,,Manchmal -- nicht immer. Denk, wir haben nicht die rechte Stelle
erwischt." Sie wählten eine andere Stelle und begannen nochmals. Die Arbeit
stockte diesmal ein bißchen, aber sie kamen doch vorwärts. Wieder gruben
sie stillschweigend eine Zeitlang. Schließlich lehnte sich Huck auf seine
Schaufel, wischte den Schweiß von seiner Stirn und sagte: ,,Wo woll'n wir
graben, wenn wir hier fertig sind?"
,,Denk', wir woll'n den alten Baum über Cardiff Hill -- hinter dem Haus der
Witwe nehmen."
,,Glaub's auch, daß dort was ist. Aber, wenn's die Witwe uns fortnimmt,
Tom? 's ist _ihr_ Land."
,,Sie wegnehmen! Soll sie's doch nur versuchen! Wenn einer so 'nen
vergrabenen Schatz findet, gehört er ihm. Ich mach' keinen Unterschied, wem
das Land grad' gehört."
Das war beruhigend. Die Arbeit wurde fortgesetzt. Dann sagte Huck wieder:
,,Verdammt -- wir müssen wieder an 'nem falschen Platz sein. Was meinst
du?"
,,'s ist wirklich sonderbar, Huck. Versteh's nicht. Manchmal stören's die
Hexen. Denk' 's wird _das_ sein, was uns hier stört."
,,Unsinn, Hexen haben tags keine Macht!"
,,Na ja, 's ist wahr! Dachte nicht dran. Halt -- jetzt weiß ich, wie's ist!
Was für verdammt große Schafsköpfe wir sind! Man muß ja doch erst wissen,
wohin der Schatten bei Mondschein fällt, und _da_ muß man dann graben!"
,,Na ja, dann glaub' ich's, daß wir all die Arbeit umsonst gemacht haben.
Jetzt hol's der Teufel alles, müssen halt zur Nachtzeit wiederkommen. 's
ist 'n verteufelt weiter Weg. Kannst du fortkommen?"
,,Werd's schon machen. Diese Nacht woll'n wir's also machen, denn wenn
jemand diese Gruben da sieht, weiß er doch gleich, was da los ist und
gräbt's selbst aus."
,,'s ist gut, ich werd' nachts kommen und miauen."
,,Recht -- aber jetzt wollen wir noch das Werkzeug in den Büschen
verstecken."
Nachts, zur verabredeten Stunde waren die Jungen wieder da. Wartend saßen
sie im Schatten. Es war ein einsamer Platz und eine durch lange Tradition
unheimlich gewordene Stunde. Geister wisperten im raschelnden Laub. Geister
spukten in allen Ecken, das klagende Heulen eines Hundes tönte aus einiger
Entfernung herüber, eine Eule antwortete mit Grabesstimme. Die Jungen
fühlten sich von ihrer unheimlichen Umgebung bedrückt und sprachen nur mit
leiser Stimme. Schließlich nahmen sie an, es möchte zwölf Uhr sein; sie
bezeichneten die Stelle, wohin der Schatten fiel und begannen zu graben.
Ihre Hoffnung wuchs; das Interesse wurde lebhafter, und ihr Fleiß hielt
gleichen Schritt. Das Loch wurde tiefer und tiefer, aber so oft ihre Herzen
zu klopfen begannen, wenn ein scharfer Ton von unten hervordrang, erfuhren
sie eine neue Enttäuschung. Jedesmal war's nur ein Stein oder Holzstrunk.
Schließlich sagte Tom: ,,'s ist nicht richtig. Huck, wir haben's wieder
verfehlt!"
,,Unsinn, wir _können_ 's nicht verfehlt haben. Wir haben doch den Schatten
zu genau getroffen."
,,Ja, ich weiß, aber vielleicht ist sonst was schuld."
,,Was denn?"
,,Wir haben die Zeit bloß abgeschätzt. Leicht genug war's später oder
früher."
Huck ließ die Schaufel sinken. ,,Das ist's." sagte er. ,,Das ist's, was uns
gestört hat. Wir müssen's aufgeben. Wir können doch nicht immer die rechte
Zeit abpassen, und dann, das Ding hier ist zu unheimlich, hier diese
Nachtzeit mit Geistern und Gespenstern, die um einen rumfliegen. Ich bild'
mir immer ein, 's ist wer hinter mir, und hab' doch Angst, mich umzusehn,
denn 's könnten auch welche vor mir sein und nur auf 'ne Gelegenheit
warten. So lang' ich hier bin, läuft's mir kalt über."
,,Na, mir ist's nicht viel besser gegangen, Huck. Meistens haben sie 'nen
toten Mann begraben, wo sie ihre Schätze hintun, der muß drauf achthaben."
,,Herr Gott!"
,,Ja, 's ist so. Hab' immer so sagen gehört."
,,Tom, möcht mir doch nicht viel zu schaffen machen, wo 'n Toter liegt. So
'n toter Schädel könnt' einem doch höllisch Angst machen."
,,Möcht' keinen aufstöbern, Huck. Zu denken, daß hier plötzlich einer den
Kopf rausstreckt und anfängt, zu sprechen."
,,Still, Tom -- 's ist schrecklich!"
,,Na, das ist's gewiß, Huck. Würd' mich auch nicht gemütlich dabei fühlen!"
,,Du, Tom, komm, wollen's hier sein lassen, und 's wo anders versuchen."
,,Ja, ich denk' auch, 's wird besser sein."
,,Wo denn?"