Ganz toll wird das Treiben zur Paarungszeit. Die einzelnen Pärchen

sondern sich ab und sind von jetzt ab immer an gleicher Stelle in ihrem

Brutgebiete anzutreffen. Eine aufgeregte, kampfesreiche Zeit hebt

an; Liebe und Eifersucht beherrschen die kommenden Tage. Das muntere

Treiben und Tauchen in Gesellschaft ist vorbei. Jetzt gilt es, das

Weibchen vor Anremplungen zu schützen. Und der Schellentenerpel ist

ein eifersüchtiger Gatte. Mit gesenktem Kopfe wird der sich nähernde

Nebenbuhler angenommen, durch Unterwasserangriff an den Ständern

gepackt und eine Strecke im Fluge verfolgt. Oft wird der Kampf zur

Rauferei. Wütend stürzen die Erpel aufeinander zu, packen sich am

Kopfe, ziehen sich balgend unter heftigen Flügelschlägen bald über,

bald unter Wasser hin und her; lassen voneinander ab, packen sich

wieder und treiben einer den andern im niedrigen Fluge plätschernd

über die Wasserfläche hin. Stolz umschwimmt der zurückgekehrte Gatte

die Auserwählte, bringt das Gefieder in Ordnung, legt den Hals

weit nach hinten auf den Rücken, schnellt ihn plötzlich hervor und

läßt bei dieser Bewegung einen eigenartigen hellen Ton hören, der

sich mit »knirrr« wiedergeben läßt. Oefters wiederholt sich dieses

gleichmäßige Kopfrucken und Vorschnellen und nach langem Werben findet

der liebestolle Erpel Erhörung. Der Beschauer am Ufer ist verwundert

über das närrische Liebesspiel; für ihn war die Beobachtung Neuland.

Denn selbst sein »Naumann« berichtet nichts von der eigenartigen

Schellentenbalz. Wir haben hier eine der wunderlichsten Balzgebärden

in der Vogelwelt vor uns, die der des Spielhahnes gleichkommt und

ganz wenig bekannt ist. Die Balz währt von Februar bis hinein in den

Wonnemonat. Aus alledem wird der Leser den Wunsch des Verfassers

verstehen, diesen Prachtvogel nicht nur als Durchzügler, sondern als

bodenständigen Brutvogel in unserer Heimat zu haben. Die Kriegsjahre

brachten für das Moritzburger Teichgebiet die Erfüllung des Wunsches.

1916 wurden von dem verstorbenen Ornithologen Mayhoff Dunenjunge der

Schellente auf dem Schwanenteich beobachtet. Ich selbst fand die

ersten infolge des Kriegsdienstes erst im Jahre 1918. Seit dieser Zeit

konnte ich jedes Jahr mehrere Bruten feststellen. In diesem Jahre

brüteten wenigstens gegen sechzehn Paare im Gebiete. Schon Mitte Mai

traf ich das erste ausgeschlüpfte Gelege auf dem Schwanenteiche.

Neun allerliebste Federbällchen sitzen in früher Morgenstunde dicht

aneinandergedrängt auf der offenen Stelle des Teiches, seltsamerweise

ohne Mutter. Die ersten Sonnenstrahlen bringen Leben in die kleine

Schar. Geschickt taucht eins unter die Wasserfläche, ein zweites rennt

eilig auf dem Wasser hin, ein Insekt verfolgend, ein drittes wieder

schnellt plötzlich in die Höhe, um im Luftsprung eine vorüberfliegende

Mücke zu erschnappen. Ein anmutiges Bild! Der Vergleich mit dem

Treiben der flinken Wassermäuse drängt sich dem Beobachter auf. Bald

ist die kleine Gesellschaft im Schilfe verschwunden, wo die sichernde

Mutter ihrer wartet. Die Jungen bleiben lange Zeit beisammen. Noch im

August traf ich die festgestellten Gelege auf dem Schloß-, Schwanen-,

Frauen- und Großteiche beisammen. Sie sind im Fluge sofort an den

weithin leuchtenden weißen Flügelflecken zu erkennen. Das Aussehen

der Dunenjungen ist außerordentlich drollig. Die Hauptfarbe ist ein

Samtschwarz am Kopfe und auf dem Rücken, während die Unterseite weiß

aussieht. Ein keckes Aussehen verleiht ihnen aber der gedrungene kurze

Schnabel und der große weiße Fleck vom Kinn bis zum Hinterkopf. Auch

die weißen Flügelflecke sind schon angedeutet. Die Angaben im Naumann,

der sie mit den Dunenjungen der Märzente vergleicht, stimmen auf keinen

Fall.

Besonders schwierig war die Feststellung eines Nestes. Bekanntlich

brüten die Schellenten seit neuerer Zeit in Baumhöhlen, ja sogar in den

verlassenen Nistplätzen des Schwarzspechtes. Die älteren Ornithologen

führen als Brutort nur Schilf- und Rohrbestände an. Am 20. Mai 1920

fand ich die erste Nisthöhle durch Zufall am Schloßteiche. Ein Weibchen

flog auf die Kastanie zu, unter der ich lagerte, schwenkte aber bei

meinem Anblick im großen Bogen um; kehrte bald zurück, durchflog

taubenähnlich das dichte Geäst und verschwand in einer Baumhöhle.

Im vergangenen Frühjahre konnte ich drei Nisthöhlen feststellen.

Besonders bieten den Schellenten die höhlenreichen Kastanien der

beiden Schloßteiche reichlich Nistgelegenheiten. Deshalb ist auch ihr

Treiben an diesen Teichen vor allem gut zu beobachten. Doch auch auf

den Teichen, deren Ränder fast keine alten Baumbestände aufweisen,

dafür aber größere Schilfbestände, sind Bruten aufgekommen. Diese

Tatsache läßt vermuten, daß die Schellente nicht nur in Höhlen, sondern

vielleicht wie andere Tauchenten im Schilfwalde brütet.

[Illustration: =Kastanie am Schloßteiche zu Moritzburg mit Nisthöhle

der Schellente=

(Aufnahme des Verfassers)]

Ganz vereinzelt muß die Schellente schon vor dem Kriege in unserem

Gebiete gebrütet haben. Ein Belegstück dafür befindet sich in meinem

Besitz: ein 1913 am Schloßteich vom Forstwart Herrn Eckart tot

aufgefundenes Dunenjunges.

So sei am Schlusse nochmals der Freude Ausdruck gegeben, daß

die herrliche Schellente im Moritzburger Teichgebiet nicht mehr

Naturdenkmal ist, sondern sie sich Heimatrecht hier erworben hat und

mit zu den häufigen Enten gehört. Möge auch vom Landesverein gegen

alles angekämpft werden, was diesem prächtigen Vogel den Aufenthalt

so nahe der Großstadt vergrämen könnte. Hierher gehört sinnlose

Schießerei, Umfällen alter Bäume und der Eierdiebstahl. Besonders

schädlich für unsere Wasservogelwelt ist das frühzeitige Schneiden des

Schilfes und Rohres durch die Teichverwaltung, das dieses Jahr schon

Anfang Juli erfolgte. Auch das »wilde Baden« an allen Moritzburger

Teichen wird von unseren gefiederten Freunden nicht besonders begrüßt.

Das Triebelbachtal

Von _Paul Apitzsch_, Ölsnitz i. Vogtl.

Unweit der Dreikönigreichsecke, jener politisch bedeutsamen Stelle,

da die Grenzen der drei ehemaligen Königreiche Sachsen, Bayern und

Böhmen in einem Punkte zusammenstoßen, da jetzt die Gemarkungen der

drei Republiken Sachsen, Bayern und Tschechoslowakei sich berühren, ist

auch die dreiteilige Wasserscheide zwischen Elster, Saale und Eger.

Gegen Süden fließen die Wässer dem Egerlande zu. Nach Westen enteilt

die Regnitz dem Waldlande und ergießt sich bei Hof in die Saale. Und

nordwärts gehört alles Fließende dem Stromgebiet der Weißen Elster.

Der bedeutendste linksseitige Elsterzufluß ist hier der fünfzehn

Kilometer lange Triebelbach. Zwischen Eichigt und Ebmath, rechts der

Zollstraße Ölsnitz-Roßbach, liegt ein Berg, der den merkwürdigen Namen

»Bubenstock« führt. Auf älteren Karten wird er »Pumpenstock« genannt.

Trotz seiner absoluten Höhe von 630,8 Meter bietet er nicht die

geringste Fernsicht; denn erstlich erhebt er sich nur unbeträchtlich

über die durchschnittlich sechshundert Meter hoch gelegene Hochfläche,

und überdies ist er bis zur Kuppe mit Fichtenwald bestanden. Die

einzige Bedeutung des Bubenstockes in geographischer Beziehung

besteht darin, daß an seiner westlichen Abdachung der Triebelbach

entspringt. Durch Heidegesträuch, Ginstergebüsch und niedrigen

Mischwald eilt das muntere Waldkind rasch abwärts. Es ist, als wolle

es der unheimlichen Gegend entfliehen. Führt doch das südwestwärts

gegen Tiefenbrunn zu gelegene einsame Waldstück den grausigen Namen:

Der gespaltene Schädel. Ob eine geheimnisvolle Untat dieser Benennung

zugrunde liegt oder ob eine bloße Wortentstellung anzunehmen ist, ist

nicht mehr festzustellen. Der düstre Wald tritt beiderseitig zurück

und macht dem ersten Dorfe, _Obertriebel_, Platz. Da die Bachsohle

beim oberen kleinen Dorfteiche genau fünfhundert Meter hoch liegt,

so beträgt der Fall von der Quelle bis hierher auf der kaum 2,5

Kilometer langen Strecke bereits einhundertunddreißig Meter. Bei einer

kleinen Häusergruppe zwischen Ober- und Untertriebel, den sogenannten

Hutherleithenhäusern, empfängt der Triebelbach von links her starke

Zuflüsse aus dem waldreichen Platzerberggebiet und von Neubrambach.

Erheblich verstärkt kommt der hier außerordentlich krebsreiche Bach

nach dem Kirchdorfe _Untertriebel_. Von lärchenbestandener Höhe

klingt Glockenklang hernieder. Droben bringt man sie zu Grabe, die

sich freuten in dem Tal. Denn der Kirchhof liegt hier noch, altem

schönen Brauche gemäß, rund ums Kirchlein. Das Gotteshaus von

Untertriebel gehört zu den wenigen vogtländischen Dorfkirchen, bei

deren Anlage an Verteidigungszwecke gedacht worden ist und an deren

Umfassungsmauern noch _Spuren ehemaliger Befestigung_ zu erkennen

sind. Vor der turmartigen Friedhofspforte ragen zwei mächtige Linden.

Links vom Eingange, an der Nordseite der starken Kirchhofsmauer, sind

ganz deutlich drei Schießscharten zu sehen. Rechts vom Tore, an der

Westseite also, sind weitere sechs Schießscharten, so daß die ganze

Mauer noch neun derartige Zeugen ehemaliger Befestigung aufzuweisen

hat. Gelegentlich einer Erweiterung des Friedhofes nach Süden zu mußte

die südliche und östliche Ummauerung abgetragen werden. Auch diese

Teile der ursprünglichen Anlage waren, wie mir der über vierzig Jahre

in Untertriebel im Amte befindliche alte Kantor Häntzschel versicherte,

mit Schießlöchern versehen. Die Schießscharten sind von annähernd

gleicher Größe und Gestalt. Von außen gesehen sind sie schmal, nur

zehn Zentimeter breit und fünfzig Zentimeter hoch. Nach innen werden

sie weiter, und an der Innenseite der achtzig bis neunzig Zentimeter

starken Mauer sind sie beinahe quadratisch mit fünfzig Zentimeter

Seitenlänge. Eine Häufung der Schießscharten ist vermieden; in beinahe

gleichen Abständen voneinander sind sie in das starke Mauerwerk

getrieben. Als im Jahre 1901 bei der Erneuerung des Gotteshauses auch

die Friedhofsmauer abgeputzt wurde, hatten übereifrige Handwerker

unaufgefordert die Schießscharten teilweise schon zugemauert. Sie waren

höchlichst erstaunt, als durch ein Machtwort des Herrn Pfarrers Kramer

die »alten Löcher« wieder in den vorherigen Zustand zurückversetzt

werden mußten. Vor der Nordseite der Mauer sind grabenartige

Vertiefungen, die möglicherweise in Beziehung zu einer ehemaligen

Befestigung stehen. Doch ist in der historischen Deutung derartiger

Vorkommnisse größte Vorsicht geboten. Übereifer in der Auffassung und

Behandlung »alter Löcher« kann nicht nur einen simplen Mauergesellen,

sondern auch den hochgelahrtesten Altertumsforscher zu Dummheiten

verleiten.

[Illustration: Abb. 1 =Untertriebel=

(Phot. _Curt Sippel_, Plauen i. V.)]

Es gibt im Vogtlande nur noch zwei Dorfkirchen, die Spuren einstiger

Befestigung tragen: Thierbach bei Pausa und Schwand. Bei Überfällen und

Plünderungen durch rohe mittelalterliche Landsknechte war gewöhnlich

der das Dorf beherrschende Rittersitz die Zufluchtsstätte der

Dorfbewohner. Dieser Rittersitz war entweder ausgezeichnet durch hohe

Lage, oder durch Ringwallanlagen und Teichinseln geschützt. Professor

Johnson, Plauen, weist schon im Jahre 1900 darauf hin, daß sowohl

Thierbach, als auch Schwand und Untertriebel im Mittelalter keine

Rittersitze besaßen -- das Rittergut Schwand ist später entstanden --,

so daß die schutzlosen Dorfbewohner auf den Gedanken kamen, Kirche und

Friedhof zu einem Verteidigungsplatze zu gestalten. Diese Erwägungen

mögen wohl auch das altvogtländische Adelsgeschlecht der Säcke auf

Geilsdorf bestimmt haben, die Kirche zu Untertriebel auf einem das

Dorf überragenden Höhenrücken erbauen zu lassen, und zwar schwankt das

Erbauungsjahr nach urkundlich sicheren Angaben zwischen 1342 und 1380.

Das Gotteshaus in seiner jetzigen Gestalt stammt aus dem Jahre 1535, so

daß der ältere Bau nur etwa zwei Jahrhunderte stand.

Für Freunde der Vergangenheit bietet auch das Innere der Untertriebler

Dorfkirche mancherlei Bemerkenswertes. Bei der obenerwähnten Erneuerung

des Gotteshauses fand man auf dem Kirchboden zwei verstaubte und

stark beschädigte _Holzschnitzereien_: einen Kruzifixus und einen

Taufengel. Beide Gegenstände wurden der »Kommission zur Erhaltung von

Kunstdenkmälern« zur Begutachtung vorgelegt. Über den _Kruzifixus_ kam

von Dresden folgendes Gutachten: »Ist eine Holzschnitzerei aus dem

fünfzehnten Jahrhundert; es fehlen beide Arme und sämtliche Zehen; an

der Nase, Operlippe und am Lendenschurz starke Beschädigungen. Das

Holz selbst ist gesund; auch die Bemalung braucht nur gereinigt und

an den neuen Stücken ergänzt zu werden. Eine Wiederherstellung ist

unbedingt zu empfehlen. Professor Spieler ist bereit, die Erneuerung

vorzunehmen.« Der _Taufengel_ ist ein kräftiges, eigenartiges

Barockwerk etwa von 1730. Auf dem Deckel des von dem Engel gehaltenen

Taufbeckens sind Christus und Johannes der Täufer in kleinen Figuren

angebracht. Die Wiederherstellung des beschädigten Taufengels übernahm

Holzbildhauer Wünschmann in Dresden. Seit 1902 bilden die auf diese

Weise geretteten altertümlichen Holzschnitzereien einen wertvollen

Schmuck des Altarplatzes der Untertriebler Kirche. Künstlerisch

bewertet sind die beiden Schnitzereien sehr verschieden. Ich halte

den Taufengel für die Arbeit eines Handwerkers, den Kruzifixus

für das Werk eines Künstlers. Der schablonenhaft steife Faltenwurf

des hemdartigen Kleidungsstückes, sowie die wenig ausdrucksvollen

Gesichtszüge des Taufengels deuten auf eine nur mittelmäßige Befähigung

des Holzschnitzers, während die Darstellung des schmerzverzerrten

Antlitzes, sowie die Ausarbeitung der Rippen an dem abgezehrten

Oberkörper des gekreuzigten Heilandes auf eine genauere Kenntnis des

anatomischen Baues eines Menschenleibes, sowie auf eine technisch weit

höher zu bewertende Beherrschung des Schnitzmessers schließen lassen.

[Illustration: Abb. 2 =Untertriebel=

(Phot. _Curt Sippel_, Plauen i. V.)]

Einige andre Altertümer der Kirche zu Untertriebel sind auf

Veranlassung des Professors Steche ins Sächsische Altertumsmuseum

nach Dresden gewandert. Auch sie lagen verlassen und vergessen in

einem Winkel des Kirchbodens. Das kostbarste Stück ist eine aus Holz

geschnitzte _Truhe_, die zur Aufbewahrung von kirchlichen Geräten oder

Meßgewändern verwendet wurde. Diese Truhe ist in dem von Schmidt und

Sponsel herausgegebenen »Bilderatlas zur Sächsischen Geschichte« in der

Abteilung für bäuerliche Kunst beschrieben und bildlich dargestellt.

Doch nun genug der Namen und Zahlen. Wir treten heraus und steigen

hinunter ins Dorf. Der prächtige _Lärchenhang des Kirchberges_

war im März 1919 stark gefährdet. Ein Teil der Mitglieder des

Gemeinderates, verbittert durch die überaus hohen Anforderungen der

Erwerbslosenunterstützung an die Gemeindekasse, hatte tatsächlich die

Absicht, die großen Lärchen des Kirchpöhls fällen zu lassen. Ich

hatte alle Mühe, das drohende Verhängnis abzuwenden. Ich verhandelte

schriftlich und mündlich mit Pfarrer und Gemeindevorstand und

disputierte mit den Bauern im Wirtshause. Den Ausschlag gab schließlich

ein äußerst geschickt abgefaßtes und warmherzig gehaltenes Schreiben

des »Landesvereins Sächsischer Heimatschutz«, das auf meine Anregung

hin der Gemeinde zuging. Der Baumbestand des Kirchpöhls war gerettet.

Der Naturschutzabteilung des Landesvereins ist es zu danken, daß das

Kirchlein zu Untertriebel noch heute im Schmucke eines selten schönen

Lärchenbestandes herab ins Tal grüßt. --

[Illustration: Abb. 3 =Fuchsmühle=

(Phot. _Albert Roth_, Ölsnitz i. V.)]

In breitem Wiesentale schlängelt der Triebelbach weiter. Und nun

ein Glanzstück: die idyllisch gelegene _Fuchsmühle_. Aus dichtem

Grün leuchtet der schlohweiße Giebel mit seinem dunklen Fachwerk

freundlich hervor. Hier bei der Fuchsmühle lag eine der vorzüglichsten

Kupferzechen des Vogtlandes: »Hoff auf Gott«. Von 1705 bis 1721 wurden

1980 Zentner Kupfer im Werte von 47993 Taler 16 Groschen 2¼ Pfennige

und außerdem 285³/₈ Zentner Kupfervitriol im Werte von 2570 Taler

18 Groschen 0 Pfennige zutage gefördert. Der Reingewinn betrug nach

den jetzt noch vorhandenen Grubenrechnungen 28172 Taler 10 Groschen

2¼ Pfennige. Der Bergsegen ließ indes bald nach. Dazu kam, daß

infolge der Weichheit des Gesteins die Stollen mit Holz verzimmert

werden mußten und daß man fortwährend mit dem Grundwasser des nahen

Triebelbaches zu kämpfen hatte. 1735 kam die Grube zum Erliegen. Unweit

der Mühle stand ein Pochwerk. Interessant ist, daß dieses Pochwerk die

Ursache einer Beschwerde des staatlich konzessionierten Perlenfischers

wurde. Am 3. Juli 1710 erstattet der Ölsnitzer Perlenfischer Johann

Gottfried Schmirler im Amt Voigtsberg folgende Anzeige: »Er wäre

vorige Woche in dem Tribler Bach gewesen und hätte Perlen suchen

wollen. Da habe er gefunden, wie solcher Bach gänzlich aussterbe.

Sonsten hätten die Muscheln wie ein Pflaster darinnen gestanden.

Vorjetzo fände er fast gar keine. Die ursach dieses Aussterbens

schreibe er dem an solchem Bach gebauten Pochwerke zu. Er hätte

dahero unterschiedlichmahlen bey denen Bergbeamten Erinnerung gethan,

man hätte es aber nicht attentiret; itzo könnte man nun den Schaden

spühren. Man solle Teiche machen, worinnen der Schlamm und die materie,

welche denen Muscheln schädlich, vielleicht sitzen bliebe. Er müsse

gestehen, daß er in dieser Refier jederzeit die hellsten und klahrsten

Perlen gefunden.« (Dr. J. G. Jahn, Die Perlenfischerei im Voigtlande,

Ölsnitz 1854.)

[Illustration: Abb. 4 =Bösenbrunner Kirche=

(Phot. _Curt Sippel_, Plauen i. V.)]

Außer Kupfer wurde in der Nähe der Fuchsmühle auch Zinn (Zinnzeche

St. Johannes) und Eisen (Ludwig-Fundgrube) bergmännisch gewonnen.

Zahlreiche Halden, Pingen, Berglöcher, Stollenausgänge und Reste alter

Grubengebäude zeugen noch heute von dem Bergbau vergangener Zeiten.

Wir wandern weiter mit den wandernden Wellen und erreichen das dritte

und letzte Dorf des Tales: _Bösenbrunn_. Auf allen Höhen rings herum

lugt aus dem Dunkelgrün des Fichten- und Föhrenwaldes weißschaftig

die Birke, deren Besonderheit darin besteht, daß sie zu jeder

Jahreszeit andre Farbenstimmung aufweist; im Vorfrühlinge zartduftiges

Hellviolett, im Spätlenz Smaragdgrün, im Sommer kraftvolles

Allerweltsgrün, im Herbst strahlendes Gelb und vor Beginn des Winters

wieder jenes eigenartige tote, stumpfe Violett, welches kein Pinsel

wiederzugeben vermag. Am linken Talhange das winzige Dorfkirchlein,

erbaut in demselben Jahre, da der Dreißigjährige Krieg begann. Droben

Gotteshaus und Gottesacker, drunten das Rittergut, drüben die Mühle

und draußen gegen den Talausgang, an den rechtsseitigen Waldhängen,

zwei einsame Einschichten: das _Streithaus_ und das _Otterhaus_.

Zwischen Rittergut und Mühle liegen am Wege die Überreste alter

»_Griebensteine_«. Es sind dies viereckige, mit einer gerundeten

Aushöhlung versehene Granitbottiche, in denen zur Zeit der Pechsieder

die Abfallprodukte des Peches nochmals geröstet wurden. Man gewann aus

diesen »Griefen« oder Grieben eine Art minderwertiges Pech, nützte

also das Naturprodukt wirtschaftlich aus. Das gewonnene Abfallpech

floß durch ein an der tiefsten Stelle angebrachtes rundes Loch ab.

Die Granitpfannen müssen also ehedem auf einer Unterlage gestanden

haben. Jetzt liegen sie im Erdreich eingedrückt und im Grase vergraben

schon seit Jahrzehnten ungenützt. Solche alte Pechpfannen gibt es auch

anderswo im Vogtlande, so bei Brotenfeld, bei Planschwitz und bei Raun.

[Illustration: Abb. 5 =Mühle in Bösenbrunn=

(Phot. _Albert Roth_, Ölsnitz i. V.)]

Das Triebelbachtal wird nun eng und tiefeingerissen. Die Abhänge sind

von der Talsohle bis zur Höhe bewaldet. Einige große Kahlschläge

flammen in buntester Blütenpracht. Ein Meer purpurner Weidenröschen

(~Epilobium angustifolium~). Dazwischen gelbe Fingerhüte (~Digitalis

ambigua~), stachelige blaue Natterköpfe (~Echium vulgare~),

stolze Königskerzen (~Verbascum~), großblumige enzianblaue

Pfirsichglockenblumen (~Campanula persicifolia~), lohende Pechnelken

und leuchtende Margeriten. Und inmitten all dieser Farbenfülle wandert

der Erlen- und Perlenbach geruhsam seines Weges, der Weißen Elster

entgegen. Bei _Pirk_, zwischen Ölsnitz und Plauen, mündet er in den

Hauptflußlauf des Vogtlandes.

Fernab allem Weltgetriebe, ein stilles, einsames Waldland, urkräftig

und unberührt, lieblich im Birkenschmucke des Lenzes, farbenfreudig im

Glast und Glanz des Hochsommers, versonnen und verträumt im Sterbekleid

des Herbstes, erstarrt und erstorben im Rauhreifgeschmeide des Winters

-- so lieb ich dich, du mein märchenschönes Vogtlandtal.

[Illustration: Abb. 6 =Weg nach Neubrambach=

(Phot. _Curt Sippel_, Plauen i. V.)]

In Guteborn

Von _A. Klengel_, Meißen

(Aufnahmen von J. Ostermaier, Blasewitz)

Ihr glücklichen Augen, was je ihr gesehn,

Es sei wie es wolle, es war doch so schön!

_Goethe_, Faust II

Ein Brief aus Guteborn wird mir gebracht; Seine Durchlaucht Ulrich

Prinz Schönburg lädt mich in herzlicher Weise zu einem Besuche auf

seine Besitzung ein. Da er gern Störche in Guteborn ansiedeln möchte,

soll ich ihm mit einem guten Rate zu Hilfe kommen.

[Illustration: Abb. 1 =Guteborn, Eingang zum Schloßhof=]

Rasch die Landkarte zur Hand genommen! -- Guteborn ist der waldreiche

Großgrundbesitz in der preußischen Niederlausitz, dicht an Sachsens

Grenze, den etwa die Bahnlinien Ortrand--Ruhland--Hohenbocka--Kamenz

umrahmen, also von hier aus leicht und schnell zu erreichen.

Und dann noch einen Blick in die Genealogie des Schönburgischen

Hauskalenders, der mir als sächsischem Geschichtsforscher zur Hand

liegt. Der freundliche Gastgeber ist ein Glied der Fürstlichen

Linie Schönburg-Waldenburg und ein Vetter des jüngst verstorbenen

Prinzen Ernst, der mit seiner schon früher heimgegangenen Gemahlin

Helene auf der prächtigen Besitzung Gauernitz bei Meißen den Natur-

und Vogelschutz in vorbildlicher Weise pflegte, so daß ich und die

Freunde der Heimat alle Ursache haben, ihm ein dankbares und ehrendes

Gedächtnis zu bewahren. Die Liebe zur Natur scheint eine schöne

Familieneigentümlichkeit des uralten edlen Fürstengeschlechtes zu

sein. Die Reise verspricht also außerordentlich lohnend zu werden und

hocherfreut sage ich zu.

[Illustration: Abb. 2 =Guteborn, Kirche und Eingang zum Schloß=]

In der Morgenfrühe eines kalten Oktobertages breche ich denn auf,

voll von Erwartungen, und früh nach acht Uhr schon lande ich auf dem

Bahnhofe Ruhland. In ein Reich der Arbeit bin ich gekommen, ist doch

Ruhland ein Mittelpunkt des Niederlausitzer Kohlenbergbaues und der

Preßkohlenherstellung. Der große neuzeitliche Bahnhof, der zugleich

ein wichtiger Knotenpunkt ist, legt Zeugnis ab von dem ins Riesenhafte

gewachsenen Verkehr; das Städtlein freilich ist klein und unscheinbar

geblieben, die Häuser scharen sich verträumt um die Kirche und bieten

ein Bild, wie wir es in vielen kleinen Landstädten zu schauen gewöhnt

sind.

Lange Zeit bleibt mir nicht zu diesen Betrachtungen, bin ich doch aus

ganz anderen Gründen nach Ruhland gekommen und das prinzliche Geschirr

wartet vor dem Tore.

[Illustration: Abb. 3 =Guteborn, Schloßgarten mit südlichem Pavillon,

der das Archiv enthält=]

Im Trabe gehts zur Stadt hinaus dem Walde zu. Bald zeigt der

Grenzgraben an, daß ich mich auf Guteborner Besitz befinde. Der

Kutscher hat Auftrag, mich zunächst nach den weiten Waldwiesen

und an die baumbestandenen Teichufer zu fahren, damit ich aus der

Beschaffenheit des Bodens und der landschaftlichen Lage erkennen soll,

ob wohl Guteborn noch dazu geeignet ist, dem Storche eine Heimat zu

bieten. Der Versuch, den Storch anzusiedeln, kann immerhin gemacht

werden, wenn auch die Gegend nicht gerade als ideale Storchheimat zu

bezeichnen ist. Die weiten, zum Teil anmoorigen und sumpfigen, von

Gräben durchzogenen Wiesen und die verlandeten Teichufer würden dem

langbeinigen Froschliebhaber gewiß Nahrung in Fülle bieten; auch würde

er sich des besten Schutzes durch den prinzlichen Gönner erfreuen.

Wie ich bald erfuhr, darf in Guteborn nicht einmal auf einen Reiher,

geschweige denn auf einen Storch geschossen werden. Freilich sind

die für den Storch in Frage kommenden Nahrungsgründe von weiten

Wäldern umgeben und diese liebt der Storch nach meinen Erfahrungen

nicht allzusehr, wenn er sich auch als ungepaarter Vogel gern an den

Waldrändern aufhält. Und hinter den Wäldern wohnt die Industrie mit

hohen Schornsteinen, Lärm und Ruß und Rauch. Fast immer hält er eine

Gegend, in welcher die Industrie die Oberhand gewinnt, für ungastlich

und kehrt ihr darum den Rücken. Als günstig für die Ansiedelung des

Storches ist wieder der Umstand anzusprechen, daß der Guteborner Besitz

eine außerordentliche Größe hat und dadurch allein schon in seinen

Grenzen dem Storche ein friedliches und stilles Wohnen ermöglicht.

Mag darum auf einer der alten strohgedeckten Bauernscheunen im Dorfe

Guteborn, das mir jetzt zu Gesicht kommt, durch Aufbringen einer

Nestunterlage dem Storche die Möglichkeit zur Ansiedelung geboten

werden. Der prinzliche Storchfreund hat zwar auf den Nebengebäuden

des Schlosses bereits zwei einladende Storchnester herrichten lassen,

die von den Störchen wohl beachtet, aber bis jetzt nicht bezogen

worden sind. Anscheinend nehmen sie doch Anstoß an dem regen Leben im

Schloßhofe und in der Umgebung. Sollte die Ansiedelung auf einer der

abseits gelegenen Scheunen gelingen, so ist es vielleicht möglich, den

Storch auch an den regeren Verkehr zu gewöhnen und zum Beziehen eines

Nestes am Schlosse zu veranlassen.

Die Rappen halten im Hofe des hohen und stattlichen, von vier Ecktürmen

flankierten Schlosses Guteborn. Mit seinen zahlreichen schmucken

Nebengebäuden, von welchen die Schloßkapelle und der neu erbaute

Marstall besonders hervorgehoben sein mögen, bietet es das Bild eines

vornehmen Fürstensitzes, wie ihn nur das hohe künstlerische und

schöngeistige Empfinden eines uralten Hochadelsgeschlechtes erbauen und

pflegen konnte.

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band X, Heft 7-9 · 第 4 / 5 段