Von Professor Hans Petersen.]

Noch aber standen vierzehn Dänenschiffe gegen die drei Danziger, denen

der Mut nicht entfiel. Abermals wendeten die Danziger und fuhren

auf den Feind; diesmal bohrten ihre verderbenbringenden Geschosse

eine Dänenkogge in den Grund, und eine andere geriet durch die

geschleuderten glühenden Kugeln in Brand. Solche besorgniserregenden

Verluste machten die Dänen kampfunlustig. Ihr Admiral Hans von

Zinnenberg versuchte im Dunkel der hereinbrechenden Nacht mit dem Rest

seiner Flotte zu entkommen. Kurt Bokelmann gab acht und ließ seinen

Gegner nicht entweichen. Der ‚Mariendrache‘ folgte dem dänischen

Admiralsschiff, auch die beiden Danziger Auslieger nahmen sich je ein

Schiff aufs Korn, hinter denen sie herjagten.

Mit Tagesanbruch begann ein neuer Kampf. Ein Verzweiflungskampf der

Dänen, die voller Todesmut sich den Danziger Donnerbüchsen, die

eine gar gewichtige Sprache redeten, entgegenstellten. Simon Lüblaw

und Merten Bardewig zwangen ihre feindlichen Gegner bald nieder und

veranlaßten sie zum Streichen der Flagge. Ernster und schwerer war

der Kampf der beiden Admiralschiffe. Hans von Zinnenberg kämpfte wie

ein Löwe. Seine Geschütze richteten auf dem ‚Mariendrachen‘ allerlei

Unheil an. Ein Teil des mittleren Mastes wurde zerschossen und kam von

oben herunter, damit Unordnung in das Segelwerk des Hansen bringend.

Bokelmanns Schiff wurde in seinen Bewegungen gehemmt und mußte, sollte

es nicht in die Gewalt der Feinde fallen, einen Gewaltstreich wagen;

mitten im Kampfe fuhr der ‚Mariendrache‘ urplötzlich auf das dänische

Admiralschiff los, um dieses unter Anwendung seines eisenbeschlagenen

Buges in Grund zu bohren. Nur durch den festen Bau des Schiffes konnte

der ‚Mariendrache‘ den Anprall aushalten. Mit voller Kraft fuhr er dem

dänischen Gegner in den Bug, und eine weite, große Öffnung klaffte in

der Bordwand des Dänen, mächtig strömten die Wasserwogen in das so

schwer beschädigte Schiff, doch der Dänenadmiral verlor den Kopf nicht.

Auf seinem Schiffe drohte ihm und seiner Mannschaft der sichere

Untergang, weil unaufhaltsam das Wasser in den Schiffsraum

hineinstürzte, darum konnte er nur gewinnen, wenn er hinüberstürzte auf

die Danziger Kogge. „Folgt mir!“ lautete im Augenblick des Anpralles

sein Befehl. Damit stürzte er mit einem Teil seiner Schar auf den

‚Mariendrachen‘ hinüber. Glücklicherweise brach jetzt der Bugspriet des

Danziger Admiralschiffes ab, und damit kam es frei, und niemand von der

Besatzung des Dänenschiffes konnte dem Admiral noch folgen.

Während sein Schiff versank, stand er allein mit dreißig Mann im Kampfe

gegen Bokelmanns tapfere Schar. Die Enterung war nicht geglückt, aber

Zinnenberg und seine Schar verkauften ihr Leben so teuer wie möglich.

Mutig stürmte er den Seinen voran. Im Handgemenge bedrohte sein kühnes

Schwert Kurt Bokelmann, dem im Augenblick der höchsten Gefahr Paul

Beneke beisprang, der durch einen glücklichen Schwertstreich Hans von

Zinnenberg kampfunfähig machte. Nach diesem kühnen Anschlag, der den

Admiral in die Hände der Osterlinge lieferte, ergab sich auch die

übrige kleine Kämpferschar. Während des Nahkampfes auf dem Verdeck des

‚Mariendrachen‘ ging das dänische Admiralschiff im Meere völlig unter.

[Illustration:

Paul Benekes Sieg über die englische Flotte.

Von Professor Hans Petersen.

]

[Illustration: Danzig im siebzehnten Jahrhundert.]

Die herumschwimmenden letzten Überlebenden, die auf den Wellen mit dem

Tode rangen, wurden von den Danziger Booten aufgenommen und gerettet.

Der Erfolg der Hansen war ein großer. Dreihundert Dänen büßten in der

Schlacht und durch den Untergang des Schiffes ihr Leben ein, die Hansen

hingegen verzeichneten nur zwölf Tote und vierzig Verwundete. Unter

den Toten der Hanseaten war aber einer, der für hundert zählte, Simon

Lüblaw, der tapfere Schiffsführer des Ausliegers. Sein Tod dämpfte die

Siegesfreude der Hansen.

Nachdem auf den Schiffen notdürftig die äußere Ordnung

wiederhergestellt war, eilten sie den übrigen entflohenen Dänenschiffen

nach; auch hierbei blieb ihnen der Erfolg treu; noch vier Fahrzeuge

konnten sie beim Entern nehmen. Die Beschädigungen der Danziger Schiffe

wurden schnellstens ausgebessert, und schon am dritten Tage nach der

Schlacht fuhr Bokelmann unter großem Jubel mit seinen sechs Prisen in

den Danziger Hafen ein.

Glockengeläute begrüßte die heimkehrenden Sieger, die Kanonen auf den

Wällen donnerten einen Willkommengruß, und in öffentlicher Sitzung

erhielt Kurt Bokelmann eine goldene Ehrenkette, und Paul Beneke, der

mutvoll seinem Admiral durch Tapferkeit das Leben gerettet, ehrte eine

öffentliche Anerkennung durch den Mund des Bürgermeisters Niederhoff.

Deutsche Flagge, sei gegrüsst! Friedens- und Kriegsfahrten der Hanse, Kriegs- und Friedenstaten der deutschen Marine · 第 27 / 97 题