Eine Vision

,,Dunkel und stürmisch war die Nacht. Am ganzen

Himmelszelt glänzte nicht ein einziger Stern, aber der

dumpfe, tiefe Ton des rollenden Donners zitterte beständig

im Ohr, während schreckliche Blitze in unheimlichen

Windungen durch die dunklen Himmelsräume fuhren;

und sie schienen die Gewalt zu verspotten, die sich der

berühmte Franklin über sie angemaßt hat! Auch die

ungestümen Winde fuhren unaufhörlich aus ihrer geheimnisvollen

Heimat daher und fuhren herum, als

wären sie gerufen worden, um die schreckliche Szene

noch schrecklicher zu machen. In solchem Augenblick, so

dunkel, so traurig, sehnte sich mein Geist, ach, so sehr nach

menschlicher Sympathie; und

,,Da plötzlich, ein Wunder, sie neben mir stand,

Die Freundin im Kummer, mit tröstender Hand!"

Sie schwebte gleich einer jener Lichtgestalten, die in

ihrem Sonnenflug die romantische Phantasie der

Jugend malt, daher, eine Königin der Schönheit, nur

mit ihrer eigenen überirdischen Lieblichkeit bekleidet. So

leicht war ihr Tritt, er schien kein Geräusch hervorzubringen,

und ich empfand ihre Gegenwart nur durch

den magischen Schauer, der mich bei ihrer Berührung

durchrieselte -- sonst wäre sie gleich anderen körperlichen

Schönheiten unbemerkt, ungesehen entschwebt. Strenge

Trauer lag auf ihren Zügen, gleich eisigen Tränen auf

dem Gewande des Dezember, als sie auf die kämpfenden

Elemente draußen wies und mich aufforderte, die

zwei Wesen zu betrachten."

Zehn Seiten Manuskript waren mit diesem nächtlichen Geisterspuk bedeckt,

und sie schlossen mit einem so sehr alle Hoffnungen für jeden

Nichtkirchlichgesinnten vernichtenden Sermon, daß die Arbeit den ersten

Preis erhielt.

Der Aufsatz wurde für die ausgezeichnetste Arbeit des Abends erklärt. Der

Bürgermeister hielt, indem er der Siegerin den Preis überreichte, eine

warme Ansprache, worin er sagte, es wäre weitaus ,,das beredsamste Ding,

das er je gehört habe, und Daniel Webster selbst könnte sehr wohl darauf

stolz sein."

Beiläufig möge bemerkt werden, daß die Zahl der Arbeiten, in denen das Wort

,,wundervoll" überwog, und menschliche Erfahrung ,,eine Seite des Lebens"

genannt wurde, die übliche Höhe erreichte.

Nunmehr schob der Lehrer, allmählich bis an die Grenze der Möglichkeit

angeheitert, seinen Stuhl beiseite, zeigte dem Publikum seinen Rücken und

machte sich dran, eine Karte von Amerika an die Wandtafel zu malen, um die

Geographieklasse vorzunehmen. Es wollte ihm aber bei seiner unsicheren Hand

nicht gelingen, und ein unterdrücktes Kichern lief durch den Saal. Er

wußte, was die Uhr geschlagen hatte, und nahm sich tüchtig zusammen. Er

wischte die Linien aus und zog sie nochmals. Aber er machte es diesmal noch

schlechter als vorher, und das Kichern wurde lauter. Er nahm sich jetzt

innerlich an den Ohren, wandte seine ganze Aufmerksamkeit auf die Arbeit,

als gelte es, sich nicht von der allgemeinen Heiterkeit unterkriegen zu

lassen. Er fühlte, daß aller Augen an ihm hingen. Er bildete sich ein, daß

es ihm diesmal gelänge, und jetzt nahm das Kichern noch mehr, es nahm ganz

zweifellos zu. Und es war kein Wunder.

Es gab da eine Dachstube, die gerade über seinem Kopf durch eine Falltür

verschlossen war. Durch diese Falltür erschien eine Katze, an einem um

ihren Leib gelegten Strick gehalten. Ein Tuch war ihr über den Kopf

gebunden, damit sie nicht schreien sollte. Indem sie langsam

heruntergelassen wurde, wand sie sich aufwärts und griff nach dem Seil,

wand sie sich nach unten und griff in die leere Luft. Das Kichern wurde

stärker und stärker, die Katze war keine sechs Zoll mehr vom Kopf des

geistesabwesenden Lehrers entfernt; tiefer, tiefer, noch ein bißchen, und

sie schlug ihre Krallen in verzweifelter Wut in die Perücke, und wurde im

nächsten Moment mit ihrer Trophäe in die Dachstube zurückgezogen. Und

welcher Glanz von des Lehrers kahlem Schädel ausging, den der

Anstreicherlehrling goldig gefärbt hatte!

Das hob die Versammlung auf. Die Jungen waren gerächt -- die Ferien da!

(_Anmerkung_. Die oben angeführten anspruchsvollen ,,Aufsätze" sind ohne

jede Änderung einem Buche entnommen, betitelt ,,Prosa und Poesie, von einer

Dame des Westens", sind aber genau nach der Schulmädelmanier gemacht und

daher viel glücklichere Beispiele, als irgendwelche Nachbildungen hätten

sein können.)

Dreiundzwanzigstes Kapitel.

Tom schloß sich dem neuen Orden der ,,Kadetten der Enthaltsamkeit" an,

angezogen durch die glänzende Pracht ihrer ,,Uniform". Er versprach, sich

des Rauchens, Tabakkauens und Fluchens, so lange er Mitglied des Vereins

sein würde, zu enthalten. Dabei machte er eine Entdeckung, nämlich, daß das

Versprechen, etwas nicht zu tun, das sicherste Mittel von der Welt sei,

einen in Versuchung zu bringen, hinzugehen und es gerade zu tun. Tom

empfand sehr bald das glühende Verlangen, zu trinken und zu fluchen; der

Wunsch wurde bald so stark, daß nichts als die Aussicht, mit seiner roten

Schärpe prunken zu können, imstande gewesen wäre, ihn von dem

Wiederaustritt aus dem Orden abzuhalten. Der vierte Juli [Anmerkung: Der 4.

Juli 1776 ist der Tag der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten

Staaten.] stand nahe bevor. Bald aber gab er es auf -- gab es auf, ehe er

seine Fesseln volle 48 Stunden getragen hatte, um seine Aufmerksamkeit dem

alten Richter Frazer, dem Friedensrichter, zuzuwenden, der augenscheinlich

auf dem Totenbett lag und gewiß ein großartiges öffentliches Begräbnis

bekommen würde, da er doch ein so hoher Beamter war. Während dreier Tage

war Tom ganz von des Richters Befinden eingenommen und hungrig nach

Neuigkeiten darüber. Manchmal stieg seine Hoffnung so hoch, daß er drauf

und dran war, seine Uniform hervorzuholen und vor dem Spiegel darin Probe

zu halten. Aber der Richter hatte eine abscheuliche Art, sich zu besinnen.

Schließlich wurde er besser und schließlich Rekonvaleszent. Tom war sehr

verstimmt und fühlte sich obendrein beleidigt. Schließlich ,,resignierte"

er und in der nächsten Nacht bekam der Richter einen Rückfall und starb.

Tom nahm sich vor, in solchen Dingen keinem Menschen mehr zu trauen. Das

Begräbnis war großartig. Die Kadetten paradierten auf eine Art, die

geeignet war, das bisherige Mitglied vor Neid umkommen zu lassen.

Indessen war Tom wieder ein freier Bursch. Das war das Gute dran. Er konnte

trinken und fluchen, fand aber zu seiner Überraschung, daß er gar keine

Lust dazu hatte. Die bloße Tatsache, daß er's _durfte_, nahm ihm den Wunsch

dazu und machte die Sache reizlos.

Tom machte plötzlich die überraschende Bemerkung, daß die ersehnten Ferien

anfingen, ihn zu langweilen. Er begann ein Tagebuch, aber da sich innerhalb

dreier Tage nichts ereignete, so gab er's wieder auf.

Dann kam die erste schwarze Sängergesellschaft ins Dorf und erregte

Aufsehen. Tom und Joe Harper traten in Verbindung mit der Bande und waren

für zwei Tage glücklich.

Selbst der berühmte Vierte war in gewissem Sinne eine Enttäuschung, denn es

regnete stark; infolgedessen fand kein Umzug statt, und der größte Mann der

Welt (wie Tom glaubte), Mr. Benton, ein Senator der Vereinigten Staaten,

bereitete ihm eine niederschmetternde Enttäuschung, denn er war nicht 25

Fuß hoch, auch nicht einmal annähernd.

Ein Zirkus kam. Die Jungen spielten drei Tage Zirkus in Zelten, die aus

zerlumpten Teppichen bestanden, -- Entree: drei Penny für Jungen, zwei für

Mädchen -- und dann wurde das Zirkusspielen langweilig.

Ein Phrenologe und ein Taschenspieler kamen -- und gingen wieder und ließen

das Dorf langweiliger und öder zurück, als es vorher gewesen war.

Becky Thatcher war nach ihrem Konstantinopeler Hause gereist, um während

der Ferien bei ihren Eltern dort zu bleiben -- so hatte denn das Leben

keine einzige Lichtseite mehr.

Das schreckliche Geheimnis des Mordes genoß immer noch trauriges Interesse.

Es war ein Gegenstand beständiger Aufregung.

Dann kamen die Masern.

Während zweier langen Wochen lag Tom als Gefangener, tot für die Welt und

ihr Treiben. Er war sehr krank, gleichgültig gegen alles. Als er wieder auf

den Füßen war und noch ganz schwach durch das Dorf wankte, war eine

traurige Veränderung mit allen Dingen und Lebewesen vorgegangen. Es hatte

eine ,,Wiedergeburt" stattgefunden, und alles war ,,fromm geworden", nicht

nur die Erwachsenen, sondern auch die Buben und Mädel. Tom strich herum, in

der Hoffnung, auf ein Gesicht, das in seiner Sündhaftigkeit sich wohl

fühle, zu stoßen. Er fand Joe Harper in der Bibel lesend und floh traurig

vor solchem niederdrückenden Schauspiel. Er suchte Ben Rogers und traf ihn,

wie er die Armen mit einem Korb voll Traktätchen heimsuchte. Darauf

fahndete er auf Jim Hollis, der ihm zeigte, wie seine wunderbare Errettung

von den Masern eine Warnung sei. Jeder einzelne Junge, mit dem er

zusammenkam, trug das Seinige dazu bei, ihn vollends niedergeschlagen zu

machen; und als er in voller Verzweiflung davonrannte, um am Busen Huck

Finns Zuflucht zu suchen -- und mit einem Bibelspruch empfangen wurde,

brach sein Herz, er kroch nach Hause und zu Bett, in der Überzeugung, daß

er allein von dem ganzen Dorfe verloren, für immer und ewig verloren sei.

Und in der Nacht setzte es einen schrecklichen Sturm, der den Regen vor

sich hertrieb, mit furchtbaren Donnerschlägen und blendenden Blitzen. Er

steckte den Kopf unter die Bettdecke und erwartete in ängstlicher

Ungewißheit sein Schicksal; denn ihm kam nicht ein Schatten von Zweifel,

daß dieses ganze Donnerwetter ihm gelte. Er glaubte, die Geduld der

himmlischen Mächte allzuhoch taxiert zu haben -- und dies war die Folge

davon. Es würde ihm als lächerliche Kraftverschwendung erschienen sein,

eine Wanze mit Kanonen töten zu wollen, aber das schien ihm doch noch

nichts, wenn er bedachte, daß ein so schreckliches Gewitter nötig sein

sollte, um ein Insekt gleich ihm zu vernichten.

Allmählich tobte sich der Sturm aus und legte sich ganz, ohne seinen Zweck

erfüllt zu haben. Der erste Antrieb Toms war, dankbar zu sein und sich zu

bessern. Sein zweiter war, zu warten -- denn vielleicht würde sobald kein

Unwetter wieder losbrechen.

Am anderen Tage war der Doktor wieder da. Tom hatte einen Rückfall. Die

drei Wochen, die er so still liegen mußte, schienen ihm ein ganzes

Menschenalter. Als er schließlich doch wieder aufstand, war er kaum

dankbar, daß er geschont worden war, da er sich sagen mußte, wie einsam er

sei, wie freundlos und verlassen. Zwecklos strich er durch die Gassen und

fand Jim Hollis in einem jugendlichen Gerichtshof, der eine Katze als

Mörderin verurteilen sollte, den Richter machend. Das Opfer, ein Vogel, lag

dabei. Joe Harper und Huck Finn traf er spazieren gehend und eine

gestohlene Melone verzehrend. Arme Jungen -- sie hatten, wie Tom, einen

Rückfall zu erdulden.

Vierundzwanzigstes Kapitel.

Schließlich wurde die brütende Langeweile ein bißchen aufgestört und

erfrischt. Der Mordprozeß kam vor Gericht. Er wurde sofort der alleinige

Gegenstand des Gesprächs. Tom konnte es kaum aushalten. Jede Erwähnung des

Mörders jagte ihm einen Schauer durch die Glieder, denn sein bedrücktes

Gewissen und seine Furcht machten ihm weis, daß alle diese Bemerkungen

,,Fühler" sein sollten und auf ihn berechnet. Zwar wußte er durchaus nicht,

wie ein Verdacht, etwas über den Mord zu wissen, sollte auf ihn fallen

können, trotzdem aber konnte er sich inmitten all des Geklatsches nicht

behaglich fühlen. Kalte Schauer schüttelten ihn beständig.

Er schleppte Huck an ein einsames Plätzchen, um sich mit ihm mal darüber

auszusprechen. Es würde für 'ne Weile doch eine Erleichterung sein, seiner

Zunge mal freien Lauf gelassen zu haben, die Last seines Kummers mit einem

Leidensgefährten zu teilen. Vor allem aber wollte er sich versichern, daß

Huck reinen Mund gehalten habe.

,,Huck, hast du jemals darüber gesprochen?"

,,Worüber?"

,,Na -- du weißt schon!"

,,Ach so -- na, gewiß nicht!"

,,Kein Wort?"

,,Zum Teufel, auch nicht 's kleinste Wort! Warum fragst du?"

,,Na, ich hatt' halt Angst!"

,,Weißt du, Tom Sawyer, wir würden keine zwei Tage mehr haben, wenn das

raus käm'! Du weißt doch?"

Tom wurde behaglicher zumute. Nach einer Pause sagte er: ,,Du, Huck, 's

wird dich niemand zwingen können, was zu verraten, he?"

,,Mich zwingen? Na, wenn ich wollt', daß der Halbindianer-Teufel mir den

Hals umdrehte, _dann_ könnten sie mich zwingen, zu schwatzen."

,,Na, 's ist schon gut. Denk auch, daß wir sicher sind, so lang' wir reinen

Mund halten. Aber laß uns nochmal schwören. 's ist sicherer!"

,,Meinetwegen."

So schwuren sie nochmals die schrecklichsten Eide.

,,Was wird denn eigentlich geschwatzt, Huck? _Ich_ hab' so viel

durch'nander gehört!"

,,Schwatzen? Na, 's ist immer Muff Potter, Muff Potter, Muff Potter.

Jedesmal gerat' ich ordentlich in Schweiß, daß ich gleich davonlaufen

möcht'!"

,,'s ist grad so wie bei mir. Ich denk' wohl, daß er 'n Gauner ist. Hast du

zuweilen Mitleid mit ihm?"

,,Fast immer -- fast immer. Er taugt ja nicht viel; aber er hat doch nie

was getan, um jemand zu verletzen. Er stiehlt wohl zuweilen Fische, um Geld

für Branntwein zu kriegen -- und treibt sich beständig herum; aber, Herr

Gott, das tun wir doch alle -- oder wenigstens die meisten -- auch die

Prediger und solche Leute. Aber er ist doch 'n guter Kerl -- er gab mir mal

'n halben Fisch, wo's doch nicht genug war für zwei, und oft genug war er

freundlich gegen mich und half mir, wenn ich in 'ner Patsche saß."

,,Ja, und mir hat er Drachen gemacht, Huck, und Angelhaken. -- Wollt, wir

könnten ihm raushelfen --"

,,Lieber Gott, Tom, wir können ihm nicht 'raushelfen. Und dann -- 's wär'

auch gar nicht gut; sie kriegten ihn doch wieder."

,,Ja -- das täten sie. Aber ich kann's nicht hören, daß sie auf ihn

schimpfen wie auf 'nen Teufel, wo er's doch gar nicht getan hat."

,,Ich auch, Tom! Gott, ich hört', wie einer sagte, er ist der blutgierigste

Lump im ganzen Land, und sie wunderten sich nur, daß er noch nicht

aufgeknüpft ist."

,,Ja, das sagen sie immer. Ich hab' gehört, sie wollten ihn lynchen, wenn

er freikäm'."

,,Und das täten sie auch."

Die Jungen schwatzten noch lange, aber es brachte ihnen wenig Befreiung.

Als das Zwielicht anbrach, fanden sie sich auf einmal in der Nachbarschaft

des kleinen, einsamen Gebäudes, vielleicht in der unbestimmten Hoffnung, es

könne irgend was geschehen, wodurch ihre Kümmernisse gehoben würden. Aber

nichts geschah, weder Engel noch gute Geister schienen sich mit diesem

unglücklichen Gefangenen beschäftigen zu wollen.

Die Jungens taten, was sie schon oft vorher getan hatten -- gingen zu dem

Gitterfenster und steckten Potter ein bißchen Tabak und Zündhölzer zu. Er

lag auf dem Fußboden -- Wächter waren nicht da.

Seine Dankbarkeit für ihre kleinen Gaben hatte bisher immer ihr Gewissen

entlastet -- jetzt wurde es nur noch schwerer. Sie fühlten sich im höchsten

Grade gemein und treulos, als Potter sagte: ,,Ihr seid doch immer gut gegen

mich gewesen, Jungs, besser als sonst jemand im Dorf. Und ich werd's nicht

vergessen, werd's nicht! Oft denk' ich, hab' allen Jungen Drachen gemacht

und alles, und ihnen gute Fischplätze gezeigt, und ihnen geholfen, wo ich

konnt', und nu' vergessen sie alle den alten Muff, wo er so in der Patsche

sitzt, nur der Tom tut's nicht, und der Huck tut's nicht, _die_ vergessen

ihn nicht, sagt' ich, und ich werd' _sie_ nicht vergessen! Na, Jungs, ich

hab' was Schreckliches getan -- betrunken und verrückt muß ich gewesen

sein; 's ist die einzige Art, wie ich's mir denken kann, und jetzt soll ich

dafür baumeln, und 's ist recht so. Recht und 's _beste_ auch, glaub' ich,

hoff' wenigstens. Na, wollen nicht davon sprechen. Möcht' euch 's Herz

nicht schwer machen. Aber wollt euch doch sagen: Trinkt nicht, wenn ihr

groß seid, dann kommt ihr nie hierher. Kommt mal näher ran -- so, 's ist

doch schon was, so 'n paar gute Gesichter zu sehen -- gute, freundliche

Gesichter. Steigt mal einer auf den anderen und gebt mal eure Patschen her.

Kommt leichter durch die Stangen, _meine_ Faust ist zu groß. Kleine Hände

-- und zart -- aber haben Muff Potter 'ne Menge geholfen und würden noch

mehr tun, wenn sie könnten."

Tom schlich niedergeschlagen nach Hause, und seine Träume waren

schrecklich. Am nächsten und übernächsten Tage lungerte er um das

Gerichtsgebäude herum, von unwiderstehlichem Verlangen angetrieben,

hineinzugehen, und doch sich selbst zwingend, es nicht zu tun. Huck hatte

dieselben Versuchungen. Sie gingen sich geflissentlich aus dem Wege. Jeder

ging von Zeit zu Zeit mal fort, aber derselbe verzweifelte Zauber trieb ihn

immer sehr bald wieder hin. Tom hielt die Ohren offen, wenn irgend ein

Müßiggänger herauskam, hörte aber immer nur betrübende Neuigkeiten. Die

Schlinge zog sich immer und immer fester zusammen um den armen Potter. Am

Abend des zweiten Tages war das Dorfgespräch, daß des Indianer-Joe

Erscheinen feststehe, und daß über den zu erwartenden Spruch der

Geschworenen nicht der geringste Zweifel entstehe.

Tom war diesen Abend lange aus und gelangte durchs Fenster ins Bett. Er

befand sich in schrecklich aufgeregtem Zustande. Es dauerte Stunden, bis er

einschlafen konnte.

Am nächsten Morgen strömte das ganze Dorf zum Gerichtsgebäude, denn es

würde ein großer Tag sein. Beide Geschlechter waren zu dem aufregenden

Verhör erschienen. Nach langer Zeit traten die Geschworenen ein und begaben

sich auf ihre Plätze. Kurz danach wurde Muff Potter, blaß und hohläugig,

verschüchtert und hoffnungslos, mit Ketten beladen, hereingebracht und

setzte sich so, daß all die neugierigen Augen ihn treffen mußten; nicht

weniger wurde der Indianer-Joe beobachtet, der gleichgültig, wie immer,

dasaß. Noch eine Pause, und dann kam der Richter, und der Sheriff

verkündete den Beginn der Sitzung. Es folgte das gewöhnliche Geflüster

zwischen den Gerichtspersonen und Papierknistern. Diese Einzelheiten und

Umständlichkeiten bewirkten eine erwartungsvolle Stimmung, die ebenso

aufregend wie lähmend war.

Jetzt wurde jener Bürger aufgerufen, welcher beschwor, daß er Muff Potter

in sehr früher Stunde am Morgen des Mordes getroffen hatte, wie er sich in

einem Graben wusch, und daß er sofort davongelaufen sei. Nach einigen

weiteren Fragen sagte der Staatsanwalt: ,,Der Herr Verteidiger hat das

Wort." Der Gefangene erhob für einen Augenblick die Augen, schlug sie aber

sofort nieder, als sein Verteidiger sagte: ,,Ich verzichte."

Der nächste Zeuge erzählte die Auffindung des Messers am Tatorte. Der

Staatsanwalt sagte abermals: ,,Der Herr Verteidiger hat das Wort."

,,Ich verzichte," entgegnete auch diesmal der Verteidiger.

Ein dritter Zeuge beschwor, daß er das Messer oftmals in Muff Potters

Besitz gesehen habe.

,,Der Herr Verteidiger hat das Wort."

Potters Verteidiger dankte wiederum.

Die Gesichter der Zuhörer begannen Unwillen zu zeigen. Wollte dieser

Verteidiger das Leben seines Klienten ohne jeden Versuch zu seiner Rettung

preisgeben?

Mehrere Zeugen berichteten über Potters verdächtiges Benehmen, als er an

den Mordplatz geführt wurde. Sie konnten ebenfalls ohne Gegenverhör den

Platz verlassen.

Alle Einzelheiten der gravierenden Vorkommnisse an jenem Morgen, dessen

sich alle Anwesenden so gut erinnerten, waren von glaubwürdigen Zeugen

bestätigt, und nicht einer war durch Potters Verteidiger einem Gegenverhör

unterworfen worden. Die Verblüffung und Unzufriedenheit des Hauses machte

sich in Murren bemerklich, was eine Zurechtweisung seitens des Vorsitzenden

zur Folge hatte.

Jetzt begann der Staatsanwalt: ,,Durch den Eid von Bürgern, deren einfaches

Wort schon über jeden Zweifel erhaben ist, sehen wir das schreckliche

Verbrechen dem unglücklichen Gefangenen dort zur Last gelegt. Die Sachlage

ist über jeden Zweifel erhaben."

Ein Stöhnen entrang sich dem armen Potter, er bedeckte das Gesicht mit den

Händen, während sein Körper gleichsam zusammenschrumpfte. Ein peinliches

Stillschweigen hatte sich über den Saal gelegt. Alle waren bewegt, und

manche Frau verriet ihre Bewegung durch Tränen.

Der Verteidiger erhob sich und sagte: ,,Euer Ehren! Zu Beginn der

gegenwärtigen Verhandlung gaben wir unsere Absicht kund, zu zeigen, daß

unser Klient diese schreckliche Tat beging, während er unter dem Einflusse

eines blinden, geistesverwirrenden Rausches infolge übermäßigen Trunkes

stand. Wir haben unsere Ansicht geändert. Wir können auf diesen Einwand

verzichten!" (Dann zum Gerichtsdiener): ,,Tom Sawyer!"

In allen Gesichtern malte sich unverhohlenes Erstaunen, Potter nicht

ausgenommen. Jedes Auge heftete sich mit verwundertem Interesse auf Tom,

als er aufstand und sich auf seinen Platz in der Zeugenloge setzte. Der

Junge sah verstört genug aus, er war auch mächtig verschüchtert. Die

Eidesformel war gesprochen.

,,Thomas Sawyer, wo wart Ihr am 7. Juni um Mitternacht?"

Tom schielte auf des Indianer-Joe eisernes Gesicht, und die Zunge versagte

ihm den Dienst. Alle Zuhörer warteten atemlos, aber die Worte kamen nicht

heraus. Nach ein paar Augenblicken indessen sammelte der Junge ein bißchen

Mut und versuchte genug davon in seine Stimmung zu legen, um sich einem

Teil des Saales hörbar zu machen.

,,Auf dem Kirchhof."

,,Bitte, etwas lauter. Fürchtet Euch nicht. Ihr wart --"

,,Auf dem Kirchhof."

Ein verächtliches Lächeln flog über des Indianer-Joe Gesicht.

,,Wart Ihr vielleicht in der Nähe von William Horses Grab?"

,,Ja, Herr!"

,,Noch ein bißchen lauter. Wie nahe wart Ihr?"

,,So nahe, wie jetzt zu Ihnen."

,,Wart Ihr versteckt oder nicht?"

,,Ich war versteckt."

,,Wo?"

,,Unter den Ulmen, die am Kopfende des Grabes stehen."

Der Indianer-Joe fuhr unmerklich zusammen.

,,Wart Ihr in Begleitung?"

,,Ja, Herr. Ich war da mit --"

,,Halt -- einen Augenblick. Nennt den Namen Eures Gefährten noch nicht. Wir

wollen ihn zur rechten Zeit aufrufen. Hattet Ihr irgend etwas mit?"

Tom zögerte und schaute verwirrt um sich.

,,Na, sprich -- mein Junge! Nicht zaghaft! Die Wahrheit ist immer

achtungswert. _Was_ hattest du mit?"

,,Nur -- nur -- 'ne tote Katze!"

Ein schwaches Kichern entstand, wurde aber sofort vom Gerichtshof

unterdrückt.

,,Wir werden das Skelett der Katze vorlegen. Jetzt, mein Junge, sag' uns,

was sich zutrug -- sag's ganz auf deine Weise -- vergiß nichts und fürchte

dich nicht."

Tom begann -- zuerst stammelnd, aber als er warm wurde, flossen seine Worte

leichter und immer leichter; in kurzem verstummte jeder Laut außer seiner

Stimme; jedes Auge heftete sich auf ihn; mit geöffneten Lippen und

angehaltenem Atem hingen die Zuhörer an seinen Worten, vollkommen von der

Spannung der Erzählung beherrscht. Die Erregung erreichte den höchsten

Grad, als er sagte: ,,Und wie der Doktor mit dem Brett haute und Potter

fiel, da sprang der Indianer-Joe mit dem Messer --"

Krach! -- Schnell wie der Blitz sprang der Indianer-Joe zum Fenster durch

alle Zuschauer hindurch und war im Nu verschwunden!

Fünfundzwanzigstes Kapitel.

Tom war schon wieder ein strahlender Held -- der Liebling der Alten, der

Neid der Jugend. Sein Name gelangte sogar zu den Ehren der Druckerschwärze,

denn das Blättchen des Dorfes verherrlichte ihn. Es gab sogar Leute, die in

ihm den zukünftigen Präsidenten sahen, ausgenommen, wenn er vorher gehenkt

werde.

Wie gewöhnlich, drückte die gedankenlose Welt jetzt Muff Potter an ihre

Brust und überschüttete ihn mit Zärtlichkeiten, wie sie ihn bisher

verlästert hatte. Aber diese Sinnesänderung spricht für die Welt; deswegen

ist's besser, keine Glossen drüber zu machen.

Toms Tage waren Tage des Glanzes und des Frohlockens, aber seine Nächte

waren Zeiten des Schreckens. Der Indianer-Joe spukte in all seinen Träumen

und immer mit haßerfüllten Augen. Schwerlich hätte irgend etwas den Jungen

veranlassen können, nach Anbruch der Nacht noch hinauszugehen. Der arme

Huck befand sich gleichfalls im Zustand der Verzweiflung und Angst, denn

Tom hatte in der Nacht vor der Gerichtsverhandlung dem Verteidiger alles

gesagt, und Huck hatte gräßliche Angst, daß seine Beteiligung bei der Sache

bekannt werden möchte, obwohl ihn des Indianers Flucht von der Qual befreit

hatte, vor Gericht Zeugnis ablegen zu müssen. Der arme Bursche hatte vom

Verteidiger das Versprechen des Schweigens erhalten, aber was war das? Seit

Tom, durch sein beladenes Gewissen getrieben, in jener Nacht ins Haus des

Verteidigers gegangen war und die schreckliche Geschichte, die doch mit den

bindendsten, furchtbarsten Eiden in ihm verschlossen sein sollte,

gebeichtet hatte, war Hucks Glauben an die menschliche Rasse nahezu

vernichtet. Jeden Tag ließen Muff Potters Dankesbezeugungen Tom sich

freuen, daß er gesprochen hatte, aber nachts wünschte er, das Geheimnis

bewahrt zu haben. Manchmal fürchtete er, der Indianer-Joe möchte niemals

gefunden werden, dann wieder zitterte er, _daß_ er gefunden werden könnte.

Er fühlte nur zu sicher, daß er nicht mehr ruhig atmen könne, bis dieser

Mensch tot sei und er seine Leiche gesehen habe.

Belohnungen waren ausgesetzt, das Land durchsucht, aber kein Joe gefunden.

Eins jener geheimnisvollen, ehrfurchtgebietenden Wunder, ein Detektiv, kam

von St. Louis herauf, schnüffelte herum, schüttelte den Kopf, tat sehr

weise und hatte den überraschenden Erfolg, den Angehörige dieser

Berufsklasse stets haben, das heißt, ,,er fand den Schlüssel". Aber man

kann einen Schlüssel nicht als Mörder hängen und so, nachdem der Detektiv

heimwärts gegangen war, fühlte sich Tom genau so unsicher wie vorher.

Trübselig schlichen die Tage, aber jeder nahm ein klein wenig von seiner

Besorgnis mit sich.

Sechsundzwanzigstes Kapitel.

In jedes normal veranlagten Jungen Leben kommt eine Zeit, wo er den

rasenden Wunsch empfindet, irgendwo nach vergrabenen Schätzen zu suchen.

Dieser Wunsch überfiel Tom eines Tages ganz plötzlich. Er machte sich auf

den Weg, um Joe Harper zu suchen, hatte aber keinen Erfolg. Dann suchte er

Ben Rogers; der war zum Fischen gegangen. Plötzlich stieß er auf Huck Finn,

den ,Bluthändigen'. Tom schleppte ihn an einen versteckten Ort und

vertraute sich ihm an. Huck war sofort bereit. Huck war immer bereit, sich

an einem Unternehmen zu beteiligen, das Zerstreuung versprach und kein

Kapital verlangte, denn er hatte schrecklichen Überfluß von der Art Zeit,

die _nicht_ Geld ist.

,,Wo wollen wir graben?" fragte Huck.

,,O -- halt überall."

,,Was, ist überall welches vergraben?"

,,Ach was, das nicht! 's ist an ganz besonderen Plätzen vergraben, Huck --

manchmal auf Inseln, manchmal in alten verfaulten Kisten, unter den Wurzeln

eines abgestorbenen Baumes, grad' da, wohin der Schatten bei Mondschein

fällt; besonders aber unter dem Fußboden in 'nem verfallenen Haus."

,,_Wer_ vergräbt's denn?"

,,Na, Räuber selbstverständlich -- was dachtst du denn?

Sonntagsschul-Lehrer?"

,,Weiß nicht. Wenn's mir gehörte, ich würd's nicht vergraben. Ich würd's

ausgeben und mir 'ne lustige Zeit machen."

,,Tät' ich auch. Aber Räuber tun's nicht, die vergraben's immer und

lassen's liegen."

,,Kommen sie gar nicht mehr hin?"

,,Nein, -- sie denken wohl, sie _wollen_ wieder hinkommen, aber dann haben

sie die Zeichen vergessen oder sind auch inzwischen gestorben. Manchmal

liegt's 'ne lange, lange Zeit da und wird rostig. Und schließlich find'

dann mal jemand so 'n altes vergilbtes Papier, da muß er über 'ne Woche

drüber brüten, denn 's sind schwere Zeichen und Hieroglyphen drauf

geschrieben."

,,Hiero -- was?"

,,Hieroglyphen -- Bilder und Zeug, weißt du, das gar nichts vorzustellen

scheint."

,,Hast du schon mal so 'n Papier gehabt, Tom?"

,,Nee."

,,Na, wie willst du denn die Zeichen rauskriegen?"

,,Ach was, brauch' keine Zeichen. Sie vergraben's ja immer unter 'nem

verfallnen Haus oder auf 'ner Insel oder unter 'nem abgestorbenen Baum, der

'ne Wurzel von sich streckt. Na, wir haben's ja schon mal mit der

Jackson-Insel versucht und können ja leicht noch mal hingehn; und dann ist

da das alte verfallne Haus auf dem Stillhaus-Hügel, und dann gibt's 'ne

Menge Wurzeln von toten Bäumen -- massenhaft!"

,,Ist unter allen was?"

,,Was schwatzt du! Nee!"

,,Woher kannst du denn wissen, wohin wir gehen müssen?"

,,Na -- zu allen!"

,,Verflucht, Tom -- 's wird den ganzen Sommer dauern."

,,Na, was schad's? Denk', du findst 'nen Messingtopf, ganz rostig oder 'ne

verfaulte Kiste voll Diamanten -- he?"

Hucks Augen glänzten.

,,Wär' grad' was für mich, Tom, wär' ganz extra was für mich! Ader die

Diamanten nehm' ich nicht für hundert Dollars!"

,,Na, schon gut. Aber _ich_ würd' die Diamanten nicht verschmähn! Einige

von ihnen sind zwanzig Dollar wert. Alle nicht -- aber auch die andern sind

sechs Cent bis 'nen Dollar wert."

,,Nee -- ist das so?"

,,Sicher -- alle sagen's. Hast du nie einen gesehn, Huck?"

,,Nicht, daß ich wüßte."

,,O, Könige haben Haufen davon."

,,Na, ich kenn' aber keinen König, Tom!"

,,Denk' wohl, daß du keinen kennst. Aber, wenn du nach Europa gingst,

würdst du 'ne Menge rumhüpfen sehn."

,,Hüpfen die?"

,,Hüpfen, du Schafskopf? Nee!"

,,Na -- warum _sagtest_ du denn, daß sie's täten?"

,,Nachtmütze! Meint' doch nur, du würdst sie _sehn_, -- nicht hüpfend

natürlich -- warum sollten sie denn hüpfen? Meint' nur, du würdst sie sehn

-- überall, verstehst du -- überall! Zum Beispiel beim alten buckligen

Richard."

,,Richard? Wie ist sein anderer Name?"

,,Er _hat_ keinen anderen Namen -- Könige haben nur 'nen Vornamen."

,,Nicht?"

,,Aber nein -- sag' ich dir!"

,,Na, wenn's so ist, Tom, meinetwegen. Aber ich möcht' nicht König sein und

nur 'nen Vornamen haben wie 'n Nigger. Aber, sag mal -- wo willst du zuerst

graben?"

,,Weiß noch nicht. Denk' wir nehmen den abgestorbenen Baum auf dem Hügel

hinter Stillhaus?"

,,Mir recht."

So trieben sie denn eine ausrangierte Hacke und eine Schaufel auf und

machten sich auf den Weg von drei Meilen. Sie kamen heiß und erschöpft an

und warfen sich im Schatten einer benachbarten Ulme nieder, um auszuruhen

und ein bißchen zu rauchen.

,,So gefällts mir," meinte Tom.

,,Mein' ich auch."

,,Sag', Huck -- wenn wir hier 'nen Schatz finden, was machst du mit deiner

Hälfte?"

,,Na, dann muß ich jeden Tag 'ne Pastete und 'n Glas Sodawasser haben, und

dann geh' ich in jeden Zirkus, der herkommt. Soll 'ne famose Zeit werden!"

,,Na, und du willst gar nichts sparen?"

,,Sparen? Wozu?"

,,Nu, damit du später mal was zu leben hast!"

,,Ach, das ist ja Unsinn! Pap wird eines schönen Tags in dies liebliche

Nest zurückkommen und seine Klauen drüber legen, wenn ich's noch nicht

verbraucht hätt', und ich sag' dir, _er_ hätt's bald genug durchgebracht.

Was willst du tun, Tom?"

,,Ich werd' mir 'ne neue Trommel kaufen und 'n richtiges Schwert und 'n

rotes Halstuch, und 'ne junge Bulldogge -- und dann würd' ich heiraten."

,,Heiraten!!?"

,,Na ja!"

,,Tom, du -- na, wenn du nicht recht bei Verstand bist!"

,,Wart' nur -- wirst's ja sehn."

,,Na, das ist doch 's Dümmste, was du tun könntest. Sieh doch nur meinen

Pap und seine Alte. Teufel -- was die sich prügeln! Weiß noch ganz gut!"

,,Das ist 'n anderes Ding. Das Mädchen, das ich heiraten will, prügelt sich

nicht!"

,,Tom -- denk' doch, sie sind alle gleich! Wollen einen alle striegeln.

Wirst nach 'ner Weile wohl vernünftiger drüber denken. Wie heißt denn 's

Mädel?"

,,'s ist überhaupt kein _Mädel_ -- 's ist 'n _Mädchen_!"

,,Denk' doch, 's ist alles eins; die einen sagen Mädel, die anderen Mädchen

-- 's ist ganz gleich. Aber wie heißt sie denn, Tom?"

,,'n andermal, sag' ich's dir, Huck -- jetzt nicht."

,,Na -- 's auch recht. Aber wenn du heiratest, werd' ich noch einsamer

sein."

,,Unsinn, Huck, du kommst zu mir und wohnst hier. -- Na, genug davon,

wollen wir anfangen, zu graben?"

Sie arbeiteten und schwitzten eine halbe Stunde hindurch. Kein Resultat.

Sie mühten sich noch eine halbe Stunde. Noch kein Erfolg.

Die Abenteuer Tom Sawyers · 第 19 / 25 题