4. Der Stahlhof in London.

Oberhalb von der Londoner Brücke lag, von engen Straßen begrenzt,

festungsartig mit hohen Mauern umgeben, der +Stahlhof+, das

Kontor der Hansen in London. Die starken Mauern, die ihn umgaben,

waren nicht umsonst so dick, denn mehrmals boten gerade sie den

Insassen vor den Angriffen des Pöbels Schutz. Diese Niederlassung

erhielt in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts ihre Bezeichnung von

der größten Halle der Anlage, in der die Tücher, die von Köln kamen,

‚gestalt‘, das heißt geprüft wurden. Im 16. Jahrhundert führten von dem

mehrstöckigen Gebäude drei Steintüren nach der Straße; zwei von diesen

waren vermauert, die mittelste aber stets streng bewacht. Lateinische

Inschriften zierten den Eingang. Sie hießen: „Fröhlich ist dieses Haus

und stets mit Gutem gefüllet, hier sind Friede, hier Ruhe und immer

ehrbare Freude“. Eine andere lautete: „Gold ist der Vater anmutigen

Glücks und der Sprößling des Schmerzes; es zu entbehren ist hart, es zu

besitzen bringt Furcht.“ Eine dritte besagte: „Wer sich weigert, dem

Guten zu gehorchen, vermeidet den Rauch, aber fällt in die Flammen!“

Die Versammlungen und die festlichen Veranstaltungen der Hansen fanden

in der Halle statt. Ein reiches Geschirr zierte die Tafeln, an den

Wänden prangten zwei Gemälde von Hans Holbein: ‚Triumph des Reichtums‘

und ‚Triumph der Armut‘. Von den übrigen zahlreichen Baulichkeiten,

den Wohnungen, Kaufräumen und den Warenhäusern wurde das rheinische

Weinhaus von der vornehmen Einwohnerschaft Londons gern und viel

besucht. Allerlei Leckerbissen, unter anderem Kaviar und geräucherte

Zunge, bildeten hier eine willkommene Zugabe zum Wein. Ein benachbarter

Garten, in dem Obstbäume und Weinreben sich fanden, gewährte im Sommer

angenehmen Aufenthalt und bot Platz für allerlei Spiele. Auch auf dem

Stahlhofe zu London herrschte strenge Zucht und Ordnung; dort verboten

die Statuten, die aus dem Jahre 1320 stammten, den Frauen den Zutritt.

Nach strenger Sitte hatte auch hier jeder seinen festen Platz inne.

Meister und Gesellen saßen stets gesondert voneinander bei Tisch.

Die Trunkenheit, das Würfelspiel und die Unsittlichkeit wurden nicht

geduldet; wer sich gegen die festgesetzten Sittenregeln verging, mußte

schwere Bußen erlegen. Pünktlich um neun Uhr schloß man das Tor. Alle

Bewohner des Stahlhofes mußten Wehr und Waffen tragen, nicht nur zum

eigenen Schutz, sondern auch zur Verteidigung der Stadtmauern, denn im

Falle eines Krieges lag den Insassen des Stahlhofes die Pflicht ob, ein

besonderes Tor zu verteidigen.

[Illustration: Der Stahlhof in London.

Deutsche Flagge, sei gegrüsst! Friedens- und Kriegsfahrten der Hanse, Kriegs- und Friedenstaten der deutschen Marine · 第 18 / 97 题