und Felstürme wunderlich eckige oder höckerige Oberflächen (Abb. 114),
auf denen der Fuß nur schwierig einen festen Stand gewinnen kann;
oder es zeigen die Felstürme nicht eine abgerundete, abgeschliffene
Kopfform, wie sie bei den Mehlsäcken beschrieben sind, sondern es
bleiben Zacken, Widerhaken und abenteuerliche Spitzen stehen. Für
diese Gestaltung ist vor allem der Gorisch charakteristisch. „Die
Oberfläche der Felsenpfeiler ist nach Theiles Beschreibung in Über
Berg und Tal, 1887, S. 157, meist sehr uneben, an vielen Stellen mit
kegelförmig zugespitzten Höckern versehen oder zeigt Nachbildungen
von ganzen Gebirgslandschaften.“ Eine höchst seltsame, wohl einzig
in der Sächsischen Schweiz dastehende Bildung zeigt ein isolierter
Steinkegel (unterhalb der eigentlichen Tafel des Berges) in der Nähe
des westlichen Endes. Dieser Turm läuft oben in eine stumpfe Spitze
aus, die mit allerhand wunderlichen Felszacken und Spitzen besetzt ist.
[Illustration: Abb. 102. +Felsenturm an der Heiligen Stiege.+
Liebhaberaufnahme von Hofgoldschmied P. Eckert in Dresden. (Zu Seite
104.)]
[Sidenote: Auswitterungen und Höhlen.]
Die letzte Form dieser Art von Zerstörung der Felsmassen könnte man
schon als Auswitterung bezeichnen; allein im engeren Sinne soll
darunter der Angriff der Atmosphärilien auf die senkrechten Wände und
einzelne Steinblöcke bezeichnet werden, die durch raschen Wechsel der
Temperatur, durch anschlagenden Regen, durch einfressenden Nebel,
vielleicht auch durch anhaftende Moospolster verursacht werden können.
Es entstehen Aushöhlungen am Gestein, die bei weiterem Fortschritt zu
wirklichen Höhlen sich auswachsen können.
[Sidenote: Das Prebischtor.]
Vor allem sind die Schichtungsfugen der wagerechten Bänke den Angriffen
der Luft ausgesetzt. Reihenweise erscheinen die Aushöhlungen dann
nebeneinander, meistens in den höheren Teilen der Wände. Klein,
rundlich und von wenigen Centimetern Tiefe und Breite stehen sie da mit
gewölbter Decke und wagerechter Sohle, von der nächsten Höhlung oft nur
durch zierliche Pfeiler getrennt, die in ihrer Gestalt an Sanduhren
erinnern. Auch übereinander treten sie auf (Abb. 115). Wenn die
Pfeiler dann auch gefallen oder verwittert sind, vereinigen sich die
benachbarten Vertiefungen schon zu größeren Höhlungen. Beispiele dafür
bietet das Bild einer Felswand am Gorisch, rechts vom Aufstieg zur
Tafel des Berges; aber hier finden sich die Höhlungen ziemlich niedrig
an der Felswand. Weiter fortgeschritten sieht man solche Bildungen
auch am Quirl und hier namentlich die große Höhle des Diebeskellers,
die 29 _m_ tief in den Felsen eindringt. Und schließlich
können, wenn schmalere hochaufragende Felswände oder Felsmassen von
zwei entgegengesetzten Seiten in dieser Art von der Auswitterung
angegriffen werden, große Höhlen und Tore, wie der Kuhstall (Abb. 116)
und das Prebischtor entstehen, die als die berühmtesten ihrer Art
kleinen Nachbildungen wieder ihren Namen verliehen haben wie Kleines
Prebischtor, Großer und Kleiner Kuhstall auf dem Pfaffensteine,
wenn diese auch nicht auf dieselbe Art entstanden sind. Auch die
Kleinsteinhöhle (Abb. 117) gehört hierher. Man ist früher der Ansicht
gewesen, diese großen Höhlen seien durch Meeresbrandung ausgewaschen
und hat auch die schrägliegenden und gestürzten Sandsteinbänke an den
Nikelsdorfer Wänden mit den von der Brandung angegriffenen Klippen
an der See verglichen oder auf die Stufenabsätze am Teichstein und
am Prebischtor hingewiesen; allein wirkliche Spuren eines hier
vorhandenen Meeres in der Diluvialzeit sind nicht nachzuweisen und es
müßten, wenn die Höhlen durch Wellen und Brandung geschaffen wären,
dieselben doch in annähernd gleicher Meereshöhe liegen. Das ist aber
nicht der Fall. Das Prebischtor liegt 420 _m_, der Kuhstall 309
_m_, die Kleinsteinhöhle 325 _m_ überm Meer. Allerdings muß
zugegeben werden, daß das Prebischtor, statt durch Auswitterung, auch
durch Ausbrechen der lockeren inneren Quadern entstanden sein kann.
Jedenfalls bleibt dies Tor die merkwürdigste und sehenswerteste Bildung
im ganzen Sandsteingebiet und wird außerdem noch wegen seiner einzig
schönen Aussicht geschätzt.
[Illustration: Abb. 103. +Am Wildschützensteige.+
Nach einer Aufnahme von _Dr._ Trenkler & Co. in Leipzig. (Zu Seite
105.)]
Endlich gibt es noch eine Art von Auswitterung, die den Fels nur auf
der Oberfläche angreift, ohne ihn völlig umzugestalten. Es entstehen
dadurch an den Wänden schmale vortretende Simse oder wagerecht
verlaufende Leisten. Oder es bilden sich auf den höchsten Steinplatten
beckenförmige Vertiefungen, gleichsam rundliche Steinwannen, die eine
allzu geschäftige Phantasie für Opferbecken aus der Heidenzeit erklärt
hat, weil man an der Gestalt dieser Becken glaubte, die Arbeit von
Menschenhand zu erkennen. Häufig findet sich Wasser in diesen Becken,
wie auf dem Großen Zschirnstein, wo man diese Wanne das Rabenbad
genannt hat; auch auf dem Lilienstein findet man ein solches Becken,
das über 1 _m_ lang und 40 _cm_ tief ist.
[Sidenote: Die Auswitterung.]
Eine wirkliche Kleinarbeit trifft man aber an einzelnen Felsen
namentlich in höheren Lagen, wo die Oberfläche so zierlich durchlöchert
ist, daß man diese Auswitterungen mit Honigwaben oder mit einem Schwamm
verglichen hat. Häufig ist hier der Sandstein von einem eisenschüssigen
Bindemittel durchsetzt und rostbraun gefärbt, und wenn hier das Eisen
nicht den ganzen Stein durchdringt, sondern nur eine Oberflächenschicht
erfüllt, dann wird, da das Eisen sich am schnellsten zersetzt, nur
der Überzug durchlöchert, wie bei einer Filigranarbeit, und diese
fällt, wenn sich nach innen der Zusammenhang mit der Hauptmasse des
Steines verloren hat, ab und sinkt zu Boden oder kann sehr leicht
abgeschlagen werden. Als Beispiel für diese Art der Auswitterung geben
wir zwei Ansichten, erstens von einem Felsblock unmittelbar am Eingange
zur Götzinger-Höhle (Abb. 118). Hier ist die Oberfläche rostfarben
von Eisen durchsetzt und die Oberflächenschicht an manchen Stellen
schon abgefallen, so daß man den glatteren Fels sieht. Die zweite
Ansicht zeigt einen grauweißlichen Sandstein, die untere Felsbank am
Schuttkegel im Hochtal oberhalb des Großen Domes (Abb. 119). Hier wird
nicht bloß die Oberflächenschicht angegriffen, sondern die Auswitterung
dringt tiefer, die ausgewitterten Höhlungen sind verhältnismäßig größer.
[Illustration: Abb. 104. +Der Bloßstock, fälschlich Blaustock;
alleinstehender Felsen.+
Liebhaberaufnahme von Hofgoldschmied P. Eckert in Dresden. (Zu Seite
103.)]
Die Ursache dieser Art von Aushöhlungen ist noch nicht mit Sicherheit
gefunden. Gutbier schreibt dem Nebel die Ursache zu, und seine
Begründung hat viel für sich. Nach seinen Beobachtungen werden diese
Auswitterungen hauptsächlich am Fuß der Felsen angetroffen. „Diese Zone
ist unabhängig von der Höhe über dem Meere, unabhängig von gewissen
Schichten des Sandsteines, sie steht dagegen in genauester Beziehung
zu den sogenannten Fichtendickichten, zu der Höhe, in welcher junge
Nadelhölzer am dichtesten zusammengewachsen sind, tiefen Schatten
verursachen und jeden Luftzug verhindern.[2] In dieser Zone schlagen
sich an vielen Tagen im Jahre die Nebel nieder und können nicht
entweichen. Die Feuchtigkeit hängt sich in Tropfen an das Gestein und
wird zum großen Teile von demselben aufgenommen. Ein kieselig toniges
Bindemittel, wie in den meisten feinkörnigen Sandsteinen vorhanden,
widersteht am besten der Zerstörung; waltet aber der Ton vor, so
nimmt er begierig das Wasser auf, welches ihn mechanisch aufweicht
und ausführt; kalkiges Bindemittel wird durch die Kohlensäure im
Wasser zersetzt, ebenso wird der vorhandene Eisenocker ausgelaugt
und zur Zerstörung und Umbildung des Gesteines benutzt... Während
der Wintermonate verstärkt der Frost den Verwitterungsprozeß, indem
die kleinen Eiskristalle der eingedrungenen Feuchtigkeit das Gestein
auseinander treiben und zum Zerfallen bringen. Wie schwer außerhalb
der Nebelzone die ersten Anfänge der Verwitterung auf Felswände mit
frischem Bruch einwirken, zeigt eine hohe Wand an der Nordseite des
Pfaffensteines, welche sich durch helle Färbung vor ihren Nachbarn
heraushebt. Am 3. Oktober 1838 fand nämlich hier ein Felsensturz statt,
und die seit fast zwanzig Jahren bloßgelegte Wand hat ihre Farbe bis
jetzt (1857) noch nicht im mindesten verändert. Sie ist aber auch der
Wirkung aller Stürme bloßgestellt. Die architektonischen Verzierungen
an der Spitze des Höckerigen Turmes zu Meißen, welche gegen 500 Jahre
der Witterung ausgesetzt waren, haben kaum einen Zoll Stärke von außen
herein eingebüßt. Welche Zeiten werden nötig gewesen sein, um die
Felsensäule des Bieler Grundes aus dem Zusammenhange ihrer Schichten zu
bringen! Je mehr sie aus der ursprünglichen Verbindung heraustraten,
desto mehr wurden sie der Nebelzone, die überall in den Klüften
herrscht, entrückt, desto langsamer ging in den letzten Jahrtausenden
ihre Zerstörung von statten.“
[Illustration: Abb. 105. +Zuckerhut am Gabrielensteig im
Prebischgrunde.+
Nach einer Aufnahme von _Dr._ Trenkler & Co. in Leipzig. (Zu Seite
103.)]
[2] Daß aber in allen Gegenden unseres Gebirgslandes seit
Jahrtausenden viele Generationen der Nadelhölzer heranwuchsen,
mithin jeweilig überall am Fuße der Felsen Dickichte bildeten,
darüber wird niemand im Zweifel sein. --
VIII.
Die Steine und Felsenhöhen.
[Sidenote: Die Steine und Felsenhöhen.]
[Sidenote: Vergleich der Felsenhöhen rechts und links der Elbe.]
Was den spülenden Wassern der Elbe und ihren Zuflüssen, und was den
zersetzenden Einwirkungen der Luft auf dem Boden der Sandablagerungen
widerstand und im ganzen Gebirge durch seine auffälligen Gestalten und
seine Höhe vor allen den Blick auf sich zieht, sind die Felsenhöhen,
die nackten und zerrissenen Klippenreihen und die einzeln aufragenden
Steine. Ihre Höhe nimmt nach Norden ab; eine durch ihre Gipfelpunkte
oder Bergplatten gezogene Linie würde die allmähliche Neigung nach
Norden deutlich zum Ausdruck bringen. Aber es besteht doch ein
Unterschied zwischen den Bergen und Felsen rechts und links der Elbe;
ähnlich wie uns die Lagerung der Sandsteinbänke rechts der Elbe
wagerecht, links vom Strome nach Norden geneigt erscheint. Links
von der Elbe liegen die höchsten bewaldeten Bergplatten und einzeln
aufragende Steine, rechts die höchsten Basaltkuppen und zahlreiche
Felsenkessel und Klippenzüge. Wir wollen die höchsten und bekanntesten
Höhen hier einander gegenüberstellen.
Links der Elbe: Rechts der Elbe:
Schneeberg 721 _m_ Rosenberg 620 _m_
Großer Zschirnstein 561 _m_ Großer Winterberg 551 _m_
Kleiner Zschirnstein 471 _m_ Kleiner Winterberg 500 _m_
Papststein 452 _m_ Rudolfstein 486 _m_
Pfaffenstein 428 _m_ Lilienstein 411 _m_
Königstein 360 _m_ Basteifelsen 305 _m_
Über den Ebenheiten oder über den Fuß des Berges erheben sich diese
Höhenpunkte durchschnittlich etwa 200 _m_, mit Schwankungen von
120-270 _m_. Es sind das natürlich nur annähernd zutreffende
Zahlen, weil sich bei manchen dieser Berge der Fuß nicht sicher angeben
läßt. Die angesetzten Zahlen sollen nur eine allgemeine Vorstellung
davon geben, wie hoch sich über der umgebenden Landschaft die einzelnen
Felsenberge mit ihren Steilwänden erheben und welchen Einfluß diese
kühnen Formen auf das Landschaftsbild ausüben müssen, so daß sich die
Sächsische Schweiz dadurch schon in weiter Ferne von den Umrissen der
Lausitzer oder Erzgebirgischen Höhen durchaus unterscheidet.
[Illustration: Abb. 106. +Felsentor im Uttewalder Grund.+ (Zu
Seite 104.)]
[Sidenote: Der Hohe Schneeberg.]
Wir beginnen mit der Beschreibung der wichtigsten Berge auf dem linken
Elbufer. Der Hohe Schneeberg (Abb. 120) stellt eine von Südwest nach
Nordost gestreckte Bergplatte von fast 2 _km_ Länge und 700
_m_ Breite dar. Die Sandsteintafel, die ganz mit Wald, auch an den
Abhängen, bedeckt ist, neigt sich in der Richtung der Längserstreckung
und fällt vom höchsten Punkte im Süden, 721 _m_, auf 628 _m_
im Nordosten. Der Berg bricht allenthalben in Steilwänden in den ihn
rings umgebenden Wald ab, namentlich aber nach der Südseite, wo der
rasche kurze Abfall ins Tal des Eulaer Baches einen Höhenunterschied
von 500 _m_ ausmacht, während auf der Nordseite der Unterschied
höchstens 200 _m_ beträgt. Der Abfall nach Süden ist aber nicht,
wie bei den meisten „Steinen“, durch eine einzige senkrechte Felswand
erfolgt, sondern in mehreren Absätzen und es sind hier infolge der
großen Verwerfungsspalte am ganzen Südrande des Erzgebirges die
etwa 10 _m_ starken Sandsteinbänke unter einem Winkel von
fünf Graden nach Süden eingefallen. Im Jahre 1824 wurde auf der
höchsten Stelle des Berges ein Steinwürfel gesetzt mit der Inschrift:
_Monumentum astronomico-geometricum_. Er bildete also einen
wichtigen Knotenpunkt für die Landesvermessung von Böhmen. Östlich von
dem Denkstein erhebt sich seit dem Jahre 1864 ein hoher steinerner
Aussichtsturm, von dem aus man die schönste und umfassendste Aussicht
im ganzen Sandsteingebirge genießt; denn man hat von hier aus nicht
bloß das landschaftlich schönste Bild namentlich gegen das Böhmische
Mittelgebirge vor sich, sondern auch die belehrendste Rundsicht,
insofern man vier verschieden gestaltete Gebirge: Erzgebirge,
Mittelgebirge, Sandsteingebirge und Lausitzer Gebirge um sich erblickt.
Der südliche Abhang des Schneeberges ist an der tektonischen Bruchlinie
mit einem ausgedehnten Felsenmeere von mächtigen Sandsteinblöcken
überdeckt.
[Illustration: Abb. 107. +Tyssaer Wände nach Franzens Aussicht.+
Nach einer Aufnahme von Paul Heine in Dresden. (Zu Seite 105.)]
[Sidenote: Die Zschirnsteine.]
In einer Entfernung von 8 _km_ Luftlinie beginnt nun im Norden
vom Hohen Schneeberg die Zone der „Steine“. Die Zone erstreckt sich
von Südost nach Nordwest, hat eine Länge von etwa 16 _km_ und
eine Breite von 6 _km_ und liegt mit Ausnahme der von der Elbe
umflossenen Halbinsel des Liliensteins ganz auf dem linken Ufer
des Stromes. Meistens liegen diese Steine paarweise, wie der Große
und Kleine Zschirnstein, der Zirkelstein und die Kaiserkrone,
der Katzstein und der Müllerstein, Koppelsberg und Kohlbornstein,
Papststein mit Gorisch und Kleinhennersdorfer Stein (hier liegen
drei Steine zu einer Gruppe vereinigt), Pfaffenstein und Quirl,
Bernhardstein und Nickolsdorfer Stein, Große und Kleine Bärenstein.
Diese Steinpaare liegen stets nordsüdlich zueinander. Dabei ist der
südliche Stein höher als der nördliche, wenn auch in einzelnen Fällen
nur um einige Meter.
Getrennt voneinander durch das tiefe Elbtal und einsam liegen die
beiden Stromwächter Königstein und Lilienstein.
[Illustration: Abb. 108. +Eingang zur Götzinger-Höhle (Diebeskeller)
am Bärenstein.+
Liebhaberaufnahme von Marine-Oberstabsarzt _Dr._ Ruge in Kiel. (Zu
Seite 106.)]
Der Große Zschirnstein (561 _m_), der höchste Sandsteingipfel in
Sachsen, bildet fast eine rhombische Gestalt mit der Längsachse von
Südost nach Nordwest und erhebt sich von allen Seiten in steilen, zum
Teil überhängenden Wänden. Die Bergplatte ist etwa 1 _km_ lang
und im Norden etwa 40 _m_ niedriger als im Süden. Der Buchenwald
auf der Höhe deutet auf das Vorkommen von basaltischem Gestein. Es
ist Dolerit, ein Feldspatdolerit, der gelegentlich in Feldspatbasalt
übergeht, aber sich nicht in Säulen absondert. Der Sandstein ist
grobkörnig und arm an Versteinerungen. Die Aussicht von seiner Höhe
gehört durch die prächtige Gruppierung der ihn umgebenden Berge und
Felsenhöhen zu den reichsten und reizendsten in der Sächsischen
Schweiz, daher manche sie auch jener vom Großen Winterberge, der nur
10 _m_ niedriger ist, vorziehen. Der Kleine Zschirnstein (471
_m_) fällt nur gegen Norden in steilen Wänden ab. Nordöstlich
vom Zschirnstein liegen, in der Luftlinie nur einen Kilometer von der
Elbe entfernt, der Zirkelstein (385 _m_) und die Kaiserkrone (358
_m_), beide nur noch Trümmer ehemaliger Tafelberge, aber weil von
offenen, etwa 270 _m_ hohen Ebenheiten umgeben, weithin sichtbar
und immer eine charakteristische Erscheinung in der Landschaft. Der
Zirkelstein ist nur noch ein bewaldeter Felsturm, der in zwei Absätzen
aufgebaut ist, so daß man auf der unteren Stufe ganz um den Felsen
herumgehen kann, der sich als oberer Absatz noch 42 _m_ hoch als
steile Wand erhebt und in einer Schlucht erstiegen wird. Von Odeleben
meinte, der so einzig und sonderbar gestaltete Zirkelstein könnte dem
Mathematiker und Geometer als Symbol dienen.
[Sidenote: Kaiserkrone, Papststein und Gorisch.]
Die Kaiserkrone ist bis auf drei einzelne Felsspitzen zertrümmert,
die in der Ferne eine gewisse Ähnlichkeit mit einer einfachen Krone,
aber nicht mit einer Kaiserkrone haben mögen. Früher hieß der
Felsen Galitzstein, ein Name, der erst im neunzehnten Jahrhundert
verdrängt wurde. Beide Felsen bestehen aus grobkörnigem Gestein, ihre
Zertrümmerung muß dem ehemaligen Elblauf, dessen Spuren wir weiter
westlich noch im Cunnersdorfer Tal finden, zugeschrieben werden.
Nordwestlich von ihnen erheben sich die drei Steine: Papststein (452
_m_), Gorisch (448 _m_, Abb. 121 u. 122) und Kleinhennersdorfer Stein
(395 _m_). Von ihnen sind die beiden ersten einer kurzen Beachtung
wert. Die Paßhöhe der Straße, die zwischen diesen Bergen hindurchführt,
beträgt 350 _m_, die „Steine“ an beiden Seiten ragen also nur 100 _m_
darüber hinaus und sind daher in einer Viertelstunde von der Straße aus
bequem zu ersteigen. Die Felsbildungen auf dem Papststein bieten nichts
Eigentümliches; aber der Berg wird vornehmlich seiner Aussicht wegen
besucht; er trägt seinen Namen nach dem nahegelegenen Orte Papstdorf
und wurde, seitdem der sächsische Prinz und Mitregent, später König
Friedrich August, ein großer Naturfreund, 1830 oben gewesen war, bequem
zugänglich gemacht und erhielt 1852 einen Aussichtsturm. Die Ausblicke
sind durch den Vordergrund bewaldeter Felsberge in der Nähe malerischer
als vom Gorisch oder Pfaffenstein. Man könnte den Papststein ein Idyll
nennen, lieblicher, traulicher als die anderen Felsennachbarn. Die
Rundsicht dagegen vom Turme aus umfaßt zwar den ganzen Gesichtskreis,
ist dadurch lehrreich, aber eigentlich nicht schön.
Einen ganz anderen Charakter zeigt der Gorisch, der sich südlich vom
Dorfe Gorisch erhebt. Er hat im Grundriß fast dreieckige Gestalt
und wird durch eine von Nordwest nach Südost gehende Kluft in zwei
Teile getrennt, von denen der nördliche mehr als doppelt so groß
als der südliche ist. Außerdem ist früher (S. 103) schon darauf
aufmerksam gemacht, daß der ganze Felsberg auch noch durch zahlreiche
Spalten in der Richtung von Südwest nach Nordost zerschnitten ist.
Die Sandsteinmasse hat der Verwitterung gegenüber einen ungleichen
Widerstand geleistet. Es ist auf den oberen Bänken nur wenig Humus
gebildet worden, meist sind die höckerigen und seltsam ausgewitterten
Platten der Oberfläche ohne Pflanzenwuchs und so rauh und uneben, daß
man nicht darüber hingehen kann. Die wunderlichen Felsgebilde haben
ebenso wunderliche Namen, wie Schildkröten, Hundsköpfe, ruhende Löwen,
Vögel, Drachen u. s. w. veranlaßt. Nach dem Westende zu sieht man auf
einer Felsplatte, die wie mit lauter kleinen Pyramiden besetzt zu sein
scheint, auch die Riesenmaske eines menschlichen Gesichts (natürlich
etwas verzerrt) liegen. Besonders schön ist der Berg an seiner
Ostseite; tief unten an den Felswänden finden sich jene zierlichen
Höhlenbildungen, wie man sie auch an der Nordseite des Königsteins
antrifft. Der Basalt tritt an der Ostseite des Schuttkegels zu Tage,
und hier findet man auch die Nachbildung der Basaltsäulen von Sandstein
geformt. -- Die Zerrissenheit der ganzen Felsmasse, die wildrauhen
Verwitterungsflächen und die Schwierigkeit, einen bequemen Platz zum
Umschauen zu gewinnen, haben lange Zeit von einem Besuch des Berges
abgehalten, bis er im Jahre 1886 bequem zugänglich gemacht wurde, so
daß er nun gerade wegen seiner von anderen Felsbergen abweichenden
Erscheinung, seinen seltsamen Verwitterungen und einzelnen fesselnden
Landschaftsbildern häufiger besucht wird.
[Illustration: Abb. 109. +Der Naundorfer Bärenstein mit schräger
Klüftung, rechts schräge und senkrechte Klüftung wechselnd.+
Liebhaberaufnahme von Marine-Oberstabsarzt _Dr._ Ruge in Kiel. (Zu
Seite 108.)]
[Illustration: Abb. 110. +Im Tal oberhalb des Großen Domes.+ Unten
+horizontale+ Bänke, darüber in der Mitte +schräge+ Klüftung,
links davon +senkrechte+ Klüfte.
Liebhaberaufnahme von Marine-Oberstabsarzt _Dr._ Ruge in Kiel. (Zu
Seite 109.)]
[Sidenote: Der Pfaffenstein.]
Das Gegenstück zum Gorisch bildet in vieler Beziehung der Pfaffenstein
(Abb. 123). Er ist in seiner Weise ebenso originell wie der Gorisch,
wird aber weit mehr besucht, weil er bei weiter fortgeschrittener
Zerklüftung und Verwitterung bereits die mannigfachsten Formen
zusammengebrochener Wände und dadurch entstandener Höhlen und einzelne
stehengebliebene Felstürme zeigt. Die Oberfläche der Felstafel ist
bedeutend umfänglicher als die des Gorisch und bietet viel eher
Gelegenheit zur Errichtung von Hütten und Häusern, und doch ist
auch der Pfaffenstein erst in der zweiten Hälfte des neunzehnten
Jahrhunderts mehr besucht, seitdem sich oben eine Bergwirtschaft, jetzt
ein stattliches Gasthaus, befindet. Man hat auch in der Sächsischen
Schweiz die alte Erfahrung gemacht, daß, so gering auch die relativen
Erhebungen der Felsberge über den Ebenheiten sind, doch jene Berge
wenig besucht werden, auf denen dem „erschöpften“ Wanderer nicht eine
leibliche Erfrischung in Aussicht steht. Die gegenwärtige Gestalt
des Pfaffensteins mit seinen zahlreichen Klüften, durch die man sich
hindurchzwängen mag, mit seinen Felsenengen und Toren, durch die
man kriechen kann und dazu dem überraschend reichen Pflanzenwuchs
ist vor allem der sehr starken Verwitterung zuzuschreiben. Infolge
stärkerer Tonbeimischung ist der Pfaffenstein stärker +ver+wittert
als +aus+gewittert. Daher sind die Klüfte wesentlich weiter,
vielfach auch bequem zu durchwandeln. Häufig sind die Klüfte zu
förmlichen Felsenkesseln erweitert. Blöcke sind hineingestürzt, oder
die Gesteinsschichten sind schief gestellt. Die so entstandenen
grotesken Höhlen bilden natürlich einen „Kuhstall“. Anderswo sind die
Schichtfugen der Bänke durch den Einfluß der Verwitterung dermaßen
erweitert und damit der Verband der Steinlager gelockert, daß die
mächtigen Felsmauern der Außenseite zusammengebrochen sind und die
Riesenblöcke nun über den Schuttkegel des Pfaffensteins zerstreut
liegen. Die größten dieser Blöcke, größer als am Gorisch oder
Papststein, liegen an der Westseite, an der Wetterseite des Berges.
Die starke Verwitterung auf der Hochfläche des Steines hat oben den
tiefsten, zum Teil moorigen Boden geschaffen, den wir nur auf den
Bergplatten des Sandsteingebirges antreffen. Auf diesem tiefgründigen
Boden hat sich eine üppige Pflanzenwelt angesiedelt: Eichen, Buchen,
Birken, Ebereschen, Tannen, Fichten, Föhren und darunter üppiges
Heidekraut. Der gute Boden hier oben muß schon in ältester Zeit
Ansiedler angelockt haben, denn nur hier allein sind die deutlichen
Spuren von Ansiedelungen in der jüngeren Steinzeit gefunden. Seiner
Natur nach hätte man ähnliches auch auf dem Königstein erwarten können;
allein auf seiner seit Jahrhunderten bewohnten Hochfläche sind die
ältesten Spuren längst unkenntlich geworden. -- So bietet also der
Pfaffenstein in seiner jetzigen, allenthalb bequem zugänglich gemachten
Natur wiederum etwas durchaus Eigenartiges, das sich auf den anderen
Steinen nicht findet.
[Illustration: Abb. 111. +Aussicht von den Schrammsteinen.+
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu Seite 110.)]
[Sidenote: Der Königstein.]