herzlichste und führt mich zum Frühstück in das Schloß. Wie nicht
anders zu erwarten, bieten die Innenräume Bilder des vornehmsten
und vollendetsten Geschmacks. Die hohe Schloßhalle birgt zahlreiche
Jagdtrophäen, darunter auch einen prächtigen Braunbären, den der Prinz
auf dem Besitz seines Vetters in Krain erlegt hat. Oft schon sind mir
Jagdtrophäen von glücklichen Weidmännern gezeigt worden, noch nie habe
ich aber das Empfinden gehabt, das mich hier in Guteborn beschlich, als
mir der hohe Gastgeber Erläuterungen zu seinen weidmännischen Schätzen
gab. Ein Bedauern klang aus seinen Worten; mir schien es fast, als
hätte es ihm schwere seelische Kämpfe gekostet, ehe er das tödliche
Blei auf das Tier sandte, als sei ihm das Tier im Leben unendlich viel
lieber gewesen, als jetzt als präparierte Trophäe. Wie himmelweit
erhaben erschien mir in diesem Augenblicke die hohe vornehme Gestalt
des Prinzen über so manchen anderen Jäger unserer Zeit. Ich hatte
das Richtige vermutet. Wie ich später erfuhr, findet der Prinz wenig
Gefallen am Weidwerk; er empfindet aber hohen Genuß am Beobachten der
freien Tierwelt, die in ihm einen vorbildlichen Schützer und Hüter
besitzt.
Der Prinz führte mich dann in den Park, der sich in einer Größe von
etwa zweihundert Morgen an das Schloß anschließt. Ich war erstaunt, auf
dem Sandboden der Herrschaft Guteborn einen derartigen prächtigen und
frohwüchsigen Naturpark mit gewaltigen Baumriesen zu finden; er dürfte
schwerlich seinesgleichen haben. Mit Recht ist er denn auch der Stolz
des Besitzers; mit Liebe wird er geschützt und gehegt und mit größter
Sorgfalt gepflegt, doch immer in einer Weise, daß Spuren menschlicher
Tätigkeit nicht zu bemerken sind. Der Park läßt nichts erkennen von
der zwingenden Hand des Menschen, vom Werkzeug des Gärtners oder
Forstmannes. Hier ist der Gedanke, daß die Natur durch Menschenhand
wohl gepflegt, aber nicht verschönert und verbessert werden kann, auf
das trefflichste durchgeführt. Als ein prächtiges Stück unberührter
Natur erscheint der Guteborner Parkwald, urwüchsig und herrlich wie am
ersten Tag. Wie kläglich nimmt sich doch dagegen ein im französischen
Geschmack gestutzter Park mit seinen gemarterten und geschundenen
Bäumen aus, den wir sonst meist neben den Schlössern zu schauen gewöhnt
sind.
[Illustration: Abb. 4 =Guteborn, Eingang zum Schloßhof, rechts die alte
Mühle=]
Dieses Prunkstück heimischer Naturschönheit ist des Prinzen ureigenstes
Reich. Wohl schwerlich gibt es wieder einen Schloßherrn, der mit den
Bäumen seines Parkes so vertraut ist, wie der Herr auf Guteborn.
Auf die Bäume, welche sich durch besondere Größe, prächtigen oder
eigenartigen Wuchs auszeichnen, macht er mich aufmerksam, auf besonders
schöne Baumgruppen, auf herrliche Durchblicke weist er mich hin, von
den Vögeln erzählt er mir, die in den Baumkronen wohnen und von dem
Hochwilde, das in seltener Vertrautheit durch den Park wechselt.
Es macht ihm Freude, wenn sich andere, für die Schönheit der Natur
empfängliche Menschen mitfreuen an seinem prächtigen Besitz, den
er nicht ängstlich abschließt gegen die Außenwelt, sondern für
Spaziergänger und Naturfreunde offen hält. -- Ein bunter Mischwald ist
der Park; Fichten, Kiefern, Weymutskiefern und Lärchen wechselten ab
mit Eichen, Linden und anderen Laubhölzern. Einige besonders prächtige
Stücke mögen herausgegriffen sein. Der Prinz maß mit mir den Umfang
mehrerer Bäume, die sich sowohl durch prächtigen gesunden Wuchs als
auch durch stattliche Größe auszeichneten. Wir fanden Fichten von
325 und 375 Zentimeter Umfang bei einem schätzungsweise gewonnenen
Höhenmaße von 45 bis 50 Meter und eine Kiefer von 272 Zentimeter
Umfang. Unter Berücksichtigung des mageren Sandbodens, worauf der
Baum steht, schätze ich das Alter der stärksten Fichte auf weit über
dreihundert Jahre; sie stand also jedenfalls damals schon, als die
Herrschaft vor drei Jahrhunderten in das Eigentum der Familie des
jetzigen Besitzers kam.
Bald kommen wir an eine weitere Sehenswürdigkeit. Inmitten einer Gruppe
alter Fichten und von Rhododendronbüschen umgeben liegt nahe einer
Waldwiese ein kleiner stiller Weiher, der von einem unsichtbaren Quell
gebildet wird. Die Wasserzuführung ist so stark, daß ein stattlicher
Bach aus dem Weiher abfließen kann, der verschiedene Teiche in der
Umgebung des Schlosses speist. Große grüne und braune Algen wachsen im
Becken des Weihers; ein Sonnenstrahl, der durch die Bäume bricht, läßt
sie aufleuchten im herrlichsten Samtgrün. Ein Böcklinsches Gemälde, ein
Heiligtum liegt vor unsern Augen. »Guteborn« hat der Prinz den Weiher
mit seiner verborgenen Quelle genannt.
[Illustration: Abb. 5 =Guteborn, Wirtschaftshof=]
Im Schloßparke wird natürlich nie ein Kahlhieb geführt, auch in den
übrigen, zweitausend Morgen großen Waldungen der Herrschaft Guteborn
wird mit Vorliebe zum Plänterbetrieb gegriffen. Die Eigenart der
Waldlandschaft bleibt dadurch erhalten, dabei sind niemals größere
Ungezieferschäden beobachtet worden.
Der Prinz stellte mir auch des Parkes treuen Hüter und fleißigen
Pfleger vor, einen Mann mit grauem Haar. Gar eigen wurde mir ums
Herz, als ich seine Geschichte hörte. In der Nähe geboren, war er
später jahrzehntelang Schutzmann in der Reichshauptstadt; dann zog’s
ihn wieder zurück nach der Heimat; Berlin hat nicht vermocht, die
Heimatliebe im Herzen dieses schlichten Mannes zu ertöten. Er fühlt
sich glücklich unter den Bäumen des ihm anvertrauten Parkes, er hat nun
erst gefunden, was ihm das Leben bisher versagte. Gäbe es doch noch
viele Menschenkinder, die auch in der Fremde die Fühlung mit der Heimat
nicht verlieren, die auch im Trubel der Großstadt nicht wurzellocker
werden in der Heimaterde. Es würde besser um uns stehen.
[Illustration: Abb. 6 =Quellteich der »Guteborn«=]
Mehrere Stunden noch brachte ich in Guteborn zu; es gab noch Vieles und
Schönes zu schauen; denn überall zeigt sich der Schönheitssinn und die
Naturliebe des Prinzen. Ich bin durch die Wälder gestreift und habe
mich darüber gefreut, daß hier trotz aller forstmännischen Sorgfalt
der Schönheitsgedanke noch Raum zur Betätigung gefunden hat. Auch die
Felder werden in dieser Weise gepflegt. Dafür nur ein Beispiel. Um eine
einförmige junge Obstbaumpflanzung zwischen den Feldern stimmungsvoll
zu beleben, ist sie durch eine Ginsterhecke verbunden; die Hecke dient
nicht nur zur Hebung der landschaftlichen Schönheit, sondern bietet
auch den Vögeln Unterschlupf und Nistgelegenheit.
Im Dorf Guteborn wird man Zeichen vom Schönheitssinn und den
Wohlfahrtsbestrebungen nicht vergeblich suchen, davon sprechen die
schmucken Häuser der herrschaftlichen Beamten und der prinzliche
Gasthof, dessen Innenausstattung eine Fundgrube für den Freund
der Volkskunde darstellt. Die Einwohner schätzen ihren Prinzen
außerordentlich hoch, hat er doch ein fühlendes Herz für ihre Nöte und
Sorgen. Das ist wohl selbstverständlich; wie könnte auch ein derartiger
Natur- und Tierfreund, ein so vorbildlicher Schützer der stummen
Kreatur gefühllos gegen seine Mitmenschen sein!
Den Höhepunkt meines Besuches bildete die prinzliche Familientafel, zu
der mich Seine Durchlaucht geladen hatte und eine Stunde anregendster
Unterhaltung, die sich daran anschloß. Ich erfuhr dabei auch, daß der
Prinz den Natur- und Heimatschutz nicht nur selbst in vorbildlicher
Weise pflegt, sondern auch die Natur- und Heimatschutzvereine
unterstützt und ihre Bestrebungen fördert.
Die Dämmerung brach herein als mich das prinzliche Geschirr wieder
hinaus fuhr in das geschäftige Leben und Treiben des Alltages. Vom
Waldrande warf ich noch einen Blick zurück auf das Naturparadies
Guteborn und das stolze Schloß, in dem der Mann wohnt, der im Gespräch
von sich sagte:
»Ich bin nur der Hüter, der oberste Beamte meiner Güter; ich habe nur
zu hüten, zu pflegen und zu erhalten für kommende Geschlechter!« --
Und wäre man noch so demokratisch gesinnt in heutiger Zeit, der einen
Wahrheit kann sich der ehrliche Mensch nicht verschließen: der hohe
und edle Sinn und das Verständnis für die Schönheiten der Heimat,
für den Schutz der heimischen Natur und der sie belebenden Geschöpfe
haben an unseren deutschen Fürstenhöfen immer die beste Pflegstätte
gefunden. Die meisten Glieder unserer deutschen Fürstengeschlechter
fühlten sich von jeher als berufene Hüter und Pfleger der Heimat- und
Naturschönheiten; sie haben gezeigt und zeigen es heute noch, daß sie
den Sinn des Wortes »Besitz verpflichtet« recht zu deuten verstehen!
[Illustration]
Löns als Jäger
Von _Edmund Scharein_
Binnen kurzem wird in der Lüneburger Heide unter voraussichtlich
großer Beteiligung zahlreicher Jäger und Naturfreunde das
Hermann-Löns-Denkmal, ein schmuckloser, gewaltiger Findling, der das
Bildnis des Dichters trägt, enthüllt. Dem Wunsch des Dichters und
wackeren deutschen Weidmannes ist damit nicht entsprochen. Denn er
bestimmt selbst:
Und geht es zu Ende, so laßt mich allein
Mit mir selber auf einsamer Heide sein;
Will nichts mehr hören, und nichts mehr seh’n,
Will wie ein totes Getier vergeh’n.
Auf meinem Grabe soll stehen kein Stein,
Kein Hügel soll dorten geschüttet sein,
Kein Kranz soll liegen da, wo ich starb,
Keine Träne fallen, wo ich verdarb.
Will nichts mehr hören und nichts mehr seh’n,
Wie ein totes Getier, so will ich vergeh’n;
Und darum kein Kranz und kein Stein,
Spurlos will ich vergangen sein.
Wüßte er aber, daß lediglich die Dankbarkeit deutsche Jäger zwingt, ihn
in dieser Weise zu ehren, und könnte er sehen, daß der Stein mitten
in der Lüneburger Heide, in der von ihm über alles geliebten Heide,
stünde, oben auf dem Wietzer-Berg, in einem Revier, in welchem er so
oft weidwerkend geweilt hat, ich glaube, er würde uns verzeihen.
Nicht nur die deutsche Literatur hat durch Löns’ frühen Tod einen
unersetzlichen Verlust erlitten, sondern auch die deutsche Jägerwelt.
Und gerade diese hätte seiner Anregungen heute mehr bedurft denn je.
Bei der gewaltigen Liebe zur Natur, die den Meister auszeichnete, bei
dem großen Interesse, das er den scheinbar nichtigsten Dingen in Feld
und Wald entgegenbrachte, ist es kaum zu verwundern, daß er nicht
Sportjäger geworden ist. Sportjäger weder im engeren, noch im weiteren
Sinne. Es kam Löns nicht auf reichliche Beute und Trophäen an. Er
liebte die Jagd nicht, weil sie die Möglichkeit bietet, alle möglichen
Kreaturen zu erlegen, sondern er liebte sie, weil er die Natur in Feld
und Wald beobachten, das Verhalten des Wildes studieren, weil er allen
Geschöpfen, die sich in der freien Gottesnatur aufhalten -- vom größten
Säugetier bis zum kleinsten Käfer -- ihre Geheimnisse ablauschen konnte.
Nur das Stück Wild, dessen Überlistung ihm nach vielen Mühen gelang,
machte ihm Freude. Ein Täuber, zu dessen Erlegung er viel Mühe
aufwenden mußte, konnte ihn mehr erfreuen, als ein mühelos erbeuteter
»Brunfthirsch«.
Löns, der in seiner langen Jägerlaufbahn viel geweidwerkt hat und der
sich mit bestem Erfolg den verschiedensten Wildarten gegenüber versucht
hat, hatte selbstverständlich große Strecken zu verzeichnen. Diese
waren aber lediglich bedingt durch seine hervorragenden jagdlichen
Fähigkeiten -- in der Handhabung der Waffe wie im Anschleichen war
er Meister; in der Kenntnis der Gewohnheiten und Eigentümlichkeiten
des Wildes war er nicht zu übertreffen -- und die Regelmäßigkeit, mit
welcher er der Jagd oblag.
Wie oft wird ihm die Freude vergällt beim Anblick des gestreckten
Wildes. Und nicht ohne Wehmut zieht er den grünen Bruch durch den
frischen Schweiß und steckt ihn an den verwitterten Jagdhut. So ist
denn der Abschluß der erfolgreichen Jagd, der die meisten Jäger
befriedigt, weil er sie an das Ziel ihrer Wünsche brachte, für Löns oft
eine Qual. Als er auf dem Abendstrich die tote Schnepfe -- die erste
des Jahres --, welche im dürren Farnlaub vor ihm liegt, aufhebt, ist
seine Freude hin, und der Lärm der Kraniche, welche seine Schüsse im
Bruch aus dem Schlaf gejagt haben, kommt ihm vor wie eine Klage und --
Anklage. Und in Erinnerung an den Abend während der Heimfahrt ist ihm,
»als hätte der rohe Schlußreim den Zauber dieses Tages verdorben«. Und
oft kommt diese Wehmut zum Ausdruck. Ob er den langersehnten stolzen
Auerhahn mitten im Minnegesang gefällt oder den roten Bock mit gutem
Blattschuß gestreckt hat, er stiehlt sich davon ...
Aber auch anderen Empfindungen begegnen wir bei dem Meister. Wie oft
wünscht er sich vor dem toten Bock, vor dem gestreckten Hahn einen
ähnlichen Tod! Ob er ahnte, daß ihm ein solcher beschieden sei? Viel
ist über diese Frage hin und her gestritten. Von vielen wird sie
verneinend beantwortet, während andere, die dem Dichter nahestanden,
sie bejahen zu müssen glauben. Wer will das entscheiden ...
Während Löns oft zögerte, den Finger krumm zu machen, dem stolzen
Wild gegenüber, konnte ihn nichts davon abhalten, die Nachsuche mit
der größten Gewissenhaftigkeit durchzuführen, und mochte sie noch so
beschwerlich sein. Aus Liebe zum Wild. Wie viel liegt ihm an einem
krankgeschossenen Stück. Der kranken Ricke, die den kranken Vorderlauf
schonend, sich mühsam vorwärts bewegt, trägt er nicht die Kugel an,
sondern stellt den Drilling auf Schrot um: »Sie soll den Knall nicht
vernehmen, die Kugel nicht spüren; sie hat genug ausgestanden drei Tage
lang«.
Mit diesen hervorragenden jagdlichen Tugenden, mit außerordentlich
ausgeprägtem weidmännischen Empfinden, verband Löns Fähigkeiten, wie
sie nur einige wenige, die in der Natur und mit ihr leben, aufzuweisen
haben. Der Winterkälte trotzte er so gut wie der Sonnenglut; Nässe und
Sturm konnten ihm die frohe Jägerlaune nicht nehmen. »Mir ist so, als
hörte ich hinter mir im fernen Moore die Nebelhexe lustig kichern, und
ich schwenke den schäbigen Hut und rufe ihr zu: Weidmannsdank, altes
Mädchen, hoioh!«
(Aus der »Ostpreußischen Zeitung«.)
Bücherbesprechung und Verschiedenes
_Oskar Schwär_: =Ahnengalerie=, Görlitz, Verlagsanstalt Görlitzer
Nachrichten und Anzeiger. Preis gebunden M. 18.--, broschürt M. 15.--.
Unser Lausitzer Erzähler hat diesmal die Straße ernster, seelischer
Probleme verlassen, und sich auf den blumigen Weg des Humors begeben,
wohin wir ihm in dieser sonst so leiderfüllten Zeit gern folgen. Wir
haben es nicht zu bereuen, ein guter Engel hat ihn diesen Weg geführt.
Unser herzliches Lachen dankt dem Dichter für die feinen lustigen
Geschichten und Charakterbildchen. Wir würden das Buch nach der
heiteren Stunde, die es uns geschenkt, nicht so befriedigt aus der Hand
legen, wenn uns hier nicht echter Humor in gesunden Dosen verabreicht
würde, Humor, der sich nicht in oberflächlichen Schnaken und Schnurren
erschöpft, sondern mancherlei Blicke in Seelentiefen gewährt. Auch
ein gefälliges kleines Lustspiel »Der Friedensstifter« enthält dieser
Blütenstrauß Lausitzer Humors. Dazu haben Autor und Verleger den ganz
ausgezeichneten Dresdener Künstler _Kurt Rübner_ gewonnen, der mit
trefflichem Stifte die lustigen Typen aufs Papier gezaubert hat.
Prof. ~Dr.~ Curt Müller, Löbau.
* * * * *
=Auf dem Wege zur Steppe?= Aus unserm Leserkreis wird uns geschrieben:
Eine Anfrage an die Herren Meteorologen! Allenthalben ist man jetzt
dabei, die noch in Deutschland vorhandenen Moore abzutorfen und
zum Zwecke der Gewinnung von Kulturland trocken zu legen. Liegt
hierin nicht eine ungeheure Gefahr für die zukünftige Gestaltung
unseres Klimas? Gehen wir dadurch nicht einer Periode entgegen,
in der ein reines Steppenklima bei uns herrschen wird? Schon
ist der Grundwasserstand allenthalben erheblich zurückgegangen.
Einerseits durch die Fassung von Quellen und Wasserläufen für die
Trinkwasserversorgung größerer Gemeinwesen, anderseits durch die
Regulierung aller Flußläufe, Beseitigung der Altwässer, Sümpfe,
Entwässerung nasser Wiesen und Felder, Beseitigung der Ufergebüsche,
dann auch durch die umfangreichen Abholzungen der Wälder, wie sie jetzt
stattfinden, überhaupt durch unsere ganze derzeitige Bodenkultur,
dazu nun jetzt auch noch die Entwässerung der Moore, die die letzte
Reserve an Bodenfeuchtigkeit in Trockenperioden noch darstellten!
Gerade die jetzige Hitze- und Trockenperiode drängt dazu, diese
Frage eingehend zu prüfen und die Herren »Wettermacher« zu Worte
kommen zu lassen, ob und wieweit eine Beeinflussung unseres Klimas --
insbesondere die Bildung örtlicher Gewitter und Niederschläge -- durch
die geschilderten Vorgänge verhindert oder beeinflußt werden dürfte.
Es wäre ein furchtbarer Irrtum, die Gewinnung von ein paar tausend
Hektaren kulturfähigen Landes als Gewinn zu buchen, wenn anderseits
Ernteverluste, wie sie uns jetzt bevorstehen, als Folge der oben
geschilderten Vorgänge angesehen werden müßten. Es wäre dann allerdings
höchste Zeit, diesem Vorgehen Einhalt zu tun.
* * * * *
=Altes Spielzeug.= Im Landesmuseum für Sächsische Volkskunst,
Dresden-N., Asterstraße 1, befindet sich eine Sammlung von Spielwaren
aus alter und neuer Zeit, die nicht nur den Besuchern der Sammlung viel
Freude macht, sondern auch wertvolle Anregung zu neuem Schaffen gegeben
hat. Die Museumsleitung (Hofrat Professor O. Seyffert) bittet nun alle,
die im Besitz von _alten_, handwerklich hergestellten Spielsachen sind,
die nicht mehr von Kindern benutzt werden, sie dem _Landesmuseum_ zu
stiften. Auch die kleinste Gabe ist willkommen, fügt sie sich doch
oft einem Ganzen ein. In Frage kommen allerhand Figuren, Soldaten,
Püppchen und Puppen, aber auch größere Stücke, Unterhaltungsspiele,
Schaukelpferde, Puppenstuben, Küchen usw. Ein Nachsuchen führt oft zu
großen Erfolgen, und was jetzt verstaubt und ohne Wert herumliegt,
kann im Museum Freude und _vielfachen Nutzen_ bringen. Die Portokosten
werden vom Museum zurückerstattet.
Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: =Werner Schmidt=;
Druck: =Lehmannsche Buchdruckerei=, beide in Dresden.
Preisausschreiben
Der Landesverein Sächsischer Heimatschutz, Dresden-A., Schießgasse
24, hat sich das Ziel gesetzt, die heimatliche Natur und die
Kulturdenkmäler nicht nur durch Verbote und Ankäufe zu schützen,
sondern in dem Herzen des Volkes diejenige Heimatliebe zu wecken,
die den besten Heimatschutz bildet. Er wendet sich deshalb an die
gesamte sächsische Schuljugend, an die Schüler und Schülerinnen aller
öffentlichen Volks- und Fortbildungs- und Fachschulen, aller höheren
Schulen mit einem Preisausschreiben.
Es sollen folgende Aufgaben in Aufsatzform behandelt werden:
1. von Schülern unter 14 Jahren (gleichviel welcher
Schulgattung!)
»Jugendwanderungen und Naturschutz«.
2. von Schülern über 14 Jahren:
»Was kann die Jugend für den Heimatschutz tun?«
Bedingungen:
1. Die Arbeit ist selbständig und möglichst auf Grund eigener
Erlebnisse und der heimatlichen Verhältnisse zu fertigen.
Wer Bücher benutzt, hat die Titel am Schlusse der Arbeit
anzugeben.
2. Die Arbeit ist auf geheftete Quartblätter zu schreiben.
Weißen Rand lassen.
3. Am Anfang der Arbeit sollen folgende Angaben stehen:
1. Schulort. 2. Genauer Name der Schule. 3. Klasse. 4.
Vor- und Zuname des Schülers. 5. Lebensalter des
Schülers.
4. Die Arbeit ist bis zum 31. Oktober d. Js. an die
Geschäftsstelle des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz,
Dresden-A., Schießgasse 24, einzusenden.
5. Preisgekrönte Arbeiten gehen in den Besitz des
Heimatschutzes über.
Nichtpreisgekrönte Arbeiten werden vernichtet, sofern der
Verfasser bei Einsendung nicht ausdrücklich Rückgabe
gewünscht hat.
Preise:
für Schüler und Schülerinnen unter 14 Jahren:
=1 Germania-Fahrrad= (Fabrikat Aktiengesellschaft vorm. Seidel
& Naumann, Dresden),
=1 photographischer Apparat= und =1 Projektions-Apparat=
(Fabrikat Ica Akt.-Ges., Dresden);
für Schüler und Schülerinnen über 14 Jahren:
=1 photographischer Apparat= mit Ernemann-Optik (Fabrikat
Ernemann-Werke Akt.-Ges., Dresden),
=1 Wanderer-Fahrrad= (Fabrikat Wanderer-Werke Akt.-Ges.,
Schönau-Chemnitz);
ferner: Sport- und Touristenkleidung, Rodelschlitten,
Schneeschuhe, Rucksäcke, Aluminium-Geschirr, Bücher
naturwissenschaftlichen Inhalts, sowie Veröffentlichungen
des Heimatschutzes.
Preisrichter sind die Mitglieder der Naturschutz-Abteilung des
Landesvereins Sächsischer Heimatschutz in Dresden
Die Namen der Preisträger und Preisträgerinnen werden in den
»Mitteilungen des Heimatschutzes« bekanntgegeben, auch behält sich
der Landesverein vor, einige der besten Arbeiten gegen Bezahlung zu
veröffentlichen.
Dresden-A. im Juli 1921
Schießgasse 24.
Landesverein Sächsischer Heimatschutz
Abteilung ~C~ Naturschutz
Vom Wandern und Weilen im Heimatland
Von =Gerhard Platz=
Dresden 1920
des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz Heimatbücherei
Band I
320 Seiten -- Großoktav
_Vorzugspreis für Mitglieder des Landesvereins Sächs. Heimatschutz
M. 12.--_
Seit vielen Jahren ist _Gerhard Platz_ unser treuer Mitarbeiter. Fast
in keinem Mitteilungshefte fehlte sein Name. Zahlreiche Zuschriften
aus unserem Mitgliederkreise zeugen von der Liebe und Verehrung, die
er sich in unserem Kreise erworben hat. Oft hören wir: Mit Platz
möchten wir wandern. So ist es verständlich, daß wir in dem ersten
Band unserer Heimatbücherei ihn zu Worte kommen lassen. Seine besten
Heimatschilderungen sind hier vereinigt. Das Buch ist nur noch in
wenigen Stücken vorhanden.
Landesverein Sächsischer Heimatschutz
Dresden-A., Schießgasse 24.
Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden-A.
Weitere Anmerkungen zur Transkription
Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die
Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht.
Korrekturen:
S. 182 Tirbler → Tribler
in dem {Tribler} Bach gewesen