Von Professor Hans Petersen.]

Dieser unerwartete Vorgang überraschte die Eingeborenen und trieb sie

zurück, aber bald sammelten sie sich wieder, dazu verstärkte neuer

Zuzug, herbeigerufen durch das Gewehrfeuer, ihre Reihen. Auf dem

Rücken des Küstenabhanges empfing die mutigen Seeleute ein heftiges

Feuer. Auf Anhöhen zur Linken hinter hohen Felsen saßen die Araber in

einer vorzüglich gedeckten Stellung, heftiger Kugelregen bestrich die

Linien der Preußen. Niedriges Gestrüpp, Baumwurzeln und Steingeröll

hinderten ihren Vormarsch. Wohl hatte der rechte Flügel im Vordringen

einen Vorsprung, der ihn bereits bis in die Nähe der Steinhäuser der

Riffbewohner führte, aber der linke Flügel blieb auf seinem schwierigen

Wege weit zurück, so daß sich die Schützenlinie der Angreifer an den

Bergabhängen schräg emporzog. Dadurch wurde die Kraft der kleinen

Schar erheblich geschwächt, während die Zahl der Feinde stetig zunahm.

„Vorwärts! Vorwärts!“ hieß die Parole; der Prinzadmiral ließ sich beim

Angriff nicht aufhalten; an der Spitze der Seinigen stürmte er voran.

Sein Adjutant, Leutnant Niesemann, erhielt einen tödlichen Schuß in

die Brust, aber unaufhaltsam drangen die Angreifer vor. Die Ruhe und

Besonnenheit der Matrosen und Seesoldaten brachten auch den Riffpiraten

große Verluste. Jedoch die Gefahr wuchs. Von drei Seiten erhielt die

kleine Landungsabteilung Feuer. Den linken Flügel überraschten die

Kabylen mit einem Steinhagel. Immer ernster gestaltete sich die Lage,

auch im Rücken der Preußen zeigten sich Feinde, die Miene machten,

die Landungsboote fortzunehmen, um so eine Rückkehr der Preußen nach

dem Schiff zu vereiteln. Trotz aller Tapferkeit der Seeleute mußte

der Rückzug angetreten werden. Über fünfhundert Feinde umringten die

todesmutigen Streiter, in deren Reihen der Tod beim Rückzugsgefechte

sich reiche Beute holte. Der Prinz erhielt einen Schuß durchs Bein.

Zwölf Mann wurden schwer und sechs Mann leicht verwundet, sechs

Matrosen von der Besatzung der ‚Danzig‘ fanden den Heldentod. Trotz

der Ermüdung und der Erschöpfung durch die brennende Hitze gelang es,

die Verwundeten und drei Tote wieder mit an Bord zu nehmen. Über vier

Stunden dauerte das Gefecht. Die ‚Danzig‘ fuhr nach Gibraltar zurück;

dort gab man die Verwundeten am Land in Pflege und bestattete die

Toten. --

Die Anerkennung der Heldentat blieb nicht aus. Ein französischer

Admiral, der den Gefechtsort besichtigte, soll erklärt haben: „Ich

würde dort eine Landung für unmöglich gehalten haben, wenn ich

nicht bestimmt wüßte, daß die Preußen dort gelandet sind!“ Das

Selbstbewußtsein der jungen preußischen Marine wuchs nach jener Tat,

und mit einer gewissen Verlegenheit betrachteten die Diplomaten der

alten Seemächte diesen Vorgang. Im In- und Auslande versagte man der

Tapferkeit der kleinen Schar und der Kaltblütigkeit und der Umsicht des

wackeren Führers die Anerkennung nicht. Prinz Friedrich Karl schrieb

damals dem Prinzen Adalbert: „Der Schmerz der leichten Wunde vergeht

bald, die Ehre derselben und der Ruhm der kühnen Tat bleiben ewig!“

[Illustration]

Die bedeutendsten Ereignisse zur See im Kriege 1864.

Deutsche Flagge, sei gegrüsst! Friedens- und Kriegsfahrten der Hanse, Kriegs- und Friedenstaten der deutschen Marine · 第 40 / 97 题