Nach einer alten Zeichnung.]

Alle Geschäfte erledigte jeder Insasse nach eigenem Ermessen. Nur

hieß es darauf zu achten, beim Handel die allgemeinen Bestimmungen

zu befolgen. Fröhliche Feste erfreuten und erfrischten auch hier den

hansischen Kaufmann.

[Illustration: London im siebzehnten Jahrhundert.]

Eine besondere festliche Feier hielt alljährlich am 4. Dezember die

Hansen und ihre englischen Gäste zusammen. Ein auserlesenes Festmahl

eröffnete den Reigen, an den dargereichten Leckerbissen erfreuten

sich auch die Gäste aus der Stadt. Bei den Festfeiern der Londoner

fehlten die Hansen ebenfalls nicht, sie erschienen im geschlossenen

Zuge und nahmen als Gesamtheit, als Körperschaft hinter den städtischen

Beamten ihren Platz ein. An solchen Festtagen erstrahlte in den

Abendstunden der Stahlhof im schönsten Glanze. Tausende von Kerzen

und viele brennende Pechtonnen tauchten ihn in ein Lichtmeer, das

dem Kleinbürgertum Londons ein willkommenes Schauspiel bot, und gern

labten sich die Bewohner an freigebig gespendetem Wein und Bier.

Selbst die vornehmeren Bürger nahmen die Ehrengaben, die in Kaviar

oder Hering, Lachs oder gar in barem Gelde bestanden, gern an. Ein

begehrtes Geschenk bildeten ein Paar gute Handschuhe. An der Spitze

der Niederlassung stand wie in den übrigen Kontoren ein Ältermann. In

seinem Regimente unterstützten ihn zwei Besitzer und neun Ratsleute.

Alle Streitigkeiten zwischen den Deutschen schlichtete der Ältermann,

hingegen die zwischen Deutschen und Engländern ein aus Vertretern

beider Nationen zusammengesetztes Gericht; Verbrechen, auf die

Todesstrafe stand, unterstanden dem Urteile königlicher Richter. Der

Stahlhof hatte ein besonderes Wappen seit 1434. Es war ein wagerecht

geteilter Schild, oben weiß, unten rot, der den schwarzen Doppeladler

mit goldenem Schwanz zeigte, um den Hals eine Krone, zwischen den

beiden Köpfen einen Reichsapfel.

[Illustration]

Die Handelswaren der Hansezeit.

In den Jahrhunderten, in denen die Hanse herrschte, haben sowohl die

Waren als auch die Art, in der der Kaufmann seine Waren vertrieb, eine

mannigfache Änderung erfahren. Der Aufstieg des hansischen Handels kam

langsam, der Abstieg schneller; auch der Anteil, den die einzelnen

Hansestädte am Umsatz hatten, war verschiedenartig. Der Handel der

Hansestädte beschäftigte sich sehr stark mit Rohstoffen und ihrer

Herbeischaffung durch die Seefahrt. Ein großer Teil der eingeführten

Rohstoffe wurde entweder im Süden Deutschlands verarbeitet, oder er

ging auf dem Seewege nach Brügge, nach England, ja sogar bis nach

Spanien. Die Tätigkeit des hansischen Kaufmanns bildete nicht etwa

der Frachtverkehr, sondern der Zwischenhandel, in dem er zwischen dem

Verkäufer und dem Abnehmer als selbständiger Kaufmann auftrat. So wie

der Hanse die Rohstoffe verhandelte, schaffte er den flandrischen und

englischen Industrieerzeugnissen und denen des Gewerbes und der Kunst

ein Absatzgebiet. Einen reichen Gewinn zogen die Seestädte aus dem

Frachtverkehr, indem sie ihre Schiffe an den binnenländischen Kaufmann

vermieteten, da dieser der Fahrzeuge zum Fortschaffen seiner Waren

benötigte.

Die Art des Handels war zunächst sehr einfach; im sogenannten

‚Proper-Handel‘, das heißt Eigenhandel, erstand der Kaufmann persönlich

seine Waren, führte sie fort und schloß am anderen Ort den Kaufvertrag

mit dem Käufer ab. Oft kam eine Art Tauschhandel zustande, Ware wurde

gegen Ware vertauscht, und ein hinzugerechneter Aufschlag schuf

den Gewinn. Allmählich kam dann die Entwicklung; sie brachte den

Kommissionshandel auf, die reinen Geldgeschäfte nahmen zu, und die

Zahlungsanweisung, der Wechsel, fand von Italien aus den Weg nach

Deutschland.

Mit dem Wachsen des Handels entstand auch der Großkaufmann. Er zog

Untergebene zur Abwicklung seiner Geschäfte heran. Sie hießen die

‚Lieger‘ und waren berechtigt, eigene Geschäfte abzuschließen, auch

Schulden konnten sie einziehen. Entweder wohnten die Lieger an einem

fremden Platz, oder sie begleiteten die Waren nach ihrem neuen

Bestimmungsort; dort verkauften sie die Sendung und erwarben andere

Handelsartikel. In den hansischen Kontoren des Auslandes galt auch für

sie das Kaufmannsrecht.

Die Verkaufsläden und die Speicher bedienten die Gesellen oder Knechte,

die Verpackung, die Verladung und dergleichen Arbeiten gehörten

ebenfalls zu ihren Aufgaben. Die Kaufmannssöhne aus den vornehmsten

Familien begannen ihre Laufbahn auf der untersten Staffel. Glänzende

und verlockende Kaufläden mit prächtig aufgebauten Waren, die heute die

Städte zieren, kannte das Kaufmannshaus der hansischen Zeit nicht. Die

Vorratsräume in den Speichern, die Bodenräume und die Diele des eigenen

Hauses genügten zur Stapelung der Waren; in einer engen, einfachen

Schreibstube wurden die Handelsgeschäfte abgeschlossen, die Buchführung

und der Schriftwechsel erledigt. An manchen Orten besaßen die Gilden

dafür besondere Häuser. Die Krämer, die Kleinkaufleute der damaligen

Zeit, benutzten Keller, Vorbauten oder Stuben, um von ihnen aus ihre

Handelsgeschäfte im Kleinverkauf zu betreiben.

Die Verpackung der Waren, wie Ballen, Säcke, Fässer usw., wurde

durch besondere Handelsmarken gekennzeichnet, die sich aus geraden

oder krummen Linien zusammensetzten und so zur Kennzeichnung des

Besitzers dienten. Eine solche Marke hatte damals rechtlichen Schutz

und bedeutete für jene Zeit das, was heute die Firma darstellt. Der

hansische Kaufmann brachte seine Marke in den Handelsbriefen an, er

trug sie in seinem Siegelring, den er stets bei sich führte in dem

breiten Gürtel, in dem er auch seine Geldbörse bewahrte.

Höchst mannigfaltig waren die Gegenstände, die der hansische Kaufmann

verhandelte. Alle Reiche der Natur spendeten ihre Gaben. Als

wertvollsten Handelsartikel brachten der Norden und der Osten Pelzwerk,

das in der damaligen Kulturwelt weithin, selbst bis in den Orient seine

Verbreitung gefunden hat. Kostbares Pelzwerk galt als ein Zeichen der

Vornehmheit und des Reichtums. Verordnungen verboten zeitweise den

unteren Volksständen, Pelze und Pelzverbrämungen zu tragen. Als ein

Zeichen der mittelalterlichen Hochschätzung des Pelzwerks sei daran

erinnert, daß der Hermelinmantel noch heute als das Zeichen fürstlicher

Würde gilt. In der Verarbeitung des Pelzwerkes, in der Zubereitung der

Felle, in der Gerberei und der Kürschnerei hatten die Russen eine große

Kunstfertigkeit erlangt. Der Kaufmann mußte streng darauf achten, daß

er nicht übervorteilt wurde; er kaufte aus dem Grunde gern ungegerbte

Ware. Der Hauptstapelplatz für diese wertvollen Handelsartikel war

+Nowgorod+. Unter den Pelzarten fanden den meisten Absatz:

Hermelin und Wiesel, Eichhorn, Bär, Biber, Bisam, Fuchs, Iltis, Luchs,

Marder, Otter, Zobel, kurzum alle die Tiergattungen, die auch heute

ihre Felle zu allerlei Kleidungsstücken und Gebrauchsgegenständen

hergeben müssen. Mit dem größeren Anbau und der Zunahme der Bevölkerung

traten andere Handelsartikel hinzu. Lebendes Vieh und frisches Fleisch,

Handelsgegenstände, die heute große Bedeutung haben, konnten damals

nur in benachbarten Landstrichen verhandelt werden, ein größeres

Absatzgebiet fanden jedoch gedörrtes und gepökeltes Fleisch. Pferde

brachte der Kaufmann von Preußen und Schweden bis nach England.

Andere Erzeugnisse der Tierzucht erfuhren eine vielfache Verwendung.

Rohe und gegerbte Häute, Leder aller Art, Talg, Speck, Butter, Käse

kamen aus Norwegen und Schweden, Dänemark, Rußland und Deutschland.

Ein größeres Absatzgebiet errang sich die Wolle, die vorwiegend in

Flandern und England verarbeitet wurde. Die Hauptreichtumsquelle des

hansischen Kaufmanns bildete aber der Hering. Seine Ausfuhr erstreckte

sich über ganz Europa, und nur wenig geringer war der Handel mit

getrocknetem Fleisch, dem Stockfisch. Hierfür bildete +Bergen+ den

Hauptstapelplatz.

Als große Bezugsquelle für Wachs galt Rußland, wo die ‚Wachsbäume‘,

das sind die Stöcke der Waldbiene, unendliche Mengen erbrachten.

Jene Zeit brauchte viel von diesem Stoff. Ein frommer Gebrauch

des Mittelalters bestand in der Stiftung von Kerzen. Auch in den

Kanzleien der Regierungen benutzte man das Wachs, da den Urkunden

des Mittelalters wächserne Siegel angehängt wurden. In dem Hause der

Reichen und Vermögenden brannte an hohen Festtagen die Wachskerze; für

gewöhnlich begnügte sich jene Zeit mit den Unschlittkerzen und die

ärmeren Volkskreise mit der Tranlampe, die qualmend an der Wand hing.

Das Wachs kam geschmolzen, aber ungereinigt in großen Blöcken in den

Handel. Auf den Kontoren prüften besondere Kenner die Qualität, um

Fälschungsversuchen vorzubeugen. Den Gefährten des Wachses, den Honig,

kaufte man sehr gern, denn er bedeutete für jene Zeit viel, weil der

Zucker noch teuer und sehr selten war.

In den Tagen der Hanse bildete das Getreide gleichfalls einen

willkommenen Handelsartikel. Norddeutschland gab Roggen und Weizen in

größerer Menge ab, Rußland lieferte damals noch nichts zur Ausfuhr.

Die nordischen Reiche und auch England waren im Mittelalter von der

Zufuhr des deutschen Brotgetreides durchaus abhängig. Die Preise der

Getreidearten schwankten viel mehr als heute, weil der verschiedene

Ausfall der Ernte dies verursachte. Der Hanse handelte ferner mit Malz,

Mehl, Zwiebeln, Thymian und Grütze, die letztere nahm den Weg bis nach

Spanien. Einen sehr gewinnbringenden Erwerb bot die Brauerei, in der

damals Deutschland nicht übertroffen wurde. Die Bedeutung des Biers

war größer als heute, weil Bier in jenen Tagen als ein Nahrungsmittel

galt und heute nur ein Genußmittel darstellt. Es gab unzählige Arten

dieses Getränkes; fast jede Stadt hatte ihre besonderen Biersorten.

Manche waren dünn und leicht, andere dickflüssig und schwerer. Erwähnt

sei hier eine früher gebräuchliche eigentümliche Bierprobe; nachdem das

Bier auf einen Schemel gegossen war, mußte sich ein Mann mit seiner

Lederhose daraufsetzen. Wenn er sich nach einiger Zeit von seinem

Sitze erhob, mußte der Schemel festkleben als Zeichen für die Güte des

Bieres. Schon damals besaß das deutsche Bier Weltruf, selbst in den

Zeiten von Handelssperren machte man mit diesem Stoff eine Ausnahme.

Unter den Artikeln des Nordens müssen der Flachs, der aus Rußland

und Skandinavien kam, ferner Hanf und Werg genannt werden, auch der

Holzhandel war sehr lebhaft. Alle Länder um die Ostsee gaben Holz in

reicher Menge ab, dazu lieferten sie den für den Holzschiffbau jener

Zeit unentbehrlichen Teer. Einen bedeutenden Reichtum erwarb sich

der deutsche Orden durch den Handel mit Bernstein, der sich einer

besonderen Wertschätzung erfreute und seinen Weg bis in das Morgenland

hinein nahm.

In der menschlichen Nahrung ist das Salz ein notwendiger und

unentbehrlicher Bestandteil; blutige Kriege um die Salzquellen wurden

in den ältesten germanischen Zeiten geführt. Gerade wegen ihres

geringen Salzgehaltes eignete die Ostsee sich nicht zur Gewinnung des

Salzes, und da der bergmännische Abbau von mineralischem Salz damals

noch nicht üblich war, blieb man auf das durch Quellen aus der Erde

kommende Salz angewiesen.

Unter den Salzstätten Deutschlands aus den Tagen der Hanse hatte

Lüneburg die bedeutsamste Stellung inne. Gerade der Vorort der Hanse,

Lübeck, stand mit Lüneburg seit der Mitte des 14. Jahrhunderts durch

einen bequemen Wasserweg, den Elbe und Trave verbindenden alten

Stecknitzkanal, in Verbindung. Dieses binnenländische Erzeugnis wurde

von Lübeck über See ausgeführt und hieß ‚Travesalz‘, im Gegensatz zu

dem ‚Baiensalz‘, das von einer kleinen Bucht südlich von der Loire

in größerer Menge durch zahlreiche Flotten, den ‚Baienflotten‘,

über die See geschafft wurde. Auch den Handel mit Erzen kannte man

in der hansischen Zeit. Schweden lieferte eine ganze Menge; schon

damals befanden sich viele Eisengruben in lübeckischem Besitz. Andere

Metallarten und Mineralien, die Gegenstand des hansischen Handels

waren, sind: Kupfer, Blei, Schwefel, Arsenik, Zinnober, Alaun, Borax;

auch ungemünztes Gold und Silber in Barren wurde ausgeführt. Als

Ballast führten die Schiffe gute, zum Bauen geeignete Steinarten mit,

Schweden lieferte Granit, Bornholm den hochwillkommenen Kalkstein.

An die Produkte des Nordens reihten sich die aus dem Westen und Süden

Europas als Gegenstände des umfangreichen Handels der Hanse. Den ersten

Platz nahmen die verschiedensten Weinarten ein; unter ihnen stand als

wertgeschätzteste Sorte der Rheinwein an der Spitze. Jene Zeit liebte

es auch, die Speisen kräftig zu würzen, weniger um den Geschmack zu

beeinflussen, als um damit zu prunken. Der Hauptmarktplatz für die

Gewürze war Brügge. Aus Italien, Südfrankreich und Spanien kam das

feine Olivenöl in länglich spitzen Fässern, den Pipen. Es würde ein

umfangreiches Verzeichnis geben, sollte alles aufgezählt werden, was

die Warenpäcke aus dem Süden und Westen enthielten: Kastanien, Feigen,

Datteln, Rosinen, Mandeln, Reis, Orangen, Granatäpfel, alles Dinge,

die noch heute unser Herz erfreuen; auch die damalige Zeit genoß sie

gern. Aus der Reihe der Gewürze und Heilmittel seien erwähnt: Zucker,

Senf, Pfeffer, Nelken, Muskat, Safran, Zimt, Anis, Kampfer, Rhabarber,

Wurmkraut, Kardamom, Mandelmilch. Zum Gottesdienste benötigte man des

Weihrauchs, zur Färberei des Indigos.

Kostbare Waren aus dem Orient und dem Süden überbrachte der Kaufmann

nach dem Norden: seidene Gewänder und seidene Stoffe, Perlen und

Edelsteine, mit Perlen und Edelsteinen verzierte Geschmeide, ferner

fanden auch Rohbaumwolle aus Syrien und Kattungewebe ihren Absatz im

Norden.

Nicht nur die Roherzeugnisse der Tier-, Pflanzen- und Mineralwelt des

eigenen Landes wie der fremden Zonen, sondern auch das, was die Kunst

und das Handwerk hervorbrachten, füllte den weiten Bauch der hansischen

Schiffe.

Am meisten lieferte die Weberei. Von ihr muß wieder die Tuchweberei

erwähnt werden, da gerade sie in verschiedenen Orten und Provinzen

besonders gute Stoffe hervorbrachte. Bis in das 16. Jahrhundert

hinein lieferten die Flamländer die besten Tuche, die sich durch

ihre Farbenfreudigkeit wie auch durch die Feinheit ihrer Gespinste

auszeichneten. Jede Stadt in Flandern und im nördlichen Frankreich

stellte ihre besonderen Arten her, die im Handel sorgfältig durch

mannigfache Bezeichnungen unterschieden wurden.

Am deutschen Niederrhein blühte die Tuchweberei in Köln und

seiner Umgebung; dort arbeitete man besonders schwarze Tuche für

Priestergewänder.

Als England begann, seine Wolle selbst zu verweben, kamen von dorther

englische Laken. Tuch war der Handelsgegenstand, der in allen

nordischen Ländern gleich unentbehrlich war und gleich willkommen

geheißen wurde. In den Handel kam es je nach dem Ursprungslande in

Stücken von verschiedener Länge. Die Tuchstücke trugen Bleisiegel,

die ihnen nach der Schau angeheftet wurden und ihre Güte und

Gleichmäßigkeit bewiesen. Aus Flandern kamen neben kostbaren

Teppichen, die man in vornehmen Häusern zum Verzieren der Wände

benutzte, Decken mit allerlei Schmuck.

Leinwand führten die hansischen Kaufleute wohl zeitweise ein, meistens

jedoch kam das in Deutschland erzeugte Leinen zur Ausfuhr. Nachdem

es Sitte geworden war, das weiße Linnen als Stolz der Hausfrau zu

betrachten, entstand die Kunstweberei. Fleißige Frauenhände schmückten

das Linnen mit allerlei bunten Stickereien, für die der Handel das Garn

feilbot.

Da Handwerk und Industrie in den nordischen Ländern und anfänglich auch

in England sehr wenig sich entwickelten, bildeten die Gegenstände des

täglichen Lebens einen umfangreichen Teil des Warenverkehrs zur Zeit

der Hanse. Daraus zogen die einheimische wie fremde Gewerbtätigkeit

ihren Vorteil. Was auch nur gefordert wurde, immer wußte der Kaufmann

Nutzen daraus zu ziehen und seinen Kunden darzubieten: Hosen, Hüte und

Mützen, Schuhe aus Leder und Kork, Stiefel, Gürtel und Beutel, Säcke,

Seife, allerlei Glassachen, Perlen, verschiedene Hausgeräte aus Eisen,

Messing und Zinn, wie z. B. Äxte, Türschlösser, Messer, Schlüssel,

Nägel, Draht, Nadeln, Spielwaren; nicht zu vergessen die Waffen und

die Panzer, die Schätze des vornehmen Hauses, der Kirchen und Klöster,

hergestellt aus kostbarem Edelmetall, Pergament und Papier, Rosenkränze

und Bilder, ganze Altäre, Glocken und geschriebene Gebetbücher.

Beim hansischen Kaufmann standen die Bedarfsgegenstände des täglichen

Lebens, die Genußmittel und der Schmuck für das Haus und für die

Kleidung zum Verkauf. Er vermittelte den Austausch der Waren zwischen

Nord und Süd, zwischen Ost und West, und sein geschäftskundiger Blick,

vereint mit der notwendigen politischen Einsicht und dem Willen, die

See zu beherrschen, schuf jenen vergangenen glänzenden Abschnitt in der

Geschichte des deutschen Handels -- die Zeit der Hanse.

[Illustration]

Der Hauptmann von Wismar.

Im Jahre 1394 im Winter kam die Nachricht an die Fürsten von

Mecklenburg, daß Stockholm hart von den Dänen belagert werde und die

Bürger allda großen Hunger litten; wenn sie nicht bald entsetzt würden,

müßten sie aus Not die Stadt übergeben. Um das zu verhindern, wurden

in dem Wismarschen Tief acht große Schiffe zugerüstet; diese wurden

mit Korn, Mehl und anderen Lebensmitteln beladen und mit kühnen Helden

besetzt, den Holm zu befreien. Es war aber mitten im Winter, da diese

Schiffe ausliefen; sie hatten einen Hauptmann mit Namen Meister Hugo.

Die Dänen hatten auch einen Haufen Schiffe in der See, um der Seeräuber

willen, die dem Reiche Schaden tun wollten.

Es begab sich nun, daß plötzlich ein gar starker Frost eintrat, daß

die Schiffe in der See einfroren und nirgends hinkommen konnten.

Als nun der Hauptmann der Wismarschen sah, daß der Frost so heftig

überhandnahm, sprach er zu den andern Schiffern und Kriegsleuten

also: „Liebe Gesellen, ihr seht, daß wir hier eingefroren liegen und

nicht hoffen dürfen, daß das Wetter so bald umschlagen wird; auch

wißt ihr, daß der Dänen Schiffe auch in der See sind. Darum weiß ich

gewiß, wenn dieser Frost bleibt, so werden sie uns anfallen und sich

mit uns versuchen; sie haben aber alsdann den großen Vorteil, daß sie

sich aus ihrem Lande verstärken können, so viel sie wollen. Deshalb

ist es besser, wir sehen uns vor. Wollt ihr nun meinen Rat hören, so

wollen wir unsere Schiffe so verwahren, daß wir sie vor den Dänen wohl

behalten, wiewohl es Arbeit kosten wird; dennoch, weil es so kalt ist,

so ist es besser, daß wir etwas zu tun haben, als daß wir zu Tode

frieren. Sehet da,“ sprach er, „am Lande steht viel Holz; da wollen wir

Leute hinsenden, die sollen lange und große Bäume hauen und auf dem

Eise mit geringer Arbeit an die Schiffe schaffen; die wollen wir auf

beiden Seiten der Schiffe hinlegen und mit Wasser begießen, das bald

zufrieren und unsern Schiffen einen Wall und ein Bollwerk geben wird.

Laßt dann die Dänen kommen, so wollen wir ihrer warten!“

Dieser Rat gefiel den andern allen wohl. Sie holten die Bäume,

schichteten sie bei den Schiffen auf und begossen sie mit Wasser, und

es ward also ein gläserner Wall. Diese Arbeit war kaum vollbracht, da

kamen die Dänen in Haufen übers Eis und vermeinten, die Schiffe zu

erobern; aber wiewohl der Dänen wohl vier waren auf einen Wismarschen,

mußten sie doch mit großem Schaden davonziehen und die Schiffe bleiben

lassen. Dies verdroß die Dänen über die Maßen, und sie dachten darüber

nach, wie man den Schiffen doch Schaden zufügen könnte. Weil sie

gesehen hatten, daß sie vor dem Bollwerk die Schiffe nicht beschießen

konnten, wollten sie ein Kriegsgerät herrichten, das man eine Katze

nennt, und liefen ins Holz, wo die Wismarschen die Bäume gehauen

hatten. Der Hauptmann von Wismar, Meister Hugo, erkannte bald ihre

Anschläge und ließ in der Nacht um die Schiffe große Waken hauen, und

die Eisschollen ließ er niederdrücken. Nicht lange danach kamen die

Dänen mit ihrem Volke und merkten nicht, daß die Wismarschen geeist

hatten, denn es war oben wieder zugefroren -- und kamen mit großem

Ungestüm und mit Hast und meinten nun, die Schiffe zu gewinnen, denn es

verdroß sie, daß sie vormals mit Schande hatten zurückweichen müssen.

Aber es ist ein altes Sprichwort: Große Hast gibt oft guten Spott. Also

ging es den Dänen diesmal auch, denn sie fielen haufenweise ins Wasser,

und der eine drängte dem andern nach, also daß viele Hunderte der Dänen

den Tag ertranken. Zu diesem Schaden mußten die armen Dänen noch großen

Spott dazu haben, denn als die Dänen so ertranken, riefen die auf den

Schiffen: „Kaiz, Kaiz, Kaiz!“ So pflegt man zu rufen, wenn man die

Katzen jagt.

So erhielten die Wismarschen ihre acht Schiffe, beides durch List und

Gewalt, bis Gott ein anderes Wetter gab, daß das Eis verging; da liefen

sie nach dem Holm und entsetzten die Stadt.

Reimar Kock,

(altlübischer Lesemeister).

[Illustration]

Klaus Störtebeker und seine Raubgesellen.

Nach dem Tode des Königs Hakon von Norwegen regierte über Dänemark

und Norwegen die umsichtige Königin Margarete, die die Vormundschaft

für ihren Sohn Elaf bis zum Jahre 1387 innehatte und dann selbst

zur Regierung kam, da in diesem Jahre das Fürstenkind starb. Die

Herrschaft über Norwegen machte ihr König Albrecht von Schweden

streitig; in den sich zwischen den beiden entspinnenden kriegerischen

Auseinandersetzungen wurden am 24. Februar 1389 die schwedischen

Truppen besiegt, dazu fiel König Albrecht in die Hände seiner Gegnerin

und Besiegerin, die ihn im Gefängnis grausam foltern ließ. Um Schwedens

Hauptstadt lagerte sich das siegreiche Heer. Die Hanse beteiligte sich

als Verband nicht an den Kämpfen, nur die unter mecklenburgischer

Schutzherrschaft stehenden Ostseestädte Rostock und Wismar ergriffen

für den gefangenen Schwedenkönig Partei: für sie handelte es sich

darum, Stockholm mit Lebensmitteln zu versehen, zu befreien und der

mächtigen Königin Schaden zuzufügen, um die Freigabe des Gefangenen zu

erreichen.

Der Rat der beiden Städte gab zu dem Zwecke ‚Stehlbriefe‘[7] aus, durch

die die Freibeuter im Ost- und Nordseegebiet berechtigt wurden, auf

eigene Faust gegen die Schiffe der nordischen Reiche zu ‚abenteuern‘,

das heißt, sie konnten rauben und plündern nach Herzenslust, wo

sich ihnen Gelegenheit dazu bot. Rostock und Wismar öffneten ihnen

jederzeit ihre Häfen und gaben ihnen somit die Möglichkeit, die

erbeuteten Warenmengen zu lagern oder zu verkaufen. Die verwegenen

Raubgesellen unter der Führung deutscher, dänischer und schwedischer

Edelleute ließen sich diese günstige Gelegenheit nicht entgehen. In

großen Scharen strömten sie in den beiden Städten zusammen, so daß

selbst ein alter Chronist der damaligen Zeit schrieb: „Es steht nicht

zu beschreiben, was des losen und bösen Volks zu Hauf lief aus allen

Landen.“

Als Aufgabe der Plünderer und Seeräuber galt, das belagerte Stockholm

von der Seeseite aus mit allerlei Lebensmitteln zu versorgen; ferner

besaßen sie das Recht, die Länder der siegreichen Königin, Dänemark

und Norwegen, mit Raub und Plünderung zu überziehen, damit Margarete

durch die Bedrängnisse genötigt wurde, die eigenen Lande zu schützen

und Stockholm freizugeben.

Die Raubgesellen, die auch die Bezeichnung ‚Likendeeler‘ führten,

weil sie die Beute gleichmäßig unter sich verteilten, führten als

Losungswort: „Gottes Freund und aller Welt Feind.“ Mit Raub, Mord

und Brand erreichten sie dies Ziel. Die Kaperschiffe der Likendeeler

brachten viele Dänenschiffe auf. Gelegentlich versuchten sie ihre Kraft

an den neutralen Handelsschiffen der Hanse. Auch diese Beute gaben

jene Störenfriede der Seefahrt nicht wieder heraus. Andere unter den

Seeräubern richteten sich genau nach ihren Abmachungen. Die Geschichte

erzählt uns, daß zwei der Hauptleute der Likendeeler zum Seelenheil des

Königs Albrecht und auch des ihrigen der Kirche zu Stockholm eine Messe

stifteten. Der weitaus größte Teil der Räuber achtete jedoch weder

Recht noch Verträge. Bei ihnen galten Raub, Plünderung und der eigene

Vorteil. Von ihren Verstecken aus überfielen sie die Kauffahrer; wer

von den unglücklichen Besatzungen sich ihnen nicht anschloß, wurde zu

Tode gemartert und ertränkt.

Einen festen Stützpunkt schufen sich die Seeräuber in Wisby auf

Gotland, dort errichteten sie sich feste Türme und Schlösser, fanden

Lagerplätze und leichte Abnahme ihrer Beute in Wisby, und einen

ruhigen, unbehinderten Winteraufenthalt. Ihre Räubereien, die durch die

ständig wachsenden Scharen neuen großen Umfang annahmen und sie fast zu

unumschränkten Herren der Ostsee machten, hoben den Handelsverkehr fast

auf.

Die so bedeutende Schiffahrt nach Schonen, wie auch der Heringsfang

mußten drei Jahre lang unterbrochen werden, in den Städten herrschte

Teuerung und eine aufgeregte Stimmung der Bevölkerung. Der Rat von

Lübeck ordnete an, daß hinfort nur bewaffnete Kauffahrer in Gruppen von

mindestens zehn Schiffen die See befahren durften.

Auf die Piraten übte die Verordnung jedoch eine andere Wirkung. Die

wenigen Schiffe, die jetzt noch die Ostsee befuhren, versprachen nur

geringe Beute, sie warfen sich deshalb auf die Küsten von Dänemark und

Norwegen, eroberten, plünderten und verheerten die Insel Moen und die

reiche Stadt Bergen. Ein Teil fuhr nach Livland und Esthland, wo sie,

zweitausend Mann stark, die Bewohner schrecklich plagten.

Vergebens suchten die übrigen Hansen auf Rostock und Wismar

einzuwirken, den Streit mit Margarete, der so schwere Folgen nach sich

zog, zu beenden, und vergebens waren die Mahnungen des Hochmeisters

des Deutschen Ordens im Namen seiner Städte. Jene weigerten sich,

solange die Königin nicht Albrecht aus der Gefangenschaft entließ, und

ebensowenig trug diese den Vorschlägen Lübecks Rechnung.

Es blieb nichts anderes übrig, als die Schiffahrt einzustellen, sodann

mußte eine starke Flotte ausgerüstet werden, um die gefährlichen

Piraten auszurotten. Nach einigen vergeblichen Tagefahrten kam endlich

auch ein Beschluß der Hanse zustande.

Der mit Beginn der Schiffahrt ausgesandten Kriegsflotte der Hanse

gelang es, die Ostsee soweit zu ‚befrieden‘, daß für dies Jahr die

Seefahrt für den Hansen leidlich gesichert war.

Auf Margarete machten die wiederholten, drohenden Klagen der Hanse

endlich Eindruck, und sie hielt es für geraten, die offene Gegnerschaft

der Hanse nicht herauszufordern, um ihren Thron nicht aufs Spiel zu

setzen.

[Illustration: Bildnis Klaus Störtebekers.

Deutsche Flagge, sei gegrüsst! Friedens- und Kriegsfahrten der Hanse, Kriegs- und Friedenstaten der deutschen Marine · 第 19 / 97 题