Von Professor Hans Petersen.]

Dicht rauschte das mächtige Schiff mit den geschwellten Segeln

an die ‚Columba‘ heran, so daß sich die Rahenspitzen berührten.

Eine mächtige Breitseite donnerte vom ‚St. John‘ hinüber und fegte

vom Verdeck des feindlichen Admiralschiffes alles herunter. Für

einen Augenblick stutzten auch die drei anderen Angreifer, sie

ließen vom ‚Mariendrachen‘ ab, und schon glaubte Beneke seinen

Pflegebruder gerächt, da erscholl der Schreckensruf: „Feuer!“ Auf dem

‚Mariendrachen‘ züngelten Flammen empor, die Rauchwolken wurden dichter

und größer. Bald glichen Masten und Segel einem glühenden Feuermeer,

dessen Flammen gierig gen Himmel leckten. Freund und Feind stellten

über dem schaurigen Anblick das Feuern ein und folgten gespannt dem

Schauspiel. Auf einmal ein gewaltiger, mächtiger Donnerschlag! Die

Pulverkammer des ‚Mariendrachen‘ war vom Feuer verzehrt, und die

herumfliegenden Trümmer kündeten, daß das stolze Schiff samt dem Rest

seiner kampffähigen Mannschaft in die Luft geflogen sei.

Für eine Zeitlang herrschte Todesstille, die Kanonen schwiegen bei

Freund und Feind; die Wellen schlossen sich über den zuckenden Leibern

der Gefallenen. Als dann der Wind stärker rauschte und die Rauchwolken,

die sich über den Kampfplatz gelagert hatten, allmählich verschwanden,

da erhob sich lauter Jubel bei den Franzosen, und siegesfreudig

begannen sie von neuem zu kämpfen. Ihr starker Gegner ruhte zertrümmert

am Grunde des Meeres, siegeszuversichtlich stürzten sie sich in den

Kampf, dessen endlicher Sieg ihnen ja werden mußte. Beneke packte

sein alter furchtloser Kampfesmut. Hatte er den Bruder nicht retten

können, so sollte doch dessen Tod gerächt werden, und mächtig erscholl

wieder der Kampfesruf der Danziger „Hie Danzig!“ über den Kampfplatz.

Das dem ‚St. John‘ am nächsten liegende feindliche Schiff erhielt

eine so kräftige Breitseite, daß es sank. Diesen Augenblick benutzten

die beiden letzten Schiffe Eler Bokelmanns, um an den ‚St. John‘

heranzukommen, und vereint fielen die drei Danziger über einige abseits

fahrende französische Schiffe her, die sie nach kurzer Gegenwehr

bezwangen und kampfunfähig machten. Nur noch sieben feindliche Schiffe

standen den Resten der Danziger Flotte gegenüber, die durch die fünf

Schiffe vom Geschwader Benekes eine tüchtige Verstärkung erhielten.

Jetzt war die Siegeszuversicht der Franzosen dahin, sie suchten

ihr Heil in der Flucht. Während die einzelnen Hansenschiffe die

flüchtenden feindlichen Fahrzeuge verfolgten, eilte der ‚St. John‘ der

‚Columba‘ nach und erreichte das feindliche Schiff. Als die Schiffe

aneinanderprallten, sausten die Enterhaken herunter, rasch stürzte

Beneke mit seiner todesmutigen Schar auf das Verdeck der ‚Columba‘.

Ein wütender Nahkampf entstand hier. Der feindliche Anführer fiel unter

Benekes Streichen, aber auch Beneke erhielt einen Stich mit einem

Enterhaken und fiel nieder. Schon begannen die Danziger zu weichen,

da ihr Hauptmann niedersank; aber erneut stürmten sie vor, und der

flüchtende Rest der Franzosen floh unter das Verdeck und bat um Gnade.

Von den siebzehn stolzen Schiffen entkamen drei, die andern fielen in

die Hände der Deutschen oder lagen zerschossen am Grunde des Meeres.

Ein rechter Siegesjubel kam nicht auf, denn auch die Verluste der

Hansen waren große. Der eine Führer war tot, der andere lag todeswund

in seiner Kabine. Lange schwebte der tödlich getroffene Beneke in

Gefahr, aber er genas; den Vertrag mit Eduard IV. hieß der Hansebund

gut, und im März 1471 führte der wiedergenesene Beneke Eduard nach

England und half dem König vierzehn Tage lang gegen seine unbotmäßigen

Untertanen.

Deutsche Flagge, sei gegrüsst! Friedens- und Kriegsfahrten der Hanse, Kriegs- und Friedenstaten der deutschen Marine · 第 32 / 97 题