Während der Zeit, da Beneke Eduard IV. auf der Flucht nach der
flandrischen Küste verfolgte, versuchte Merten Bardewig mit seiner
Flotte von vier Fahrzeugen den Franzosen zu schaden, denn auch der
französische König Ludwig XI. kämpfte gegen die Hansen, weil sie seinem
Feind, Karl dem Kühnen von Burgund, halfen. Das Beginnen Bardewigs
war nicht ohne Erfolg. Vier Schiffe nahm er den Franzosen. Da es ihm
aber an Munition mangelte, ging er in Calais ans Land, ohne erst nach
Holland zurückzukehren. Es war dies ein gewagtes Unternehmen. Aber
dem alten kampferprobten Bardewig erschien nichts unmöglich. Er wurde
jedoch von den Franzosen erkannt und in einem Auflauf auf offener
Straße erschlagen.
Bei den Hansen entstand darob große Trauer, bei den Franzosen
Zuversicht. In aller Eile rüsteten sie siebzehn Schiffe aus und
schickten sie zum Kampf gegen die Hansen. Einer so großen Übermacht
erlagen die Danziger, sie verloren drei Schiffe, und nur eins
konnte sich retten und die Trauernachricht nach der flandrischen
Küste bringen, wo Eler Bokelmann mit seinem Schiffe kreuzte. Keinen
Augenblick zögerte er, den Tod von Merten Bardewig zu rächen.
Zwei Tage darnach traf Paul Beneke in Zween ein und erfuhr hier,
daß sein Pflegebruder Eler Bokelmann mit fünf Schiffen die starke
französische Flotte angreifen wollte. Sofort setzten Benekes Schiffe
wieder Segel und eilten Eler Bokelmann nach, um ihn vom Kampf
abzuhalten oder ihm doch eine wirksame Unterstützung zu bringen. Als
der neue Morgen graute, kündete weithin hallender Kanonendonner, daß
Eler Bokelmann doch das kühne Wagnis, die Franzosen vor der Maas
anzugreifen, begonnen. Der hinzueilende Beneke erkannte nur zu bald,
daß die Danziger sich in einer sehr schlimmen Lage befanden. Wohl
hatten sie tapfer gefochten, fünf feindliche Schiffe kampfunfähig
gemacht, aber auch von Bokelmanns Schiffen lagen zwei am Grunde
des Meeres. Das gewaltige Übergewicht von zwölf Franzosen gegen
drei Hanseaten ließ keinen Zweifel über den endgültigen Ausgang der
Seeschlacht. Beneke konnte, da der Wind abflaute, nicht so schnell
eingreifen. --
Sein Freund und Kampfgenosse schlug sich mit dem französischen
Admiralschiffe ‚Columba‘ herum. Wüst sah es auf dem Danziger
‚Mariendrachen‘ aus; an der Art des Kampfes sah man deutlich, daß die
Kampfkraft des Danziger Admiralschiffes zu Ende war. Doch auch die
‚Columba‘ wich zurück, und an die Stelle dieses furchtbar zugerichteten
Schiffes traten drei andere französische Schiffe, um von neuem den
Kampf mit dem ‚Mariendrachen‘ zu wagen. Jetzt nahm der Wind wieder
zu, und nun eilte Beneke auf dem schnellsegelnden ‚St. John‘ an den
Kampfplatz.
[Illustration: Sieg der Hanse über die französische Flotte vor der
Maasmündung.