Dieser unerwartete Vorgang überraschte die Eingeborenen und trieb sie
zurück, aber bald sammelten sie sich wieder, dazu verstärkte neuer
Zuzug, herbeigerufen durch das Gewehrfeuer, ihre Reihen. Auf dem
Rücken des Küstenabhanges empfing die mutigen Seeleute ein heftiges
Feuer. Auf Anhöhen zur Linken hinter hohen Felsen saßen die Araber in
einer vorzüglich gedeckten Stellung, heftiger Kugelregen bestrich die
Linien der Preußen. Niedriges Gestrüpp, Baumwurzeln und Steingeröll
hinderten ihren Vormarsch. Wohl hatte der rechte Flügel im Vordringen
einen Vorsprung, der ihn bereits bis in die Nähe der Steinhäuser der
Riffbewohner führte, aber der linke Flügel blieb auf seinem schwierigen
Wege weit zurück, so daß sich die Schützenlinie der Angreifer an den
Bergabhängen schräg emporzog. Dadurch wurde die Kraft der kleinen
Schar erheblich geschwächt, während die Zahl der Feinde stetig zunahm.
„Vorwärts! Vorwärts!“ hieß die Parole; der Prinzadmiral ließ sich beim
Angriff nicht aufhalten; an der Spitze der Seinigen stürmte er voran.
Sein Adjutant, Leutnant Niesemann, erhielt einen tödlichen Schuß in
die Brust, aber unaufhaltsam drangen die Angreifer vor. Die Ruhe und
Besonnenheit der Matrosen und Seesoldaten brachten auch den Riffpiraten
große Verluste. Jedoch die Gefahr wuchs. Von drei Seiten erhielt die
kleine Landungsabteilung Feuer. Den linken Flügel überraschten die
Kabylen mit einem Steinhagel. Immer ernster gestaltete sich die Lage,
auch im Rücken der Preußen zeigten sich Feinde, die Miene machten,
die Landungsboote fortzunehmen, um so eine Rückkehr der Preußen nach
dem Schiff zu vereiteln. Trotz aller Tapferkeit der Seeleute mußte
der Rückzug angetreten werden. Über fünfhundert Feinde umringten die
todesmutigen Streiter, in deren Reihen der Tod beim Rückzugsgefechte
sich reiche Beute holte. Der Prinz erhielt einen Schuß durchs Bein.
Zwölf Mann wurden schwer und sechs Mann leicht verwundet, sechs
Matrosen von der Besatzung der ‚Danzig‘ fanden den Heldentod. Trotz
der Ermüdung und der Erschöpfung durch die brennende Hitze gelang es,
die Verwundeten und drei Tote wieder mit an Bord zu nehmen. Über vier
Stunden dauerte das Gefecht. Die ‚Danzig‘ fuhr nach Gibraltar zurück;
dort gab man die Verwundeten am Land in Pflege und bestattete die
Toten. --
Die Anerkennung der Heldentat blieb nicht aus. Ein französischer
Admiral, der den Gefechtsort besichtigte, soll erklärt haben: „Ich
würde dort eine Landung für unmöglich gehalten haben, wenn ich
nicht bestimmt wüßte, daß die Preußen dort gelandet sind!“ Das
Selbstbewußtsein der jungen preußischen Marine wuchs nach jener Tat,
und mit einer gewissen Verlegenheit betrachteten die Diplomaten der
alten Seemächte diesen Vorgang. Im In- und Auslande versagte man der
Tapferkeit der kleinen Schar und der Kaltblütigkeit und der Umsicht des
wackeren Führers die Anerkennung nicht. Prinz Friedrich Karl schrieb
damals dem Prinzen Adalbert: „Der Schmerz der leichten Wunde vergeht
bald, die Ehre derselben und der Ruhm der kühnen Tat bleiben ewig!“
[Illustration]
Die bedeutendsten Ereignisse zur See im Kriege 1864.