Das Billet keinem Menschen gezeigt! unter euch beyden! Sonst niemand
sehe das! Adieu ihr lieben! Küsse mir Kestner deine Frau und meine
Pathen
* * * * *
Und mein Versprechen bedenkt. ~Ich~ allein kann ~erfinden~,
was euch völlig ausser aller Rede setzt, ausser dem windgen Argwohn.
Ich habs in meiner Gewalt, noch ists zu früh! Grüss deinen Hennings
ganz herzlich von ~mir~
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Ein Mädchen sagt mir gestern, ich glaubte nicht dass ~Lotte~ so
ein schöner Name wäre! er klingt so ganz eigen in dem Werther
* * * * *
Eine andre schrieb neulich: Ich bitte euch um Gotteswillen, heisst mich
nicht mehr Lotte! -- Lottgen, oder Lolo -- wie ihr wollt -- Nur nicht
Lotte bis ich des Nahmens werther werde denn ichs bin.
O Zauberkrafft der Lieb und Freundschafft.
Zimmermanns Billet nächstens. Es ist kalt, ich kanns nicht droben
suchen. Heut gehts aufs Eis, ihr lieben Ade
d. 21 Nov. 1774.
110.
Kestner an v. Hennings.
Hannover den 30ten November 1774.
(geschlossen den 24 Jan. 1775)
.....Ihren vorigen Brief, nicht den letzten, habe ich Goethen
mitgetheilt, um ihn zu überzeugen, wie das Buch angesehen werden könne,
um ihn wenigstens in künftigen Fällen behutsamer zu machen. Er schreibt
ich soll Sie herzlich grüßen. Er hat Ihren Brief geküßt. Ich soll
den Brief meines Philosophen nur recht beherzigen &c. Sie kennen ihn
schon aus seinen Schriften. Er macht sich aus der ganzen Welt nichts,
darum kann er sich in die Stelle derer, die so nicht seyn können, noch
dürfen, nicht setzen. »O du! hast nicht gefühlt wie der Mensch dich
umfaßt, dich tröstet -- und in deinem und Lottens Werth Trost genug
findet gegen das Elend das Euch schon in der Dichtung schreckt &c.« --
sind seine Worte.
Die Urtheile von seinem Buche sind verschieden, und einige, so daß sie
ihn wegen manchem Tadel hinlänglich entschädigen. Gerade dem Ihrigen
Urtheile entgegen, sagte einer, -- Nun würde kein Unheiliger sich
leichtsinnig erschiessen.
Sie glauben nicht was es für ein Mensch ist. Aber wenn sein großes
Feuer ein wenig ausgetobet hat; so werden wir noch Freude an ihm
erleben.
d. 24. Januar 75.
Diesen Brief ward ich behindert fortzusetzen. Hernach dachte ich, er
träfe Sie nicht mehr an. Nun da Sie zu Altona seyn werden, soll mich
nichts mehr hindern. Ich danke Ihnen für den lieben Brief. Sie trösten
mich wegen Werthers Leiden. Im Grunde haben Sie Recht, und es hat mir
im _Publico_, so viel ich weiß, hier keinen Schaden gethan. Aber
es thut mir doch wehe, daß ich das Buch nicht mit der Theilnehmung,
wie ich bey andern sehe, lesen und wiederholt lesen kann. Immer stößt
mir eine Stelle auf, die mir auch in der Dichtung empfindlich ist. Nun
ist noch ein ungebetener Ausleger hinzugekommen, in der sogenannten
Berichtigung &c. Es ist wohl kein boshafter Ausleger, und manches dient
zur Verhinderung irriger Vorstellung. Aber was soll es? Muß denn das
Publikum alles so haarklein wissen. Man sollte wunder glauben, was das
_Publicum_ für ein ehrwürdiges Ding wäre, dem man ia von Allem
recht genauen Bericht abstatten müßte. Ich kenne den Verfasser nicht.
Er muß aber genaue Nachricht haben; wiewohl er sich in einigen Stücken
irrt. Ich bin mit Lottchen nicht vorher versprochen gewesen. Und was er
damit sagen will: »ich bekümmerte mich um den Weltlauf nicht,« verstehe
ich nicht. Ich lebte zu Wetzlar im _Publico_, und auch hier thue
ich es. Der Weltlauf interessirt mich in seiner Maasse allerdings, und
er ist sogar mein Studium. Wenn man Einen öffentlich schildern will,
so sollte man ihn doch kennen. Ein guter Freund schrieb mir letzthin:
»_Sauf le respect pour votre ami, mais il est dangereux d'avoir un
auteur pour ami._« Er hat wohl recht.
Wenn Sie in Ruhe sind, so schreiben Sie mir etwas umständlicher von
sich selbst. Es interessirt mich alles, was Sie angeht. O wenn ich Sie
doch wieder sehen könnte! Glauben Sie nur, Sie sind mir noch immer
das, was Sie vor vielen Jahren waren. Es freut mich, wenn ich mich
untersuche, daß ich meine Empfindungen so unverändert finde, durch die
Reihe von Jahren, durch ein reiferes Alter, durch so mancherley Scenen
und Begebenheiten, ganz unverändert. Nur thut mir oft wehe, daß meine
Geschäfte hindern, öfter dem Hang meines Herzens nachzuhängen. Die
Unvollkommenheit dieser Welt empfinde ich nur dann zu stark, wenn ich
abbrechen muß, wie jetzt. Leben Sie wohl. Vor allen Dingen leben Sie
vergnügt und zufrieden. Behalten Sie uns lieb. Mein Lottchen grüßt Sie
herzlich. Ihren Freund grüßen Sie auch; und wenn Sie ihren Bruder sehen
werden, auch den.
_K._
111.
Goethe an Hans.
v. 9. Jan. 1775.
Hier, lieber Hans, ein Brief an Lotten. Von den Damens nehm Er das
Geld, von jeder 4-1/2 fl. und schicke er mirs mit Gelegenheit.
Seine Briefe haben mich über Freud und Leid herzlich lachen gemacht.
Fahr er fort mich lieb zu haben, und grüss er alles.
d. 9 Januar 1775.