Nach einem Gemälde im Haus der Schiffergesellschaft zu Lübeck.]

Gegen Schweden führte Lübeck im Bunde mit Dänemark von 1563 bis

1570 den letzten Seekrieg, Lübeck stand allein. Als die hansischen

Abgeordneten den Fehdebrief an König Erich XIV. überbrachten, verwies

er sie an den Rat der Stadt Stockholm. „Könige müßten Königen, Bürger

und Bauern aber ihresgleichen den Absagebrief senden.“

Lübecks Macht war noch nicht ganz zu verachten. Die Stadt gesellte der

einundvierzig Schiffe starken dänischen Flotte unter Peder Skramm noch

dreizehn lübische zu.

Der Krieg begann auch nicht ungünstig. Das Jahr 1564 brachte ein

unentschiedenes Gefecht bei Öland. Am 30. Mai 1565 errangen die

Verbündeten zwischen Öland und Gotland einen Sieg über die Schweden.

Drei Tage lang wurde gefochten und das schwedische Admiralschiff,

der Makeloes, das 173 Geschütze trug, erobert. Jakob Bagge, den

schwedischen Admiral, brachten die Lübecker als Gefangenen heim.

Von nun an neigte sich das Glück den Schweden zu. Im Jahre 1565 flog

das größte lübische Schiff, der ‚Engel‘, infolge einer Unvorsichtigkeit

der eigenen Besatzung in die Luft. Dann führten die Schweden

einen Handstreich gegen Travemünde aus, dem das neue hansische

Admiralsschiff, der ‚Morian‘, nur mit knapper Not entging. Im Juli

siegten die Schweden in einer Zweitageschlacht zwischen Rügen und

Bornholm. Die Verbündeten verloren diesmal den dänischen und deutschen

Admiral und fünfhundert Mann.

Nach einem unentschiedenen Treffen bei Gotland im Jahre 1566 wurde

die dänische und deutsche Flotte bei Wisby vom Sturm überrascht. Drei

lübische und zehn dänische Schiffe gingen zugrunde, darunter der

‚Morian‘ mit dem Admiral und dem Bürgermeister von Lübeck an Bord.

In den letzten Kriegsjahren gab’s keine Seeschlachten mehr; die

Schweden gingen nicht mehr in See. Die Stadt Lübeck ließ ein für die

damalige Zeit sehr großes Schiff, den ‚Adler‘, in diesen Jahren gegen

die Schweden kreuzen.

Lübeck bemühte sich, die übrigen Hauptstädte der Hanse zum Beitritt

zu bewegen, doch vergebens. Der alte Unternehmungsgeist war dahin,

von der Hanse war nichts mehr zu erwarten. Äußerlich hatten die alten

Städte noch den Anschein von Kraft und Wohlstand, aber der Geist der

alten Seefahrer war nicht mehr lebendig, die Hanse war fortan bis zur

Auflösung im Jahre 1630 nur noch ein Name, den die Ausländer nicht

achteten.

Es fehlte keineswegs an Bemühungen, die Hanse wieder zur Bedeutung

emporzuheben. So hieß es in der Botschaft Ferdinands II. an die

hansische Versammlung zu Lübeck im Jahre 1627:

„Der Kaiser Ferdinand II. wollte die Gelegenheit nicht versäumen, die

Hansestädte wieder zu altem Flor, Ansehen und Hoheit herzustellen,

da sie durch die Ausländer seit geraumer Zeit nicht allein merklich

unterdrückt, sondern ihnen auch von fremden Potentaten die freie

Schifffahrt gesperrt, ihre Schiffe überfallen, geplündert oder in

Grund geschossen und ihnen zum Hohn und Spott deutscher Nation von

ausländischen, monopolischen Gesellschaften das Brot gleichsam vor der

Faust abgeschnitten sei.“ --

Bei der Botschaft blieb es; die Ereignisse bewiesen, daß der

kriegerische Geist dahin war. Erst unsere Zeit konnte dem Deutschen

Reiche wieder zu einer Seegeltung verhelfen.

[Illustration]

Eine Septembernacht.

(1845.)

-- Unde was der tidt tho Lübeck börgermester Jürgen Wullenweber; de

hedde by sik geswaren, schot unde regiment van den Oeresundt an the

hänsischen tho bringen, unde scholden de uth den steden myt eren

schepen vortan nycht enes penniges wert an den Dänen betalen --

+Lübische Chronik+.

Zu Lübeck im Ratskeller saßen spät

Wir Freunde noch beim Wein und tranken,

Wo tief gebräunt die Eichentafel steht

Aus unsres letzten Kriegsschiffs Planken.

Doch galt es heute keinen Zecherspaß,

Kein lustig Liedel, keine Becherfehde;

Es schaute jeder ernst ins grüne Glas,

Und ernst und sinnig floß die Rede.

Wir sprachen von des alten Glanzes Zeit,

Von jenen, die der Hansa Schlachten schlugen,

Wir sprachen von der jüngsten Tage Leid

Und von der Hoffnung, die wir trugen.

Wohl spürten’s alle feierlich und leis,

Wie sich aus Trümmern junges Leben zeuge,

Und stille ward’s, als ob in unsern Kreis

Der Schutzgeist unsrer Stadt sich beuge.

Da schlug es Mitternacht. Sie brachen auf,

Wir drückten herzlich uns die Hände;

Mich aber trieb es noch den Gang hinauf,

Die Fässer durch, entlang die schatt’gen Wände.

Ich konnt’ an Schlaf nicht denken. Sonst und heut

Zerfloß in meinen Sinnen lose;

So trat ich ein, gedankenvoll zerstreut,

Ins hallende Gewölb der ‚Rose‘.

Wie kühl, wie stille! Nur mein Fußtritt scholl

Verdreifacht von den Gurten wider;

Ein Schauer wie vor Geisternähe quoll

Geheimnisvoll durch meine Glieder,

Und sieh, ein Lichtschein drang mir wunderbar

Linksher entgegen aus der hohen Nische.

Ich naht, und stand. Denn traun, ein seltnes Paar

Erblickt’ ich zechend dort am Tische.

Der eine saß geschmückt nach alter Art

Mit Sammetschaube, Kraus’ und Kette,

Umflossen Wang’ und Kinn vom blonden Bart,

Die mächt’ge Stirn beschattet vom Barette.

Das blaue Auge zuckt in scharfem Glühn,

Als hing ein Weltgeschick an seinem Winken:

So saß er da, gebeugt und dennoch kühn,

Und starrt in seines Römers Blinken.

Der andre stand, die Hand am Schwertesknauf,

Riesig, vom Haupt zum Fuß in blankem Erze;

Wie Blut an seinem Panzer spielt’ herauf

Der rote Flackerschein der Kerze;

Ein wild und rauh Gesicht. Ich spürt’ es bald,

Hier war die Faust, dort das Ersinnen;

Da, murmelnd, wie der Wind durch Herbstlaub wallt,

Hört ich des ersten Worte rinnen:

„O Meeresauge, dunkelblauer Sund,

Du felsumstarrte Ostseepforte,

Wie schaut’ ich oft hinab in deinen Grund

Und zwang ins Herz zurück der Sehnsucht Worte!

Dort unten, wo die Welle leiser schoß,

Sah ich den goldnen Zauberschlüssel liegen,

Der uns ein neues Reich erschloß

Von Meeresherrschaft, Glanz und Siegen.

[Illustration: Eroberung Kopenhagens durch die Hansa.

Deutsche Flagge, sei gegrüsst! Friedens- und Kriegsfahrten der Hanse, Kriegs- und Friedenstaten der deutschen Marine · 第 8 / 97 题