5. Die Gefangennahme von König Eduard IV.

In Danzig hatte der Erfolg Paul Benekes und Eler Bokelmanns große

Freude ausgelöst, der Rat beschloß, ihnen noch acht Schiffe unter

Merten Bardewig nachzusenden, denn es blieb nicht ausgeschlossen, daß

die Engländer von neuem den Kampf gegen die Hansen, insbesondere gegen

die Osterlinge, wieder aufnehmen würden. Die Londoner Kaufleute wollten

den Handel der Fremden auf jeden Fall aus dem Lande verdrängen, und

Eduard IV. mußte sich ihnen fügen, damit sein Thron nicht ins Wanken

geriet.

In aller Heimlichkeit hatten die englischen Kaufleute eine Reihe

Kaperschiffe ausgerüstet zu dem bestimmten Zwecke, den Feind zu Boden

zu werfen. Aber ehe es so weit kam, begann ein Aufstand gegen Eduard,

und die Kaufleute ließen ihn während seiner Kämpfe mit den Adeligen im

Stiche. Der verlassene Monarch rettete sich mit sechshundert Freunden

auf vier Schiffe, um in Flandern bei Karl dem Kühnen eine sichere

Unterkunft zu finden.

Paul Beneke, der mit einem Teil seines Geschwaders an der englischen

Küste kreuzte, erfuhr diese Nachricht durch einen englischen

Kaperkapitän, dessen Schiff er bei Norfolk genommen hatte. Sein Plan,

den König gefangenzunehmen und nur freizugeben, wenn er die Bedingungen

anerkannte, sollte glänzend durchgeführt werden.

Beneke mußte sich beeilen, denn die englischen Schiffe hatten einen

bedeutenden Vorsprung. Durch allerlei glückliche Umstände erreichten

die Danziger Schiffe die Engländer. Als Eduard IV. sah, daß seine

Schiffe verfolgt wurden, versuchte er zu entfliehen. Beneke eilte

mit dem schnellsten der Danziger Schiffe, dem ‚St. John‘, nach, eine

aufregende Jagd begann, Schüsse wurden nicht gewechselt. Im Angesichte

der flandrischen Küste nahte dem englischen König das Verhängnis.

Der Wind nahm sichtlich ab; während die Danziger weiter draußen noch

hinreichenden Wind fanden, um heranzukommen, zwang die Windstille die

Engländer, zu warten.

Als die Danziger herankamen, nahmen sie den König und seine Getreuen

gefangen. Inzwischen fuhr vom Lande her unter burgundischer Flagge ein

Boot heran, das den Grafen von Vere an Bord hatte, der auftragsgemäß

als Küstenadmiral den entflohenen König begrüßen sollte. Sein Erstaunen

wuchs, als er die Gefangennahme erfuhr. Durch Reden und Drohungen

ließ sich Beneke nicht einschüchtern; er blieb dabei, der König sei

auf der See gefangengenommen und die Hoheitsgrenze Flanderns nicht

verletzt. Dann lud er den Grafen ein, mit Eduard IV. an Bord des ‚St.

John‘ zu kommen und dort mit ihm als Vertreter der Hanse zu verhandeln,

gemeinsam wollten sie nach einem Auswege suchen. Der Graf tat’s.

Der flandrische Admiral kam mit dem bedrängten Könige auf Benekes

Schiff; dieser empfing sie höflich und schloß mit ihnen nach langen

Verhandlungen folgenden Vergleich: „Als Vertreter der Hanse führt der

Schiffshauptmann Paul Beneke König Eduard IV. mit vierzehn Schiffen

in sein Reich zurück, sobald die nötige Kriegsmacht beisammen ist.

Zwei Wochen nach der Landung bleibt die Flotte im Dienste des Königs,

Eduard IV., schützt hingegen die Vorrechte der Hansen und duldet keinen

Übergriff der englischen Kaufleute und wehrt außerdem dem drohenden

Kaperkrieg.“

Die Anwesenden unterschrieben diese gemeinsame Vereinbarung, dann

erhielt der König seine Freiheit und wurde unter königlichen Ehren ans

Land geleitet.

Deutsche Flagge, sei gegrüsst! Friedens- und Kriegsfahrten der Hanse, Kriegs- und Friedenstaten der deutschen Marine · 第 30 / 97 题