritten auf dem Pfad der Kultur: seit einigen Tagen
besuche ich kein Wirtshaus mehr. Allabendlich sitze ich bis elf Uhr bei
Benders, und ich gewöhne mich völlig hinein in diesen Kreis. Auch
Fräulein Mirbeth ist da, und ich spiele Karten oder Halma mit ihr. Ich
weiß nicht, woher es rührt, aber eine neue Lebensfreude ist über mich
gekommen.
Wir führen oft träumerische Gespräche da vorn, zu dreien, während Frau
Bender auf dem Divan schläft. Und dabei sieht mich Fräulein Mirbeth oft
so starr, fast erschrocken an, und ihre Augen glänzen dabei so sehr, daß
ich die meinen zu Boden schlagen muß. Aber dieser Blick hat etwas, das
einen verfolgt. Er sitzt mir bisweilen gleichsam im Nacken.
Heute Nachmittag war ich beim Kaffee. Frau Bender erzählte aus ihrer
Jugendzeit. Sie hat eine bezaubernde Art zu erzählen; kaum sah ich je
ähnliches. Selbst ganz hingerissen von ihrem Gegenstand, lächelt sie
beständig und zeigt ihre großen, dichten, blitzenden Zähne. Ihre Augen
werden größer und leuchtender und ihr Gesicht wird förmlich jung. Sie
hat viel erlebt und ist viel in der Welt herumgezogen.
Ich weiß nicht, wie es kam, daß ich im Verlauf des Nachmittags auf
Fräulein Mirbeth zu sprechen kam. Aber es berührte mich peinlich, wenn
sie von ihr redeten. Sie gebrauchten geheimnisvolle Wendungen, sie
redeten Gedankenstriche. »Der Herr Oberst meint es eben doch sehr gut
mit ihr –« oder: »Der Herr Oberst ist ein sehr edler Mensch, ein
idealer Charakter« – – Doch was geht das mich an. Ich machte ein
ziemlich verblüfftes Gesicht, und Frau Bender stand mit einem
konventionellen Seufzer auf. Ich beobachtete ihren Gang, der unsicher,
voll Hast und Nervosität ist. Es ist der Gang unterleibskranker Frauen.