_MacDowells_ bewußte Eröffnung der Bauchhöhle reizte zur Nachfolge auch

auf dem Gebiete der sehr häufigen Neubildungen der Gebärmutter, soweit

sie nicht von der Scheide her angreifbar waren. Nach zahlreichen, nur

durch diagnostische Irrtümer veranlaßten und vielfach unglücklich

verlaufenen Operationen in verschiedenen Ländern wagte zum erstenmale im

Jahre 1853 der Amerikaner _Kimball_ eine Wegnahme der durch Fibromyom

vergrößerten Gebärmutter, welche glücklich ablief. Später haben, immer

noch in vorantiseptischer Zeit, der elsässische Alemanne _Köberlé_ in

Straßburg, _Péan_ in Paris und vor allen anderen der Amerikaner _Marion

Sims_ die Erkenntnis und Behandlung dieser Neubildungen gefördert, deren

Operation nach Einführung der antiseptischen Behandlung ganz erheblich

an Sicherheit gewann. Unter den deutschen Gynäkologen sind insbesondere

_Wilhelm Alexander Freund_ als Erfinder der Ausrottungsmethode

einer krebsigen Gebärmutter, _Billroth_ mit seiner vaginalen

Gebärmutterausschälung und _Karl Schröder_ als Bahnbrecher auf diesem

Gebiete zu nennen. Die operative Gynäkologie ist seitdem eine wohl

abgerundete Wissenschaft geworden, mit der Fachchirurgen sich nur noch

ausnahmsweise beschäftigen. Sie hat auch die ihr nahestehende

Geburtshilfe dahin beeinflußt, daß der natürliche Vorgang der Entbindung

von einer, zu manchen Zeiten und an manchen Orten recht hohen

Lebensgefahr befreit worden ist. --

* * * * *

Eine besonders glänzende Eroberung stellt die _Chirurgie der Harnorgane_

dar. Allerdings war der Blasenschnitt zur Beseitigung von Steinen und

anderen Fremdkörpern des Hohlorganes schon eine uralte Operation, der im

19. Jahrhundert die Steinzertrümmerung, die Lithothrypsie, als

leistungsfähige Gehilfin an die Seite trat. Sie war auf Grund einer von

dem Salzburger Arzte _Gruithuisen_ im Jahre 1813 ausgehenden Anregung

zum erstenmal im Januar 1824 von _Civiale_ in Paris am lebenden Menschen

mit Erfolg ausgeführt worden. Aber den nachhaltigsten Aufschwung nahm

die Lehre von den Krankheiten der Harnorgane erst von dem Zeitpunkte an,

als auch die Erkrankungen der Niere, die bisher nahezu unbestritten in

den Händen der inneren Mediziner gewesen waren, in weitem Umfange von

der Chirurgie in Anspruch genommen wurden. Es war am 2. August 1869, als

_Gustav Simon_ in Heidelberg wegen einer Harnleiter-Bauchdeckenfistel

zum erstenmal am lebenden Menschen eine Nierenausrottung unternahm und

damit vollen Erfolg erzielte. Erst zwei Jahre später machte er eine

zweite Operation gleicher Art, die aber durch pyämische Ansteckung zum

Tode führte. Die an _Simons_ Vorgehen sich knüpfende schnelle

Entwicklung der Nierenchirurgie, welche in kaum 15 Jahren den größten

Teil der Nierenkrankheiten zu einem erfolgreich bearbeiteten Ackerlande

der Wundärzte machte, würde aber wohl kaum möglich gewesen sein ohne die

in die gleiche Zeit fallende Anerkennung der _Lister_schen

Wundbehandlung, welche die Nierenausschälung schnell über die Grenzen

ihres Heimatlandes hinausführte. So konnte schon im Jahre 1885 der

Engländer _Henry Morris_ vom Middlesexhospital in London ein Lehrbuch

der chirurgischen Nierenerkrankungen schreiben, welchem Beispiele 1886

der Franzose _Brodeur_ und 1889 _Le Dentu_ gefolgt sind. In Deutschland

gab erst 1893 _Paul Wagner_ in Leipzig die erste, noch in bescheidenem

Umfange gehaltene Nierenchirurgie heraus, der von 1896 bis 1902 _Ernst

Küsters_ umfassende Chirurgie der Nieren und 1901 _James Israels_

Chirurgische Klinik der Nierenkrankheiten nachfolgten. Die von _Eugen

Hahn_ im Jahre 1881 erdachte, sehr wertvolle Methode der Anheftung

beweglicher Nieren verdient besondere Erwähnung. Seitdem ist die

Nierenchirurgie in Deutschland unter der eifrigen Arbeit junger

Kräfte, unter denen _Arthur Barth_ mit seinen vortrefflichen

pathologisch-anatomischen Studien hervorzuheben ist, zu einer nahezu

selbständigen Wissenschaft geworden. Sie wurden dabei unterstützt durch

die schnelle Entwicklung der Blasenbeleuchtung, welche von _Christopher

Heaths_ und _Gustav Simons_ Methode der schnellen Erweiterung der

weiblichen Harnröhre zu des letzteren frühesten Versuchen des

Harnleiterkatheterismus dann zu _Nitzes_ Kystoskop und nach dessen

Vervollkommnung durch Einführung der _Edison_schen Glühlämpchen bald zu

einer sicheren Methode des Harnleiterkatheterismus führte, um dessen

Technik sich vor allen _Guyon_ in Paris und _Leopold Casper_ in Berlin

große Verdienste erworben haben. Die überaus wertvolle Erfindung hat die

Erkenntnis der Nierenkrankheiten und die Sicherheit operativer Eingriffe

durch die Möglichkeit der getrennten Harnuntersuchung beider Nieren aufs

beste gefördert; ihr dauernder Aufschwung ist durch Gründung

urologischer Gesellschaften und durch Schaffung einer umfangreichen

Literatur in sichere Aussicht gestellt worden. Diese Entwicklung der

Lehre von den Nierenkrankheiten ist natürlich auch den unteren

Harnwegen, den Erkrankungen der Harnleiter, der Blase, der Prostata und

der Harnröhre zugute gekommen. Die bis dahin wenig beachteten

Geschwülste der Harnblase wurden 1884 von _Ernst Küster_ in einer

pathologisch-anatomischen und klinischen Studie eingehend besprochen.

Daran hat sich eine schnelle Entwicklung der operativen Behandlung

geknüpft, in deren Verlaufe die Ausschälung der ganzen Harnblase und die

Auslösung von Prostatageschwülsten glänzende Marksteine des

erfolgreichen Fortschreitens auf dem eingeschlagenen Wege geworden sind. --

* * * * *

Als letzte Sippe dieser Gruppe von Erkrankungen seien die der _Knochen

und Gelenke_ genannt. Allerdings hat ihre Behandlung keineswegs eine so

grundstürzende Veränderung erlitten, als die der vorangehend

besprochenen Leiden; immerhin sind auch hier recht erhebliche

Umformungen zu verzeichnen, die, soweit sie die Pathologie betreffen,

schon früher erwähnt wurden; es erübrigt also nur, der Wandlung der

Behandlung und ihrer Erfolge mit wenigen Worten zu gedenken.

Die Absetzung der Glieder innerhalb der Gelenke oder mit Durchsägung der

Knochen gehört zwar zu den ältesten Operationen, hat aber über 2000

Jahre lang unter den Schwierigkeiten der Blutstillung und unter den

Gefahren der Wundkrankheiten schwer zu leiden gehabt. Die

Unbehilflichkeit gegenüber der Blutung hat jahrhundertelang die

Wundärzte zu höchst grausamen Verfahren, oder zur Absetzung nur am Rande

abgestorbener Gliedteile gezwungen, bis durch _Ambroise Paré_ und den

Italiener _Maggi_ die seit dem Altertum völlig vergessene

Gefäßunterbindung eine Neubelebung erfuhr. In Deutschland wurde durch

_Wilhelm Fabry_ aus Hilden bei Düsseldorf (Fabricius Hildanus) diese

Lehre um die Wende des 16. zum 17. Jahrhundert zuerst auf Amputationen

im lebenden Gewebe übertragen; er machte auch die erste Exartikulation

im Kniegelenke. Die trotzdem sehr zögernde Entwicklung der

Absetzungslehre hat erst seit _Listers_ Wundbehandlung und _Esmarchs_

elastischer Binde einen schnellen und glänzenden Aufschwung genommen. Er

war bedingt durch die Beseitigung der beiden erwähnten Gefahren, womit

die Sterblichkeit nach solchen Eingriffen, eine richtige Anzeige und

fehlerlose Ausführung vorausgesetzt, fast auf den Nullpunkt

herabgedrückt wurde. Hierdurch verschwanden zunächst die lange

fortgeführten Streitigkeiten über den Wert der Exartikulation gegenüber

der Amputation; vielmehr trat der Grundsatz in seine Rechte, den Stumpf

so lang zu erhalten, als Verletzung oder Erkrankung es eben erlaubten.

Ebenso verschwanden die Erörterungen über die beste Absetzungsmethode,

da die beiden, aus anderen Gesichtspunkten erdachten Amputationsformen,

der Ovalär- und der Zirkelschnitt, hinter dem Lappenschnitte

zurücktreten mußten, der für die Anlegung einer Prothese, wenigstens am

Beine, die günstigsten Verhältnisse schuf. So wurde es denn auch

möglich, die Absetzung ohne Gefahr bis unmittelbar an den Stamm

heranzuschieben, oder gar auf diesen noch übergreifen zu lassen. Die

Auslösung des Beines im Hüftgelenke sowie die Auslösung des Armes

zusammen mit dem ganzen Schultergürtel haben dadurch für den Wundarzt

die Schrecken verloren, welche einst mit solchen Eingriffen wegen ihrer

sehr hohen Sterblichkeit verbunden waren.

Endlich sind auch die Operationsmethoden für jeden einzelnen

Gliedabschnitt so vielgestaltig geworden, daß sie sich bequem der

Forderung auf Erhaltung eines möglichst langen und tragfähigen Stumpfes

anpassen lassen. Unter ihnen sind drei, welche vollständig

neue Gesichtspunkte in der operativen Behandlung zur Geltung

brachten, nämlich _Nikolas Pirogoffs_ osteoplastische Amputation

des Unterschenkels (1853), die in der Fußamputation nach

_Wladimirow-Mikulicz_ (1880) und in _August Biers_ plastischer Bildung

eines künstlichen Fußes (1892) eine weitere Ausgestaltung gefunden hat,

_Edmund Roses_ Exartikulation im Hüftgelenke mit kleinen Schnitten und

kleinem Messer (1890), endlich _Ernst Küsters_ osteoplastische

Exartikulation im Fußgelenke (1896) als Ersatz der von _Le Fort_ (Paris)

angegebenen osteoplastischen Amputation. Sie erfüllt das Bestreben der

Erhaltung einer möglichst langen Körperstütze in weitgehendster

Weise. --

Der neueren Zeit gehören die _Ausschneidungen der Gelenke, die

Resektionen_ an, welche auf den Engländer _Charles White_ 1768

zurückgeführt zu werden pflegen, obwohl dieser nachweislich nur das

obere Ende der Oberarmdiaphyse fortgenommen hat. Die Lehre wurde aber

erst bald nach der Mitte des 19. Jahrhunderts durch _Bernhard

v. Langenbeck_ und _Ollier_ (Lyon) mächtig gefördert; insbesondere hat

ersterer für lange Jahre geltende Operationsmethoden ausgebildet, die

freilich bei der damals noch unbekannten Natur der fungös-tuberkulösen

Gelenkerkrankungen manchen Mißerfolg nicht zu hindern vermochten. Die

Gelenkresektionen haben in neuerer Zeit wesentliche Einschränkungen

erfahren, da einerseits Gelenkwunden weniger gefährlich geworden sind,

als sie es vordem waren, und da anderseits die tuberkulösen Gelenke,

welche einst im 8. und 9. Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts im Übermaße

der Operation unterworfen wurden, späterhin durch eine schonendere

Behandlung, insbesondere mit Jodoformeinspritzungen, in großer Zahl zur

Heilung gebracht werden. Dafür haben aber die Gelenkeröffnungen ohne und

mit Knochenverletzung zur Beseitigung krankhafter Vorgänge in der

Gelenkhöhle an Zahl ganz erheblich zugenommen. Die Resektion ist bei

Kapselerkrankungen vielfach auf die Ausschälung der erkrankten

Synovialhaut beschränkt, die Beweglichkeit versteifter Gelenke durch

Einpflanzung von Muskel- oder Fettlappen zwischen die Gelenkenden

gesichert worden.

Außerordentliche Fortschritte hat auch die _Orthopädie_ gemacht. Ihre

Glanzleistung ist die Heilung der angeborenen Hüftgelenkverrenkung, die

um 1890 durch _Hoffa_ zunächst mittels blutiger Operation angestrebt,

später von _Lorenz_ (Wien), seit 1896, durch unblutigen Eingriff zu

einem für viele Fälle ungemein segensreichen Verfahren ausgebildet

wurde. Auch die Verpflanzungen von Muskeln, Sehnen und Nerven zur

Heilung von Lähmungen und Kontrakturen sind zu einer vielgeübten und

sehr heilsamen Methode fortentwickelt worden.

Kapitel XIII.

Neue Eingriffe in bisher unzugängliche Organe.

Die zweite Gruppe umfaßt die Krankheiten solcher Organe und

Organsysteme, welche vordem in noch kaum merkbarer Weise dem

chirurgischen Messer zugänglich gemacht worden waren; die also erst

durch die Antisepsis in den Kreis des chirurgischen Schaffens gezogen

worden sind. Daß freilich die hier vorgenommene Trennung nicht ganz

scharf sein kann, liegt auf der Hand.

Zu ihr gehört vor allen Dingen das Gebiet der _serösen Körperhöhlen_,

von denen die Gelenkhöhlen bereits in der vorigen Gruppe besprochen

worden sind. Unter ihnen steht nach der Häufigkeit und der Wichtigkeit

der an ihr vorzunehmenden Eingriffe die _Bauchhöhle_ im Vordergrunde;

denn erst durch die _Lister_sche Wundbehandlung ist sie in ganzem

Umfange und mit allen von ihr umschlossenen Organen für die operative

Einwirkung frei geworden.

Zahlreiche und zum Teil schwere Verletzungen des Bauches hatten die

Chirurgen schon längst darüber belehrt, daß das Bauchfell keineswegs so

empfindlich sei, als man fast überall anzunehmen pflegte. Auch zeigten

die seit Anfang des vorigen Jahrhunderts sich ausbreitenden Operationen

an Eierstock und Gebärmutter, daß die kunstgerechte Eröffnung des

Bauchfelles zwar gefährlich sei, aber doch in einer ansehnlichen Zahl

von Fällen eine schnelle und dauernde Heilung nicht ausschließe.

Trotzdem waren die Wundärzte noch jahrzehntelang von der Vorstellung

beherrscht, daß die in die Bauchhöhle eintretende Luft als die Ursache

der in ihr sich abspielenden Entzündungs- und Eiterungsvorgänge

anzusehen sei. Diese Vorstellung kam erst zu Fall, als _Georg Wegner_

auf dem V. Kongreß von 1876 die Ergebnisse einer ausgezeichneten

Versuchsreihe an Tieren besprach, aus der hervorging, daß man die

Bauchhöhle von Kaninchen bis zur trommelartigen Auftreibung in

wochen-und monatelang fortgesetzter Wiederholung mit atmosphärischer

Luft füllen könne, ohne die Tiere dadurch an Leben und Gesundheit zu

gefährden. Zugleich wies er nach, daß die Hauptgefahr bei stundenlanger

Eröffnung des Bauchraumes in der starken Wärmestrahlung der vom

Bauchfelle überzogenen Körperteile, in der sehr erheblichen Herabsetzung

der Körperwärme zu suchen sei. Auch machte er auf die unheilvolle

Bedeutung von Flüssigkeitsansammlungen in der Bauchhöhle bei deren

operativer Eröffnung, sowie auf die heilsame Wirkung einer frühzeitigen

Ableitung solcher Ergüsse aufmerksam. _Wegners_ Arbeit ist für die

Chirurgie der Bauchhöhle ein bedeutungsvoller Markstein geworden; denn

wenn auch angelsächsische Frauenärzte schon 15 Jahre zuvor begonnen

hatten, die Gefahren der Abkühlung durch Erwärmung der Operationszimmer

und entsprechende Bekleidung der Kranken, die Flüssigkeitsansammlungen

im Bauche durch Einrichtung einer Ableitung nach der Scheide hin zu

bekämpfen, so hat doch erst _Wegner_ die wissenschaftliche Grundlage für

jene Verfahren geschaffen, die seit 1878 durch den Aufschwung der

Bakteriologie verstärkt und befestigt wurden.

Die Entwicklung der Bauchchirurgie drängt sich in wenige Jahrzehnte

zusammen; ihre geschichtliche Übersicht dürfte daher am klarsten werden,

wenn man sie nicht chronologisch, sondern topographisch betrachtet.

Zu den am frühesten in Angriff genommenen Organen der Bauchhöhle gehört

die _Milz_. Während man sich aber in früheren Zeiten bis zum 16.

Jahrhundert zurück mit der Ausrottung des durch eine Wunde vorgefallenen

Organs begnügte, war der Rostocker Wundarzt _Quittenbaum_ der erste, der

im Jahre 1826 die erkrankte Milz in der Bauchhöhle aufzusuchen wagte.

Ihm folgte 1855 _Küchler_ in Darmstadt; doch verliefen beide Fälle

unglücklich. Die erste glücklich verlaufene Milzausrottung gelang in

demselben Jahre dem Amerikaner _Volney-Dorsay_, dem _Péan_ im Jahre 1867

eine zweite Heilung hinzufügte. Die antiseptische Wundbehandlung hat die

Zahlen glücklicher Heilung außerordentlich vermehrt, zugleich aber die

Anzeigen für die Operation klarer zu stellen und damit deren Sicherheit

ungemein zu erhöhen erlaubt.

Die _Chirurgie der Leber_ hat schon mit der Operation der in diesem

Organe besonders häufigen Ansiedlungen des Hülsenwurms, von dem auf

S. 79 die Rede gewesen ist, ihren Anfang genommen. Seitdem hat auch

dieser Zweig der operativen Betätigung eine wesentliche Ausbreitung

gewonnen, die aber mit den Erkrankungen der Gallenwege und ihrer

Bekämpfung eng verknüpft ist.

Die _Chirurgie der Gallenblase und der Gallengänge_ nimmt ihren Ausgang

von der ersten erfolgreichen Ausrottung einer steinhaltigen Gallenblase,

welche _Karl Langenbuch_, Leiter des Berliner Lazaruskrankenhauses, am

15. Juli 1882 unternahm. Die Versuche freilich mit der erkrankten

Gallenblase sich abzufinden, sind wesentlich älter; doch wagte man vor

dem Eingriffe nur an dem mit der Bauchwand verwachsenen oder zur

Verwachsung gebrachten Hohlorgane und auch nur in Form der einfachen

Eröffnung zur Entleerung der Steine. Den ersten planmäßigen Angriff auf

die verwachsene Blase machte schon der Franzose _Jean Louis Petit_ in

der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts; die erste erfolgreiche

zweizeitige Operation zur Anlegung einer Gallenblasenfistel wurde,

bereits unter dem Schutze der Antisepsis, von _Franz König_ in Göttingen

1882 ausgeführt. Aber erst _Langenbuchs_ Operation gab den Anstoß zu

einem bisher ungeahnten Aufschwunge chirurgischer Behandlung des so

überaus häufigen und gefährlichen Leidens, der freilich in stetem Kampfe

mit den meisten Vertretern der inneren Medizin zustande kam. Seitdem ist

die chirurgische Literatur über Erkrankungen der Gallenwege ungemein

reichhaltig geworden. Die Geschichte der in Betracht kommenden

Operationen wurde insbesondere durch _Courvoisier_ in Basel gefördert,

der als erster _Langenbuchs_ Operation nachmachte. Unter der fast

erdrückenden Zahl von Schriften, welche die Lehre von den

Gallensteinerkrankungen und deren zweckmäßigste Bekämpfung gefördert

haben, mögen nur die Arbeiten von _Werner Körte_ in Berlin und von

_Kehr_ in Halberstadt, später in Berlin, als besonders umfassend und

belehrend hervorgehoben werden.

Unter den Organen der Bauchhöhle, welche erst durch die antiseptische

Behandlung dem wundärztlichen Messer zugänglich gemacht worden sind, ist

zunächst die _Bauchspeicheldrüse_ zu nennen. Von einer Chirurgie des

Pankreas kann erst seit 1883 gesprochen werden, als _Karl Gussenbauer_,

damals in Prag, auf dem XII. Kongreß seinen schönen Vortrag: »Zur

operativen Behandlung der Pankreaszysten« gehalten hatte. Mit großem

Eifer wurde auch dies neue Gebiet sofort in Angriff genommen. Indessen

blieb man bei der Behandlung der Zysten, welche als häufigste

chirurgische Erkrankung in erster Linie die Aufmerksamkeit auf sich

gezogen hatten, keineswegs stehen; vielmehr erfuhren Anatomie und

Physiologie, sowie die gesamte Pathologie des tief verborgenen und doch

so wichtigen Organes sehr erhebliche Förderungen. Als deren

bedeutungsvollste sind seine Beziehungen zur Zuckerruhr und zur

Fettgewebsnekrose anzusehen. In seinem im Jahre 1898 erschienenen und

bisher unübertroffenen Werke: »Die chirurgischen Erkrankungen und

Verletzungen des Pankreas« faßte _Werner Körte_ den damaligen Stand der

Dinge zusammen, der seitdem wohl kleine Verschiebungen und Erweiterungen

erfahren hat, aber doch auch heute noch als maßgebend angesehen werden

muß.

Zu dem zweifellos wichtigsten Abschnitte der Chirurgie der Bauchhöhle

haben sich, schon wegen ihrer außerordentlichen Häufigkeit, die

_Erkrankungen des Magendarmkanals_ entwickelt. Allerdings hatten auch in

vorantiseptischer Zeit die so häufigen Brucheinklemmungen, große

Fremdkörper im Magen, Verwundungen durch Stich und Schuß, ausnahmsweise

auch Neubildungen, die Wundärzte zur Eröffnung der Bauchhöhle gezwungen,

ohne daß, mit Ausnahme der Lehre von den Brüchen, es zu festen

Grundsätzen für die Behandlung des Verdauungskanals gekommen wäre.

Der besseren Übersicht wegen beginnen wir die Besprechung vom Magen an

nach abwärts, obwohl hierbei nicht immer die geschichtliche Reihenfolge

gewahrt werden kann.

Den Anstoß zur Entwicklung der neueren Magendarmchirurgie gab der

geistvolle und ideenreiche Pfarrerssohn der Ostseeinsel Rügen, _Theodor

Billroth_, der auf seiner wissenschaftlichen Wanderung vom Meer zum

Gebirge das letzte Drittel seines fruchtbaren Lebens in dem von

Waldbergen umkränzten herrlichen Wien zubrachte. _Billroth_, der Mann

mit dem vornehmen Kopfe, aus dem kluge und zugleich unendlich gütige

Augen hervorleuchteten, ist wohl als der glanzvollste Vertreter

deutscher Chirurgie in der neueren Medizin anzusehen; denn obwohl er der

_Lister_schen Wundbehandlung jahrelang Widerstand leistete, so war er

doch später einer ihrer besten Förderer. Und mit ihrer Hilfe wußte er

auf allen Gebieten der Wundarzneikunst dem Reichtum seiner Ideen in

einer Weise Geltung zu verschaffen, in der er weder vorher noch nachher

von einem seiner Fachgenossen erreicht worden ist. In Wien hatte er eine

Schar von Schülern um sich gesammelt, die mit feurigem Eifer und

ausgezeichnetem Verständnis sich den umfassenden Gedanken ihres Meisters

anzupassen und deren Umsetzung in chirurgische Taten vorzubereiten

wußte. So schuf er eine Schule, aus der eine erhebliche Zahl

hervorragender Chirurgen Deutschlands und Österreichs hervorgegangen

ist. Zwei derselben, _Karl Gussenbauer_ und _Alexander v. Winiwarter_,

legten durch eine im Februar 1874 begonnene und unter dem Titel: »Die

partielle Magenresektion« im Jahre 1876 veröffentlichte experimentelle

Studie den Grundstein des Gebäudes, welches, zunächst zur Bekämpfung des

Magenkrebses errichtet, inzwischen zu einer großzügigen Magenchirurgie

erweitert worden ist. Genannte Tierversuche erfuhren sofort eine

Ergänzung in _Vinzenz Czernys_ Heidelberger Klinik, dessen Assistent

F. _Kaiser_ mit Erfolg die vollkommene Ausrottung des Hundemagens

unternahm. Daraufhin machten _Péan_ in Paris, 1879, und _Rydygier_ im

westpreußischen Kulm im gleichen Jahre die ersten Resektionen am

menschlichen Magen, die indessen beide unglücklich verliefen. Da trat

_Billroth_ selber auf den Plan. Am 29. Januar 1881 führte er die erste

erfolgreiche Magenresektion am lebenden Menschen aus, der freilich bald

zwei Mißerfolge sich anreihten, wie _Mikulicz_ auf dem X.

Chirurgenkongreß berichten konnte. Aber der Beweis der Möglichkeit einer

Heilung war geliefert und fortan gab es kein Halten mehr auf dem einmal

betretenen Wege. Bald wurde die Operation Gemeingut aller Fachchirurgen;

und wenn auch ihre Endergebnisse, entsprechend der verderblichen Natur

der Krankheit, gegen welche sie sich richtete, noch nicht in jeder

Hinsicht befriedigend sind, so steht doch die Tatsache der Heilbarkeit

eines so entsetzlichen Leidens durch chirurgische Hilfe nunmehr

unerschütterlich fest. Der Ausbau des Verfahrens hat niemals einen

Stillstand erlebt; selbst die Ausrottung des ganzen Magens ist mit

vollem Erfolge versucht und zu Ende geführt worden. Unter den

zahlreichen Methoden aber, welche zur Bekämpfung der verschiedensten

Magenleiden erdacht sind, hat sich die operative Verbindung zwischen

Magen und Darm, die Gastroenterostomie, zu einem wenig gefährlichen, bei

Krebs hinhaltenden, bei nicht krebsigen Erkrankungen meist zu dauernder

Heilung führenden Eingriffe emporgearbeitet.

Geschichte der Neueren Deutschen Chirurgie · 第 13 / 16 段