Die Bedeutung der Hanse beruht darauf, daß sie die Handelsbeziehungen
des Ostens mit denen des Westens verband. Sie umfaßte damit ein
Handelsgebiet von großem Umfange, in dem die verschiedenartigsten
Verhältnisse herrschten, die aber trotzdem den Hansen dienstbar gemacht
wurden. An allen wichtigen Stapelplätzen der damaligen Handelsgebiete
hatten die Hansen Niederlassungen inne, die man mit dem Namen ‚Kontor‘,
dem die Bedeutung Schreibstube zugrunde liegt, bezeichnete. Am meisten
genannt wurden Nowgorod, Bergen, Brügge und London; sie bildeten die
vornehmsten Sammelplätze der hansischen Deutschen im Auslande. Diese
Sammelpunkte waren keine Kolonien, sondern glichen mehr Faktoreien, die
jedoch nicht einem einzelnen Handelshaus gehörten und nur bestimmte
Handelsgeschäfte betrieben, sondern Eigentum der Gesamtheit waren. Die
Kontore dienten den Kaufleuten während des Aufenthalts im Auslande
als Stützpunkt und Wohnung. Jeder, der in ihnen Wohnung nahm, ging
seinen eigenen Handelsbeziehungen nach; er war nur für die Dauer des
Aufenthaltes bestimmten Vorschriften unterworfen. Alle Kontore samt den
Niederlassungen standen trotz der Verschiedenartigkeit der Verhältnisse
unter hansischer Aufsicht; sie konnten nur ihre inneren Angelegenheiten
selbständig regeln; alle wichtigen Maßnahmen und Handlungen hingen
seit der Mitte des 14. Jahrhunderts von der Genehmigung des
Gesamtverbandes ab. Häufig kamen Vertreter der Höfe auf die Hansetage
zur Berichterstattung, stimmberechtigt waren diese Abgesandten nicht.
Das Leben in den ausländischen Kontoren regelte eine bestimmte
Hausordnung, auch hatten die Besucher durch festgesetzte Abgaben zum
Unterhalt beizutragen. Der Trieb der Selbsterhaltung zwang die Hansen,
sich im Auslande mit solchen festen Formen zu umgeben.
[Illustration: Das Haus der Hanse in Antwerpen.