Gemälde im Museum zu Lübeck.]

Noch einmal griff die Hanse in die Geschicke der nordischen Reiche

ein. Es war im Jahre 1520, als Karl V. Kaiser von Deutschland wurde

und bei den Auseinandersetzungen mit seinem Bruder Ferdinand die

Niederlande, Westfriesland und Utrecht für sich behielt. Damit ging

das Gebiet des Reiches von der Ems bis nach Dünkirchen für Deutschland

verloren und kam in enge Beziehungen zu Spanien. Diese Trennung von

Deutschland kam dem niederländischen Handel zugute und erfuhr noch

eine bedeutende Steigerung, als Christian II. von Dänemark, ein

Schwager Karls V., die niederländischen Handelsbeziehungen besonders

begünstigte. Sein Plan ging dahin, ganz Schweden zu erobern; Schonen,

den südlichen Teil Schwedens, besaß er schon. Dazu erstrebte er,

Kopenhagen zum Mittelpunkte der Ostsee zu machen, um die alte

Vormachtsstellung des hansischen Handels vollständig zu untergraben.

Im Jahre 1519 floh Gustav Wasa, König von Schweden, vor Christian II.

nach Lübeck und erbat hier Hilfe und Beistand. In den kriegerischen

Auseinandersetzungen der nachfolgenden Jahre machte sich Christian II.

durch das Stockholmer Blutbad furchtbar verhaßt. Einen Aufstand, den

Gustav Wasa erregte, begünstigte die Hanse offen; sie unterstützte

Schweden durch die Entsendung einer Flotte, die Bornholm verwüstete,

Kopenhagen und Stockholm belagerte. Der dänische Kommandant von

Stockholm übergab im Jahre 1523 dem hansischen Admiral die Schlüssel

Stockholms, und Gustav Wasa zog als Gustav I. in seine Hauptstadt ein.

Eine Reihe von Vorrechten bildeten den Lohn für die Mühe der Hanse.

Christian II. mußte sein Land verlassen, da mit Hilfe der Hanse in

Jütland Friedrich I. von Holstein zum König ausgerufen wurde. Für den

neuen König eroberten die Hansen Seeland und belagerten Kopenhagen,

das am 24. April 1524 sich ergab. So kam der neue dänische König

durch die Hansen in den Besitz seines Reiches und seiner Hauptstadt.

König Christian II. entfloh vorher und versuchte nach einigen Jahren

mit Hollands Hilfe Norwegen für sich zurückzuerobern. Es gelang ihm,

für eine kurze Zeit an der Küste festen Fuß zu fassen, jedoch eine

Flotte der Hansen schlug ihn aufs Haupt. Christian begab sich in die

Gefangenschaft seines Oheims Friedrichs I., der ihn siebenundzwanzig

Jahre lang in harter Haft bis zu seinem Tode im Jahre 1559 im Schlosse

zu Sonderburg hielt.

Diese Leistungen: die Einführung Gustav Wasas in sein Reich, die

Erhebung Friedrichs I. zum König von Dänemark nach dem Sturze

Christians II., bedeuteten die letzten Äußerungen der Kraft der Hanse.

Das Ende nahte. --

Schon vor dem letzten Seezuge gegen Christian II. von Dänemark brachen

in Lübeck um das Jahr 1500 herum Unruhen aus, deren Endziel darin

bestand, die alte Verwaltung zu stürzen und an ihre Stelle eine neue zu

setzen. Jürgen Wullenweber, der gefeierte, in Romanen und Dichtungen

verherrlichte Bürgermeister der Zeit der Aufstandsbewegung, trat an die

Spitze Lübecks und damit auch in den Vordergrund des Hansebundes. Sein

Ziel war, die alte Stellung der Hanse unter der Vorherrschaft Lübecks

im Handelsverkehr des Ostseegebietes wiederherzustellen. Insbesondere

richtete sich seine Tätigkeit gegen Holland. Im Krieg gegen diesen

Staat schickte er Marx Meier mit einem Geschwader nach der Nordsee.

Er selbst fuhr mit einer Flotte nach dem Sunde und versuchte hier,

Dänemark und Schweden zum Kampfe gegen Holland zu gewinnen. Gustav I.

schlug diese Forderung nicht nur ab, sondern widerrief auch die früher

bewilligten Vorrechte.

In Dänemark starb gerade Friedrich I., und Wullenweber versuchte, die

dänische Krone Herzog Christian von Holstein zu geben. Dieser verband

sich mit Schweden, Dänemark und Holland gegen die Hansen, da er die

Krone aus den Händen der Hansen nicht annehmen wollte. Im Jahre 1534

begann Wullenweber den Feldzug mit Erfolg. Ein Teil der Truppen fiel

in Holstein verheerend ein. Wullenweber selbst fuhr mit einer starken

Flotte nach Kopenhagen, das er belagerte. Eine Reihe dänischer und

schwedischer Schiffe fielen ihm zur Beute. Die holländischen Schiffe

wurden ausgeplündert und im Sunde ein Sundzoll erhoben. Durch eine

angestiftete Verschwörung erreichte er, daß Malmö und die Häfen

auf Seeland sich ergaben, ebenso Kopenhagen; die dänische Flotte

vereinigte sich mit der seinigen; die kleineren dänischen Inseln und

Schonen schlossen sich ihm an. Allüberall begannen die Bauern in

Aufständen gegen die Vorherrschaft des Adels zu wüten. Christian von

Holstein ward in Jütland als König Christian III. ausgerufen. Graf von

Rantzau, der holsteinische Adelsmarschall, zog während dieser Zeit

vor Lübeck und belagerte es. Um der Bedrängnis der Stadt abzuhelfen,

kehrte Wullenweber zurück. Eine Aufhebung der Belagerung erreichte

er nicht. Vielmehr erkaufte er sich nur einen Waffenstillstand mit

Holstein. Anfangs des Jahres 1535 wurde Marx Meier von Christian III.

und Gustav I. nicht nur geschlagen, sondern auch bei Helsingborg

gefangengenommen. Die vereinigten Flotten dieser beiden Fürsten im

Bunde mit der preußischen schlugen sich mit den Hansen am 9. Juni in

einem unentschiedenen Gefecht bei Bornholm; am 11. Juni trafen sich

die Gegner bei Assens am Kleinen Belt, und die Verbündeten wurden

Sieger. Einige Tage später fielen durch den Überfall der Reede von

Svendborg neun hansische Schiffe ohne Gefecht in die Hände der Feinde.

Wullenweber sah binnen kurzer Zeit seine hochfahrenden Absichten

zertrümmert.

[Illustration: Der Sieg der Lübecker in der Seeschlacht bei Gotland.

Deutsche Flagge, sei gegrüsst! Friedens- und Kriegsfahrten der Hanse, Kriegs- und Friedenstaten der deutschen Marine · 第 6 / 97 题