Dicht rauschte das mächtige Schiff mit den geschwellten Segeln
an die ‚Columba‘ heran, so daß sich die Rahenspitzen berührten.
Eine mächtige Breitseite donnerte vom ‚St. John‘ hinüber und fegte
vom Verdeck des feindlichen Admiralschiffes alles herunter. Für
einen Augenblick stutzten auch die drei anderen Angreifer, sie
ließen vom ‚Mariendrachen‘ ab, und schon glaubte Beneke seinen
Pflegebruder gerächt, da erscholl der Schreckensruf: „Feuer!“ Auf dem
‚Mariendrachen‘ züngelten Flammen empor, die Rauchwolken wurden dichter
und größer. Bald glichen Masten und Segel einem glühenden Feuermeer,
dessen Flammen gierig gen Himmel leckten. Freund und Feind stellten
über dem schaurigen Anblick das Feuern ein und folgten gespannt dem
Schauspiel. Auf einmal ein gewaltiger, mächtiger Donnerschlag! Die
Pulverkammer des ‚Mariendrachen‘ war vom Feuer verzehrt, und die
herumfliegenden Trümmer kündeten, daß das stolze Schiff samt dem Rest
seiner kampffähigen Mannschaft in die Luft geflogen sei.
Für eine Zeitlang herrschte Todesstille, die Kanonen schwiegen bei
Freund und Feind; die Wellen schlossen sich über den zuckenden Leibern
der Gefallenen. Als dann der Wind stärker rauschte und die Rauchwolken,
die sich über den Kampfplatz gelagert hatten, allmählich verschwanden,
da erhob sich lauter Jubel bei den Franzosen, und siegesfreudig
begannen sie von neuem zu kämpfen. Ihr starker Gegner ruhte zertrümmert
am Grunde des Meeres, siegeszuversichtlich stürzten sie sich in den
Kampf, dessen endlicher Sieg ihnen ja werden mußte. Beneke packte
sein alter furchtloser Kampfesmut. Hatte er den Bruder nicht retten
können, so sollte doch dessen Tod gerächt werden, und mächtig erscholl
wieder der Kampfesruf der Danziger „Hie Danzig!“ über den Kampfplatz.
Das dem ‚St. John‘ am nächsten liegende feindliche Schiff erhielt
eine so kräftige Breitseite, daß es sank. Diesen Augenblick benutzten
die beiden letzten Schiffe Eler Bokelmanns, um an den ‚St. John‘
heranzukommen, und vereint fielen die drei Danziger über einige abseits
fahrende französische Schiffe her, die sie nach kurzer Gegenwehr
bezwangen und kampfunfähig machten. Nur noch sieben feindliche Schiffe
standen den Resten der Danziger Flotte gegenüber, die durch die fünf
Schiffe vom Geschwader Benekes eine tüchtige Verstärkung erhielten.
Jetzt war die Siegeszuversicht der Franzosen dahin, sie suchten
ihr Heil in der Flucht. Während die einzelnen Hansenschiffe die
flüchtenden feindlichen Fahrzeuge verfolgten, eilte der ‚St. John‘ der
‚Columba‘ nach und erreichte das feindliche Schiff. Als die Schiffe
aneinanderprallten, sausten die Enterhaken herunter, rasch stürzte
Beneke mit seiner todesmutigen Schar auf das Verdeck der ‚Columba‘.
Ein wütender Nahkampf entstand hier. Der feindliche Anführer fiel unter
Benekes Streichen, aber auch Beneke erhielt einen Stich mit einem
Enterhaken und fiel nieder. Schon begannen die Danziger zu weichen,
da ihr Hauptmann niedersank; aber erneut stürmten sie vor, und der
flüchtende Rest der Franzosen floh unter das Verdeck und bat um Gnade.
Von den siebzehn stolzen Schiffen entkamen drei, die andern fielen in
die Hände der Deutschen oder lagen zerschossen am Grunde des Meeres.
Ein rechter Siegesjubel kam nicht auf, denn auch die Verluste der
Hansen waren große. Der eine Führer war tot, der andere lag todeswund
in seiner Kabine. Lange schwebte der tödlich getroffene Beneke in
Gefahr, aber er genas; den Vertrag mit Eduard IV. hieß der Hansebund
gut, und im März 1471 führte der wiedergenesene Beneke Eduard nach
England und half dem König vierzehn Tage lang gegen seine unbotmäßigen
Untertanen.