3. Die Gefangennahme einer kleinen Dänenflotte im Wattenmeer.

An der Westseite Schleswig-Holsteins machte im Dänischen Kriege eine

kleine Küstenflotte unter dem Kapitänleutnant Hammer viel von sich

reden, weil sie die Herrschaft der Dänen auf den Inseln immer noch

aufrechterhielt, obgleich das Festland von den Truppen der Verbündeten

besetzt war.

Sylt, Föhr und Amrum hielten die dänischen Truppen besetzt, auch

wurden die Inseln nach der Seeseite geschützt durch eine Flotte;

die aus sechs Ruderkanonenbooten, zwei kleineren Dampfern und

mehreren Zollkuttern bestand. Durch mancherlei Brandschatzungen

und allerlei Gewalttaten erwarb Hammer sich einen zweifelhaften

Ruhm. Kurz vor dem Waffenstillstande, der den Feindseligkeiten ein

vorläufiges Ende bereiten sollte, erstrebten die Verbündeten die

Besitzergreifung auch dieser Inseln. Die Vertreibung der Dänen

konnten nur Schiffe mit geringem Tiefgange unter Unterstützung

von Landtruppen bewerkstelligen. Um das Entweichen der Dänen zu

verhindern, schlossen die österreichischen Kanonenboote ‚Wall‘ und

‚Seehund‘, sowie die preußischen Boote ‚Basilisk‘ und ‚Blitz‘ an der

Nordspitze der Insel Sylt das Fahrwasser bis zur Reede von List ab.

Unter großen Schwierigkeiten erreichten zwei Kompagnien Österreicher

in kleinen Booten Sylt, das von den Dänen verlassen war. Hammer hatte

seine kleine Kriegsflotte zwischen der Insel Föhr und dem Festlande

zusammengezogen, weil das flache Wasser nördlich von Wyk auf Föhr

dies Beginnen erlaubte und die tiefergehenden Schiffe der Verbündeten

an jener Stelle keinen Angriff wagen konnten. Schon glaubte Hammer

sich seines Erfolges sicher, denn sein Bestreben ging dahin, sich

bis zum Beginn des Waffenstillstandes zu halten. Darum lehnte er

auch die ersten Aufforderungen zur Übergabe kurzweg ab; den späteren

Aufforderungen wollte er nachkommen, wenn ihm die Erlaubnis würde,

seine Kanonenboote in die Luft zu sprengen; im übrigen forderte er

für seine Besatzung freien Abzug auf zwei erbeuteten Dampfern. Die

Verbündeten lehnten diese Forderungen ab und versuchten nun an die

dänischen Fahrzeuge näher heranzukommen. ‚Basilisk‘ verlegte nach wie

vor im Lister Tief den Dänen den Weg. Die drei übrigen Kanonenboote

gingen an der Küste von Sylt entlang, um zwischen Amrum und Sylt das

Fahrwasser aufzusuchen, durch das sie nach Wyk auf Föhr den Weg fanden.

Ihre Bemühungen wurden von Erfolg gekrönt, bis auf eine Meile kamen sie

an Wyk heran.

Von dänischer Seite überbrachte einer der kleinen Dampfer die

Nachricht, daß der dänische Schiffsführer um Einstellung der

Feindseligkeiten bäte, da die Nachricht von dem Waffenstillstande bei

ihm schon eingelaufen sei. Den Verbündeten war von dem Abschlusse

des Waffenstillstandes noch nichts bekannt, daher erhielt das

preußische Kanonenboot ‚Blitz‘, das den geringsten Tiefgang besaß,

mit Jägertruppen und Marinesoldaten besetzt, den Auftrag, sich

während der Nachtzeit der Küste soweit zu nähern, daß den Truppen

eine glückliche Landung möglich sei. Dies geschah. In der frühen

Morgenstunde marschierte das Landungskorps in Wyk ein. Kapitänleutnant

Hammer erhielt die Nachricht, daß die Feindseligkeiten am 18. Juli

morgens um sechs Uhr eröffnet würden, wenn bis dahin eine Bestätigung

des Waffenstillstandes nicht vorläge. Ein glücklicher Umstand brachte

es mit sich, daß ein wegkundiger Lotse das Kanonenboot ‚Blitz‘ noch

näher an den Feind heranbrachte. Von den Verbündeten wurden im Laufe

des Tages einige Zollkutter, eine Brigg und ein Schoner genommen, die

übrigen Schiffe des dänischen Führers zogen sich in nördlicher Richtung

zurück. Am 19. erhielt Hammer eine erneute Aufforderung zur Übergabe.

Auch diesmal lehnte er ab mit der Begründung, sich so lange zu halten,

als es ihm die Vorräte an Lebensmitteln gestatteten. Die Verbündeten

beschlossen nun, auf kleineren Schiffen, die mit Landungsgeschützen

ausgerüstet wurden, einen direkten Angriff zu wagen; zur Ausführung kam

der Plan nicht, da sich der Dänenführer dem preußischen Kanonenboot

‚Blitz‘ ergab. Das preußische Schiff hatte sich in der Nacht noch

dichter an den Feind herangearbeitet und eine günstige Stelle inne, die

es ihm ermöglichte, die leichten Schiffe der Dänen mit seinen gezogenen

Geschützen in Grund zu schießen; dem beugte Hammer vor und ergab sich.

Hundertfünfundachtzig Mann fielen in die Gefangenschaft der Sieger.

Mit ihnen auch die Inseln; die letzten Teile Schleswig-Holsteins waren

damit den Dänen durch diese letzte Waffentat der Verbündeten entrissen.

Am 20. Juli trat der ersehnte Waffenstillstand in Kraft.

[Illustration]

Die deutsche Kriegsflotte im Seekriege 1870/71.

Deutsche Flagge, sei gegrüsst! Friedens- und Kriegsfahrten der Hanse, Kriegs- und Friedenstaten der deutschen Marine · 第 46 / 97 题