Die zarten Blumen neigen sich zur Erde,
Die kühlen Grund den süßen Farben beut;
Und Dämmerung verbreitet sich und sinkt,
Sich sehnend nach Verzögerung,
Gleich einem letzten Blick.
Einsam erschauern da Glycinen,
Und Azaleen hauchen ihre Blüte,
So lau der feuchten Nacht entgegen!
Und nur die Rose läßt sich nicht betäuben.
Denn Rosen zieh'n des Nachts geheimnisvolle Kreise
Als wallten ihre Düfte träumend hin
Wo sie der sehnsüchtige Schimmer
Ruhloser Herzen lockt.
Doch kennen Rosen nur der Freude Schwingen,
Und mit der Göttin Tauben ziehen sie
Als Boten ihrer Huld. --
Wen ohne Gunst in ihrem Ringe
Die Liebe unfroh hält,
Nimmer scheinet ihm die Rose!
Tief entleuchtet seinen Träumen
Grausam, und auf starrem Grunde,
Nur der Sonnenblume brennend Aug!
Zeitler Almanach 1907.