2. Bergen.

Unter günstigeren Verhältnissen als in Rußland lebte der hansische

Kaufmann in Norwegen, nachdem er dort Herr des Handels geworden war.

Kleinere Kaufhöfe bestanden in Tönsberg und Oslo, die Rostock benutzte.

Eine größere Bedeutung erhielt das Kontor zu Bergen, das an einer

geschützten Meeresbucht liegt.

[Illustration: Die deutsche Brücke in Bergen.]

Schon seit dem 13. Jahrhundert zog es die deutschen Kaufleute und

Handwerker an; diese führten die Bezeichnung ‚Schuster‘, so genannt,

weil jene ihre stärkste Gilde bildeten. Sie hielten sich allezeit

im Glück und im Unglück zu den Hansen. Dadurch, daß eine Anzahl von

Kaufleuten während der langen Winterzeit in Bergen blieb und daselbst

für den Aufenthalt Häuser erwarb, wurde der Grund gelegt zu dem

hansischen Kontor, von dem um die Mitte des 14. Jahrhunderts zuerst

in der Geschichte berichtet wird; nach 1429 kam diese Niederlassung

erst zur vollen Blüte. Der Teil des Gestades, an dem die alten

Baulichkeiten standen, führte die Bezeichnung: ‚Die deutsche Brücke‘.

Sie lag am Ende der Meeresbucht Vaagen so günstig, daß die Schiffe

dicht an den Landungsbrücken anlegen konnten und hier mit Hilfe von

hohen beweglichen Kranen sehr leicht ihre Warenballen löschten. In

einer Reihe lagen dreißig Häuser; sie führten die Bezeichnung Garde

oder Garten; aus rohen Balken hergestellt, waren sie meist dreistöckig,

hatten zwar eine schmale Vorderseite, aber eine große Tiefe, außerdem

standen sie dicht nebeneinander. In ihnen lebten Kaufleute und

Kaufmannsgesellen, Bootsjungen und Dienstleute zu besonderen Familien

abgeteilt unter Aufsicht der ‚Hausbonden‘ in engen, niedrigen

Stuben. Im Hintergrunde der Gebäude lag der ‚Schütting‘, ein langer,

viereckiger Raum, ohne jeden Schmuck, mit nur wenigen kleinen

Fensteröffnungen. In ihm versammelten sich während der Winterzeit um

die lodernden Holzfeuer die Hausgenossenschaften. Eine Luke im Dach

ließ den Rauch von dem Feuer abziehen. An den Wänden herum standen

Bänke. Jeder Bewohner hatte seinen bestimmten Platz und über diesem

in einem Schränkchen sein Eß- und Tischgerät. Die Zubereitung der

Speisen geschah in einem besonderen Küchenraume, der ‚Elthaus‘ hieß,

dort befand sich auch der Brunnen. Die Speisen wurden durch ein

Schiebefenster von der Küche in den Schütting hineingereicht. Hinter

den Gebäuden lag ein kleiner Garten, der die nötigen Küchengewächse

lieferte. In jedem dieser Häuser wohnten etwa hundert Mann, insgesamt

also dreitausend; während der Zeit des Sommerverkehrs vergrößerte sich

die Zahl natürlich erheblich. In den Räumlichkeiten herrschte keine

gute Luft, weil die Bewohner dicht zusammengepfercht hier hausten

und die umliegenden Gebäude nur wenig Licht und Luft hereinließen.

Der Geruch der getrockneten Fische, der Qualm und der Dunst von den

Feuerstätten machten den Aufenthalt nicht angenehmer.

[Illustration: Bergen zur Zeit der Hanse (16. Jahrhundert).]

Im Kontor zu Bergen herrschte gleichfalls eine strenge Zucht; niemand

durfte verheiratet sein, dazu war den Frauen der Aufenthalt in der

‚deutschen Brücke‘ verboten. Man pflegte auch keinen freundschaftlichen

Verkehr mit den Norwegern; wer eine Norwegerin heiratete, verlor sein

deutsches Recht. Den Tag verbrachten alle in angestrengter Arbeit,

und der Abend bot bei einem fröhlichen Umtrunk die Entschädigung,

bis die festgesetzte frühe Stunde alle in die dumpfe Stube zwang.

Für Beratungen, als Sammelplatz für die Börse und auch als Amtshaus

benutzten die Hansen das nahegelegene Kaufmannshaus.

Auch in der Ferne wurde der Gottesdienst nicht vergessen, zwei

Pfarrkirchen boten die Gelegenheit dazu. In einer walteten deutsche

Priester ihres heiligen Amtes.

Deutsche Flagge, sei gegrüsst! Friedens- und Kriegsfahrten der Hanse, Kriegs- und Friedenstaten der deutschen Marine · 第 16 / 97 题