Allein vergebens. Die Wand fiel trotzdem nicht, und man mußte nicht

nur neue Steifen setzen, sondern auch mit dem Hohlmachen noch weiter

vordringen. Nur drei Arbeiter wagten es für einen Lohn von 5-6 Mark

weiter zu schroten. Nun endlich, aber erst nach 14 Tagen, fiel

die Wand. Aus ihrem Innern kamen starke, dumpfe Schläge wie von

verhallenden Kanonenschüssen, zuerst in tagelangen Pausen, dann aber am

Tage vor dem Fall stärker und häufiger. Dann begann die Bewegung der

Wand. Loses Gestein rollte aus der Verlosung nach außen, dazu ertönte

im Inneren lautes Krachen. Das dauerte noch vier Stunden. Dann neigte

sich die kolossale, weit über eine Million Zentner enthaltende Wand

langsam unter donnerähnlichem Getöse, begleitet von hellen Flammen,

die durch die riesige Reibung abgleitender Teile entstanden, und fiel.

Große, dicke Staubwolken verhüllten minutenlang vorerst jeden Ausblick;

dann sah man den günstigen Ausgang, daß das Material für mehrere Jahre

genügte, um die weitestgehenden Ansprüche zu befriedigen. Den Schluß

bildete natürlich ein heiteres Arbeiterfest mit Bier, Zigarren und

schönen Reden.

[Illustration: Abb. 132. +Rathen.+

Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu Seite 133.)]

Aus diesen Teichsteinbrüchen stammen unter anderen die zwölf

Säulen zu dem neuen Gebäude der Kunstakademie auf der Terrasse,

jede dieser Säulen hat eine Höhe von 8 _m_. Zu dem Neubau

am Königlichen Schlosse zu Dresden wurden aus denselben Brüchen

auch zwei Blöcke geliefert, die jeder 638 Zentner wogen. Aus den

Postelwitzer Steinbrüchen stammt der weiße Stein zu den Schillingschen

Figurengruppen an der Terrassentreppe. Überhaupt sind alle monumentalen

Bauten in Dresden: die Augustusbrücke, die Frauenkirche, katholische

Hofkirche und Kreuzkirche, nicht minder der Zwinger und das Hoftheater

aus Sandstein gebaut. Der Stein von Cotta eignet sich wegen seiner

Feinheit und Weiche besonders zu größeren Luxusbauten und hat daher

ein Absatzgebiet, das weit über Deutschlands Grenzen hinausgeht. So

wurde 1738-1742 auch das königliche Schloß in Kopenhagen aus solchem

Sandstein errichtet. Der Cottaer Bildhauersandstein, mit gleichmäßig

feinem Korn, läßt sich leichter bearbeiten, ist aber auch leicht

zerstörbar. Im Gottleubatal von Goës bis Klein-Cotta und Dohna werden

in Steinsägewerken die Blöcke in Platten und Säulen zerschnitten und

finden ihren Absatz über ganz Norddeutschland bis Schleswig-Holstein

und Ostpreußen. Ihre Abfuhr erleichtern die beiden in Pirna

einmündenden Zweigbahnen von Berggießhübel und Groß-Cotta. Der Poster

Stein und der Teichstein werden wegen ihrer großen Härte und ihrer

Widerstandsfähigkeit besonders zu Wasser- und Bahnbauten geschätzt.

Härteres Material, gröberes Korn und größere Tragfähigkeit rühmt man

an dem Liebethaler Stein, er wird daher zu Mühlsteinen verwandt. Der

Stein aus den Kirchleiten bei Königstein ist dagegen wegen seiner

großen Dichte zu Trögen in den chemischen Fabriken beliebt. So sieht

man auch an der verschiedenen Verwendung des Quadersandsteines, wie

verschiedenartig das Gestein in den einzelnen Teilen des Gebirges ist.

[Illustration: Abb. 133. +Ernte bei Weißig.+

Liebhaberaufnahme von H. Engert in Dresden. (Zu Seite 136.)]

[Sidenote: Fabrikation künstlicher Blumen.]

Es bleibt nur noch kurz zu erwähnen übrig, daß sich in Sebnitz und

Umgegend und bis nach Schandau hinab die Herstellung künstlicher

Blumen zu einem blühenden Erwerbszweig entwickelt hat. In Schandau ist

sogar eine Fachschule für Blumenarbeiter gegründet. Die Ausfuhr dieser

Erzeugnisse nach Nordamerika belief sich 1895 schon auf mehr als 750000

Mark.

So haben wenigstens die beiden größten Städte der Sächsischen Schweiz,

Pirna und Sebnitz, eine Industrie, die ihren Namen über die Grenzen des

deutschen Landes hinaus bekannt gemacht hat. Denn aller Sandstein, der

versandt wird, heißt in der Fremde Pirnischer Sandstein. Und Sebnitz

hat neben älteren Gewerbszweigen durch die Herstellung künstlicher

Blumen einen erhöhten Handelsverkehr gewonnen. Übrigens sind die Städte

in unserem Gebiete nur als klein zu bezeichnen, denn keine erreicht

eine Bevölkerung von 20000 Seelen. Die meisten sind in ihrer Lage im

engen Elbtal oder in einem tiefen Seitental oder auf einer Felsenanhöhe

dermaßen beschränkt, daß an eine bedeutendere Ausdehnung nicht zu

denken ist. Einzig und allein Pirna ist einer größeren Ausdehnung

fähig. Daher kommt es, daß auch jetzt schon Pirna fast ebenso volkreich

ist, als die anderen Städte zusammen, nämlich 18300 Einwohner gegen

18900 Einwohner.

Zunächst mögen diese Städte hier der Größe nach aufgeführt und zugleich

ihre Volkszahl vor 100 Jahren in Klammern dahinter gesetzt werden.

Pirna zählte 1900: 18300 Einwohner (3660 im Jahre 1801), Sebnitz 8650

Einwohner (2320), Königstein 4270 Einwohner (1080), Schandau 3260

Einwohner (950), Wehlen 1400 Einwohner (670), Hohnstein 1320 Einwohner

(600).

Man sieht daraus, daß Pirnas Bevölkerung in 100 Jahren um mehr als das

fünffache, die von Sebnitz fast um das vierfache, Königstein um das

vierfache, Schandau um mehr als das dreifache gestiegen ist und Wehlen

und Hohnstein sich nur verdoppelt haben.

[Sidenote: Pirna.]

Pirna (Abb. 137) hat zweifellos die günstigste Lage, es lehnt sich

an das Sandsteingebirge, genießt aber auch alle Vorteile des offenen

Elbtalbeckens. Pirna hat schon im Mittelalter eine größere Bedeutung.

Wir haben schon bei der Schilderung Dresdens auf den alten Straßenzug

durch das Pirnische Tor und die Pirnische Straße hingewiesen. Gedeckt

war die Stadt im Mittelalter durch die über Pirna auf der ersten

Sandsteinhöhe thronende Feste Sonnenstein, die seit 1811 in eine

Irrenanstalt umgewandelt ist. Die Stadt hat eine lebhafte Industrie,

günstige Handelsverbindungen, da es im Knotenpunkt mehrerer Bahnen

liegt und ist in erfreulicher Blüte begriffen. Erst seit 1404 gehört

Pirna dauernd zur Markgrafschaft Meißen.

[Illustration: Abb. 134. +Steinbruch in der alten Posta.+

Gesprengte Wand, die aber nicht fiel, sondern sich nur gesetzt hat.

Liebhaberaufnahme von Hofgoldschmied P. Eckert in Dresden. (Zu Seite

141.)]

[Sidenote: Sebnitz.]

Sebnitz (Abb. 138), die zweite und ebenso gewerbreiche Stadt, liegt

gleichfalls am Rande der Sächsischen Schweiz. Trotz ungünstiger Lage

und schwieriger Verkehrsverbindungen, weil die Stadt nach allen Seiten

von hohen Bergen und Landrücken umgeben ist, hat Sebnitz doch immer

eine lebhafte Industrie entwickelt und für seine Erzeugnisse auch

Absatz gefunden. Ursprünglich herrschte hier wie weiter im Osten in der

ganzen Lausitz und in Nordböhmen die Weberei vor. Schon vor hundert

Jahren bezeichnete Götzinger den Ort von damals nur 2300 Einwohnern

als eine bedeutende Manufakturstadt Sachsens, wo besonders leinene

und halbseidene Waren verfertigt wurden und verschiedene von diesen

Artikeln unter dem Namen Sebnitzer Zeuge bekannt waren und wohl gar

im Auslande für französische Zeuge verkauft wurden; jetzt scheint nur

Leinwandweberei und Druckerei noch zu bestehen. Man hat sich einem

anderen Zweige der Industrie zugewandt, der Verfertigung künstlicher

Blumen, wofür sich Sebnitz dermaßen emporgeschwungen, daß es der erste

Platz dafür in Sachsen geworden ist. Daneben sind noch die Herstellung

von Papier und Knöpfen zu nennen.

[Illustration: Abb. 135. +Steinbruch in der alten Posta.+

Gefallene Wand.

Liebhaberaufnahme von Hofgoldschmied P. Eckert in Dresden. (Zu Seite

141.)]

[Illustration: Abb. 136. +Steinbruch in der alten Posta bei Pirna.+

Liebhaberaufnahme von Hofgoldschmied P. Eckert in Dresden. (Zu Seite

141.)]

[Sidenote: Königstein.]

Königstein verdankt seine Entstehung dem Schutze der die Stadt

überragenden Festung; die Stadt ist also jedenfalls jünger als

Sebnitz. In seiner Lage im engen Bielatal und am schmalen Elbstrande

hin für weitere Entwickelung beschränkt, war eine Ausdehnung nur in

bescheidenem Maße gestattet. Trotzdem hat sich diese Stadt weiter

entwickelt und bei wachsender Volkszahl auch neue Industriezweige

entfaltet. Wenn Götzinger zu seiner Zeit als Hauptnahrung Brennerei

und Viehmast, Schiffahrt und Steinbrechen nennt und darauf hinweist,

daß das im siebzehnten Jahrhundert so berühmte Königsteiner Bier kaum

noch gebraut werde, so finden wir statt dessen gegenwärtig bedeutende

Holzsägewerke und Schiffbau, Papier- und Zellulosefabrikation und

verschiedene Gewerbe, die sich mit der Verarbeitung und Verwendung

des Holzes beschäftigen. Der Erfinder der Holzschleiferei und des

Holzstoffes, Friedrich Gottlob Keller (1816 bis 1895), starb in

Krippen, wo ihm auf dem Kirchhofe ein Denkmal gesetzt wurde. Die

Inschrift auf dem Grabsteine Kellers lautet: „Hier ruht Friedrich

Gottlob Keller, geb. den 27. Juni 1816 zu Hainichen, gest. den 8.

September 1895 zu Krippen. Dem Erfinder des Holzschliffes in dankbarer

Anerkennung gewidmet von Mitgliedern des Sächsischen Verbandes

deutscher Holzschleifer und des Vereins Sächsischer Papierfabrikanten.“

Das Städtchen Königstein führte im Volksmunde auch den Spottnamen

Quirlequitsch. Derartige Hänseleien und auch Spottverse, womit die

„getreuen Nachbaren“ einander zu necken pflegten, waren auch an

der Elbe beliebt. Da hieß es von Schandau: „Meißnische Ehre und

Redlichkeit haben in Schandau ein Ende;“ und der Antiquarius des

Elbstroms fügt 1741 in biederer Gesinnung hinzu, damit man sich nicht

für die böse Seite des doppelsinnigen Ausspruches entscheide, daß das

Meißner Land bei Schandau zu Ende gehe und daß man daher unrecht tue,

wenn man diesen Ort zum Leitmeritzer Kreise und nach Böhmen rechne. --

Von der Armut der Hohnsteiner lautete der Denkspruch: „Wer sich will

in Hohnstein nähren, muß essen Schwämme, Pilze und Heidelbeeren.“ Die

Städte Stolpen, Neustadt und Sebnitz wurden summarisch abgetan mit den

Reimen:

Von Stolpen weht der Wind,

Zu Neustadt haben sie’n Bock geschindt,

Zu Sebnitz henkt man’s eigne Kind.

Auch Pirna blieb nicht ungeneckt, doch gehört der Spottvers erst

der neueren Zeit an, da die darin ausgesprochene Gleichstellung der

Insassen von Pirna und von der Irrenanstalt auf dem Sonnenstein erst

nach Errichtung dieser Anstalt 1811 entstehen konnte.

Am meisten hat aber wohl stets der Name Quirlequitsch für Königstein

heitere Zustimmung erfahren, auch wenn man sich die Entstehung des

Namens nicht klar gemacht hat. Ist man doch in satirischer Laune

sogar geneigt gewesen, das Wort aus dem Lateinischen „_querularum

quies_“ zu deuten. Das mag wohl auch den Satiriker Rabener veranlaßt

haben einen „Auszug aus der Chronike des Dörfleins Querlequitsch,

an der Elbe gelegen“, zu schreiben, der zuerst in den Belustigungen

des Verstandes und Witzes, 1742, erschien. Dieser Aufsatz enthält

keinerlei Beziehungen auf Zustände in der Stadt Königstein, sondern

soll nur, wie schon der Pfarrer Süßen in seiner Historie des Städtchens

Königstein 1755 vermutet, durch eine inventierte angenehme Erzählung

die Schwachheiten mancher Geistlichen kritisieren, welche diese bei

Abfassung von Chroniken an den Tag legen, wenn sie zuweilen mitten

in der Chronik anfangen zu predigen, oder sich sonst bei Erzählung

geringfügiger und fabulöser Dinge aufhalten, aber dabei wichtigere

Mitteilungen versäumen.

[Illustration: Abb. 137. +Pirna und der Sonnenstein.+

Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu Seite 147.)]

[Sidenote: Geschichte Klettenbergs.]

Sonst muß man leider bekennen, daß das Städtchen nie Gegenstand

besonderer Beachtung in der beschreibenden Literatur gewesen ist. Ganz

anders stand die Festung Königstein da (Abb. 139 u. 140). Sie wurde

schon eines Besuchs für wert gehalten, ehe noch die Schönheiten der

Sächsischen Schweiz erkannt worden waren und man scheute auch die

beschwerlichen Wege nicht, die von Dresden her auf die unbezwingliche

Burg hinaufführten. Es gab außer den eigentlichen Festungsanlagen

und der kriegerischen Ausrüstung noch mancherlei staunenswerte

Werke zu besichtigen; namentlich den tiefen Brunnen und das große

Weinfaß. Auch erfuhr man mancherlei über die bemerkenswertesten

Gefangenen, die hier, sei es mit Recht oder Unrecht, in den Kerkern

geschmachtet hatten. Unter diesen Gefangenen waren mehrere, die durch

ihre einflußreiche Stellung im Leben entweder eine beachtenswerte

Rolle auf der Bühne der Weltgeschichte gespielt hatten oder durch

Schwindeleien und Betrug ihre Freiheit und wohl gar das Leben

verwirkt hatten. Zu jenen zuerst genannten gehörte der unglückliche

Kanzler Nikolaus Crell, der nach zehnjähriger Gefangenschaft 1601 vom

religiösen Fanatismus dem Blutgericht überliefert wurde, und ferner

der livländische Edelmann Johann Reinhard von Patkul, der während des

Nordischen Krieges eine Zeitlang eine Vertrauensstellung bei August

dem Starken innegehabt hatte, aber im Altranstädter Frieden 1706

auf besonderes Verlangen Karls XII. an Schweden ausgeliefert und im

folgenden Jahre in Polen gerädert wurde. Zu der zweiten Gruppe gehören

der Abenteurer Johann Hektor von Klettenberg und der Geheimsekretär

Menzel. Klettenberg war in Frankfurt 1680 geboren, studierte auf

mehreren Universitäten und wurde, da er in einem leichtfertig

veranlaßten Zweikampf seinen Gegner erstochen hatte, in Frankfurt

zum Tode verurteilt, fand aber, indem er seine Wächter mit Opium

betäubte, Gelegenheit zu entfliehen und führte nun von 1710-1720 ein

Abenteurerleben, das ihn in vielen Städten des alten deutschen Reiches

bekannt machte, wo er sich für einen Adepten ausgab. Im Herbst 1713

trat er mit August dem Starken in Verbindung, den er bald durch seine

frechen Behauptungen, er verstehe die Kunst, unedle Stoffe in Gold

zu verwandeln, derart zu gewinnen und zu bestricken wußte, daß er

mit dem damals ungeheueren Gehalte von 1000 Talern monatlich in des

Königs Dienste genommen wurde, um durch seine geheime Kunst reichliche

Mittel zu schaffen für die mannigfachen kostspieligen Unternehmungen

und Feste des prachtliebenden Fürsten. Anfangs „arbeitete“ Klettenberg

in Dresden selbst, aber schon 1715 verlegte er sein Laboratorium nach

Senftenberg, wo er ganz ungestört sein Wesen treiben konnte. Er kam nur

gelegentlich noch nach Dresden. In Senftenberg, wo er sich Exzellenz

nennen ließ, wie er früher sich auch schon ganz unberechtigter Weise

den Rang und Titel eines russischen Oberst zugelegt hatte, ging

nun eine tolle Wirtschaft los. Von den Amtsuntertanen schrieb er

eigenmächtig Lieferungen aller Art aus: Schlachtvieh, Hühner, Eier,

Fische, Stroh und Holz verlangte er nach ganz geringen, in einer alten

Amtstaxe enthaltenen Preisen, die er nicht einmal bezahlte. Die

Klagen der bedrückten Untertanen, schreibt von Weber (a. a. O. X.

139), verhallten ungehört. Aus Senftenberg und Umgegend versammelte

Klettenberg einen zahlreichen Kreis um sich zu täglichen Schmausereien,

bei denen unmäßig getrunken wurde. Wüste Szenen spielten sich an

Buß- und Feiertagen auf offener Straße ab, widerliche Unflätereien

wurden öffentlich betrieben. Dabei entblödete sich Klettenberg nicht,

trotz seines hohen Gehaltes noch Geld zu unterschlagen und Schulden

zu machen. Das brach ihm den Hals. Im Januar 1718 wurde er wegen

Wechselschulden (18000 Taler) verhaftet. Den König hatte er immer

wieder mit Ausflüchten und leeren Versprechungen hingehalten, nachdem

für die Goldmacherei bereits 60000 Taler verausgabt waren. Nun kam

das Strafgericht. Klettenberg kam in Untersuchungshaft. Sein Gehalt

wurde monatlich von 1000 Taler zuerst auf 50 und dann auf 25 Taler

herabgesetzt und im Februar 1719 seine Abführung nach dem Königstein

befohlen.

[Illustration: Abb. 138. +Sebnitz.+ (Zu Seite 147.)]

[Illustration:

Nach einer alten Handzeichnung auf ¼ verkleinert.

Abb. 139. +Topographischer Plan der Festung Königstein.+ (Zu Seite

150.)]

Der Kommandant vom Königstein war Kyau, ein Mann, der durch seine

jovialen Einfälle sich eines gewissen Rufes erfreute, kam aber dem

Befehle, den Adepten sorgfältig bewachen zu lassen, nicht in vollem

Umfange nach und so konnte denn Klettenberg am 30. April einen

Fluchtversuch ausführen, wurde aber schon am nächsten Orte, Gorisch,

wieder eingefangen und weil er später einen zweiten Versuch wagte, sich

zu befreien, am 1. März 1720 hingerichtet.

Der zweite Sträfling, der sich die langjährige Gefangenschaft auf dem

Königstein durch seinen Verrat von Staatsgeheimnissen zugezogen hatte,

war der Geheimsekretär Friedrich Wilhelm Menzel, der die Abschriften

der Verträge zwischen Rußland und Sachsen und des Briefwechsels, den

Graf Brühl mit Rußland und Österreich unterhalten hatte, an Friedrich

den Großen in den Jahren kurz vor dem Siebenjährigen Kriege auslieferte

und dem preußischen Könige damit die Beweismittel in die Hand gab von

dem Vorhandensein eines geheimen gegen ihn gerichteten Bündnisses.

Friedrich der Große rechtfertigte seinen Einbruch in Sachsen 1756

damit, daß er diese Schriften veröffentlichte. Der Verräter wurde aber

später entdeckt und büßte seine Tat durch eine dreiunddreißigjährige

Gefangenschaft von 1763-1796.

[Sidenote: Der Brunnen und das große Weinfaß auf Königstein.]

Unter den Sehenswürdigkeiten auf dem Königstein verdiente natürlich der

unter Kurfürst August vollendete tiefe, wasserreiche Brunnen, von dem

schon berichtet ist, vor allem einen Besuch. Man zeigte den staunenden

Fremden aber nicht bloß die Tiefe dadurch, daß man von oben Wasser

hineingoß und darauf aufmerksam machte, wie viel Zeit vergehe, ehe das

Wasser den Spiegel unten im Grunde erreiche, aufschlage und der Schall

des Geräusches wieder herauftöne, sondern man ließ auch Lichter an

der Brunnenkette hinab, um an dem Immerkleinerwerden der Lichter die

ungeheuere Tiefe sehen zu können. Zu einer weiteren Ergötzlichkeit war

aber auch ein Gedicht verfaßt, das als eine Anrede des Brunnengeistes

an den Besucher gedacht war.

Vergänglicher als dieser für eine Festung unentbehrliche Wasserspender

war das andere Bauwunder der Felsenfeste, das große Weinfaß. Es

ist merkwürdig, wie seit dem Ende des sechzehnten Jahrhunderts

zwei Kurfürsten des heiligen römischen Reiches sich wetteifernd zu

überbieten suchten, wer das größte Weinfaß zu bauen im stande sei, und

doch war keiner von beiden des Reiches Mundschenk. Es waren dies die

Fürsten von der Pfalz und von Sachsen. Der Pfälzer begann und ließ

im Schloß zu Heidelberg 1586 ein Weinfaß bauen, das 1185 Hektoliter

faßte. Darauf entstand 1624 auf dem Königstein ein solcher Weinhälter

für 1450 Hektoliter. Das neue Heidelberger Faß von 1664 war auf 1651

Hektoliter berechnet; aber das neue Königsteiner vom Jahre 1680 faßte

2235 Hektoliter und kostete 20000 Mark zu bauen. Da aber dieses bald

baufällig wurde, so mußte der berühmte Erbauer des Zwingers in Dresden,

Daniel Pöppelmann, auf Befehl Augusts des Starken den Entwurf zu einem

noch größeren Weinfasse anfertigen, das dann 1725 fertig gestellt

wurde, 23000 Mark Baukosten verursachte und 2428 Hektoliter faßte.

Dieses neue Riesenfaß verlangte aber auch ein neues Haus und so belief

sich der Gesamtaufwand für diese Spielerei auf 40000 Mark. Im Jahre

1819 beschloß dieses Weingebäude sein fast hundertjähriges Leben und

wurde wegen Baufälligkeit abgetragen; auch sollten die Räumlichkeiten

der Magdalenenburg, in der sich das Faß befand, zu einem bombenfesten

Provianthause umgebaut werden.

Von der ganzen Herrlichkeit sind nur die Schnitzwerke, ein riesiger

Bacchus und allerhand Embleme und Zierat, übriggeblieben, die noch

gezeigt werden. Der Königstein hatte durch die wachsende Größe seiner

Fässer mehremal über Heidelberg gesiegt; aber der dichterische Ruhm

ist am Rhein geblieben. Das Heidelberger Faß wird in lustigen und

durstigen Liedern verherrlicht, vom Königsteiner „meldet kein Lied,

kein Heldenbuch“. Die Sänger sahen gewiß mehr auf den Inhalt als die

Form des Behälters.

[Illustration: Abb. 140. +Stadt und Festung Königstein.+

Nach einer Aufnahme von F. & O. Brockmanns Nachfolger R. Tamme in

Dresden. (Zu Seite 150.)]

Daß aber die Besichtigung aller Herrlichkeiten auf dem Königsteine

in früheren Zeiten kein billiges Vergnügen war, das hat uns Carl

Julius Weber, der bekannte Verfasser des immer noch gern gelesenen

„Demokrit“ verraten und zwar in seinen „Briefen eines in Deutschland

reisenden Deutschen“ (Stuttgart 1834, 2. Auflage. III. 68-70). Er

nennt den Königstein das Wunder Sachsens und meint: „Es gibt hier

allerlei Merkwürdigkeiten -- sehr unmerkwürdige Merkwürdigkeiten um

des Trinkgeldes willen -- höchst interessant aber bleibt die Runde um

den Felsen, in Begleitung eines Invaliden, wie der meinige, der mit im

Lager von Pirna war (1756) und Friedrich (dem Großen) ins Auge gesehen

haben wollte.“ (Weber hat zweimal die Festung besucht: 1802 und 1823 --

hier kann natürlich nur der erste Besuch gemeint sein.)

„Recht gern,“ erzählt unser Reisender weiter, „gab ich ihm den

verdienten sächsischen Konventions-Taler -- aber nun begannen

beispiellose Prellereien! Der Kerl muß geglaubt haben, meine

Achtgroschenstückchen seien Steinchen, die ich in der Sächsischen

Schweiz aufgelesen hätte. Ich mußte das Zeughaus sehen, ob ich gleich

versichert, daß ich von Berlin käme, und gab 8 gr. ‚Ja Herr! unter 16

gr. nicht!‘ Stolz gab ich noch zwei Achtgroschenstücke. ‚Nun haben

Sie einen Taler, und mehr kostet mich das Berliner Zeughaus nicht.‘

Am Brunnen wurde mir ein Glas Wasser gereicht -- 4 gr. Das große Faß

mußte ich auch sehen -- 4 gr. Ich mußte in die neuen Kasematten, und

da man hier nichts forderte, so glaubte ich, sie gehörten in das

Departement meines Führers, irrte mich aber sehr. Wir kamen an einen

Opferstock: ‚Legen Sie doch einen Groschen ein!‘ Gut! Wir kamen zu

einigen Arbeitern: ‚Geben Sie einige Groschen, wenn Sie nicht geschnürt

sein wollen!‘ Gut. Aber bin ich nicht schon genug geschnürt? Ein

Soldat, der den Schlüssel geholt hatte, erwartete seine 4 gr. -- Die

Wache, die meinen Namen hinaufgerufen, auf- und zugeschlossen und das

‚Kann passieren!‘ gerufen hatte, erwartete Gleiches. Aber nun kam mein

Meister Prellhans mit einer Nachforderung, als ich ihm ohne Dank den

Konventions-Taler in die Hand drückte. ‚Für die Kasematten, mein Herr!‘

Wie? Nun, hier sind noch 4 gr. ‚Wenigstens 8 gr., mein Herr.‘“

„So unverschämt geplündert, wie nirgendwo vor und nach, eilte ich vom

Königstein hinab und kam schneller als es sonst geschehen wäre, nach

Pirna -- kaum, daß mich die schöne Natur mit der Menschheit versöhnte!“

--

Derartige Szenen, wie sie Weber auf der Feste erlebt haben will,

gehören gegenwärtig natürlich der „guten alten Zeit“ an. Aber man darf

nicht vergessen, daß der Besuch derartiger Merkwürdigkeit, ebenso

wie der Besuch einer jeden Kunstsammlung in Dresden ähnliche Kosten

verursachte. In jedem Museum zahlte man dem Leiter der Sammlung, mochte

es ein Hofrat oder ein Professor sein, einen Dukaten und dem Aufwärter

einen Gulden. Der Begriff der Öffentlichkeit fehlte noch und die

Liberalität, die bereits in Paris oder Wien geübt wurde, war in Sachsen

noch nicht eingeführt.

[Sidenote: Schandau.]

Schandau (Abb. 141), in ähnlicher Lage wie Königstein an der Mündung

eines Nebenflusses und auf der schmalen Elbaue gelagert, hat zwar

noch mehr Raum als Königstein zu weiterer Ausdehnung; allein die Lage

der Aue ist so tief, daß der Ort mehr als alle anderen Städte den

Überschwemmungen und Hochfluten ausgesetzt ist. Magister Christian

Weiß bezeichnete Schandau im Jahre 1796 als eine kleine, aber sehr

schön gelegene und meist von Schiffern, Webern und Handwerkern

bewohnte Stadt. Die sehr schöne Lage ist der Stadt als natürliche

Mitgift geblieben und hat vor allem nach diesem Mittelpunkte der

Sächsischen Schweiz die Fremden hingezogen. Die ansehnliche Reihe

großer stattlicher Gasthäuser, die sich an der Elbe erheben, verleiht

der Stadt einen großstädtischen Anstrich. Kein anderer Ort kann sich in

dieser Beziehung mit Schandau messen, es ist auch für vornehme Gäste

nirgends in der Sächsischen Schweiz besser gesorgt als hier, sei es

zu kürzerem Besuch oder zu längerem Aufenthalt. Auch der Stadtteil im

Kirnitzschtal mit seinen Landhäusern und Gärten bis zu dem ehemals

mehr als jetzt besuchten Bade macht einen anmutigeren, freundlicheren

Eindruck als sonst eine Stadt an der Elbe. So ist Schandau die Stadt

des lebhaftesten Fremdenverkehrs geworden, dem keine andere den Rang

streitig machen kann. Wie bedeutend der Elbverkehr hier ist, an dem

sich die Stadt auch beteiligt, ist bereits erwähnt worden.

[Illustration: Abb. 141. +Schandau.+

Nach einer Aufnahme von F. & O. Brockmanns Nachfolger R. Tamme in

Dresden. (Zu Seite 156.)]

[Sidenote: Wehlen.]

Dresden und die Sächsische Schweiz · 第 13 / 16 段