»Wer denn?«
»Die Orlte, die dumme, die Reschainte ...«
Die Mutter nahm alle ihre Geduld zusammen: »Aber so darfst du doch
nicht reden. Was fällt dir ein. -- Frau Lichtnegger ist so gut zu dir.«
»Der Schlag soll sie treffen« zürnte die Greisin, jetzt lauter als
bisher während des ganzen Tages. »Was kommt se her und redt und redt!
Lauter Stuß. E Patsch von e Chochem is m'r lieber wie e Kisch von
e Chamer. Das Gebitz nemmt se einem heraus mit ihrem Gebember und
Geschmus.« Sie griff sich jammernd an den Kopf: »Mei Seide-Möach.«
»Mir scheint, es geht dir schon wieder gut. Du wirst schon wieder
lustig.« Die Mutter fühlte ihr den Puls. »Das Fieber hat nachgelassen.
No, geht's nicht besser?«
Die Großmutter schüttelte den Kopf, obwohl man es ihrem strahlenden
Blick ansah, wie sie sich im Schlaf erquickt hatte, -- sie war gegen
ihren Willen gleichsam krank geworden, sie dankte jetzt auch niemandem
für ihr Besserbefinden. Nur trotzig meinte sie: »Wenn ünser Herrgott
mich nix gesünd sei loßt und nix verdienen loßt, so soll er mich ach
nix leben lassen.«
»No das mußt du ihm schon selbst sagen« lachte die Mutter »per Telephon
vielleicht. Vielleicht hast du eine bessere Verbindung mit ihm als
ich. Er folgt halt meist genau so wie du folgst.«
Arnold befürchtete Zank. Die Großmutter aber hatte ihre Schlaflosigkeit
überwunden und meinte liebenswürdig mit einem ironischen Lächeln, für
das man sie hätte küssen mögen: »Güt, nächsten Schabbes wer ich's ihm
sagen.«
»Da hab ich dir was feines gemacht.« Das Süppchen, das die Mutter im
Topf heranbrachte, duftete. »Willst du nicht einmal versuchen ...«
Eine gnädige Antwort mit zimperlicher Stimme: »No jo, e bißl ...«
Offenbar hatte sie einen tüchtigen Hunger, denn sie schnupperte schon
in den Dampf, wie ein freudig erregtes Baby.
»Bißl Salz hinein.«
»Nein -- ka Salz -- Salz reizt doch.« Und sie hustete affektiert.
»Aber es wird keinen Geschmack haben.«
Statt der Antwort nahm die Großmutter das Töpfchen und führte mit
sicherer Hand, ohne zu zittern, den Löffel an den Mund, nachdem die
Mama nochmals geblasen und gekostet hatte. »Was is dos für e Supp?«
fragte sie, nach dem ersten Schluck einhaltend.
»O je, wieder was nicht recht.«
»Aber Mama« wandte Arnold ein »du verstehst das schlecht. Die
Großmutter fragt doch nur, was das für eine Suppe ist, den Namen
möchte sie gern wissen, sonst nichts.«
»Du wirst mir die Großmutter zu erkennen geben ... Nichtwahr, es
schmeckt dir nicht?«
»Aber ja ...« sagte die Großmutter einfach und löffelte weiter »Was
für Flasch is das denn? Wo hast es denn gekauft?«
»No Rindfleisch, vom Körbelwirt. Das ganze Stück« sie brachte es vom
Ofen »kostet zehn Kreuzer ... Die Mutter ist nämlich noch aus dem
billigen Land, mußt du wissen« wandte sie sich an Arnold.
»Wirklich nich teier« lächelte die Alte, sichtlich erfreut »Ja man muß
sparen mit dem Geld ... Waßt de, Geld wenn wär nur Geld -- aber Geld
is alles ...«
Arnold erinnerte sich plötzlich, da die Großmutter aß und die Mama
ihr freudig zusah, daß er ja Witze erzählen sollte, unterhalten, --
bisher hatte er eigentlich nur wie bezaubert herumgeschaut und
zugehört, ganz gegen seine Gewohnheit. Jetzt setzte er sich in Bewegung
und begann von seinen fabelhaften Ersparnissen zu berichten, was
die Großmutter sehr zu freuen schien. Nur durch sachgemäße Fragen, ob
das Geld auch in der Bank liege u. s. f., unterbrach sie ihn ...
Das Gespräch wurde nun immer lebhafter, während die Großmutter immer
wieder nach einer Pause den Suppentopf vornahm; ja Arnold, der diesen
Besuch bisher als ganz außerhalb seiner Welt und städtischer
Konversationsmanieren liegend angesehn hatte, fühlte sich jetzt fast
wie in Gesellschaft, ohne Besonderheit, jedenfalls auf einem Niveau,
das mit dem Küchensessel und den Dorffensterchen nicht das Mindeste zu
tun hatte. Die Großmutter erzählte von ihrem Beruf und wie man sie
überall gern sah. »Frau Goldbergen« rief man ihr zu wenn sie vorbei
ging »was kümmen Sie nit a bißl zu uns rein. Wir brauchen Scherzen,
Ticher. Bleibens ock doue. Es kummt Ra'n.« Eine Bemerkung Arnolds
aber, daß sie also recht viel verdiene, schien ihr zu mißfallen. »Ja,
viel Meloche, wenig Broche« antwortete sie. Nach einer Weile fuhr sie
fort: »Häst e Geschmack von e Supp gehabt!«
»Sie schmeckt dir nicht gut?« rief Arnold besorgt.
Sie antwortete nicht, ihr Gesicht wurde finster.
Nun hielt er den Moment für gekommen, sein Gedächtnis nach Witzen
zu durchsuchen. »Was ist das? Es ist weiß und hat keinen Kopf, und
trotzdem schaut es« gab er auf. Die Großmutter dachte nach, ernstlich.
»Ich werde es dir also ...« »Ich möchte sagen« unterbrach sie »e Kopf
von e Gans.« Er lachte: »Aber nein, es soll ja eben keinen Kopf haben.
Ein Unterhosenbandl ist es.« Sie nickte ihm freundlich zu, schien aber
den Sinn nicht zu verstehn: »Ja in der Stadt, do habts ihr so
verschiedene Wörtlach. -- E komische Supp, was das is. Habts ihr immer
solchene Suppen?«
»Es ist eben kein Salz drin. Du wolltest keins« erklärte die Mama.
Arnold vermittelte: »Du siehst, es geht uns trotzdem gut. Wir sehn ganz
beruhigend aus.«
Sie sah ihn näher an und jetzt erst fiel ihm ein, daß er nach
halbschlafloser Nacht nicht eben sehr blühend sein mochte. »E bißl
schmal« sagte auch sofort die Alte »Schlafst du denn genüg? Schlaf is e
Wohltätigkeit für e schwachen Menschen. Regieleben« als bemerkte
sie es jetzt zum erstenmal »eppes dick biste geworden. Dicker
mußte nix werden, das ist nicht gesünd. So kannste bleiben.«
»Die Mutter meint, ich bin noch ein Kind, ich werde ewig jung bleiben«
sagte Mama, mit niedergeschlagenem Blick; und Arnold sah sich plötzlich
mit einer Deutlichkeit in den Gedanken irdischen Vergänglichseins
versetzt, hier in dieser Stellung von drei Generationen, wie er es nie
vorher auch nur als Andeutung gefühlt hatte, ohne daß ihm übrigens
dabei irgend ein neuer, in Worte faßlicher Einfall kam.
Indessen aber, während er wie in ein Bassin von Schwermut untertauchte,
hatte die Großmutter zu erzählen begonnen: »Marie nebbich hat ach immer
eso gelesen in der Nacht bei der Lampen, ich hab längst gemant se
schläft. Is Poldi emol nach Haus gekommen, e bißl schücker war er
vielleicht und sogt ihr: No was weinst du denn da. Was lieste denn?
-- Von Genofeva, sogt sie ...«
Die Mutter flüsterte: »Genofeva. Schöne Lektüre haben wir gehabt,
was?« -- Aber Arnold, der aus einer Zeit stammte, in der man solche
Kinderbücher und Märchen überhaupt wieder für wertvoll hielt, fand ihre
Bemerkung unverständig. Dagegen überraschte ihn dieser fremde Name im
Munde der Großmutter, was lebte alles noch in diesem Gehirn!
»Sogt sie -- von der Hirschkuh, wie sie ihr Milch zügetragen hat.
-- No warüm hat sie ihr denn Milch zügetragen, sagt Poldi.« Und die
Großmutter machte es nach, wie der Bruder die weinerliche Stimme der
Schwester spöttisch nachmachte. »Aber mir scheints, wenn du nicht
bald schlafen gehst und aufhörst zu wanen und die Lampe auslöschst,
so hau ich dir das Buch aufn Schädel nauf.« Die Stimme brach ab, in
einem kleinen Gelächter.
»Und was hat sie gesagt?« fragte Arnold, obwohl er fühlte, daß nichts
mehr zu erzählen sei, nur um diesen angenehmen Fluß der Erzählung
weiter zu hören.
»Nu, was soll se gesagt habn« setzte die Großmutter wie improvisierend
fort »Was liegt daran? Wenn du schlafst, steh i halt wieder auf und
les weiter von der Hirschkuh ...« Jetzt hatte sie die Suppe zu Ende
gegessen und rief plötzlich, ganz laut: »Pfui Teixel!« wie einen
herzhaft erleichternden Fluch, indem sie den leeren Topf mit einem
Ruck aufs Fensterbrett stellte.
»Aber was ist denn?« die Mutter eilte herbei. Als das Gespräch auf die
verstorbene Schwester Marie gekommen war, hatte sie sich abgewendet.
Zornig fuhr die Großmutter auf: »E schöne Supp haste mir gekocht! Aus
Ferdeflasch? Was?«
Also hat doch die Mama Recht behalten, dachte Arnold. Aber mit den
Schlüsseln hatte sie Unrecht gehabt. -- Und er beeilte sich: »Was fällt
dir ein, die Mama wird dir doch nicht Pferdefleisch kaufen, wie kannst
du nur so etwas denken!« Indem er es aussprach, schien es ihm immer
unerhörter.
»E guter Omensager biste« fuhr ihn die Großmutter an, dann schwieg
sie eine Weile. »Was kafste ach beim Körbel. Der hat doch lauter
verschimmelte Sachen. Wenn ich ihn aber emol anzeig bei der Polizei,
den Ganef, dann 's Kri iber den Goi.«
»Laß sie nur« scherzte die Mutter, etwas bitter. »Sie wird sich schon
wieder beruhigen. Also Adieu, Frau Goldberg, wir gehn jetzt essen, Sie
können sich inzwischen ein bißchen allein so weiter unterhalten, wenn
Sie Lust haben.«
Aber Arnold war indessen mit der Hand des alten Frauchens, die er
ergriffen hatte, schon wieder so gut geworden, daß er den Wunsch nach
einem bessern Abschied nicht unterdrücken konnte: »Schön hast du es
da, Großmutter, gleich möcht ich bei dir dableiben, für immer, nur
noch Blumen sollten in den Fenstern stehn, wie bei den Nachbarn
vorn ...«
Sie lächelte ihn an, als sei gar nichts vorgefallen, als gingen in
ihrem Innern eben die zärtlichsten Dinge vor: »Ich bin ka
Blumenverehrerin. Aber die Kinderl, wie se noch klein waren, die
habn immer Blumen gehabt und gegossen, daß die Stub voll war. Mit
ihre neie Hüte haben se das Wasser getragen von der Pump.«
»Da haben sie wohl Schläge bekommen.« Er reichte ihr noch einmal die
Hand.
Sie drückte sie und machte dabei ein gutmütiges, aber erzieherisches
Gesicht: »Das muß sei.« Die Mutter war schon hinausgegangen. »Also
Adieu, wir kommen bald wieder.« »Eßt nicht beim Körbel« rief ihnen die
Großmutter noch nach »dort is groß Jackeres.«
Als er auf die Gasse trat, mußte er ein wenig die Augen schließen, so
fremd erschien ihm alles, was ihn umgab: Wie konnte der Zugang zu
etwas so innig Bekanntem so unbekannt sein! Gab es denn wirklich noch
eine Welt außer dieser grauen alten Stube? Die Straße mißfiel ihm. Das
Bild der alten Frau im Bett, zu Riesengrößen aufwachsend, stellte
sich wie ein Schatten überallhin, vor jedes Haus. Um wie viel wichtiger
war sie, ja nichts auf der Welt erschien ihm jetzt in gleicher Weise
wichtig. Er hätte für sie sterben mögen, so begeistert war er ...
Die Mutter redete neben ihm her: »Nicht zuhören kann ich, wenn sie
von der seligen Marie spricht und Nebbich dazu sagt, oder von unsern
Hüten. Ich glaube, wir haben überhaupt nie Hüte gehabt. Immer spricht
sie so, als ob sie uns alles in Überfluß gegeben hätte. Gute Schläge,
ja. Du darfst dir das nicht so vorstellen wie zu Hause, Arnold. Aber
das hab ich ihr damals gesagt, bei Maries trauriger Hochzeit, wie sie
uns alle mit so fürchterlichen Worten verflucht hat: -- daß sich alle
dir abwenden und daß du allein und einsam sterben wirst, das wird
dein Fluch sein ... Und so wird es und muß es ja kommen, Gott im
Himmel. Das sind Sorgen, einmal wird sie auslöschen ...«
Arnold fand solche Reden übertrieben, sagte sich aber, daß die Mama
Recht haben mochte. Er kannte ja so wenig von diesen über lange Zeiten
und Räume verteilten Ereignissen, er hatte wohl deshalb einen andern
Eindruck. Ohne diese Erinnerungen der Mama hätte er die Großmutter
vielleicht überhaupt nur für eine fidele gute, etwas wetterwendische
alte Frau gehalten, eine spassige Grobianin, -- und nun, unter Mitwirken
der Mama, entstand etwas ganz Verschwommenes, Widersprechendes und doch,
so weit es ihn betraf, ganz Greifbares. Das war das Verlockende daran.
»Siehst du, der Doktor ist nicht gekommen -- warum habt ihr denn gerade
den genommen, der am meisten zu tun hat?«
Die Mutter erklärte, die Großmutter habe vorgegeben, zu keinem
andern habe sie Vertraun. Indessen erriet wohl Frau Lichtnegger ganz
richtig, woher dieses Vertrauen rühre: Heiger war der billigste
Doktor im Ort, der Armenarzt ... Überhaupt habe sie schöne Dinge
erzählt ... neulich einmal seien einige reiche Leute des Ortes, die die
alte Frau Goldberg immer mühsam mit ihrem Pack die Straßen hatten
hinaufstöhnen sehn, auf die Idee gekommen, für sie eine Kollekte zu
machen, zu Purim, eine Idee, die von der Großmutter mit wahrhaftiger
Begeisterung begrüßt worden sei. Und erst die Drohung der Frau
Lichtnegger, sie werde es der Frau Beer und dem Herrn Schwiegersohn
schreiben, habe sie aus ihrer verstellten Bedürftigkeitsrolle
aufgeschreckt. Daher auch der tiefe Haß ... Überhaupt liebte es die
Großmutter, sich als ganz arm und almosenwürdig hinzustellen, die
Besuche ihrer Tochter kamen ihr daher auch zuzeiten ungelegen, wenn
sie nicht so krank war wie jetzt, und deshalb verbreite sie, diese
elegante Dame sei eine Liqueurfabrikantin und bringe ihr die Flaschen
aus der Hauptstadt mit, eine ganz besondere Spezialität; denn von dem
Magenliqueur trank sie natürlich keinen Schluck, sondern verkaufte ihn
zu den höchsten Preisen ihres Kopfes, die indessen für die neue junge
Welt ringsum noch so mäßige waren, daß sie überraschend viele Käufer
fand. Lauter solche Sachen, über die man lachen müßte, wenn sie nicht
so traurig wären. An Markttagen bewache sie das Geschäft einer gewissen
Frau Heller, nur um einen »Gülden« nebenher zu verdienen, und wenn sie
dort sei, komme nichts weg, habe Frau Lichtnegger gesagt, da paßt sie
gut auf ... aber im Laden, in dieser grimmigen Kälte habe sie sich
neulich eben diese Halsentzündung, den Husten zugezogen. »Viel braucht
es ja nicht, ich bitt dich, bei so einem Alter.« Und von hier aus
kehrte die Mutter zu ihren Sorgen zurück, ob man nicht die Stube bald
weißen lassen müsse, und wie das anstellen ...
Indessen waren Mutter und Sohn in das Restaurant eingetreten und Arnold
hätte sich gern diese Dinge, die ihn bis ins innerste Mark
interessierten, weitererzählen lassen, wäre ihm nicht sogar in dieser
provinzialen gebirgsstädtischen Gaststube die Erinnerung an seine
Schandtat von der Wand entgegengesprungen, -- auch hier das große
Plakat des »Rivalen Paulhans« in den primitivsten ergreifendsten
Farben. So kam es, daß er mit der Speisekarte zugleich die Zeitung
bestellte, an die er bis zum Augenblick nicht gedacht hatte. Nun schien
es ihm plötzlich, als müsse der Flug in Waldbrunn doch gut ausgefallen
sein, gleichsam zur Belohnung, weil er nicht mehr darauf gerechnet und
sich immer nur so selbstverständlich auf das Schlimmste gefaßt gemacht
hatte. Und dann: niemand hatte ihn angerempelt, auch nur verdächtig
angeschaut, hier saß er doch, der Obmann des schönen Konsortiums, nein,
es konnte nichts geschehn sein. Dies war vielleicht der erste Erfolg
seines neuen, von der Großmutter beschützten Lebens ... Herr Körbel
selbst brachte das Blatt, freundlich lächelnd. Gleich oben das
Telegramm: Ponterrets Flug mißglückt. Der Aviatiker landet nach einem
Flug (Sprung) von 13 Sekunden. Pöbelausschreitungen an der Kassa. --
Das eingeklammerte Wort »Sprung« verdroß Arnold ganz besonders, wie
eine persönliche Unbill, konnte man denn nicht ein bißchen
menschenfreundlicher sein! Ja ja, dazu hatte man die guten Freunde in
der Redaktion! -- Er legte das Blatt weg, nur unten fiel ihm noch ein
fettgedruckter Ausspruch des Aviatikers selbst auf: Er schätze sich
glücklich, daß er durch einen geschickten Griff am Lenkrad ein großes
Unglück vermieden habe. Die Tribünen seien in Gefahr gewesen ... »Mama,
ich fahre heute abend nach Hause.« Er war plötzlich mutig geworden,
sah der Gefahr ins Auge wie einer hübschen Aufgabe. »Natürlich, was
sollst du hier machen! Ich hab mir's gleich gedacht, daß du's nicht
lange aushalten wirst.« Er aß schnell auf: »Jetzt geh ich aber
zunächst zum Doktor, ihn treiben. Sag der Großmama, daß ich bald
wiederkomme.« -- »Du willst noch einmal hingehn? Interessiert dich das
denn? Ich könnte dirs nicht verdenken, wenn nicht. Und eine Luft ist
dort.« -- Mit Unlust sah sich Arnold unerwarteterweise vor die
Notwendigkeit gestellt, seiner Mutter all das, was er seit dem
heutigen Morgen durchempfunden hatte, zu erklären -- und recht
schnell. Nein, es ging nicht. Also rief er nur, etwas grell: »Von
Interesse ist da gar keine Rede mehr. Ich habe mich in die
Großmutter verliebt, förmlich verliebt. Kannst es ihr sagen. Sie
ist ja so brav ...«
Die Mutter seufzte tief auf, wie vom Mittelpunkt ihres Gedächtnisses
her: »Ja, vor dir nimmt sie sich noch ein bißchen zusammen.«