Anno 1580.“

Ein strammes Regiment scheint hier geherrscht zu haben. Es mußte

wohl so sein, besonders bei den ‚großen Schaffen‘, den jährlichen

gemeinsamen Festmählern, die nach Schluß der Schiffahrt gefeiert

wurden. Dann erhellte der herrliche vielarmige Kronleuchter den Raum,

Wachslichter brannten überall, und über dem Ölleinenbezug der vier

großen Laternen huschten die Silhouetten von Schiffern, Reitern und

Fußsoldaten.

Versetzen wir uns im Geiste einmal in die vergangenen Tage zurück.

Es geht hoch her. Die ganze Diele sitzt gedrängt voll. Mancher, der

am Feste teilnehmen möchte, kehrt mißmutig wieder um. Die Musikanten

sitzen auf den Schränken und blasen mit anerkennenswerter Stärke gegen

die Unterhaltung an. Immerhin ist noch der Lärm erträglich. Eben ist

das Essen abgetragen, und die ersten Krüge schäumenden Bieres sind

aufmarschiert. Zufrieden sehen wir einen der Schiffer zwischen den

Bänken umherwandeln. Er und sein Genosse haben es nicht leicht. Auf

ihr eigenes Risiko geht die ganze Veranstaltung. An nichts haben die

beiden es fehlen lassen. Man sieht es aber auch den Gesichtern der

Brüder an: es hat geschmeckt. Vier Musikanten sind diesmal auch mehr

als beim Schaffen des vorigen Jahres. Auf ihre Kosten kommen die beiden

Schaffer diesmal wohl nicht. Aber man sieht’s dem gutmütigen Gesicht

der Veranstalter an, daß sie es nicht verdrießt, wenn nur alles ‚in

goden freden‘ verläuft und die Brüder sich amüsieren. Das Gelage nimmt

seinen feuchtfröhlichen Verlauf ohne Störung. Im Durcheinander von

Singen, Erzählen und Musizieren muß man selbst schon ziemlich laut

werden, um sich verständlich zu machen. Das ist etwas für Leute mit

Nerven! So fühlen sich unsere Seebären gerade wohl und sind angeregt

wie selten. Rauchwolken wie aus einem kleinen Schornstein steigen

in die Luft und lagern über der munteren Gesellschaft, die grause

Gefahren und Abenteuer des vergangenen Jahres mit Phantasie verbrämt

zum besten gibt. Und seßhaft sind sie! Der grauende Morgen findet noch

alles fidel beisammen. „Und sind lustig gewesen bis des Morgens halb

sieben,“ bemerkt schmunzelnd der Schaffer in seinem Buche und fügt

erleichterten Herzens hinzu: „und is wol thogan“.[4] Nicht immer kann

er das berichten. Im hohen Seegang der Bierbegeisterung wird wohl

mancher Zusammenstoß erfolgt sein. Schwerwiegende Vergehen gegen die

Ordnung des Hauses finden wir jedoch nur selten vermerkt. Die warnende

Tafel hat doch wohl ihre Bestimmung nicht verfehlt. Heutzutage schreckt

sie niemanden mehr. Wann hat wohl der letzte Name darangestanden? Lang,

lang ist’s her! Anders sind die Gäste, die im Schifferhause heute

verkehren, ruhiger vor allem und weniger ausdauernd. Und wenn’s auch

jetzt noch manche späten Zecher gibt, bis ‚des Morgens halb sieben‘ hat

das Haus der Schiffergesellschaft wohl lange keine Gäste mehr bei sich

gesehen.

„Es ändert sich die Zeit und wir mit ihr!“

Auch das Kirchenjahr mit seinen vielen Feiertagen bot alt und jung,

hoch und niedrig Gelegenheit, sich an besonderen Festlichkeiten zu

vergnügen, dem Frohsinn und der Erheiterung gaben die Tage vor den

Fasten viele Gelegenheit. An sie reihten sich wiederum Mai-, Pfingst-

und Schützenfeste und die Jahrmärkte mit Gaukelspielern, Akrobaten,

Possenreißern und sonstigen Künstlern.

Mit der Zunahme des Wohlstandes wuchs das Bestreben, sich gegenseitig

zu überbieten, und nicht immer vergrößerte sich damit der innere Gehalt

der Vergnügungen. „Speise und Trank, Kleidung und Schmuck, Tanz und

Spiel blieben für lange Zeit die vornehmsten Vergnügungen“.

[Illustration]

Der hansische Kaufmann im Auslande.

Deutsche Flagge, sei gegrüsst! Friedens- und Kriegsfahrten der Hanse, Kriegs- und Friedenstaten der deutschen Marine · 第 13 / 97 题