Fräulein von Pfnühl hatte zwei Tage seekrank in ihrer Kabine gelegen, am
dritten erschien sie wieder.
Beim Lunch bemerkten Carlos und Nicolás, daß sie sehr oft zu ihnen
hinüberschaute und Herr Dr. Bürstenfeger dann krampfhaft auf seinen
Teller blickte.
Nachher hatte sich Carlos zu den Affen begeben.
Auf Deck war Fräulein von Pfnühl eifrig bemüht, ihren Reisestuhl von
einer Stelle zur anderen zu rücken. Dabei warf sie hilflose Blicke auf
Herrn Dr. Bürstenfeger, der zufällig mit Nicolás in der Nähe stand.
Nicolás sprang hinzu, um ihr behilflich zu sein.
»Laß das,« zischte sie ihn an, »hast du denn nie Schularbeiten zu
machen, du Dummbart?!«
Erschreckt wich Nicolás zurück.
Gleich kam Herr Dr. Bürstenfeger nach. Er brachte den Stuhl nach der
Stelle, die sie wünschte, und ordnete ihre Kissen.
Sie dankte; er wollte sich mit einer Verbeugung zurückziehen. Aber sie
redete ihn an:
»Ach, Herr Doktor, gehen Sie noch nicht, es freut mich so, Sie
wiederzusehen; nehmen Sie doch einen Augenblick Platz!« Dabei ließ sie
sich auf ihren Stuhl nieder und zeigte auf einen Rohrsessel neben sich.
Herr Dr. Bürstenfeger murmelte: »Sehr angenehm« und setzte sich am Rande
des Rohrsessels.
»Nun,« meinte sie, »wie finden Sie unsere Mitreisenden?! -- Ach, Herr
Doktor,« sie schlug die Augen, die sie einige Sekunden gesenkt hatte, zu
ihm auf, »ich lese in Ihrer Seele -- wie können Sie an dieser
zusammengewürfelten, zum Teil fragwürdigen Gesellschaft Gefallen finden
-- gerade Sie, Herr Doktor!« Sie stieß einen Seufzer aus, schloß die
Augen und sah ihn dann gleich wieder an.
»Und überhaupt, wo findet man die Menschen, die einem ganz zusagen, mit
denen man eins sein möchte in seinem tiefsten Innern?! ... Was folgt dem
einsamen Heischen hochgestellter Seelen nach Wahlverwandtschaft?« Wieder
seufzte sie und schloß die Augen: »Ach nur Resignation!«
In diesem Augenblick war nicht weit von ihnen ein seltsam langgezogenes
Gewinsel hörbar, dem gleich darauf ein markdurchdringendes erbostes
Schreien und Quieken folgte.
Gleich nachher tauchte Carlos auf, beide Affen, die sich grimmig
balgten, an ihren Schnüren hinter sich herzerrend.
»Karl, was hast du wieder mit dem süßen Tierchen getan!« schrie Fräulein
von Pfnühl, indem sie sich aufrichtete.
Carlos wandte sich weinerlich an Herrn Dr. Bürstenfeger: »Ich brachte
sie auf meinen Schultern vom Zwischendeck hierher, sie haben das Zanken
bekommen und sich einander verwickelt, und als ich sie auf die Erde
setzte, bekamen sie noch mehr das Zanken!«
Der Lehrer winkte dem Decksteward, und nicht ohne Mühe gelang es, die
Affen wieder auseinander zu bringen.
Worauf Carlos und Nicolás, von Herrn Dr. Bürstenfeger begleitet, sie in
ihre Kiste zurückbrachten.
»Karl und Nikolaus,« sagte Herr Dr. Bürstenfeger, »ich gehe jetzt
einstweilen in meine Kabine, doch bitte ich euch ernstlich, treibt
keinen Unsinn!«
»Zu der verrückten Dame gehe ich nicht mehr!« sagte Nicolás.
»Nikolaus, was sind das für Ausdrücke!« antwortete Herr Dr.
Bürstenfeger.
»Sie hat mir ein Schimpfwort gesagt!«
»Ein Schimpfwort, wieso?!«
»Sie hat mich einen Dummbart genannt!«
»Das ist kein Schimpfwort!« Herr Dr. Bürstenfeger unterdrückte ein
Lächeln. »Aber wahrscheinlich hast du es auch verdient!«
»Ich habe es nicht verdient, ich habe ihr nur mit ihrem Stuhle helfen
wollen!« antwortete Nicolás.
»Schon gut«, meinte nach einer kleinen Weile Herr Dr. Bürstenfeger. »Man
darf einer alten Dame nicht gleich alles übelnehmen, sie wird es nicht
so böse gemeint haben!«
Darauf ging er.
Nun erzählte Nicolás seinem Bruder, was ihm geschehen war.
»Mich hat sie vorhin auch angeschnauzt!« sagte Carlos.
Um sich zu rächen, beschlossen die Knaben die verrückte Dame auch nur
Miß Von zu nennen.
Sie kehrten nach Deck zurück und begegneten dort dem fröhlichen
Priester, der trotz der großen Hitze wieder seinen Spaziergang machte.
Sie schlossen sich ihm an, er erzählte ihnen Geschichten, die sie sehr
lustig fanden, aber zugleich auch im höchsten Grade lügenhaft.
Als ihm nichts mehr einfiel, verließen sie ihn und setzten sich auf eine
Bank.
Lange saßen sie schweigend da und baumelten mit den Beinen.
Carlos sagte schließlich: »Wie langweilig ist eine Seereise ... man
sieht nichts ... nie ein brennendes Schiff und auch niemals einen
Walfisch!«
»Es ist langweilig, aber bald sind wir im schönen Europa«, tröstete ihn
Nicolás.
Darauf beschlossen sie wieder nach Zwischendeck zu ihren Affen zu gehen.
Unterwegs blieben sie vor einem Windleiter stehen, der nach dem großen
gemeinsamen Schlafraum der Emigranten führte.
Carlos steckte den Kopf in die Öffnung, zog ihn aber rasch zurück und
machte »brr!«
Sofort steckte nun Nicolás den Kopf hinein, schnellte aber auch gleich
zurück.
»Das stinkt!« sagten beide.
Sie wollten schon weitergehen, als Nicolás vorschlug: »Wenn du mir
zwanzig Centavos gibst, rieche ich zwanzig Sekunden hinein!«
»Gut, wetten wir«, antwortete Carlos und zog die Uhr.
Nicolás' Kopf verschwand in der Öffnung.
»Zwanzig!« rief Carlos, als die Zeit um war.
Nicolás aber, um seine Willenskraft zu zeigen, beschloß es zwanzig
Sekunden länger auszuhalten. Hochrot tauchte dann sein Kopf aus der
Öffnung.
Er schüttelte sich, spuckte aus und schneuzte sich.
»War das ein Gestank!« rief er aus. »Jetzt gib mir die zwanzig
Centavos!«
»Die Wette gilt nicht, du hast bis vierzig gerochen und nicht bis
zwanzig!« antwortete Carlos.
Nicolás sah seinen Bruder an, er traute seinen Ohren nicht.
»Ich bezahle nichts!« sagte Carlos.
»Meinst du, daß ich umsonst den schrecklichen Gestank ausgehalten
habe?!« rief Nicolás zornig.
»Es galt nur bis zwanzig; ich zahle nichts!« beharrte Carlos.
»Du bist betrügerisch und gemein!« rief Nicolás und wollte auf ihn
eindringen. Schon wurden sie handgemein; da erschien Herr Dr.
Bürstenfeger.
»Was ist hier los, Karl und Nikolaus?!« fragte er streng.
Nicolás erzählte ihm aufgeregt den Fall.
Herr Dr. Bürstenfeger runzelte die Stirn, sann eine Weile und antwortete
sehr ernst: »Dein Vorschlag, Nikolaus, der reinen Geldgier entsprungen,
zeugte von wenig Geschmack, Stolz und persönlicher Würde. Die Ausführung
war außerdem im höchsten Grade gesundheitsschädlich. -- Nicht weniger
geschmacklos, Karl, war dein Eingehen in diesen unappetitlichen
Kontrakt. Dein weiteres Betragen Nikolaus gegenüber sehr mutwillig und
durchaus nicht brüderlich. Jetzt kommt mit, und macht Schularbeiten, die
viele Freiheit, die ich euch der Hitze wegen gegeben habe, scheint euch
nicht gut zu bekommen!«
Damit erfaßte er sie bei den Händen. Sie folgten ihm aufs höchste
verdutzt.
Bald folgte ein Tag von unerträglicher Hitze, denn man hatte
vollständige Windstille. Totenstill und bleifarben lag das Meer.
Dunstschleier verbargen die Sonne; von Zeit zu Zeit gingen Regenschauer
nieder. Dann aber wurde die Temperatur noch drückender.
Im Maschinenraum arbeiteten halbnackt die Heizer, Herr Dr. Bürstenfeger
lag reglos unter dem aufgespannten Zeltdach auf Deck: unter der Dusche
im Badezimmer aber stand der fröhliche Priester und dachte: Reiste ich
jetzt nicht nach Rom, um den Heiligen Vater zu sehen, ich wollte, eine
Seereise sollte immer dauern. --
Manche Passagiere verbrachten die Nacht auf Deck. Carlos und Nicolás
lagen in ihren Betten und wälzten sich hin und her.
Kurz nach Mitternacht -- Herr Dr. Bürstenfeger war eben in einen
unruhigen Schlaf verfallen -- wurde er plötzlich durch laute Schreie
geweckt.
Er richtete sich jäh auf und noch unsicher, ob er geträumt habe, saß er
reglos aufrecht mit stark klopfendem Herzen und horchte gespannt.
»Hilfe, Hilfe, ich sterbe!« kreischte durchdringend eine weibliche
Stimme.
»Mein Gott, mein Gott, ... was für ein Unglück ist da wieder geschehen!«
Herr Dr. Bürstenfeger rang nach Atem; dann war er mit einem Satz aus dem
Bett.
»Hilfe, Hilfe!« gellte es wieder.
Wie von Sinnen drehte sich Herr Dr. Bürstenfeger im Kreise herum; er
suchte etwas: seine Hosen. Jetzt hatte er sie; im Nu war er drin.
Er stürzte in den Gang; draußen standen schon Leute.
Von neuem ertönten durchdringende Schreie.
»Schwarzer Pfaffe, Schiffsuntergang!« rief der Herr mit der fahlen
Glatze.
Man eilte in der Richtung, woher die Schreie kamen, allen voran Bepino
der Nachtsteward.
Er riß die Tür einer Kabine auf.
Mit einem Satz stand Herr Dr. Bürstenfeger neben ihm. Aber er prallte
zurück.
In ihrem Bett lag Fräulein von Pfnühl, und ein fliegender Fisch
schnellte über ihr auf und nieder.
Auch die übrigen Passagiere wichen zurück.
Gleich erschien Bepino aus der Kabine, den Fisch, der heftig zappelte,
in den Händen.
»Durch die offene Luke hat er sich ins Bett der Dame verirrt!« rief er
vor Lachen platzend.
Es erfolgt ein allgemeines Gelächter.
Hinten vor ihrer Kabinentüre standen Carlos und Nicolás in ihren
Nachthemden und lachten auch aus vollem Halse.
»Nicht wahr, Herr Dr. Bürstenfeger, jetzt hat Miß Von auch das Gruseln
gelernt!« rief Carlos aus.
»Ihr müßt auch bei allem dabei sein; geht schlafen!« antwortete Herr Dr.
Bürstenfeger und schob sie in die Kabine hinein.
* * * * *
Am nächsten Morgen gingen Carlos und Nicolás nach Zwischendeck, um ihre
Affen zu füttern. Gerade erhielten auch die Emigranten ihre erste
Ration.
Irgendwo kauerte ein altes verrunzeltes Mütterchen auf der Erde, den
Rücken gegen eine Kiste gelehnt; sie war bisher noch nie auf Deck
erschienen.
So ein uraltes Mütterchen glaubten Carlos und Nicolás noch nie in ihrem
Leben gesehen zu haben. Ihre zitterigen Hände hielt sie gefaltet; die
Augen, die nie zuckten, schienen seltsam ins Weite zu blicken.
Ein Bursche, der eine Baskenmütze trug, kniete mit einem Blechteller vor
ihr und flößte ihr Suppe ein. Daneben stand eine Frau mit einem
zerrissenen Schal gegen einen schwarzbärtigen Mann gelehnt, der leise
und scheinbar zerstreut auf einer Ziehharmonika spielte, während sie an
einem großen Stück Brot kauend sehr ernst auf die Alte herabblickte.
Carlos und Nicolás erfuhren gleich darauf, daß die vier eine Familie
waren und die Alte beinahe hundert Jahre alt und blind.
* * * * *
Als Carlos und Nicolás zum Promenadendeck zurückkehrten, spazierte die
schöne Dame mit den Purpurlippen, in Gesellschaft eines brasilianischen
Herrn, der im Gespräch lebhaft mit den Händen gestikulierte. Von seinen
Fingern, die voller Ringe waren, ging ein Blitzen und Funkeln aus.
Gerade als die Knaben an ihnen vorbeikamen, glitt ihr ein mit Perlen
besetzter Kamm aus den Haaren und fiel auf den Boden.
Die Knaben bückten sich rasch danach, Nicolás hatte ihn erfaßt, lief der
Dame nach und überreichte ihn ihr.
»Ich danke dir, mein lieber Junge«, sagte die schöne Dame, streichelte
ihn mit der Hand über den Kopf und gab ihm einen Kuß. »Ihr
liebenswürdigen Kavaliere, ich muß euch doch endlich mal die längst
versprochenen Bonbons geben, kommt mit!«
»Gleich bin ich wieder da«, nickte sie dem Herrn zu und lief lachend die
Treppe hinunter. Carlos und Nicolás hinter ihr drein, in ihre Kabine.
»Das ist ja hier wie in einem Kleiderschrank«, rief Carlos aus, denn
ringsherum hingen Kleider, Spitzenblusen und seidene Röcke. Die Gardinen
waren vollgesteckt mit Schleiern, Krawatten und Bändern. Handtaschen und
Hutschachteln, Stiefel und Schuhe waren unter die Betten gezwängt.
»Und wie es wunderschön riecht!« rief nochmals Carlos.
»Gefällt euch das Parfüm, meine Jungens?« Sie griff nach einem kleinen
silbernen Flakon, der auf dem Waschtisch stand.
»Na, gebt mir eure Taschentücher.«
Rot und verlegen sahen sich Carlos und Nicolás an.
Zögernd sagte Nicolás, indem er noch mehr errötete: »Unsere
Taschentücher sind sehr schmutzig!«
»Das schadet nichts,« lachte sie, »gebt nur her; Jungens haben immer
schmutzige Taschentücher!« und damit entleerte sie die Hälfte ihres
Fläschchens in die Taschentücher der Knaben.
Darauf holte sie eine große Schachtel mit Pralinés aus ihrem Koffer und
füllte davon Carlos' und Nicolás' Taschen.
Dann gab sie jedem einen laut schallenden Kuß:
»So, jetzt aber muß ich rasch wieder hinauf!« ...
Kurz nachher lag die schöne Dame oben auf Deck auf ihrem Reisestuhl; ihr
Kopf lehnte gegen ein rotseidenes Kissen; der Herr mit den Ringen
fächelte ihr Kühlung zu mit einem großen japanischen Fächer und redete
leise und eindringlich auf sie ein.
Sie lächelte nach einer Weile und nickte.
Ganz in ihrer Nähe saßen Carlos und Nicolás stumm auf einer Bank und
knabberten an ihren Bonbons.
»Du,« sagte Carlos, »hier habe ich einen mit Likör!«
Ganz weit hinten stand Herr Dr. Bürstenfeger vor einer schwarzen Tafel
und konstatierte freudig: »Drei Meilen mehr als gestern!«
Gegen Abend waren die Knaben wieder auf Zwischendeck.
Das alte blinde Mütterchen hockte noch immer in ihrer alten Stellung,
ihre zitterigen Hände hielt sie gefaltet, die Augen blickten ins Weite.
Carlos und Nicolás schritten scheu an ihr vorbei; sie gingen bis ganz
vorn nach der Spitze des Schiffes.
Der Steuermann auf der Brücke drehte das Rad. Langsam wandte sich das
Schiff nach Nordosten.
Die Sonne neigte sich gegen den Horizont, blutrot und strahlenlos. Jetzt
berührte sie ihn. Schon war sie unter.
»Die Sonne ist tot, ertrunken!« sagte Carlos zu seinem Bruder.
In verschleiertem Blau dämmerte der Himmel weiter.
Zwei ungeheure Wolkenbänke standen gleich gigantischen Torflügeln
rosenrot im Nordosten.
Und mitten auf das offene Tor zu fuhr das Schiff.
Ein junger Mann und eine junge Frau standen neben Carlos und Nicolás an
der Reling. Ihre Gesichter waren verhärmt, ihre Kleider abgetragen.
Der junge Mann zeigte in der Richtung des offenen Tores.
Tränen glänzten in seinen Augen. Er sagte leise: »Sieh, ist es nicht,
als führen wir endlich unserem Ziele entgegen?« --
Sie stand da, stumm und sah nach den Wolken.
Zwei italienische Emigranten sangen:
In guerra non voglio andare
perquè si mangea male
e si dorme in terra.
»Carlos, horch', es ist das Lied, das José immer zu Hause sang!« sagte
Nicolás.
Gleich fielen andere Stimmen ein, und bald brauste es aus mehr als
hundert Kehlen:
In guerra non voglio andare
perquè si mangea male ...
Ein gellender Schrei unterbrach den Gesang: »Jesus, Maria, Mutter ist
tot!«
Und gleich darauf erfolgte ein herzzerreißendes Weinen.
Die Frau mit dem Schal war auf die Knie gesunken, ihre Arme hielten das
alte tote Mütterchen umfangen.
Und neben ihr kniete der junge Baske, und der Mann mit der Ziehharmonika
und sie bekreuzten sich schluchzend.
Ein Haufen Männer und Frauen umdrängte die Gruppe. Viele Frauen waren
niedergekniet, hielten die Hände vors Gesicht und jammerten laut; bald
knieten alle Frauen. Das Jammern und Schreien griff um sich: der ganze
große Haufe stimmte laut mit ein in die Totenklage.
Bleich und wortlos standen Carlos und Nicolás auf ihren Plätzen.
Erschreckt durch den Lärm spähte Herr Dr. Bürstenfeger vom
Promenadendeck nach ihnen aus. Zugleich ertönte die Glocke zum
Abendessen.
Carlos und Nicolás gingen rasch nach der ersten Klasse, die Blicke vom
Haufen, der die Alte umgab, abgewandt.
Bei Tisch konnten sie keinen Bissen herunterbringen. Sie dachten an das
alte Mütterchen; vor einer halben Stunde noch hatte sie lebend
dagesessen mit gefalteten Händen, und nun war sie eine Tote.
Nachher hörten sie, wie der Herr mit der fahlen Glatze der Dame aus
Patagonien erzählte, heute noch werde man die Leiche auf ein Brett
geschnallt und in ein Segeltuch gewickelt ins Meer senken.
Carlos und Nicolás erschauerten.
Gegen zehn Uhr brachte Herr Dr. Bürstenfeger die Knaben in ihre Kabine.
Als er fort war, zündeten sie das Licht wieder an und lagen schweigend
in den Betten, fortwährend an das tote Mütterchen denkend.