Ich lese die letzte Eintragung und sage mir, daß dies für einen
dreiundzwanzigjährigen Menschen sehr naiv ist. Zum wenigsten ist es ein
Zeichen großer Schwachheit.
Wenn nur dieses Wirtshausleben nicht wäre! Das zerstört alles Gesunde
und alle Befriedigung über die Arbeit. Aber den ganzen langen Tag und
den langen Abend dazu allein im stillen Zimmer und die Gedanken und der
Kopfschmerz und das ewige Regengeplätscher, und die Aussicht, daß es
jahre-, jahre-, jahrelang so bleiben soll, das ist auch zerstörend.
Freilich, ich bin jung und wir Jungen sollten darauf bedacht sein,
weniger zu lamentiren und mehr zu arbeiten. Statt Freude darüber zu
empfinden, daß wir allein sind, vergießen wir Thränen. Wie absurd und
sündhaft, daß ich bisweilen wünsche, krank zu sein, nur damit Jemand um
mich sei, der sich bemüht um mich, dem man mehr ist, als eine Figur, um:
›Ergebener Diener!‹ oder: ›Wünschen zu speisen?‹ zu sagen. Wenn ich
einmal reich sein werde – Traum der Träume – will ich mir ein Schloß
im Schwarzwald bauen und mit einem Freund oder einer Freundin dort
leben. Aber kann es Jemand geben, der sich mit mir befreundet? Ich muß
zu dumm sein, zu unbedeutend, zu häßlich – oder bin ich am Ende das
verborgene Veilchen? Der Gedanke ist so poetisch!